Unser Gehirn, eine faszinierende Schaltzentrale, steuert unzählige Körperfunktionen und ist der Ursprung unserer Intelligenz, unserer Gedanken und Gefühle. Es ist mit dem gesamten Organismus über ein komplexes Netzwerk aus Gehirnzellen, Hirnnerven und Nervenbahnen verbunden. Diese Nervenbahnen leiten Signale vom Gehirn zu Organen, Muskeln und Drüsen und umgekehrt. Das Großhirn, der jüngste Teil unserer Gehirnentwicklung, ist für höhere Hirnfunktionen wie Denken, Erinnern, Sprechen, Lernen und Verstehen zuständig.
Die Anatomie des Gehirns: Zwei Hälften, unterschiedliche Aufgaben
Das Großhirn besteht aus zwei Hälften, der rechten und der linken Hemisphäre, die durch den sogenannten Balken, ein Bündel aus Nervenfasern, miteinander verbunden sind. Jede Hemisphäre ist wiederum in sechs Bereiche (Lappen) mit unterschiedlichen Funktionen unterteilt.
Eine der grundlegenden Eigenschaften des Gehirns ist die gekreuzte Steuerung: Die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperseite, während die linke Gehirnhälfte für die rechte Körperseite zuständig ist. Diese Überkreuzung der Nervenbahnen hat weitreichende Konsequenzen für die Funktionsweise unseres Körpers und die Auswirkungen von Hirnschädigungen.
Weitere wichtige Gehirnstrukturen
Neben dem Großhirn spielen auch andere Bereiche des Gehirns eine entscheidende Rolle:
- Zwischenhirn: Mit Thalamus, Hypothalamus und Hypophyse steuert es lebenswichtige Funktionen wie Schlaf, Hunger, Durst und den Hormonhaushalt.
- Hirnstamm: Der älteste Teil des Gehirns verbindet es mit dem Rückenmark und kontrolliert Augenbewegungen und Mimik.
- Kleinhirn: Zuständig für Gleichgewicht und Koordination von Bewegungen.
Die gekreuzte Steuerung: Warum ist das so?
Die Frage, warum die Nervenbahnen zwischen Gehirn und Körper über Kreuz verlaufen, beschäftigt Wissenschaftler seit langem. Eine der ältesten Erklärungen stammt von dem spanischen Mediziner Santiago Ramón y Cajal, der sich auf die Kreuzung der Sehnervenfasern bezog. Seine Theorie, dass dies für eine korrekte Repräsentation der Außenwelt im Gehirn notwendig sei, hat sich jedoch als falsch herausgestellt.
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Eine evolutionäre Perspektive
Eine heute eher akzeptierte wissenschaftliche Erklärung führt uns zurück zu den Anfängen der Wirbeltiere im Wasser. Diese Tiere hatten einen wurmförmigen Körper und ein Gehirn, das hauptsächlich aus Rückgrat und Hirnstamm bestand. Wahrscheinlich verfügten sie nur über primitive Augen, die lediglich Licht und Schatten wahrnehmen konnten.
Stellte ein solches Tier eine Bedrohung fest, indem ein Schatten größer wurde, musste es sich schnell abwenden. Um dies zu erreichen, war es notwendig, die Muskeln auf der gegenüberliegenden Seite des stimulierten Auges zu kontrahieren. Wenn also ein visueller Reiz von rechts kam, mussten die Muskeln auf der linken Seite aktiviert werden, um die Flucht einzuleiten.
Diese Theorie besagt, dass die Kreuzung der Nervenbahnen die kürzeste Verbindung darstellte, um die Muskelgruppen der gegenüberliegenden Körperseite zu aktivieren. Auch wenn dies nicht mit Sicherheit bewiesen werden kann, bietet es eine plausible Erklärung für die gekreuzte Steuerung.
Die Spezialisierung der Gehirnhälften: Ein Teamwork
Obwohl die gekreuzte Steuerung eine grundlegende Funktion des Gehirns darstellt, ist es wichtig zu betonen, dass beide Gehirnhälften eng zusammenarbeiten. Vereinfacht lässt sich sagen, dass die rechte Gehirnhälfte eher für emotionale, intuitive und kreative Prozesse zuständig ist, während die linke Gehirnhälfte überwiegend logische, rationale und analytische Aufgaben übernimmt.
Aufgabenverteilung der Hemisphären
- Rechte Gehirnhälfte:
- Erkennen von Mustern und Gesichtern
- Räumliches Denken
- Bild-, Farb- und Symbolsprache
- Wahrnehmen komplexer Informationen
- Linke Gehirnhälfte:
- Schrittweises Verarbeiten von Informationen
- Abstraktes Denken
- Geschriebene und gesprochene Sprache
- Konzentriertes Wahrnehmen
In der Realität arbeiten beide Hemisphären jedoch meist zusammen, um komplexe Aufgaben zu lösen. Je harmonischer diese Zusammenarbeit ist, desto umfassender können wir denken und handeln.
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Auswirkungen von Schädigungen: Wenn die Verbindung unterbrochen ist
Die gekreuzte Steuerung des Gehirns hat direkte Auswirkungen auf die Symptome, die bei einer Schädigung einer Gehirnhälfte auftreten können. Beispielsweise kann eine Schädigung der linken Gehirnhälfte, etwa durch einen Schlaganfall, zu Problemen in der rechten Körperhälfte führen, wie beispielsweise der Unfähigkeit, den rechten Arm zu bewegen.
Weitere mögliche Folgen von Hirnschädigungen
Da das Nervensystem so viele verschiedene Körperfunktionen steuert, können die Symptome einer Störung des Nervensystems vielfältig sein. Sie reichen von Schmerzen über Beeinträchtigungen der Muskelfunktion, des Gleichgewichts, der Empfindung und aller Sinne bis hin zu Bewusstseins-, Sprach- und Wahrnehmungsstörungen.
Die Bedeutung der Durchblutung: Versorgung des Gehirns
Das Gehirn benötigt eine ständige Versorgung mit Sauerstoff, Glukose und anderen Nährstoffen, um optimal zu funktionieren. Daher ist es besonders gut durchblutet. Drei Hauptarterien versorgen die verschiedenen Hirnregionen:
- Vordere Hirnarterie (Arteria cerebri anterior): Versorgt das Gewebe hinter der Stirn und im Bereich des Scheitels.
- Mittlere Hirnarterie (Arteria cerebri media): Versorgt die Seite und weiter innen liegende Gehirnbereiche.
- Hintere Hirnarterie (Arteria cerebri posterior): Versorgt den Hinterkopf und den unteren Bereich des Gehirns sowie das Kleinhirn.
Diese Arterien sind über kleinere Blutgefäße miteinander verbunden, was es ermöglicht, Durchblutungsstörungen bis zu einem gewissen Grad auszugleichen.
Die Blut-Hirn-Schranke
Die feinsten Aufzweigungen der Hirnarterien (Kapillaren) sind durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke weniger durchlässig für bestimmte Stoffe als vergleichbare Blutgefäße im übrigen Körper. Diese Schranke schützt das empfindliche Gehirn vor im Blut gelösten Schadstoffen.
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Training des Gehirns: Die Neuroplastizität nutzen
Unser Gehirn ist nicht statisch, sondern verfügt über die Fähigkeit, sich an neue Erfahrungen und Herausforderungen anzupassen. Diese Fähigkeit wird als Neuroplastizität bezeichnet. Durch gezieltes Training können wir die neuronalen Strukturen unseres Gehirns verändern und verbessern.
Ganzheitliches Gehirntraining
Es ist wichtig zu betonen, dass ein ganzheitliches Gehirntraining effektiver ist als der Versuch, nur eine Gehirnhälfte zu trainieren. Da beide Hemisphären eng zusammenarbeiten, profitieren wir am meisten von Übungen, die verschiedene kognitive Fähigkeiten ansprechen.
Übungen für die linke Gehirnhälfte
Obwohl ein ganzheitliches Training ideal ist, gibt es Übungen, die besonders die Fähigkeiten der linken Gehirnhälfte ansprechen, wie beispielsweise Übungen zum schlussfolgernden Denken, die Logik, Deduktion und Induktion trainieren.
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