Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen betroffen sind, wobei Frauen zwei- bis dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Sie zeichnet sich durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen aus, die mit Symptomen wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergehen können. Obwohl die genauen Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind, spielen genetische Veranlagung, Hormone, Umweltfaktoren, Stress und Ernährung eine Rolle. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Ernährung eine wichtige Rolle bei der Auslösung und Bewältigung von Migräneanfällen spielt.
Die Rolle der Ernährung bei Migräne
Eine ausgewogene Ernährung ist für die allgemeine Gesundheit von entscheidender Bedeutung und kann die Behandlung von Migräne beeinflussen. Eine nährstoffreiche Ernährung versorgt den Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die eine optimale Gehirnfunktion unterstützen und das Migränerisiko verringern.
Ernährungsmuster und Mahlzeitenfrequenz
In unserem Alltag ist es oft nicht möglich, regelmäßig zu essen. Häufig haben wir wenig Zeit und nicht immer die Gelegenheit, uns nährstoffreich zu ernähren. Das Essen in der Kantine steht schon bereit, Fast Food ist schnell gekauft und noch schneller verzehrt, und wenn es hart auf hart kommt, muss der Schokoriegel reichen oder wir verzichten ganz aufs Essen. Chips, Schokolade und Co. Dabei kann sich eine gesunde Ernährung bei Betroffenen positiv auf die Migräne auswirken. Forscher vermuten, dass das Gehirn von Menschen mit Migräne für die Reizverarbeitung mehr Energie braucht.
Um einen ausgewogenen Mahlzeitenrhythmus einzuhalten, kann es hilfreich sein, sich einen Moment zu überlegen, wie Sie regelmäßige Mahlzeiten in Ihren Alltag einbauen können. Sind Sie zum Beispiel ein Morgensprinter und finden vom Bett blitzschnell Ihren Weg zum Arbeitsplatz, können Sie dort angekommen eine Frühstückspause einbauen. Liegt ein Termin genau in der Mittagszeit, kann ein kleiner Snack davor helfen, die Zeit bis zu einem späteren Mittagessen zu überbrücken. Gehen Sie abends ins Theater oder ins Kino, können Sie ein leichtes Abendessen davor einplanen. Grundsätzlich gilt, lassen Sie nie das Frühstück ausfallen! Beginnen Sie Ihren Tag mit einem ausgewogenen Frühstück, um eine Grundlage für den Tag zu schaffen. Nehmen Sie sich mittags Zeit, um in Ruhe zu essen. Essen dient nicht nur dazu, unseren Körper zu nähren. Ein gesundes Gericht in angenehmer Atmosphäre ist auch Nahrung für die Seele. Am Abend empfehlen sich leicht verdauliche Mahlzeiten. Ein paar Stunden vor dem Zubettgehen sollten Sie nichts mehr essen. Falls Sie Zwischenmahlzeiten brauchen, sind frisches Obst, ein kleiner Joghurt oder Studentenfutter eine gute Wahl. Auch frisches Gemüse wie eine Karotte oder Gurke und leichte Suppen sind gute Snacks für zwischendurch.
Flüssigkeitszufuhr
Dehydrierung wurde bei einigen Personen als möglicher Auslöser für Migräne identifiziert. Daher ist die Aufrechterhaltung einer angemessenen Flüssigkeitszufuhr für den Umgang mit Migräne unerlässlich. Wer über den Tag verteilt ausreichend Wasser trinkt, kann einer Dehydrierung vorbeugen und möglicherweise die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen verringern. Der individuelle Wasserbedarf kann je nach Aktivitätsniveau, Klima und allgemeinem Gesundheitszustand variieren. Im Normalfall sollte man mindestens 1,5 Liter pro Tag zu sich nehmen. Am besten Wasser, ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee oder Saftschorlen. Neben Wasser können auch Kräutertees und feuchtigkeitsspendende Lebensmittel wie Obst und Gemüse zur allgemeinen Flüssigkeitszufuhr beitragen.
Lesen Sie auch: Migräne natürlich lindern durch Ernährung
Individuelle Trigger und das Migräne-Tagebuch
Eins ist jedoch klar: Eine „Migräne-Diät“, die für alle Betroffenen gilt, gibt es nicht. Während bestimmte Lebensmittel bei einigen Menschen eine Attacke auslösen können, haben sie bei anderen keine Wirkung. Deshalb müssen Sie nicht pauschal auf etwas verzichten. Jeder Mensch ist einzigartig, und auch die Auslöser für Migräneattacken sind sehr individuell. Es ist wichtig, Ihre persönlichen Trigger zu kennen. Um herauszufinden, was Ihre Trigger sind, hilft es, ein Tagebuch zu führen. Notieren Sie Datum, Dauer und Auslöser Ihrer Migräneattacken darin. Bringen Sie das Tagebuch ausgefüllt zu Ihrem nächsten Arzttermin mit.
Das Migräne-Tagebuch, auch Migräne-Kalender oder Kopfschmerz-Kalender genannt, hat die Aufgabe, Auslöser der Migräne zu entlarven. Dadurch können diese sogenannten Trigger zukünftig vermieden und in der Folge die Anfälle reduziert werden.
Wenn Sie solch ein Migräne-Tagebuch führen, ist es wichtig, zu überlegen, in welcher Situation sich die Symptome zeigen. Außerdem geben Sie an, welche Medikamente Sie bei welchen Symptomen einnehmen und ob diese Ihnen helfen.
Eine Übersichtsseite des Migräne-Tagebuchs umfasst inhaltlich die Ereignisse eines Monats. Die Zahlen am Rand stehen für das jeweilige Datum im laufenden Monat. So können Sie nachvollziehen, an welchen Tagen es zum Beispiel gehäuft zu Migräne-Anfällen kam, wie viele Tage im jeweiligen Monat insgesamt betroffen waren und ob die Migräne-Tage aufeinander folgen - zum Beispiel an einem Wochenende - oder es beschwerdefreie Pausen dazwischen gibt.
Herauszufinden, an wie vielen Tagen pro Monat es zu Migräne-Anfällen kommt, ist deshalb relevant, damit von ärztlicher Seite eine chronische Migräne abgegrenzt werden kann. Bei chronischer Migräne treten an mindestens 15 Tagen pro Monat Migräne-Symptome auf.
Lesen Sie auch: Migräne lindern mit der Gerson-Diät
Ordnen Sie die Schmerzen auf einer Skala ein: stark (S), mittel (M) oder leicht (L). So können Sie zum Beispiel sehen, ob die Schmerzen anhaltend stark sind oder an- bzw. absteigend im Verlauf der Migräne-Attacke.
Besonders relevant - nicht nur für Sie, sondern auch für den Arzt - ist die Frage, wie lange die Schmerzen in der Regel anhalten: weniger als 6 Stunden (<), zwischen 7 und 12 Stunden (>) oder länger als 12 Stunden (!). Daran können Sie zum Beispiel ablesen, ob alle Migräne-Anfälle in Hinblick auf die Schmerzdauer gleich sind oder ob es, möglicherweise in Abhängigkeit von bestimmten Triggern, verschieden lange Schmerzphasen gibt.
Die Dauer zu dokumentieren ist sinnvoll, weil man daran unter anderem ablesen kann, wie sehr die Migräne-Anfälle den Alltag beeinflussen und wie gravierend die Einschränkungen sind.
Bei den Kopfschmerzen, die bei einer Migräne auftreten, unterscheidet man zwischen pulsierendem/pochendem und dumpfem/drückenden Schmerz. Ob die Schmerzen ein- oder beidseitig auftreten, ist ebenfalls wichtig. Diese Angaben helfen, die genaue Form der Migräne zu identifizieren. Kennt man die Migräne-Art, ist eine zielgerichtete Therapie viel eher möglich.
Migräne geht mit verschiedenen Symptomen einher, zum Beispiel mit einer Aura. In dieser Spalte kreuzen Sie an, welche Beschwerden den Migräne-Anfall kennzeichnen. Nicht immer treten alle Symptome bei jeder Migräne-Attacke auf!
Lesen Sie auch: Ernährung bei Migräne
Die Begleitsymptome zu dokumentieren ist wichtig, denn sie geben einen Hinweis auf die Form der Migräne. Weil sich die Symptome der verschiedenen Migräneformen teilweise überschneiden, sind sie zwar meist keine Einschluss- oder Ausschlusskriterien für eine Diagnose, aber oft gute Indizien. Auch das Ausmaß der Einschränkungen durch die Migräne kann dadurch ärztlich besser abgeschätzt werden.
Bei der Beschreibung der Auslöser geht es darum, festzuhalten, was in etwa zu dem Zeitpunkt passiert ist, als es zu einer Migräne-Attacke kam. Das können Nahrungsmittel sein, Stress, Schlafmangel oder hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus. Weitere Trigger sind möglich, diese sind individuell verschieden und können in der Vorlage ergänzt werden. Tragen Sie in der entsprechenden Spalte die Ziffern ein, die zum jeweiligen Auslöser gehören. Auf diese Weise kann es gelingen, wiederkehrende problematische Situationen zu vermeiden und die Anzahl und/oder Stärke Ihrer Migräne-Anfälle zu reduzieren.
Auch Nahrungsmittel oder Getränke, die Sie unmittelbar vor dem Migräne-Anfall konsumiert haben, sind relevant. Bestimmte Inhaltsstoffe begünstigen in manchen Fällen eine Migräne-Attacke. Wenn ein Zusammenhang vorliegt, erkennen Sie an diesen Notizen.
Besonders Käse, Alkohol, Schokolade und koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Cola spielen oft eine Rolle. Auch andere Produkte können einen Anfall auslösen, notieren Sie diese ebenfalls in Ihrem Migräne-Tagebuch. Allen Nahrungsmitteln und Getränken ist ein Buchstabe zugeordnet, den Sie in der entsprechenden Spalte festhalten können.
In der Spalte „Auslöser“ können mehrere Faktoren notiert werden, Sie müssen Sie sich nicht für eine Nummer und/oder einen Buchstaben entscheiden. Manchmal stellt sich dann auch heraus, dass es die immer gleichen Kombinationen sind, die zu Migräne führen, beispielsweise Alkohol und hormonelle Schwankungen vor oder während der Menstruation.
Hier tragen Sie die Migräne-Medikamente ein, die Sie gegen die Beschwerden eingenommen haben. Hier wird nicht nach Medikamenten gefragt, die Sie aufgrund anderer Beschwerden einnehmen, zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck. Typische Medikamente in dieser Spalte sind Ibuprofen, ASS, Triptane, Vomex und andere.
Notieren Sie, in welcher Dosierung und Darreichungsform (Tropfen, Tabletten, Zäpfchen, Spritze) Sie die Migräne-Medikamente eingenommen haben.
Geben Sie hier an, ob die Einnahme geholfen hat oder nicht oder ob die Beschwerden dadurch nur ein wenig nachgelassen haben. Diese Information ist besonders für Ihren Arzt oder Ihre Ärztin wichtig, um die richtige Behandlungsstrategie festzulegen. Wenn ein Mittel nicht hilft, sollten unbedingt Alternativen ausprobiert werden, um das Therapieziel Beschwerdefreiheit zu erreichen.
Haben Sie keine Medikamente eingenommen, setzen Sie einen Strich oder lassen Sie die Spalten leer.
Hier können Sie eintragen, welche anderen Maßnahmen, etwa Akupunktur oder Massagen, Ihnen helfen konnten.
Manchmal sind die Migräne-Attacken so stark, dass eine Krankmeldung nötig ist.
Häufig genannte Trigger
Im Zusammenhang mit Migräne wird oft Histamin als Trigger genannt. Histamin ist ein biogenes Amin, das an vielen wichtigen Körperfunktionen beteiligt ist. Es kommt natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor. Bei empfindlichen Menschen kann es Migräneattacken begünstigen. Besonders hohe Mengen finden sich in gereiften oder fermentierten Produkten wie Käse, Wurst- und Fischwaren oder Sauerkraut. Auch alkoholhaltige Getränke - vor allem Rotwein, Bier und Sekt - enthalten viel Histamin.
Magnesium und Migräne
Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Magnesiummangel Migräneattacken hervorrufen kann. Deshalb sollten magnesiumreiche Zutaten auf den Speiseteller. Dazu zählen vor allem grünes Gemüse, Vollkornnudeln, Naturreis, Quinoa, Hirse und Nüsse.
Koffein und Migräne
Koffein kann sowohl Migräne auslösen als auch helfen, sie zu lindern. Ein plötzlicher Koffeinentzug kann Migräne auslösen, während eine moderate Koffeinaufnahme (1-2 Tassen Kaffee pro Tag) bei einigen Menschen Migräne lindern kann.
Natrium-Glutamat
Auch für den Geschmacksverstärker Natrium-Glutamat konnte eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Migräneattacken nachgewiesen werden.
Empfehlenswerte Ernährung bei Migräne
Um deine Ernährung möglichst ausgewogen zu gestalten, ist es wichtig, dass dein Körper gut versorgt ist mit Omega-3-Fettsäuren, Magnesium und Vitamin B2. Diese Nahrungsbestandteile gelten als entzündungshemmend und werden im Zusammenhang mit der Migräne als gesundheitsfördernd beschrieben.
Empfehlenswerte Nahrungsmittel
- Omega-3-Fettsäuren: Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren sind zum Beispiel Fisch, Walnüsse oder Leinsamen.
- Magnesium: Magnesium kannst du gut durch Nahrungsmittel wie braunen Reis, Avocado oder dunkelgrünes Gemüse aufnehmen.
- Vitamin B2: Vitamin B2 - auch Riboflavin genannt - kommt zum Beispiel in Champignons, Mandeln oder Rinderleber in hoher Konzentration vor.
Die Bedeutung von Regelmäßigkeit
Regelmäßigkeit vor SelektionStatt sich zu sehr auf vereinzelte Nahrungsmittel zu konzentrieren oder gar einige vom Speiseplan zu streichen, sind regelmäßige Mahlzeiten das viel wichtigere Ziel. Starke Schwankungen deines Blutzuckerspiegels können Migräneattacken begünstigen. Und zu diesen Schwankungen kommt es vor allem dann wenn du Mahlzeiten auslässt oder sehr unregelmäßig isst. Daher ist es für Migränebetroffene besonders wichtig, einen gewissen Rhythmus bei ihren Mahlzeiten einzuhalten. Nimm mindestens drei Mahlzeiten am Tag zu dir. Und achte darauf, auch am Wochenende zu einer ähnlichen Uhrzeit zu frühstücken. Vom Intervallfasten solltest du lieber die Finger lassen. Gerade zu Beginn kommt es hier zu einem starken Absinken des Blutzuckerspiegels. Und das wiederum kann der Auslöser für deine nächste Migräneattacke sein!
5 Ernährungstipps für Migräne
Statt dich in deiner Ernährung einzuschränken und extrem restriktive Diäten auszuprobieren, solltest du die folgenden 5 Tipps im Zusammenhang von Migräne und Ernährung beherzigen.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Verhindere starke Schwankungen im Blutzuckerspiegel indem du regelmäßig isst.
- Ausgeglichener Koffeinkonsum: Vermeide Kopfschmerzen durch Koffeinentzug indem du täglich ungefähr die gleiche Menge Koffein zu dir nimmst.
- Verzicht auf Geschmacksverstärker Natrium-Glutamat: Natrium-Glutamat ist einer der wenigen nachgewiesenen Migräne-Trigger, auf den du möglichst verzichten solltest.
- Möglichst viele frische Lebensmittel: Koche möglichst mit frischen Zutaten - dann weißt du auch genau, was in deinem Essen enthalten ist.
- Behalte deine Freude am Essen: Fokussiere dich weniger auf das, was du weglassen solltest und mehr auf gesunde Nahrungsmittel und Genuss.
Aktuelle Forschungsergebnisse zu speziellen Ernährungsformen
Eine neu veröffentlichte Studie widerlegt nun die Annahme, dass es keine sogenannte „Migräne-Diät“ gibt, die potenzielle Attacken vorbeugen kann. Zwar handelt es sich bei einer Migräne um eine genetische Erkrankung, allerdings können auch äußerliche Faktoren eine Rolle spielen. Der Lebensstil, die Umgebung und die Nahrung können ebenfalls einen Einfluss auf die Migräne haben.
Forscherinnen und Forscher analysierten innerhalb dieser Studie die Ernährungsumstellung bei Menschen mit Migräne. Insgesamt wurden mehr als 700 Probanden in acht klinischen Studien in die Arbeit aufgenommen. Die Forschenden in Madrid konnten anhand der Studien verschiedene Ernährungsweisen miteinander vergleichen. Näher betrachtet wurde dabei eine ketogene Ernährungsweise, die sogenannte DASH-Diät und andere Ernährungsformen, worunter unter anderem eine vegane Ernährung zählte. Bei einer ketogenen Ernährung wird hauptsächlich auf eine stark reduzierte Kohlenhydratzufuhr und eine hohe Fettausnahme geachtet. Die DASH-Diät wurde ursprünglich für Personen mit Bluthochdruck entwickelt und steht für „Diätischer Ansatz zum Stopp von Hochdruck“.
Das Ergebnis der Studie zeigt den stärksten Effekt bei einer ketogenen Ernährung und der DASH-Diät. Sowohl die eine als auch die andere Ernährungsweise scheinen die Häufigkeit von Migräneattacken verringern zu können, wie es in der Studie heißt. Neben der Milderung der Migräneattacken, reduzierte sich bei der DASH-Diät zusätzlich noch das Körpergewicht. Diese sei zudem darauf ausgelegt längerfristig die Ernährung umzustellen. Die ketogene Ernährung sei jedoch nicht für eine langfristige Anwendung zu empfehlen, heißt es in der Übersichtsarbeit, da diese Ernährungsform sehr einseitig und fettreich sei. Während bei der DASH-Diät auf hauptsächlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Fisch, Geflügel, Nüsse, Kerne und pflanzliche Öle gesetzt wird, fallen bei der ketogenen Diät viele dieser Lebensmittel weg. Hier soll auf Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, die meisten Obstsorten und stärkereiches Gemüse wie Kartoffeln verzichtet werden oder nur in geringen Mengen gegessen werden. Der Fokus liegt bei der ketogenen Ernährung auf Fleisch und Fisch, kohelnhydratarme Obst- und Gemüsesorten wie Beeren, Salat oder Brokkoli.
Weshalb dieser Effekt zu Stande kommt, ist derzeit noch nicht eindeutig bekannt. Eine mögliche Erklärung wäre der hohe Anteil an Antioxidantien den man einnimmt. Bei der DASH-Diät enthalten pflanzliche Lebensmittel Polyphenole und Carotinoide, die für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt sind. Dies könnte mit der Linderung der Migränesymptome in Zusammenhang stehen. Bei der ketognene Ernährung könnte der Effekt dadurch erklärt werden, dass die Zucker-Stoffwechsel-Störung bei Migränepatientinnen und Migränepatienten umgangen wird, indem statt Zucker-Bausteine sogenannte Ketonkörper als Energiequelle genutzt werden. Zusätzlich kommt hinzu, dass bei beiden Ernährungsformen eine geringe bis keine Aufnahme von Fertigprodukten vorschreiben. Somit wird auf Zucker, gesättigte Fettsäuren und zu hohen Salzgehalt verzichtet.
Basische Ernährung
Dass eine basische Ernährung dazu beitragen kann, die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren, habe ich schon bei vielen meiner PatientInnen erleben dürfen. Natürlich ist Migräne eine komplexe neurologische Erkrankung, die in verschiedenen Formen auftritt und die vielerlei Ursachen mit unterschiedlicher Ausprägung haben kann. Auch wenn die Ursachen von Migräne nicht vollständig geklärt sind, weiß man, dass verschiedene Faktoren, wie genetische Veranlagung, Hormone, Umweltfaktoren, Stress und Ernährung eine Rolle spielen können. Die Erfahrung zeigt, dass eine basische Ernährung dazu beitragen kann, den Säure-Basen-Haushalt im Körper auszugleichen und dass ein Ungleichgewicht mit Migräne in Verbindung gebracht werden kann. Eine basische Ernährung kann auch ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Ansatzes zur Migräneprävention sein. Eine Woche basenfasten entlastet den Stoffwechsel und wirkt sich damit positiv auf den gesamten Stoffwechsel aus, auch auf den Hormonstoffwechsel aus. Was Ernährung ganz allgemein angeht, bist du mit basenfasten safe vor möglichen Auslösern. Denn diese sind: Koffein, Alkohol, bestimmte Käsesorten, Schokolade, künstliche Süßstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe wie Mononatriumglutamat (MSG) - bei basenfasten alles tabu.
Die Bedeutung eines stabilen Energiestoffwechsels im Gehirn
Neue Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Migräne ein Energie-Defizitsyndrom des Gehirns mit Fehlsteuerung des Energieumsatzes in den Mitochondrien der Nervenzellen ist. Dieses führt zu einer Kaskade von neurologischen Symptomen. Mittels Magnetresonanzspektroskopie (MRS) konnten zahlreiche Substanzen analysiert werden, welche im Energiestoffwechsel beteiligt sind. Diese schließen Laktat, Magnesium und Adenosintriphosphat ein. Studien haben Veränderungen im Hypothalamus, Thalamus und im Hirnstamm identifiziert. Diese legen eine endokrine Entstehung der Migräne nahe. Oxidative Stresslevel übersteigen dabei die antioxidativen Fähigkeiten der Nervenzellen. Die Migräneattacke unterstützt dabei möglicherweise die Wiederherstellung des ausgeglichenen Energiehaushaltes des Gehirns. Sie reduziert schädigenden oxidativen Stress.
Eine Fehlsteuerung der mitochondrialen Enzymfunktion und der Glukose-Verstoffwechslung sowie oxidativer Stress können spezifische Antworten auf externe Auslöser sein. Trigger oder Auslöser wirken demnach nicht an sich. Ihre Wirkung ist vielmehr eine Folge von Störungen im Energiestoffwechsel des Gehirns. Entscheidend ist bei der Entstehung der Migräneattacke nicht der Anfall an sich. Dieser entsteht vielmehr in der Folge von mannigfaltigen Ereignissen häufig schon Wochen bevor der eigentliche Anfall auftritt. Diese Ereignisse kulminieren dann in einer Migräneattacke. Der direkte Zeitraum vor dem eigentlichen Anfall ist daher nicht von entscheidender Bedeutung. Der Ratschlag, Trigger zu vermeiden funktioniert daher in der Regel nicht. Sie wirken zu bestimmten Zeiten, zu anderen Zeiten nicht. Trigger kulminieren in einer Migräneattacke, wenn eine gewisse Schwelle überschritten ist, die in der Biologie der Betroffenen bedingt ist, nicht jedoch in der physikalischen Eigenschaft des Triggers. Gemeinsamer Faktor der Auslöser ist damit deren Fähigkeit in der Summe oxidativen Stress zu bedingen. Oxidativer Stress wird aufgrund eines Defizits der nervalen Energievorräte bedingt. Die Folge ist, dass die Nervenzellen ihre Energie nicht mehr für die Abwehr von oxidativem Stress nutzen können, die antioxidative Verteidigung nicht mehr ausreichend möglich ist.
Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich eine völlig neue Herangehensweise für die Behandlung der Migräne. Insbesondere kann damit weit vor dem eigentlichen Ausbruch der Migräneattacke durch Wissen und angepasste Verhaltensweisen therapeutisch eingegriffen werden. Dabei wird das frühere Denken, dass die Migräneattacke die eigentliche Erkrankung ist, welche unterdrückt werden muss, in Frage gestellt. Daraus ergeben sich neue wesentliche vorbeugende Behandlungsstrategien. Behandlungen, die den Hirnstoffwechsel normalisieren, spielen dabei eine zentrale Rolle. Maßnahmen, die eine Stabilisierung des Energiestoffwechsels als Ziel haben, sollten daher primär als Therapie im Mittelpunkt stehen. Im Fokus steht dabei auch Ernährung. Sie stellt die Energie, die Fähigkeit zu arbeiten, den Nervenzellen zur Verfügung. Ernährung ist der Schlüssel für eine ausreichende Energieversorgung des zentralen Nervensystems. Regelmäßigkeit und kohlenhydratreiche Ernährung sind dabei zentrale Regeln für eine stabile Energieversorgung der Nervenzellen. Aber auch für die Behandlung der akuten Attacke kann eine Stabilisierung des Energiehaushaltes bedeutsam sein. Koffein aktiviert den Energieumsatz aus Kohlenhydraten in nervale Energie. Auch Kortikosteroide können über einen metabolischen Effekt in den Energiehaushalt der Nervenzellen therapeutisch eingreifen. In der Zusammenschau ist die Migräneattacke eine Schutzreaktion des Gehirns zur Schadensabwehr und nicht das eigentliche Problem.