Vitamin D und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise jeder zehnte Mensch betroffen ist, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Attacken von halbseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen, denen eine Aura vorausgehen kann und die von Übelkeit, Erbrechen und Lärmaversion begleitet sein können. Da die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind, rücken verschiedene Faktoren in den Fokus der Forschung, darunter auch der Vitamin-D-Spiegel.

Die Rolle von Vitamin D im Körper

Vitamin D ist ein Hormon, das der Körper zum größten Teil selbst herstellt - aber mithilfe von Sonnenlicht. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist diese körpereigene Bildung von Vitamin D in unseren Breitengraden nur von circa März bis Oktober möglich, weil der Körper dafür eine bestimmte Sonnenintensität benötigt. Ein deutlich geringerer Teil an Vitamin D wird über die Nahrung aufgenommen. Unter anderem spielt Vitamin D eine wichtige Rolle im Kalziumstoffwechsel und damit in der Mineralisierung der Knochen. Bei einem Vitamin-D-Mangel kann es daher vor allem zu Beschwerden und Krankheiten der Knochen kommen, etwa zu Osteoporose.

Vitamin-D-Rezeptoren werden in Neuronen und Gliazellen in Hirnregionen wie der Substantia nigra, dem Hippocampus, dem Hypothalamus, dem Thalamus und den subkortikalen grauen Kernen exprimiert. Dort scheint Vitamin D eine Rolle bei der Differenzierung und Reifung von Neuronen zu spielen, genauso wie bei der Regulierung der Synthese von Wachstumsfaktoren sowie bei der Synthese verschiedener Neurotransmitter, einschließlich Acetylcholin, Dopamin und Gamma-Aminobuttersäure.

Vitamin D-Mangel und Migräne: Gibt es einen Zusammenhang?

Mehrere Studien deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Migräne hin. Eine südkoreanische Studie von 2018 untersuchte 157 Menschen mit Migräne. Bei 77 Prozent dieser Patienten lag ein Vitamin-D-Mangel vor - und bei ihnen traten die Migräne-Attacken häufiger auf als bei den Studienteilnehmern ohne Vitamin-D-Mangel. Eine weitere Studie aus dem Iran verglich 70 gesunde und 70 an Migräne erkrankte Menschen. Die Migränepatienten hatten im Schnitt messbar niedrigere Vitamin-D-Mengen im Blut als gesunde Personen (30 ng/ml vs. 43 ng/ml). Jedes Tröpfchen mehr machte sich auch diagnostisch bemerkbar. Mit nur je 5 ng/ml mehr Vitamin D im Blut sank so die Wahrscheinlichkeit, an Migräne zu leiden, um ganze 22 Prozent.

Eine neuere Studie zeigte z. B., dass ein Vitamin-D-Mangel bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Migräne und Medikamentenübergebrauch häufiger auftrat als bei Personen mit episodischer Migräne oder Spannungskopfschmerz.

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Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Studien nicht beweisen, dass ein Vitamin-D-Mangel Migräne verursacht. Es könnte auch sein, dass Migränepatienten aufgrund ihrer Erkrankung weniger Zeit im Freien verbringen und daher weniger Sonnenlicht ausgesetzt sind, was zu einem Vitamin-D-Mangel führen könnte.

Vitamin D-Supplementierung als Migräneprophylaxe?

Einige klinische Studien haben die Wirkung von Vitamin-D-Supplementierung bei Migränepatienten untersucht. Eine Studie fand einen messbaren Einfluss der Nahrungsergänzung mit Vitamin D auf Häufigkeit und Stärke episodischer Migräneanfälle. Die Teilnehmer, die Vitamin D als Nahrungsergänzung eingenommen hatten, litten messbar seltener unter Kopfschmerz (4,71 statt 6,43 Tage) als die Gruppe ohne zusätzliches Vitamin D. Ebenso waren mit Vitamin D im Vergleich zum Placebo die Dauer der Migräneattacken verkürzt (12,99 statt 18,32 Stunden/Anfall), die Kopfschmerzen schwächer (5,47 statt 6,38 Punkte auf der Skala von 0 bis 10) und geringere Mengen an Schmerzmittel nötig (2,85 statt 4,87 Tabletten im Monat).

Eine 2019 veröffentlichte Studie schloss 92 Kinder und Jugendliche (67 Mädchen und 25 Jungen) im Alter zwischen 6 und 18 Jahren ein. Sie wurden wegen Migräne ohne Aura ambulant im Kocaeli Derince Training and Research Hospital, Türkei, behandelt. Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass bei niedrigen Vitamin D-Werten die Migräneattacken häufiger waren, länger andauerten und mehr Beschwerden verursachten. Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe wurde mit Vitamin D, die zweite mit einem Scheinmedikament (Plazebo) behandelt. Die Vitamin D-Behandlung bestand aus täglich 2.000 IE Vitamin D über die Dauer von zwei Monaten, gefolgt von einer Erhaltungstherapie über sechs Monate mit täglich 600 bis 1.000 IE Vitamin D. Nach der Behandlung reduzierte sich die Dauer der Migräne von durchschnittlich 10,8 Stunden pro Tag auf 2,5 Stunden. Waren es vor der Behandlung im Schnitt 12 Migräneattacken pro Monat, so verringerte Vitamin D die Häufigkeit auf 5 Anfälle pro Monat. Die Schwere der Migräne konnte nahezu halbiert und die Alltagsbeeinträchtigungen um rund 70 Prozent reduziert werden.

Im Allgemeinen sei aber über eine signifikant verringerte Anzahl der Kopfschmerzattacken und eine geringere Häufigkeit der Episoden berichtet worden. Die Auswirkung auf die Schmerzintensität sei hingegen weniger deutlich gewesen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Studienlage noch dünn ist und weitere Forschung erforderlich ist, um die tatsächliche Wirksamkeit von Vitamin D in der Migräneprophylaxe besser einschätzen zu können.

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Weitere Faktoren bei Migräne

Allgemein wird angenommen, dass viele verschiedene auslösende Faktoren zusammenkommen. Auslöser können unter anderem Stress, Schlafmangel, Hormonveränderungen z. B. während des Zyklus oder durch Einnahme von Hormonpräparaten (bspw. Pille), Wetterveränderungen sowie Vitaminmangel sein. Diverse Studien zeigen, dass Migräne-Patienten oft ein Defizit an wichtigen Botenstoffen haben, die für einen funktionierenden Energiestoffwechsel von Bedeutung sind. So haben Migränepatienten häufig erniedrigte Spiegel im Blut an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin D und Coenzym Q10.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Darm-Hirn-Achse bei der Entstehung der Kopfschmerzattacken eine Rolle spielt. Daher könnten Substanzen, die das Darmmikrobiom positiv beeinflussen, eine Therapieoption der Migräne darstellen. In der randomisierten, dreifach verblindeten, placebokontrollierten Studie erhielten 72 erwachsene Migränepatienten zwischen 18 und 55 Jahren über einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder ein Probiotikum plus Vitamin D oder ein Placebo. Das Ergebnis: In der Interventionsgruppe sank die Zahl der Migräneattacken pro Monat stärker als in der Placebogruppe (-3,2 versus -1,3 Attacken). Auch der Schweregrad der Attacken (gemessen mit dem Headache Impact Test HIT-6) nahm in der Gruppe mit der Nahrungsergänzung ab (-1,6), während sie in der Placebogruppe geringfügig zunahm (+0,7).

Was können Sie tun?

Um einem Vitamin-D-Mangel entgegenzuwirken, kannst du selbst einiges tun:

  • Setze deine Haut in den sonnenreicheren Monaten zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche für einige Minuten der Sonne aus - unbedeckt und ohne Sonnenschutz. Achte aber unbedingt darauf, dass es ohne Sonnenschutz tatsächlich nicht mehr als einige Minuten sind, da ansonsten die Haut geschädigt werden kann.
  • Über die Ernährung kannst du ebenfalls einen - wenn auch deutlich geringeren - Teil deines Vitamin-D-Bedarfs decken.
  • Lass bei deinem Arzt den Serumspiegel im Blut testen. Mit deinem Arzt kannst du dann auch besprechen, wie hoch die Dosis deines Vitamin D-Präparats sein sollte.

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