Die Deutsche Alzheimer Initiative: Aufgaben und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Familien

Die Deutsche Alzheimer Initiative (DAlzG) spielt eine zentrale Rolle in der Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in Deutschland. Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Betroffenen zu Hause von ihren Familien betreut wird, ist es von entscheidender Bedeutung, die Aufgaben und Angebote dieser Initiative zu verstehen.

Die Herausforderungen der häuslichen Pflege

Die Betreuung von Menschen mit Demenz in den eigenen vier Wänden stellt eine immense Herausforderung für die Angehörigen dar. Oftmals sind es Ehepartner, Töchter oder Schwiegertöchter, die die Hauptlast der Pflege tragen. Dies erfordert ein hohes Maß an Engagement, den Verzicht auf Freizeit und die Bereitschaft, rund um die Uhr für den Betroffenen da zu sein. Viele Angehörige berichten von einer Verschlechterung ihrer eigenen körperlichen Gesundheit, zunehmendem Medikamentenbedarf, sozialer Isolation und der Aufgabe von Beruf und Hobbys. Besonders belastend sind Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, Schreien oder Wahnvorstellungen.

Es ist wichtig zu betonen, dass niemand diese Aufgaben dauerhaft alleine bewältigen kann oder sollte. Im Interesse der eigenen Gesundheit und des Wohlbefindens des Erkrankten ist es ratsam, frühzeitig Beratungs- und Entlastungsangebote in Anspruch zu nehmen.

Entlastungsangebote für pflegende Angehörige

Die DAlzG und ihre regionalen Alzheimer-Gesellschaften bieten eine Vielzahl von Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige an:

  • Ambulante Pflegestationen: Sozial- und gesundheitspflegerische Dienste leisten einen unverzichtbaren Beitrag dazu, dass Erkrankte weiterhin zu Hause leben können. Die "Hauspflege" umfasst Hilfen im Haushalt sowie die Grundpflege (Körperpflege, Hilfe beim Essen). Die "häusliche Krankenpflege" (Behandlungspflege) wird von examinierten Pflegefachkräften durchgeführt und umfasst Tätigkeiten wie das Verabreichen von Medikamenten und Injektionen oder die Versorgung von Wunden.

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  • Betreuungsgruppen: Alzheimer-Gesellschaften und Wohlfahrtsverbände bieten Betreuungsgruppen zur Entlastung pflegender Angehöriger an. Für einige Stunden am Tag werden die Betroffenen an ein bis zwei Tagen pro Woche in Gruppen beschäftigt und betreut. Aktivierungsangebote und die Betreuung durch geschulte Helfer sind Bestandteile des Programms.

  • Angehörigen- und Selbsthilfegruppen: Diese Gruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen in ähnlichen Pflegesituationen auszutauschen, Sorgen und Ängste zu teilen, Unterstützung zu finden und neue Energie zu tanken.

  • Helferinnenkreise: Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer betreuen Demenzerkrankte für einige Stunden in der Woche zu Hause und ermöglichen den Angehörigen so Freiräume.

  • Tagespflegeeinrichtungen: Diese teilstationären Einrichtungen bieten Aktivierung, Rehabilitation und soziale Einbindung durch therapeutische und pflegerische Angebote sowie einen strukturierten Tagesablauf.

  • Kurzzeitpflege: Für maximal 28 Tage im Jahr kann der erkrankte Angehörige in einer stationären Pflegeeinrichtung untergebracht werden, sodass die Pflegeperson beispielsweise einen Erholungsurlaub in Anspruch nehmen kann.

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  • Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege: Wenn die Hauptpflegeperson verhindert ist, kann die erkrankte Person zu Hause durch einen Pflegedienst oder eine nahestehende Person versorgt werden.

  • Urlaubsangebote für Demenzkranke und Angehörige: Regionale und örtliche Alzheimer-Gesellschaften organisieren zunehmend Urlaubsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und ihren Angehörigen zugeschnitten sind.

Aufgaben und Ziele der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) ist der Bundesverband der regionalen Alzheimer-Gesellschaften, Angehörigengruppen, Betreuungsgruppen und Selbsthilfeinitiativen. Sie setzt sich engagiert für Menschen mit Demenz und deren Familien ein und verfolgt folgende Ziele:

  • Förderung von Verständnis und Hilfsbereitschaft: Durch Information und Öffentlichkeitsarbeit soll das Verständnis für die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzerkrankungen in der Bevölkerung gefördert werden.

  • Anregung und Unterstützung gesundheits- und sozialpolitischer Initiativen: Die DAlzG setzt sich für eine bessere Versorgung und Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen auf politischer Ebene ein.

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  • Verbesserung der Krankheitsbewältigung und Selbsthilfetätigkeit: Die DAlzG bietet Informationen, Schulungen und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, um die Krankheitsbewältigung zu erleichtern und die Selbsthilfetätigkeit zu fördern.

  • Entlastung der Betreuenden: Durch Aufklärung, emotionale Unterstützung und öffentliche Hilfen sollen die Betreuenden entlastet werden.

  • Förderung der wissenschaftlichen Forschung: Die DAlzG unterstützt die wissenschaftliche Forschung im Bereich Demenz, um neue Erkenntnisse über die Ursachen, die Behandlung und die Prävention von Demenzerkrankungen zu gewinnen.

Projekte und Initiativen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Die DAlzG führt regelmäßig verschiedene Projekte und Initiativen durch, um ihre Ziele zu erreichen. Dazu gehören unter anderem:

  • Alzheimer-Telefon: Ein bundesweites Beratungstelefon für Betroffene, Angehörige und alle Ratsuchenden.

  • Demenz Partner: Eine bundesweite Aufklärungsinitiative, die die Aufmerksamkeit und Sensibilität für Menschen mit Demenz und deren Angehörige erhöhen soll.

  • Nationale Demenzstrategie: Die DAlzG ist an der Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie beteiligt, die eine umfassende Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Demenz zum Ziel hat.

  • Forschungsförderung: Die DAlzG unterstützt Forschungsprojekte im Bereich Demenz, insbesondere in der Versorgungsforschung.

  • Arbeitsgruppe „Demenz und Forschung": Einbeziehung von Menschen mit Demenz in Forschungsprojekte.

  • Projekt "Im Fokus: Menschen mit beginnender Demenz und Menschen mit seltenen Demenzerkrankungen sowie deren Angehörige": Entwicklung neuer Begleit- und Informationsangebote.

  • Projekt „Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz - vielfältigen Lebenssituationen mit bedarfsgerechten Angeboten begegnen“: Entwicklung bedarfsgerechter Angebote für pflegende Angehörige in verschiedenen Lebenssituationen.

Kognitive Stimulation und Prävention

Die DAlzG betont die Bedeutung geistiger Aktivität zur Vorbeugung von Demenz. Wer geistig aktiv ist, kann die Leistungsfähigkeit seines Gehirns verbessern. Durch Anregung der Nervenzellen können sich diese besser vernetzen und sich die Verbindungen besser festigen. Die kognitive Reserve ist einer von mehreren Aspekten, die den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung beeinflussen können.

Empfehlungen für geistige Aktivitäten:

  • Musik hören oder machen
  • Lesen (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen)
  • Spiele (Kartenspiele, Gesellschaftsspiele, Puzzles, Computer- und Videospiele)
  • Neues lernen (eine Fremdsprache, eine Sportart, ein Hobby)

Je komplexer die Tätigkeit, desto anregender ist sie für das Gehirn. Tanzen trainiert beispielsweise gleichzeitig Gedächtnis, Motorik und Koordination und fördert das soziale Miteinander.

Die Rolle der Forschung

Die DAlzG unterstützt aktiv die Forschung im Bereich Demenz. So wurden in Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Stiftung mehrere Forschungsstipendien vergeben. Im Rahmen von Promotionsarbeiten wurden Projekte bearbeitet zur Klärung des Einflusses altersassoziierter Faktoren sowie präventiver Maßnahmen auf die bekannten pathochemischen Prozesse bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit.

Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „CogStim24“ an der Universität zu Köln, das von der AFI mit 500.000 Euro gefördert wird. Ziel ist es, Pflege- und Betreuungspersonen praxisnah zu vermitteln, wie sie Menschen mit Demenz im Alltag durch gezielte geistige Anregungen fördern können.

Unterstützung für Menschen mit seltenen Demenzerkrankungen

Die DAlzG widmet sich auch der Unterstützung von Menschen mit seltenen Demenzerkrankungen wie der frontotemporalen Demenz (FTD) und der Lewy-Körperchen-Demenz. Sie bietet spezielle Informations- und Austauschangebote für Angehörige von Menschen mit FTD und plant die Erstellung von neuem Informationsmaterial für die Lewy-Körperchen-Demenz.

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