Die Deutsche Hirnstiftung und Parkinson: Ein umfassender Überblick

James Parkinsons Essay aus dem Jahr 1817 über die „Schüttellähmung“ markierte den Beginn des Verständnisses einer Krankheit, die später seinen Namen tragen sollte. Über zwei Jahrhunderte später steht mit der Tiefen Hirnstimulation (THS) eine hochentwickelte und wirksame Behandlungsmethode zur Verfügung. Seit der ersten bilateralen Stimulation des Nucleus subthalamicus im Jahr 1993 wurden weltweit Tausende von Patienten erfolgreich operiert. Die Deutsche Hirnstiftung engagiert sich intensiv in der Aufklärung über neurologische Erkrankungen wie Parkinson und bietet Betroffenen, Angehörigen und Interessierten eine verlässliche Informationsquelle.

Tiefe Hirnstimulation (THS) bei Parkinson

Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung, insbesondere nach jahrelanger Behandlung mit Dopamin, treten häufig Wirkungsschwankungen auf, die sich in wechselnden „ON-OFF“-Phasen äußern. Dabei ist die Wirkung der Medikamente oft unzureichend, oder es treten intolerable Nebenwirkungen auf. In solchen Fällen sollte der behandelnde Neurologe die Möglichkeit eines apparativen Verfahrens, wie der THS, in Betracht ziehen.

Vorteile der THS in frühen Stadien

Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Morbus Parkinson bereits in früheren Stadien der Erkrankung von einer THS profitieren können. Schon bei beginnenden Wirkungsschwankungen kann die THS die Lebensqualität verbessern.

Anwendungsbereiche der THS

Die Tiefe Hirnstimulation wird nicht nur zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung eingesetzt, sondern auch bei anderen Indikationen wie schweren Formen der Dystonie oder Zitterkrankheiten wie essentiellem Tremor und in seltenen Fällen bei schweren Formen der Epilepsie. Darüber hinaus wird ihre Wirkung im Rahmen von Studien bei psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen, schweren Zwangserkrankungen und Alzheimer-Demenz untersucht.

Der Eingriff: Implantation des Hirnschrittmachers

Die Elektroden des Hirnschrittmachers werden nach sorgfältiger Indikationsprüfung durch den Neurologen im Rahmen einer mehrstündigen neurochirurgischen Operation implantiert. Während des ersten Teils des Eingriffs ist der Patient wach, sodass der Neurologe noch im Operationssaal die Wirkung auf die Parkinson-Symptome überprüfen kann. Nach der Operation sind regelmäßige ambulante Vorstellungen in spezialisierten Zentren erforderlich, um die Einstellungen des Hirnschrittmachers anzupassen.

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Erwartungen an die THS

Ziel der THS ist es, einen dauerhaften „On“-Zustand ohne störende Wirkungsschwankungen wie Unter- oder Überbeweglichkeit herzustellen und die durch hochdosierte Medikamente verursachten Nebenwirkungen (z. B. Halluzinationen, Störungen der Impulskontrolle) zu reduzieren.

Die „5-2-1“-Regel

Eine einfache Faustregel zur Prüfung, ob ein Patient für die tiefe Hirnstimulation in Frage kommt, ist die „5-2-1“-Regel: Die Indikation ist zu prüfen, wenn ein Patient mindestens fünfmal täglich orales Levodopa benötigt, sich mehr als zwei Stunden in einem störenden Zustand der Unterbeweglichkeit (OFF-Zustand) befindet und/oder über mindestens eine Stunde über störende Überbewegungen klagt.

Alternative Behandlungen: Fokussierter Ultraschall

Neben der Tiefen Hirnstimulation und Medikamenten kann auch fokussierter Ultraschall das Zittern bei Parkinson deutlich verringern. In Deutschland bieten bisher zwei Kliniken dieses Verfahren an.

Parkinson: Symptome, Diagnose und Behandlung

Obwohl Parkinson derzeit nicht heilbar ist, ist die Krankheit in jedem Stadium gut behandelbar. Die Deutsche Hirnstiftung bietet hierzu umfassende Informationen und Unterstützung.

Symptome der Parkinson-Krankheit

Parkinson geht mit einer Schädigung der Hirnregion Substantia nigra einher. Motorische Symptome wie reduzierte Beweglichkeit, gestörte Fingerfertigkeit, Zittern der Hände, Sprechprobleme oder eine eingeschränkte Mimik können auf eine Parkinson-Erkrankung hinweisen.

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Die Hauptsymptome umfassen:

  • Verlangsamte Bewegung (Bradykinese): Betroffene sind deutlich weniger beweglich.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Die Muskeln versteifen sich.
  • Zittern (Tremor): Häufig sind die Hände betroffen, aber das Zittern kann auch in den Beinen oder im Unterkiefer auftreten.
  • Gleichgewichtsstörungen

Weitere Symptome können sein:

  • Riechstörung: Ein charakteristisches Frühsymptom.
  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme, ungesteuerte Beinbewegungen, Krämpfe.
  • Verstopfung: Beeinträchtigung der Darmtätigkeit durch steife Muskeln.
  • Blasenprobleme: Häufiger Harndrang.
  • Kognitive Einschränkungen: Probleme, sich an Dinge zu erinnern.
  • Depressionen, Angststörungen und Demenz: Begleiterkrankungen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei Parkinson-Patienten gehen in einer bestimmten Hirnregion (Substantia nigra) Nervenzellen unter, was zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin führt. Was genau dazu führt, dass Nervenzellen in der Substantia nigra absterben, ist bislang noch nicht abschließend erforscht. Es gibt viele unterschiedliche Risikofaktoren:

  • Alter: Die meisten Betroffenen sind bei Diagnose über 60 Jahre alt.
  • Genetische Faktoren: Mutationen in Genen wie GBA, LRRK2, PRKN oder SNCA erhöhen das Risiko.
  • Umwelt- und Lebensstilfaktoren: Pestizide, Lösungsmittel, polychlorierte Biphenyle und häufige Kopftraumata können das Parkinson-Risiko erhöhen.

Diagnose

Ein Neurologe kann die Erkrankung meist diagnostizieren, indem er die körperlichen Erscheinungen des Patienten genauer untersucht und in einen Zusammenhang bringt. Der Arzt prüft beispielsweise, ob die Hände zittern, wenn sie ruhen, ob die Bewegungsabläufe verlangsamt sind und/oder die Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur versteift ist. Außerdem kann er einen Riechtest, eine Ultraschalluntersuchung einer bestimmten Hirnregion (Substantia nigra) oder ein MRT durchführen.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt gut wirksame Medikamente zur Verbesserung der auftretenden Symptome. Verschiedene Substanzen helfen dabei, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. In besonderen Fällen kommen auch Pumpenbehandlungen oder eine Hirnschrittmacheroperation in Frage. Diese kombinierte Behandlungsweise erzielt meist gute Ergebnisse.

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  • Medikamentöse Therapie:
    • Levodopa: Verbessert die typischen Parkinson-Symptome. Nebenwirkungen können Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, unkontrollierte Bewegungen oder plötzliches Einfrieren von Bewegungen sein.
    • Dopaminagonisten: Substanzen, die dem Botenstoff Dopamin sehr ähnlich sind.
    • Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer): Stoppen den Abbau von Dopamin im Gehirn.
    • Adenosin-Rezeptor-Antagonisten und COMT-Inhibitoren: Überbrücken die Wirklücke bei Levodopa bis zur nächsten Gabe.
    • Decarboxylasehemmer: Können mit Levodopa zusammen gegeben werden.
  • Invasive therapeutische Verfahren:
    • Dopamin- oder Apomorphinpumpe: Flüssiges Medikament wird über eine Sonde durch die Bauchhaut in den oberen Dünndarm bzw. in das Unterhautfettgewebe geleitet.
    • Tiefe Hirnstimulation: Einsetzen eines Hirnschrittmachers.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.

Was Patienten selbst tun können

Einige Dinge können Patientinnen und Patienten auch selbst tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen:

  • Bewegung und Sport: Wirken sich positiv aus und verlangsamen den Verlauf.
  • Ausreichend Schlaf
  • Mediterrane Ernährung
  • Soziales Leben: Kontakte, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten können der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken.

Die Deutsche Hirnstiftung: Unterstützung und Aufklärung

Die Deutsche Hirnstiftung wurde im Jahr 2019 von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als eingetragener Verein ins Leben gerufen. Sie informiert Betroffene, ihre Angehörigen und Interessierte über neurologische Erkrankungen und deren Behandlung. Die Stiftung setzt sich für eine verbesserte Patientenaufklärung und wissenschaftlich fundierte Informationen im Internet ein.

Ziele der Deutschen Hirnstiftung

  • Information und Aufklärung: Bereitstellung verlässlicher Informationen in verständlicher Sprache.
  • Förderung der Prävention und Früherkennung.
  • Unterstützung der Selbsthilfe von Betroffenen.
  • Förderung von Wissenschaft, Forschung, Lehre, Aus- und Fortbildung im Bereich des Parkinson-Syndroms und anderer degenerativer Erkrankungen des Nervensystems.
  • Einsatz für neue Therapien, die nicht nur Symptome lindern, sondern die Krankheit verlangsamen oder heilen können.

Angebote der Deutschen Hirnstiftung

  • Patienten-Leitlinien: Umfassende Informationen in verständlicher Sprache.
  • Online-Chat und Expertentelefon: Kostenfreie Beratung zu neurologischen Erkrankungen.
  • Webinare und Infofilme: Vermittlung von Wissen über die Parkinson-Krankheit und deren Behandlung.
  • Chatbot jAImes: Ermöglicht den Zugang zu wissenschaftlich fundiertem Wissen.
  • Förderung von Forschungsprojekten: Unterstützung innovativer Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Parkinson.

Aktuelle Entwicklungen und Forschung

Die Parkinson Stiftung engagiert sich für neue Therapien, die nicht nur Symptome lindern, sondern die Krankheit verlangsamen oder heilen können. Es gibt vielversprechende neue Entwicklungen in den Bereichen der Gentherapie und der Neuroimmunologie. Zielgerichtete Medikamente sollen entweder Gene ausschalten, die an der Entstehung von Parkinson beteiligt sind, oder Signalwege blockieren, die die typischen Parkinson-Symptome verursachen.

Innovationspreise der Parkinson Stiftung

Die Parkinson Stiftung vergibt jährlich Innovationspreise für herausragende Forschungsprojekte und innovative Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Parkinson.

Leuchtturm-Projekte

Die Parkinson Stiftung und die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e. V. fördern innovative Forschungsprojekte im Rahmen eines gemeinsamen Leuchtturm-Projektverbunds.

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