Myelofibrose: Ursachen für Knochenmarkinsuffizienz, fehlende Blutproduktion und Milzvergrößerung

Die Myelofibrose ist eine seltene und komplexe Erkrankung des Knochenmarks, die durch eine Reihe von Veränderungen gekennzeichnet ist, die letztendlich zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung und einer Vergrößerung der Milz führen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Mechanismen und Symptome dieser Erkrankung und bietet einen umfassenden Überblick für Betroffene und Interessierte.

Was ist Myelofibrose?

Myelofibrose ist eine chronische, fortschreitende Blutkrankheit, bei der das Knochenmark, das normalerweise für die Produktion von Blutzellen verantwortlich ist, durch Bindegewebe ersetzt wird. Dieser Prozess, auch Fibrose genannt, führt zu einer Verringerung der Anzahl der im Knochenmark vorhandenen blutbildenden Zellen. Myelofibrose gehört zur Gruppe der myeloproliferativen Neoplasien (MPN), zu denen auch die Polycythaemia vera (PV) und die essentielle Thrombozythämie (ET) gehören.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Myelofibrose sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Veränderungen in den blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks eine entscheidende Rolle spielen. Bei etwa 65 % der Myelofibrose-Patienten wird eine Mutation im JAK2-Gen (Januskinase 2) gefunden. Diese Mutation führt zu einer unkontrollierten Vermehrung von Blutzellen, insbesondere weißen Blutkörperchen und Blutplättchen. Die massenhafte Bildung von Blutzellen stimuliert gleichzeitig die Bildung von Wachstumsfaktoren, die wiederum Knochenmarkzellen anregen, Bindegewebszellen zu produzieren. Dadurch wird das Knochenmark zunehmend von Bindegewebe verdrängt, was zu einer verminderten Produktion funktionsfähiger Blutzellen führt.

Es gibt zwei Hauptformen der Myelofibrose:

  • Primäre Myelofibrose (PMF): Sie entwickelt sich zufällig im Laufe des Lebens ohne erkennbare Vorerkrankung.
  • Sekundäre Myelofibrose (SMF): Sie entsteht als Folge einer bereits bestehenden Bluterkrankung wie der essentiellen Thrombozythämie (ET) oder der Polycythaemia vera (PV).

Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer primären Myelofibrose ist das Lebensalter. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer JAK2-Mutation. Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass ein bestimmter Lebensstil oder äußere Einflüsse wie ionisierende Strahlung oder chemische Stoffe die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöhen.

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Auswirkungen auf die Blutbildung

Die Myelofibrose beeinträchtigt die normale Blutbildung in mehrfacher Hinsicht:

  1. Veränderung des Knochenmarks: Anstelle von blutbildenden Zellen entsteht vermehrt Bindegewebe.
  2. Entzündung: Chronische Entzündungsprozesse im Körper können die Blutbildung zusätzlich hemmen und den Eisenstoffwechsel stören.
  3. Abbau in der Milz: Die Milz filtert Blutzellen aus dem Blut. Bei Myelofibrose ist sie oft vergrößert und baut vermehrt Blutzellen ab.

Diese Faktoren führen zu einer reduzierten Produktion von Blutzellen, was sich in verschiedenen Symptomen äußert.

Milzvergrößerung (Splenomegalie)

Eine der auffälligsten Folgen der Myelofibrose ist die Vergrößerung der Milz, auch Splenomegalie genannt. Die Milz ist ein Organ des Immunsystems, das eine wichtige Rolle bei der Filterung des Blutes und dem Abbau alter Blutzellen spielt. Bei Myelofibrose übernimmt die Milz zunehmend die Funktion der Blutbildung, da das Knochenmark diese Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen kann. Diese Verlagerung der Blutbildung in die Milz führt zu einer Vergrößerung des Organs.

Die Splenomegalie kann eine Reihe von Beschwerden verursachen, darunter:

  • Bauchschmerzen und Völlegefühl
  • Frühes Sättigungsgefühl beim Essen
  • Druck auf andere Organe im Bauchraum
  • In seltenen Fällen: Milzriss

Symptome

Die Symptome der Myelofibrose können vielfältig sein und variieren je nach Stadium der Erkrankung. Viele Patienten haben zu Beginn der Erkrankung keine oder nur geringe Beschwerden. Im weiteren Verlauf können jedoch folgende Symptome auftreten:

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  • Allgemeine Symptome:
    • Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
    • Schwäche
    • Gewichtsverlust
    • Nachtschweiß
    • Fieber
  • Symptome aufgrund von Blutarmut (Anämie):
    • Blässe
    • Kurzatmigkeit
    • Schwindel
    • Kopfschmerzen
  • Symptome aufgrund von Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen):
    • Erhöhte Blutungsneigung
    • Blaue Flecken
    • Nasenbluten
    • Zahnfleischbluten
  • Symptome aufgrund von Splenomegalie:
    • Bauchschmerzen
    • Völlegefühl
    • Frühes Sättigungsgefühl
  • Weitere mögliche Symptome:
    • Knochenschmerzen
    • Gicht
    • Erhöhte Infektanfälligkeit

Diagnose

Die Diagnose der Myelofibrose basiert auf verschiedenen Untersuchungen:

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet den Bauch ab, um festzustellen, ob Milz und/oder Leber vergrößert sind.
  • Blutuntersuchung: Zu Beginn der Erkrankung kann eine Vermehrung der Blutplättchen und weißen Blutkörperchen festgestellt werden. Später kommt es zu einem Mangel an roten und weißen Blutkörperchen sowie an Blutplättchen. Die roten Blutkörperchen können in ihrer Form verändert sein (Tränentropfenform).
  • Ultraschalluntersuchung: Sie dient zur Feststellung einer Vergrößerung der Milz und der Leber.
  • Molekulargenetische Untersuchung: Sie dient zum Nachweis der JAK2-Mutation oder anderer Genmutationen.
  • Knochenmarkspunktion: Sie ist notwendig, um die Diagnose zu sichern. Dabei werden Proben aus dem Knochenmark entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.

Behandlung

Die Behandlung der Myelofibrose zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung, den Symptomen und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Die Behandlungsoptionen umfassen:

  • Watch & Wait: Bei Patienten ohne oder mit geringen Beschwerden kann zunächst eine abwartende Beobachtung erfolgen.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Januskinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren): Diese Medikamente hemmen die Aktivität der JAK-Enzyme und können Symptome wie Fieber, Nachtschweiß, Knochenschmerzen und Gewichtsverlust lindern. Sie können auch die Größe der Milz und der Leber verkleinern. Beispiele sind Ruxolitinib und Fedratinib.
    • Interferone: Sie können ähnliche Ergebnisse wie JAK-Inhibitoren erzielen und werden vor allem bei sehr frühen Formen der Myelofibrose eingesetzt.
    • Kortison: Es kann bei Fieber eingesetzt werden und in einigen Fällen die Blutarmut verbessern.
    • Medikamente zur Unterdrückung der Blutneubildung: Sie können zu Beginn der Erkrankung eingesetzt werden, wenn das Knochenmark noch viele Blutzellen produziert.
  • Bluttransfusionen: Sie helfen, die Zahl der roten Blutkörperchen stabil zu halten und die Symptome der Blutarmut zu lindern.
  • Bestrahlung der Milz: Sie kann die Milz verkleinern und Magen-Darm-Beschwerden lindern.
  • Entfernung der Milz (Splenektomie): Sie kann in der Spätphase der Myelofibrose in Betracht gezogen werden, wenn die Milz stark vergrößert ist und Beschwerden verursacht.
  • Stammzelltransplantation: Sie ist die einzige Möglichkeit, die Myelofibrose zu heilen. Dabei werden gesunde Stammzellen von einem Spender auf den Patienten übertragen. Die Stammzelltransplantation ist jedoch mit Risiken verbunden und kommt nur für einen kleinen Patientenkreis infrage.

Ernährung

Es gibt keine spezielle empfohlene Ernährung bei Myelofibrose. Viele Patienten entwickeln jedoch aufgrund der Leber- und Milzvergrößerung Magen-Darm-Beschwerden. In diesen Fällen ist es ratsam, ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen, ausreichend zu trinken und auf blähende Lebensmittel zu verzichten.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung bei Myelofibrose ist variabel und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, das Stadium der Erkrankung und das Vorhandensein von Risikofaktoren. Prognosescores können helfen, das individuelle Risiko und den Verlauf der Erkrankung besser abzuschätzen.

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