Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Millionen von Menschen leiden darunter, oft ohne klare Diagnose oder angemessene Behandlung. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die besten Ärzte und Behandlungsmethoden für Migräne in Deutschland zu finden.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, pulsierende Kopfschmerzen äußert, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Die Schmerzen sind meist einseitig und können zwischen 4 und 72 Stunden andauern.
Symptome der Migräne
- Pulsierende, klopfende oder hämmernde Kopfschmerzen
- Mittlere bis starke Intensität
- Verstärkung durch körperliche Aktivität
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Photophobie und Phonophobie)
- In seltenen Fällen Geruchsempfindlichkeit
- Aura (visuelle oder sensorische Störungen)
Arten von Migräne
Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter:
- Episodische Migräne: Weniger als 15 Kopfschmerztage pro Monat.
- Chronische Migräne: 15 oder mehr Kopfschmerztage pro Monat, davon mindestens 8 Tage mit Migränecharakteristika.
- Migräne mit Aura: Kopfschmerzen werden von neurologischen Symptomen wie Lichtblitzen, Sprachstörungen oder Taubheitsgefühlen begleitet.
- Migräne ohne Aura: Kopfschmerzen treten ohne vorherige neurologische Symptome auf.
Ursachen und Auslöser der Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Mögliche Auslöser können sein:
- Stress
- Schlafmangel
- Hormonelle Veränderungen
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke (z. B. Alkohol, Käse, Schokolade)
- Wetteränderungen
- Starke Sinnesreize (z. B. grelles Licht, laute Geräusche)
Moderne Therapieansätze
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden.
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Akuttherapie
Die Akuttherapie dient dazu, die Symptome während einer Migräneattacke zu lindern. Dazu gehören:
- Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen können bei leichten bis mittelschweren Attacken helfen.
- Triptane: Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt und wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen.
Prophylaktische Therapie
Die prophylaktische Therapie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken zu reduzieren. Dazu gehören:
- Betablocker: Diese Medikamente werden häufig zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch Migräne vorbeugen.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika werden zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
- CGRP-Antikörper: Diese relativ neuen Medikamente blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), ein Molekül, das bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
- Botulinumtoxin (Botox): Wird bei chronischer Migräne eingesetzt, um die Muskeln im Kopf- und Nackenbereich zu entspannen.
Nicht-medikamentöse Therapien
Neben Medikamenten gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Therapien, die bei Migräne helfen können:
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga und Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Biofeedback: Diese Technik hilft Patienten, ihre Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung besser zu kontrollieren.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Migräneprophylaxe wirksam sein kann.
- Physiotherapie: Kann helfen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu lösen.
- Verhaltenstherapie: Kann helfen, Stressoren und Trigger zu identifizieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Spezialisierte Einrichtungen und Ärzte in Deutschland
In Deutschland gibt es zahlreiche spezialisierte Einrichtungen und Ärzte, die sich auf die Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne konzentrieren. Hier sind einige Beispiele:
Kopfschmerzzentren
- Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel: Bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, chronische Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerz und andere chronische Schmerzerkrankungen. Die Klinik bietet sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungen an.
- Zur Planung des Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Eine Verordnung von Krankenhausbehandlung vom behandelnden Arzt.
- Ausfüllen der Aufnahme-Checkliste durch den Arzt.
- Ausfüllen des Schmerzkalenders und des Schmerzfragebogens.
- Senden aller Unterlagen und relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die angegebene Anschrift.
- Die Klinik hat integrierte Versorgungsverträge mit zahlreichen Krankenkassen, darunter AOK Schleswig-Holstein, Techniker Krankenkasse, Deutsche Angestelltenkrankenkasse, Hanseatische Krankenkasse HEK, Landwirtschaftliche Krankenkasse Schleswig-Holstein und Hamburg, Knappschaft Bahn See, BKK vor Ort und E.ON Betriebskrankenkasse.
- Zusätzlich bietet die Klinik Schmerzkonferenzen an, in denen individuelle Fragen zur Einweisung und Behandlung besprochen werden können.
- Zur Planung des Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Kopfschmerzzentrum der Charité (Berlin): Versorgt jährlich über 2.000 Patient:innen mit Kopf- und Gesichtsschmerzen. Das Zentrum bietet ein intensives ambulantes Behandlungsprogramm (IV Kopfschmerz Spezial) für Patient:innen mit chronischer Migräne und anderen chronischen Kopfschmerzen an. Hierbei werden die Patient:innen von Neurolog:innen, Psycholog:innen, Krankengymnast:innen, Sportwissenschaftler:innen und in Kopfschmerz geschultem Pflegepersonal behandelt.
- Interdisziplinäres Universitätsschmerzzentrum Universitätsklinikum Carl Gustav Carus (Dresden): Bietet umfassende Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzen und Migräne.
Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) setzt sich für eine bessere Versorgung von Betroffenen ein und bietet wertvolle Ressourcen, um Beschwerden zu verstehen und zu lindern. Die DMKG unterstützt Betroffene bei der Suche nach einer Behandlung durch eine Auflistung von Ärzt:innen, Psycholog:innen, Physiotherapeut:innen und Kliniken mit spezialisierten Sprechstunden und stationären Angeboten.
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- Die Liste an Expert:innen beruht aktuell auf einer Selbstauskunft von DMKG-Mitgliedern und wird künftig durch eine Liste ersetzt, die nur noch Behandelnde aufführt, die das Kopfschmerzzertifikat der DMKG erworben haben. Diese sind jetzt schon durch den Zusatz „Zertifizierter DMKG-Kopfschmerzexperte“ gekennzeichnet.
- Die Inhaber:innen des Zertifikats haben Fortbildungspunkte erworben, in einem Kopfschmerzzentrum hospitiert und ihre Kenntnisse in Arztbriefen und einem Fachgespräch überprüfen lassen.
- Auch zertifizierte Kliniken werden künftig aufgeführt.
- Die DMKG übernimmt keine Gewähr für Behandlungsqualität oder Adressangaben.
Weitere Spezialisten
- Dr. med. Kaube: Bietet eine hochspezialisierte Sprechstunde für die Behandlung von Menschen mit Kopf- und Gesichtsschmerzen, auch nach Covid-19-Erkrankungen und Herpes Zoster-Infektionen. Es werden keine neurologischen Zusatzdiagnostik wie EEG, VEP und Doppler / Duplex-Sonographie durchgeführt.
- Dr. H. Klenzestr.: Spezialisiert auf Kopfschmerzen und Migräne.
Tipps zur Vorbereitung auf den Arzttermin
Um das Beste aus Ihrem Arzttermin herauszuholen, sollten Sie sich gut vorbereiten. Hier sind einige Tipps:
- Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Dauer, Intensität und Begleitsymptome Ihrer Kopfschmerzen. Notieren Sie auch mögliche Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder bestimmte Nahrungsmittel.
- Bringen Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen mit: Dazu gehören Arztbriefe, Befunde (z. B. MRT des Kopfes), Medikamentenliste und Impfpass.
- Füllen Sie einen Kopfschmerzfragebogen aus: Viele Ärzte verwenden spezielle Fragebögen, um die Art und Häufigkeit Ihrer Kopfschmerzen besser einschätzen zu können.
- Bereiten Sie Fragen vor: Schreiben Sie sich alle Fragen auf, die Sie Ihrem Arzt stellen möchten.
Migräne-Beratung per Video
Eine gute Alternative zur Sprechstunde in der Praxis bietet die Videosprechstunde. Gerade in Zeiten des Abstandhaltens kann es für dich und deinen Arzt von Vorteil sein, wenn die Sprechstunde an getrennten Orten stattfindet. Bei einer Videosprechstunde buchst du online einen Termin bei einem Arzt/einer Ärztin deiner Wahl und nimmst den Termin bequem von zu Hause wahr.
Dafür brauchst du lediglich einen Internetanschluss und einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone mit Kamera, Lautsprecher und Mikrofon, um mit dem Arzt kommunizieren zu können. Nimm im besten Fall die ausgefüllte Checkliste mit in die Videosprechstunde, um bestmöglich auf den Termin vorbereitet zu sein. Einen Überblick über alle Anbieter von Videosprechstunden bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).
Forschung und Innovation
Die Forschung im Bereich Kopfschmerzen und Migräne schreitet stetig voran. Als universitäres Kopfschmerzzentrum ist die Forschung ein zentrales Anliegen. Zur Evaluation innovativer prophylaktischer und akut-medikamentöser Behandlungsmethoden werden klinische Studien zu neuen Substanzklassen durchgeführt. Hierbei wird das Prüfpräparat mit einem Placebo (Phase II und Phase III Studien) oder einer bestehenden Regelversorgung (Phase IV Studien) verglichen und hinsichtlich Effektivität sowie Sicherheit beurteilt. Neben den klassischen Medikamentenstudien beschäftigt man sich in mehreren klinischen Studien mit der Untersuchung von klinischen (z.B. Kopfschmerztage, Begleitsymptome, erfolgte Therapien) und paraklinischen Parametern (z.B. Laborparameter und bildgebende Untersuchungen) unterschiedlicher primärer sowie sekundärer Kopfschmerzerkrankungen. Das Studiendesign ist dabei variabel und kann von einer einmaligen Untersuchung/Befragung hin zu einer längeren Beobachtungsperiode mit mehreren Studienvisiten reichen.
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