Diabetes und Demenz: Ein komplexer Zusammenhang

Die alternde Bevölkerung sieht sich mit einer wachsenden Anzahl von Demenzerkrankungen konfrontiert. Gleichzeitig steigt die Prävalenz von Diabetes mellitus weltweit. Studien deuten auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen diesen beiden Erkrankungen hin. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Diabetes und Demenz, die Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen.

Einführung

Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns, die mit einem fortschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. In Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Die Alzheimer-Krankheit ist die bekannteste Demenzform, aber auch andere Erkrankungen wie die vaskuläre Demenz können eine Demenz auslösen. Diabetes mellitus, insbesondere Typ-2-Diabetes, ist eine Stoffwechselstörung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Die Erkrankung kann die Nieren und das Herzkreislauf-System schädigen und langfristig auch die geistige Gesundheit beeinträchtigen.

Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Demenz

Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Studien zeigen, dass das Risiko für Demenz bei Menschen mit Diabetes um das 1,5- bis 2-fache erhöht ist. Dieser Zusammenhang wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  • Gefäßschäden: Diabetes begünstigt Arterienverkalkung und Durchblutungsstörungen - auch im Gehirn. Dadurch steigt das Risiko für eine vaskuläre Demenz. Frauen mit Diabetes haben ein 2,3-fach und Männer ein 1,7-fach erhöhtes Risiko, eine vaskuläre Demenz zu entwickeln.
  • Blutzuckerwerte: Sowohl dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte als auch schwere Unterzuckerungen können das Gehirn schädigen. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte gehen mit einer Verschlechterung der kognitiven Leistung einher.
  • Entzündungen und Stoffwechselveränderungen: Erhöhte Blutzuckerwerte können Entzündungsprozesse fördern, die langfristig auch das Gehirn belasten. Auch die Insulinresistenz der Körperzellen scheint ein Bindeglied zwischen Diabetes und Alzheimer-Demenz darzustellen.
  • Zerebraler Glukosestoffwechsel: Der zerebrale Glukosestoffwechsel scheint bereits früh bei der Alzheimer-Demenz verändert zu sein. Eine periphere Insulinresistenz scheint auch mit einer zerebralen Insulinresistenz verbunden zu sein.

Diabetes kann auf ganz unterschiedliche Weise das Gehirn schädigen: durch Veränderungen an den Gehirngefäßen, denn Diabetes führt zu Gefäßverkalkungen, durch Beeinträchtigung des Zucker- und Insulinstoffwechsels im Gehirn und durch Hypoglykämien (Unterzuckerungen) durch die Diabetestherapie z. B. mit Insulin. Auch ein instabiler Blutzucker-Langzeitwert HbA1c ist mit einem höheren Demenz-Risiko verbunden. Manche Stoffwechseleigenschaften des Diabetes schädigen das Gehirn direkt - ohne Vermittlung durch den Blutzucker: Bei Diabetes-Typ-2 wurde die Abnahme der Expression von Glukosetransportern ( GLUT-1 und GLUT-3) in verschiedenen Hirnregionen beobachtet, auch die Zunahme von Sauerstoffradikalen sowie mitochondriale Veränderungen, die im Zusammenhang mit den pathophysiologischen Veränderungen bei Demenz stehen könnten

Typ-1-Diabetes und Demenzrisiko

Während der Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und kognitiven Störungen gut belegt ist, war die Datenlage bei Typ-1-Diabetes bislang unzureichend. Eine landesweite Kohortenstudie aus Schweden hat jedoch gezeigt, dass auch Menschen mit Typ-1-Diabetes ein etwa doppelt so hohes Risiko für Demenz haben wie Personen ohne Diabetes, wobei die vaskuläre Demenz besonders häufig auftritt.

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Prädiabetes und Demenzrisiko

Die meisten Menschen, die an Diabetes Typ 2 erkranken, haben davor das, was man als Prädiabetes bezeichnet. Das heißt, ihr Langzeitblutzuckerwert liegt zwischen 5,7 und 6,5 Prozent. Prädiabetes allein erhöhte die Gefahr für Demenz kaum. Offensichtlich schaden geringfügig erhöhte Zuckerwerte dem Gehirn noch nicht. Rund 45 Prozent der Teilnehmer mit Prädiabetes erkrankten aber später an Diabetes Typ 2. Bei den Personen mit Typ-2-Diabetes war das Risiko für Demenz deutlich erhöht, und zwar umso höher, je früher die Krankheit auftrat. Wer bereits vor dem 60. Geburtstag erkrankt, hat ein dreifach erhöhtes Risiko für Demenz.

Antidiabetika und Demenzrisiko

Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Antidiabetika das Demenzrisiko senken könnten. Eine Analyse von Krankenkassen-Daten zeigte einen statistischen Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Pioglitazon und der Senkung des Demenzrisikos. Auch eine Behandlung mit Metformin setzte das Gefährdungspotenzial herab. Moderne Antidiabetika, sog. SGLT2-Inhibitoren, wurden daraufhin getestet, ob sie auch das Demenz-Risiko von Menschen mit Diabetes senken können. Eine aktuelle koreanische Studie gibt Hoffnung, denn die medikamentöse Intervention reduzierte dort das Risiko um 21 %. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Forschung hierzu noch nicht abgeschlossen ist und weitere Studien erforderlich sind, um die genauen Effekte bewerten zu können.

Prävention von Demenz bei Diabetes

Da die Genese der Demenzen multifaktoriell ist, sollten Menschen mit Diabetes über ihr erhöhtes Risiko, aber auch über sinnvolle Maßnahmen zur Demenzprävention informiert werden. Dazu zählen:

  • Gut eingestellter Blutzucker: Schwere Unterzuckerungen vermeiden. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte gehen mit einer Verschlechterung der kognitiven Leistung einher.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann dazu beitragen, das Risiko für Diabetes und Demenz zu senken.
  • Alltag aktiv gestalten mit regelmäßiger Bewegung: Bewegungsmangel ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Demenzentwicklung.
  • Blutdruck- und Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls ärztlich behandeln lassen: Hypertonie und Hyperlipidämie haben einen Einfluss auf die Demenzentwicklung.
  • Eigene Psyche stärken und Hilfe bei Stress, Sorgen oder depressiven Stimmungen in Anspruch nehmen: Depression ist mit der Demenzentwicklung assoziiert.
  • Geistig aktiv bleiben, zum Beispiel durch Lesen, Spielen oder Neues lernen: Soziale Interaktionen und Aktivitäten, die das Gehirn fördern und fordern, können zur Demenzprävention beitragen.
  • Soziale Kontakte pflegen: Einsamkeit und soziale Isolation erhöhen das Demenzrisiko.

Herausforderungen im Umgang mit Diabetes und Demenz

Tritt eine Demenz bei einer bestehenden Diabetes-Erkrankung auf, erschwert dies das Diabetes-Management. Kognitive Fähigkeiten sind im Bereich des Diabetes-Selbstmanagements wichtig; ihr Nachlassen macht bei Menschen mit Demenz und Diabetes die Behandlung schwierig und erhöht die Risiken, wie beispielsweise das Auftreten von Hypoglykämien. Demenz-Patienten oder auch solche mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung sind oftmals nicht mehr in der Lage, ihre Diabetes-Erkrankung zu kontrollieren bzw. die Symptome eines zu niedrigen Blutzuckerspiegels überhaupt zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren.

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