Deutsche Stiftung Schlafmedizin, Epilepsie und neuromuskuläre Erkrankungen: Fortschritte in Diagnostik und Therapie

Schlafstörungen, Epilepsie und neuromuskuläre Erkrankungen stellen erhebliche Herausforderungen für Betroffene und das Gesundheitssystem dar. Die Deutsche Stiftung Schlafmedizin, Epilepsie und neuromuskuläre Erkrankungen widmet sich der Verbesserung der Versorgung in diesen Bereichen durch Forschung, Fortbildung und die Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen, wobei ein besonderer Fokus auf den Fortschritten in der Schlafmedizin und der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen liegt.

Schlafmedizin: Ein neues Department am Klinikum Osnabrück

Das Klinikum Osnabrück hat mit der Einrichtung eines neuen Departments für Schlafmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Boentert einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Schlafstörungen unternommen. Dies ist besonders relevant, da Schlafstörungen in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet sind und neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und neuromuskuläre Erkrankungen häufig mit Schlafstörungen einhergehen.

Stationäre Schlafmedizin: Schließen einer Versorgungslücke

Prof. Boentert betont, dass es in Deutschland generell zu wenig Kapazitäten im Bereich der stationären Schlafmedizin gibt. Das neue Department am Klinikum Osnabrück wird daher einen stationären Bereich umfassen, um Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene mit schweren neurologischen Erkrankungen zu schaffen, die in ambulanten Schlaflaboren nicht angemessen versorgt werden können. Diese Patienten benötigen oft pflegerische Unterstützung oder spezielle Diagnostikverfahren.

Diagnostische Möglichkeiten im Schlaflabor

Im Zentrum für Neurologie und Geriatrie des Klinikums werden Patientenzimmer mit (mobiler) Schlaflabortechnik ausgestattet, die es ermöglichen, u.a. Hirnstromaktivität, Atemfluss, Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut sowie das Bewegungsverhalten im Schlaf aufzuzeichnen. Diese umfassende Diagnostik ist entscheidend, um die über 80 verschiedenen Erkrankungen bzw. Diagnosen, die die Schlafmedizin kennt, zu identifizieren und eine individuelle Therapie zu entwickeln.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Neuromedizinischen Zentrum

Das Department für Schlafmedizin ist Teil des Neuromedizinischen Zentrums am Klinikum Osnabrück und wird eng mit den anderen Fachabteilungen des Hauses kooperieren. Dies ermöglicht eine umfassende und interdisziplinäre Versorgung von Patienten mit Schlafstörungen und neurologischen Erkrankungen. Im Neuromedizinischen Zentrum sind bereits spezialisierte Zentren für Epilepsie, Parkinsonsyndrome und Bewegungsstörungen, Schluckstörungen, Multiple-Sklerose und neuromuskuläre Erkrankungen angesiedelt.

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Bedeutung der Schlafmedizin für neurologische Erkrankungen

Schlafstörungen können den Heilungsprozess beeinträchtigen und zu einem verstärkten Leidensdruck führen. Daher sind eine rasche Abklärung und Behandlung wichtig, insbesondere bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Das Klinikum Osnabrück bietet nun stationäre und ambulante Behandlungsmöglichkeiten für alle Arten von Schlafstörungen an, einschließlich Schlafapnoe, chronischer Schlaflosigkeit, Schlafwandeln, Narkolepsie und schlafbezogenen Atmungsstörungen.

Neuromuskuläre Erkrankungen: Fortschritte in Diagnostik und Therapie

Neuromuskuläre Erkrankungen umfassen eine Vielzahl von Erkrankungen, die die Muskeln, die Nerven, die die Muskeln steuern, oder die Verbindung zwischen Nerven und Muskeln betreffen. Die Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen haben in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht.

Spezialambulanz für neuromuskuläre Erkrankungen in Aachen

Die Spezialambulanz für neuromuskuläre Erkrankungen am Universitätsklinikum Aachen bietet eine umfassende Versorgung für Erwachsene mit verschiedenen neuromuskulären Erkrankungen wie Myopathien, (Poly)Neuropathien, Myasthenia Gravis und Erkrankungen der Motoneurone. Die Aufgaben dieser Spezialsprechstunde umfassen die Stellung einer exakten Diagnose, die Entwicklung eines Therapiekonzeptes sowie die Optimierung der weiteren ärztlichen und nicht-ärztlichen Betreuung.

Multidisziplinäre Zusammenarbeit und Forschung

Die neuromuskuläre Ambulanz in Aachen arbeitet multidisziplinär mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, insbesondere mit der Sektion für Neuropädiatrie und Sozialpädiatrie, dem Institut für Neuropathologie und dem Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum der RWTH Aachen. Regelmäßig finden interdisziplinäre Patientenbesprechungen und Fallkonferenzen statt. Das Neuromuskuläre Zentrum in Aachen trägt das Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke und nimmt aktiv an verschiedenen internationalen und nationalen Registern und Netzwerken teil.

Therapieansätze bei neuromuskulären Erkrankungen

Wenngleich für viele neuromuskuläre Erkrankungen aktuell noch keine ursächliche Therapie möglich ist, können die verschiedenen Symptome dennoch medikamentös, mittels Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und mit anderen Behandlungsformen gelindert werden. In der neuromuskulären Ambulanz in Aachen wird beispielsweise die intravenöse Behandlung mit Immunglobulinen bei Patienten mit einer Chronisch Inflammatorischen Demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) oder einer Multifokalen Motorischen Neuropathie (MMN) ambulant durchgeführt.

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Neuromuskuläre Ambulanz in Ulm

Auch die Neurologische Hochschulambulanz im RKU in Ulm bietet eine Spezialsprechstunde für neuromuskuläre Erkrankungen an. Hier werden Patienten mit unklarer Schwäche einzelner oder aller Muskeln, Muskelversteifungen, Muskelschmerzen, Gefühlsstörungen oder Muskelschwund betreut. Der erste Schritt ist in der Regel ein Gespräch mit dem betreuenden Arzt und eine ärztliche Untersuchung. Im Anschluss daran erfolgen häufig eine Blutuntersuchung, eine elektrophysiologische Untersuchung bzw. Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren.

Epilepsie: Diagnostik und Therapie in der Spezialambulanz für Anfallserkrankungen

Die Spezialambulanz für Anfallserkrankungen (Epilepsie) betreut überwiegend Patienten, die unter einer Epilepsie leiden und antikonvulsiv behandelt werden. Ein regelmäßiger Arzt-Patienten-Kontakt, eine gewissenhafte Überwachung der Medikamentenwirkungen und genaue Auswertungen der Befunde in der Elektroenzephalographie (EEG) sind grundlegende Voraussetzungen für einen dauerhaften Therapieerfolg.

Stationäre EEG-Diagnostik

Speziell für Patienten, die einen erstmaligen epileptischen Anfall erlitten haben und bei denen das Risiko neuer Anfälle und die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie geklärt werden soll, bietet die Ambulanz eine weiterführende, gegebenenfalls auch ausführliche stationäre EEG-Diagnostik an (zum Beispiel 24-Stunden-EEG), um die maximal mögliche diagnostische Sicherheit zu erlangen.

Weitere neurologische Schwerpunkte und Angebote

Neben den genannten Schwerpunkten bietet die Neurologie eine Vielzahl weiterer Spezialsprechstunden und Behandlungsangebote an. Dazu gehören unter anderem:

  • MS-Zentrum: Behandlung der Multiplen Sklerose mit ambulanter und stationärer Versorgung.
  • Schlaganfall und Dopplerambulanz: Umfassende Diagnostik und Therapie von Schlaganfällen, einschließlich einer Spezialsprechstunde für zerebrale Mikroangiopathie und genetische neurovaskuläre Erkrankungen.
  • Ambulanz für Botulinumtoxin Therapie: Behandlung von Dystonien, Spastischen Lähmungen, Vermehrtem Speichelfluss und Vermehrtem Schwitzen.
  • Neurologische Schmerzsprechstunde: Behandlung von Schmerzstörungen aufgrund von neurologischen Erkrankungen.
  • Neuropsychologische Sprechstunde: Neuropsychologische Differentialdiagnostik, Verlaufskontrolle, Beratung und Therapieempfehlung.
  • Spezialsprechstunde für Blasenfunktionsstörungen: Behandlung von Harninkontinenz, Überaktiver Blase und anderen Blasenfunktionsstörungen bei neurologischen Erkrankungen.

Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen

Für Patienten mit neurologischen Erkrankungen und deren Angehörige ist es wichtig, Informationen und kompetente Ansprechpartner zu finden. Da die DGKN e.V. als medizinische Fachgesellschaft ausschließlich an ÄrztInnen und medizinische Fachgruppen wendet, empfiehlt sie, sich an Patientenorganisationen oder Selbsthilfegruppen zu wenden. Dazu gehören beispielsweise die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. und die Alzheimer Angehörigen Initiative e.V..

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