Das Wohnprojekt GenoTrend in Bad Segeberg ist ein innovatives Konzept, das darauf abzielt, Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen, insbesondere Parkinson, ein selbstbestimmtes Leben in einer Gemeinschaft zu ermöglichen. Es unterscheidet sich von traditionellen Wohnformen und Pflegeheimen und bietet neue Perspektiven für Betroffene und ihre Angehörigen.
Die Diagnose Parkinson: Ein Wendepunkt
Die Diagnose Parkinson stellt für viele Betroffene und ihre Partner einen einschneidenden Moment dar. „Sie haben Parkinson!“ - allein diese Worte können das Leben von Grund auf verändern. Oftmals beginnt eine intensive Phase der Informationssuche im Internet. Schnell wird klar, dass die Bewältigung der Krankheit eine Herausforderung darstellt, die nicht allein zu meistern ist. Ein Betroffener beschreibt es so: "Zunächst sagt man: meine Frau, meine Partnerin, meine Freundin usw. Nach einer gewissen Zeit realisiert man, dass man das zu zweit nicht schaffen kann."
Die Angst, zur Last zu fallen, und die Sorge um die Belastung des Partners sind häufige Begleiter. "Ich will auf keinen Fall, dass meine Partnerin reduziert wird auf eine Betreuungskraft. Sie ist meine Liebe, meine Frau, meine Partnerin, mein Korrektiv , sie ist die Mutter meiner Kinder."
Die Erfahrungen mit der Pflege von Angehörigen, wie im Fall einer Mutter, die in ein Pflegeheim musste, verstärken den Wunsch nach alternativen Wohnformen: "Ich werde ihren Blick nicht vergessen, als sie in ein Zweibettzimmer in einer ihr gänzlich unbekannten Umgebung einziehen musste, nicht mehr in der Lage, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ich werde alles dafür tun, um in einer Wohngemeinschaft zu leben."
Das Wohnprojekt als Alternative
Das Wohnprojekt GenoTrend in Bad Segeberg versteht sich als eine solche Alternative. Es will ein Zuhause schaffen, das den Bedürfnissen von Menschen mit Parkinson gerecht wird und ihnen gleichzeitig ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Lebensqualität ermöglicht. "Gemeinsam wollen wir etwas Neues schaffen, weit entfernt von üblichen Wohnungsangeboten und von Wohn- oder Pflegeheimcharakteren."
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Architektur und Bauweise
Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die Architektur und Bauweise. Diese soll den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit Parkinson Rechnung tragen. "Dies gelingt bereits mit der Architektur und wird durch eine qualitativ hochwertige Bauweise erreicht." Barrierefreiheit, Bewegungsfreiheit und Sicherheit sind dabei zentrale Kriterien.
Versorgung und Betreuung
Die Versorgung durch mobile medizinische Dienste mit kurzen Wegen ist gewährleistet. Dies ermöglicht eine schnelle und unkomplizierte medizinische Betreuung bei Bedarf. Gleichzeitig soll die Selbstständigkeit der Bewohner so weit wie möglich erhalten bleiben.
Gemeinschaft und Individualität
Das Wohnprojekt setzt auf eine Balance zwischen Gemeinschaft und Individualität. Es bietet die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Gleichzeitig gibt es ausreichend Raum für Privatsphäre und Rückzug. "Von unserer Wohnung möchte ich als Rückzugsort Gebrauch machen. Treffen möchte ich mich mit Gleichgesinnten in den Kommunikationsinseln, denen unterschiedliche Themen zugeordnet werden."
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration von Menschen ohne Parkinson in das Wohnprojekt. "Meine große Hoffnung ist, dass auch Menschen ohne besondere Vorerkrankungen einziehen werden." Dies soll zu einer vielfältigen und lebendigen Gemeinschaft beitragen, in der Jung und Alt, Gesunde und Kranke zusammenleben. "Wir freuen uns auch auf Bewerbungen von Menschen, die nicht neurodegenerativ erkrankt sind. Jeder, der mit uns leben möchte, ist herzlich willkommen", sagt Christine Braun.
Selbstbestimmung und Teilhabe
Das Wohnprojekt GenoTrend legt großen Wert auf die Selbstbestimmung und Teilhabe seiner Bewohner. Sie sollen aktiv an der Gestaltung des gemeinschaftlichen Lebens teilnehmen und ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten einbringen können. "Die Bewohner sollen Distanz und Nähe jeder für sich selbst definieren und das Konzept des Wohnprojektes mit Leben erfüllen."
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Dazu gehören Platz und Möglichkeiten, Freizeit aktiv und kreativ zu gestalten. Wer bei Bedarf Hilfe benötigt, kann sie vom auf dem Grundstück ansässigen Pflegedienst in Anspruch nehmen.
Erfahrungen und Hoffnungen
Die Initiatoren und zukünftigen Bewohner des Wohnprojekts verbinden mit diesem viele Hoffnungen und Erwartungen.
Entlastung der Partner
Ein wichtiger Aspekt ist die Entlastung der Partner von Menschen mit Parkinson. "Ich will weiterhin zusammen mit Walter leben. Wenn die Schritte immer kleiner werden und mehr und mehr Hilfe nötig wird, möchte ich ihm zur Seite stehen, mich selber aber nicht aufgeben müssen." Das Wohnprojekt soll es ermöglichen, die Partnerschaft weiterhin zu leben, ohne dass ein Partner zum alleinigen Betreuer wird.
Lebensqualität im Alter
Viele ältere Menschen wünschen sich ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden, auch wenn sie auf Unterstützung angewiesen sind. "Schon seit langer Zeit ist mir klar, dass wir irgendwann aus unserem schönen Reihenhaus werden ausziehen müssen. Ich erhoffe mir vom Wohnprojekt eine gute Zeit, frei von Sorgen um den Erhalt des jetzigen Hauses. Denn auch ich werde immer älter." Das Wohnprojekt soll es ermöglichen, den Lebensabend in einer angenehmen und unterstützenden Umgebung zu verbringen.
Aktive Lebensgestaltung
Trotz der Einschränkungen durch die Krankheit möchten viele Menschen mit Parkinson weiterhin ein aktives und erfülltes Leben führen. "Solange es gemeinsam für Walter und mich geht, will ich immer wieder Zeiten in unserem Ferienhaus in Schweden verbringen, um dann zurück in unser neues Zuhause zu kommen." Das Wohnprojekt soll die Möglichkeit bieten, Hobbys und Interessen weiterhin nachzugehen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
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Musik als Ausdruck und Therapie
Musik spielt im Leben vieler Menschen mit Parkinson eine wichtige Rolle. Bernd Braun, der in Bad Segeberg eine Parkinson-Selbsthilfegruppe leitet, nutzt Musik, um seine Erfahrungen auszudrücken und mit anderen zu teilen. "Für Bernd Braun ist es wichtig, Erfahrungen mit anderen zu teilen. Diese Erfahrungen kann Bernd Braun am besten durch Musik ausdrücken."
Er hat unter anderem das Symposium "Medizin trifft Kunst" ins Leben gerufen, bei dem es in verschiedenen Workshops um Therapiemethoden sowie gemeinsame Musik-, Tanz- und Theaterkurse geht. "Im Gespräch mit Podcasterin Kathrin Wersing spricht Bernd Braun über "Medizin trifft Kunst". Er ist sich sicher: Musik ist wichtig, um mit Parkinson zu leben." Unterstützt wird er dabei von seiner Frau, die Musikpädagogin ist.
GenoTrend: Ein bundesweites Modellprojekt?
Das Wohnprojekt GenoTrend in Bad Segeberg hat das Potenzial, ein bundesweites Modellprojekt für alternative Wohnformen für Menschen mit Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen zu werden. "Wenn die Idee zündet, dann kann sie bundesweit als Modellprojekt dienen: An der Burgfeldstraße in Bad Segeberg soll ein Wohnkonzept realisiert werden, das es Menschen mit Parkinson ermöglich, trotz aller Einschränkungen selbstbestimmt zu leben."
Die Resonanz auf das Projekt ist bereits jetzt sehr positiv. "Aus ganz Deutschland und sogar Mallorca gibt es Anfragen zu dem Projekt." Dies zeigt, dass ein großer Bedarf an solchen Wohnformen besteht.
Herausforderungen und Perspektiven
Die Verwirklichung des Wohnprojekts GenoTrend war jedoch nicht ohne Herausforderungen. "Das seit Jahren geplante Wohnprojekt für Menschen mit Parkinson in Bad Segeberg konnte nicht verwirklicht werden." Es bedarf des Engagements vieler Beteiligter, um ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen.
Trotz der Herausforderungen blicken die Initiatoren und zukünftigen Bewohner optimistisch in die Zukunft. Sie sind davon überzeugt, dass das Wohnprojekt GenoTrend einen wichtigen Beitrag zu mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung für Menschen mit Parkinson leisten kann.
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