Schmerzen am Innenknöchel: Ursachen, Diagnose und Therapie

Schmerzen am Innenknöchel können mit oder ohne Schwellung auftreten. Um chronische Folgen zu vermeiden und eine richtige Therapie einzuleiten, ist es wichtig, die genaue Ursache zu kennen. Die Experten von Lumedis in Frankfurt sind auf die Therapie von Knöchelpathologien spezialisiert und bieten eine umfassende Therapie, einschließlich individuell angepasster Therapiepläne.

Dieser Artikel wurde durch Dr. Bela Braag zuletzt überarbeitet.

Was sind Schmerzen am Innenknöchel ohne Schwellung?

Viele Menschen fragen sich: "Warum tut mein Fuß an der Innenseite ohne Schwellung weh?" Schmerzen am Innenknöchel ohne Schwellung können verschiedene Ursachen haben.

Mögliche Ursachen für Schmerzen am Innenknöchel ohne Schwellung

Überlastung

Überlastungen sind eine häufige Ursache für Schmerzen im Bereich der Knöchel, insbesondere des Innenknöchels. Ungeübte, die zu lange stehen, gehen oder laufen, oder Sport über ihre Grenzen hinaus betreiben, können Schmerzen im Bereich des Innenknöchels verspüren. Dies liegt daran, dass die Kräfte, die auf das Sprunggelenk wirken, nicht ausreichend von den Sehnen, Bändern und Muskeln des Fußes abgedämpft werden können. Es handelt sich also um Reizungen der Strukturen, die zu Schmerzen führen.

Fehlbelastung

Auch eine langfristige Fehlbelastung der Füße kann zu Beschwerden und Schmerzen im Innenknöchel führen. Fehlbelastungen entstehen meist durch unbemerkte Fehlstellungen der Füße, wie sie bei einem Knick-Senk-Spreizfuß oder Hohlfuß vorliegen können. Auch Beinlängendifferenzen können zu zunächst unbemerkten Fehlbelastungen mit daraus resultierenden Schmerzen am oberen Sprunggelenk und am Innenknöchel führen. Laufbandanalysen und EMG-Untersuchungen sind diagnostische Maßnahmen, mit denen man eine Fehlbelastung feststellen kann.

Laufbandanalyse

Bei der Laufanalyse wird der Patient barfuß auf ein Laufband gestellt und gebeten zu gehen und zu laufen. Eine Kamera zeichnet die Bewegung auf und errechnet computergestützt eine entsprechende Fehlbelastung. Die Fußspezialisten von Lumedis passen die Übungen individuell auf Basis der Daten der Laufanalyse an.

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Elektromyogramm (EMG)

Ein Elektromyogramm dient ebenfalls der Diagnosestellung von Fehlbelastungen. Hier werden durch aufgeklebte Elektroden elektrische Impulse in den Muskeln in Ruhe und bei Belastung im Seitenvergleich getestet. Spannungsdifferenzen deuten auf eine Fehlbelastung der entsprechenden Muskelpaare hin.

Entzündung

Entzündungen von Strukturen im Bereich des Innenknöchels resultieren meist aus einer Überlastung oder chronischen Fehlbelastung. Betroffen sind oft Bänder, Sehnen oder Muskeln, die gereizt werden oder sich entzünden und dann zu Schmerzen an der Innenseite der Knöchel führen können. Besonders die Entzündung der Sehne des M. tibialis posterior ist häufig.

Entzündung der M. tibialis posterior Sehne

Die Sehne des M. tibialis posterior verläuft genau an der Innenseite des Knöchels entlang. Ihre Aufgabe ist die Fußhebung sowie auch das Heben des inneren Fußrandes. Bei einer chronischen oder stark akuten Überlastung des Fußes, wie z.B. beim Joggen, kann es zu einer Entzündung dieser Sehne kommen. Neben den Schmerzen, die an der Innenseite des Knöchels ohne erkennbaren Grund entstehen, kommt es meistens auch zu einer deutlichen Bewegungsbeeinträchtigung, die zum einen den eigentlichen Schmerzen geschuldet sein kann, aber auch durch eine verminderte Beweglichkeit von den entsprechend am Knöchel verlaufende Sehnen und Muskeln herrühren können. Besteht diese Sehnenscheidenentzündung länger, wird das auch als Tibialis posterior Syndrom bezeichnet.

Unfall

Unfälle, vor allem Umknickverletzungen, können ebenfalls zu lang anhaltenden Schmerzen an der Innenseite der Knöchel führen. Chronische Bandverletzungen am Innenknöchel (Verletzung des Deltabandes) können zu Schmerzen auf der Innenseite am Sprunggelenk führen. Sportarten wie Skisport oder Ballsport sind prädestiniert dafür, dass es zu einer Verletzung des oberen Sprunggelenks mit daraus verursachten Schmerzen der Knöchel und auch der Innenknöchel kommen kann. Bei sehr starken Schmerzen und Beweglichkeitsstörung sollte eine Innenknöchelfraktur ausgeschlossen werden.

Weitere Ursachen

Tarsaltunnelsyndrom

Das Tarsaltunnelsyndrom ist ein eher seltenes Einklemmungs-Syndrom des Schienbeinnervs am Innenknöchel. Der Tarsaltunnel ist eine Durchtrittsstelle hinter dem Innenknöchel für Nerven und Gefäße, die zur Fußsohle verlaufen. Der Tarsaltunnel wird durch einen Knochenfortsatz am Knöchel und einem festen Band, dem Retinaculum, gebildet. Ähnlich wie beim Karpaltunnelsyndrom gibt es einige äußere Ursachen, die ein Tarsaltunnelsyndrom auslösen können, in den meisten Fällen entsteht die Engstelle jedoch durch andere Faktoren, die nicht sofort oder gar nicht erkennbar sind, wie eine Verdickung des Sehnengleitgewebes der Sehnen, die ebenfalls durch diesen Kanal laufen. Äußere, erkennbare Ursachen beinhalten den Knick-Senkfuß, Ödeme und Schwellungen z.B. nach Sprunggelenksdistorsion, Arthritis, Diabetes, Rheuma, Krampfadern, Narbenbildungen nach einem Unfall oder Fehlstellungen des Sprunggelenks nach Knochenbrüchen oder durch Arthrose im Sprunggelenk. In der Folge ist eine chronische Druckschädigung des Schienbein-Nerven.

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Symptome des Tarsaltunnelsyndroms

Typische Symptome sind stechende und vor allem brennende Schmerzen am Innenknöchel mit Ausstrahlung in die Wade, die Ferse und den Fuß, teils auch Sensibilitätsstörungen, verminderte Schweißsekretion und Muskelschwächen. Die Symptome des Tarsaltunnelsyndroms sind einschießende Schmerzen im Fuß, Taubheit, Kribbeln oder auch Gefühlsstörungen innen an der Fußsohle, zum Teil bis in die Zehen, teilweise auch am Fußrücken. Die Beschwerden können wechselnd sein, sie treten teilweise nachts oder auch unter Belastung auf.

Ursachen des Tarsaltunnelsyndroms

Ausgelöst wird das Tarsaltunnelsyndrom meist durch mechanische Kompressionen (Einklemmungserscheinungen) oder auch funktionelle Überlastungen sowie durch Nervenerkrankungen, entzündliche oder selten auch tumoröse Veränderungen. Konkrete Beispiele sind:

  • Knöcherne Veränderungen nach Brüchen am Innenknöchel, Sprungbein und Fersenbein
  • Bandverletzungen am Innenband und inneren Kapselbandapparat
  • Verletzungen der im Tarsaltunnel befindlichen Strukturen
  • Funktionelle Überlastungen zum Beispiel beim Joggen (sogenannter Joggerfuß)
  • Funktionelle Überlastungen zum Beispiel bei starkem Knickfuß
  • Entzündliche Reaktionen bei rheumatoider Arthritis
  • Entzündliche Reaktionen des Kapselbandapparates bei Sprunggelenksarthrosen
  • Raumforderungen durch zusätzliche Gefäßbündel, Ganglien oder Tumoren der Nerven
  • Raumforderungen durch Verdickung der angrenzenden Muskeln und Sehnen
  • Entzündliche Reaktionen der Nerven bei Diabetes mellitus, Gicht, Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), Fettstoffwechselstörungen und anderen Ursachen
  • Als Folge einer Komplikation bei einer medizinischen Behandlung, vor allem nach operativen Eingriffen
  • Postoperative Folgen durch Schwellungen, Narben etc.
  • Anlagebedingt (etwa 20 Prozent der Fälle)

Diagnose von Schmerzen am Innenknöchel

Die Schmerzen, die durch verschiedene Ursachen im Bereich des Innenknöchels entstehen, werden meistens als ziehend oder schneidend beschrieben. Meistens sind sie bei Bewegung auslösbar oder zu verstärkern. In Ruhe hingegen klingen die Schmerzen meistens ab. Manchmal kann es aber auch vorkommen, dass auch im Ruhezustand die Beschwerden auftreten können. In aller Regel sind die Schmerzen sehr lokal an der Innenseite des Knöchels begrenzt.

Zunächst wird der Behandler den Patienten befragen, um die Art und Lokalisation der Schmerzen zu bestimmen. Danach wird der Knöchel untersucht, betastet und der Fuß bewegt, um zu sehen, ob bei bestimmten Bewegungen der Fuß schmerzhafter ist als bei anderen.

Ultraschalluntersuchung

Gerade der Ultraschall eignet sich sehr gut dafür Strukturen, wie den Innenknöchel zu untersuchen, da hier dicht unter der Haut liegende Strukturen sehr gut dargstellt werden können. Hierfür wird der Arzt mit dem Ultraschallkopf am liegenden Patienten über den Innenknöchel fahren, um die darunterliegenden Weichteil Strukturen darzustellen und zu beurteilen.

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Röntgenuntersuchung

Röntgenbilder zeigen vor allem knöcherne Strukturen sowie auch verkalkte Sehnen. Beides Strukturen die es bei nicht besser werdenden Schmerzen am Innenknöchel zu beurteilen gilt.

MRT (Magnetresonanztomographie)

Eine MRT Untersuchung ist immer dann notwendig, wenn man trotz vorangegangenen Untersuchungen keinen Hinweis auf die Ursache der Beschwerden am Innenknöchel gefunden hat, wenn man ausschließen möchte, dass eine Bandverletzung die Ursache der Beschwerden ist oder wenn ein komplexer oder schwerer Unfall vorausgegangen ist.

Weitere diagnostische Maßnahmen

  • Anamnese und klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und körperliche Untersuchung.
  • Röntgenaufnahmen des Sprunggelenkes: Um mechanische Veränderungen der Knochen zu erfassen.
  • Elektrophysiologische Untersuchung: Zur Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit in unklaren Fällen.
  • Diagnostische Injektion eines Lokalanästhetikums: Bringt diese für eine gewisse Zeit eine Beschwerdelinderung, ist zumindest der Ort der Schädigung meist gut abgegrenzt.

Behandlung von Schmerzen am Innenknöchel

Die Behandlung der Schmerzen an der Innenseite des Knöchels variiert und hängt ganz von der auslösenden Ursache ab.

Konservative Behandlung

  • Schonung: Schonung des Fußes sowie auch eine Kühlung und die Vermeidung von Überlastung und Sport sind dringend angeraten.
  • Kühlung: Die Kühlung sollte man mit in einem Handtuch eingewickeltes Eispack durchführen. Das Eispack sollte man ca. 10 Minuten auf die Fußinnenseite legen und diese Anwendung ca. 2-3 mal am Tag wiederholen.
  • Entzündungshemmende Schmerzbehandlung: Entweder durch Salben (Ibuprofensalbe oder Diclofenacsalbe) oder aber durch Tabletten der gleichen Wirkstoffe. Die Behandlungsdauer sollte ein bis dreimal am Tag und für maximal eine Woche erfolgen.
  • Komprimierende Therapie: Eine komprimierende Therapie des Sprunggelenks kann sehr hilfreich sein und die Schmerzen deutlich reduzieren.
  • Dehnübungen: Dehnübungen helfen vor allem bei Muskelverkürzungen und Verhärtungen, die Muskeln wieder locker und elastischer zu machen. Auch Faszien, die die Muskeln umgeben, um diese zu schützen, können verkleben und sollte durch eine bestimmte Druck-Zugtechnik gelöst werden.
  • Einlagen und Orthesen: Orthopädische Einlagen vermindern den Druck auf den betroffenen Nerv. Auch Schienen eignen sich zur konservativen Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms. Sie reduzieren den Druck und die Beweglichkeit, die beide den Tibialisnerven zusätzlich komprimieren.
  • Physiotherapie: Spezifische Physiotherapie zum Muskelaufbau und propriozeptives Training nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Auch physikalische Maßnahmen wie Kälte- und Physiotherapie kommen in Frage.

Operative Behandlung

Bleiben konservative Maßnahmen erfolglos, kann eine operative Dekompression des Nervs, gegebenenfalls in Kombination mit operativer Beseitigung weiterer Ursachen angebracht sein. Dies sollte allerdings nur dann erfolgen, wenn eine klare mechanische Ursache nachgewiesen werden konnte. Bei dem Eingriff wird - häufig in Vollnarkose oder per Spinalanästhesie - das Halteband gespalten und der eingeklemmte Nerv im Tarsaltunnel freigelegt, um ihn zu entlasten. Der Schnitt verläuft entlang des Nervenverlaufs hinter dem Innenknöchel.

Nach der Operation

Nach der Operation bekommt der Patient meist für drei Wochen eine Orthese. Die Erholung des Nerven hängt sehr stark von der Dauer der Einengung ab und kann bis zu 6 Monate dauern.

Dauer der Beschwerden

Die Dauer, bis Schmerzen an der Innenseite des Knöchels verschwunden sind, richtet sich ganz nach der auslösenden Ursache. Bei leichten Überlastungen und einer konsequent durchgeführten Schonung kann es bereits schon nach wenigen Tagen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden kommen. Bei schweren Verstauchungen oder starken Entzündungen kann es schon mal 1-2 Wochen dauern, bis der Patient schmerzfrei ist und den Fuß wieder ganz normal einsetzen kann.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie anhaltende Schmerzen, Taubheit oder Schwäche im Fuß verspüren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.

Prävention

Präventionsmaßnahmen umfassen:

  • Tragen von geeignetem Schuhwerk, das ausreichend Unterstützung bietet
  • Regelmäßige Fußübungen zur Stärkung der Muskulatur
  • Vermeidung von Überlastung des Fußes durch angemessene Pausen
  • Gewichtsmanagement zur Entlastung der Füße

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