Das Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig ist ein weltweit einzigartiges Festival, das jährlich zu Pfingsten die schwarze Szene anzieht. Mit über 60 Veranstaltungsorten, die sich über das gesamte Stadtgebiet erstrecken, bietet das WGT ein vielfältiges Programm aus Konzerten, Theateraufführungen, Filmen, Lesungen, Workshops und Märkten. Trotz seiner Popularität und Bedeutung gibt es jedoch auch Kritikpunkte und Herausforderungen, die regelmäßig diskutiert werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des WGT, von seinen Ursprüngen und Besonderheiten bis hin zu den Kritikpunkten und Zukunftsperspektiven.
Ursprünge und Entwicklung des WGT
Das erste Wave-Gotik-Treffen fand 1992 im Leipziger Club Conne Island statt und war mit rund 2000 Besuchern noch sehr überschaubar. Das WGT entstand aus einer Subkultur, die sich zur Walpurgisnacht zu Zeiten der DDR entwickelt hatte, jedoch vom ostdeutschen Regime wegen ihrer nicht systemkonformen Haltung geächtet wurde. Erst nach der Wiedervereinigung konnte sich die Szene organisieren und das WGT etablieren.
Vielfalt und Gemeinschaft
Das WGT ist längst weit mehr als nur ein Musikfestival. Thematisch passend werden Theaterstücke aufgeführt, Filme gezeigt, Lesungen und Workshops angeboten. Die Vielfalt der Besucher ist beeindruckend: Mittelalterliche Klänge treffen auf Electronic Body Music, Rüschenhemden auf Steampunk-Outfits, Lederkutten auf Lodenmäntel. Auch Vertreter der BDSM- und Fetisch-Szene, Neofolk-Enthusiasten, Punks und Cyberpunks sind anzutreffen. Das WGT ist ein wichtiges Zusammenkommen der Szene weltweit, bei dem das Gemeinschaftsgefühl, der Austausch von Gedanken, das Genießen von Musik und das gemeinsame Feiern im Vordergrund stehen.
Die ungeschriebenen Gesetze des WGT
Um beim WGT nicht in Fettnäpfchen zu treten, gibt es einige ungeschriebene Regeln zu beachten:
- Keine Verkleidungen: Die Outfits der Besucher sind keine Kostüme, sondern Ausdruck ihrer Identität.
- Bewusste Gangart: Goths schreiten, stolzieren, stiefeln, flanieren oder schweben. Hastige Bewegungen sind unerwünscht.
- Teilnahme statt Zuschauen: Das WGT lebt vom Gemeinschaftsgefühl. Man sollte mittendrin sein und nicht nur vom Rand aus zuschauen.
- Farbenlehre: Schwarz ist die Standardfarbe der Szene, aber auch Farbtupfer sind erlaubt. Ein Hawaiihemd beim EBM-Konzert ist jedoch ein No-Go.
- Friedfertigkeit: Die Goths sind eine friedfertige Szene. Gewalt hat keinen Platz auf dem WGT.
- Anerkennung durch Kreativität: Anerkennung erhält man durch kreative Ideen, Outfits, Kunstwerke, Gedanken oder Musikstücke, nicht durch Protzen.
- Respekt vor der Privatsphäre: Man sollte nicht ungefragt Fotos von anderen Besuchern machen.
Kritikpunkte und Herausforderungen
Trotz seiner positiven Aspekte steht das WGT auch immer wieder in der Kritik. Einige der häufigsten Kritikpunkte sind:
Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies
- Überfüllung: Das WGT hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen, was zu Überfüllung an den Veranstaltungsorten und langen Wartezeiten führt.
- Hohe Preise: Insbesondere die Preise für Nahrungsmittel werden oft als unverschämt kritisiert.
- Mangelnde Infrastruktur: Die geringe Anzahl an Toiletten in der Agra und die mangelnde Information über den Füllstand der Veranstaltungsorte sind seit Jahren bekannte Probleme.
- Austauschbarkeit des Line-Ups: Viele Besucher bemängeln, dass sich das Line-Up der verschiedenen Szenefestivals stark ähnelt und es wenig Platz für Newcomer gibt.
- Stagnation: Einige Kritiker werfen der Szene Stagnation vor und fordern mehr Mut zu Neuem und Unbekanntem.
- Kommerzialisierung: Die zunehmende Kommerzialisierung und der Fokus auf Selbstdarstellung werden ebenfalls kritisiert.
- Verlust des ursprünglichen Geistes: Manche Besucher bemängeln, dass das WGT zu einem Kostümfest verkommen ist und der ursprüngliche Geist der schwarzen Szene verloren geht.
Die Schwierigkeit der Programmgestaltung
Die Programmgestaltung des WGT ist eine Herausforderung. Mit über 180 Bands an vier Tagen ist es für die Besucher unmöglich, alle Konzerte zu besuchen, die sie interessieren. Oftmals spielen mehrere interessante Bands gleichzeitig, was zu schwierigen Entscheidungen führt. Zudem wird kritisiert, dass unbekanntere deutsche Bands im Vergleich zu internationalen Acts benachteiligt werden.
Die Rolle der Musik
Die Musik ist ein zentraler Bestandteil des WGT, aber auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige Besucher bemängeln den hohen Anteil an Elektro-Bands und fragen sich, was diese mit Wave und Gothic zu tun haben. Andere sehen die Vielfalt der Musikstile als Bereicherung.
Das Problem der Selbstdarstellung
Ein weiterer Kritikpunkt ist die zunehmende Selbstdarstellung auf dem WGT. Viele Besucher scheinen mehr daran interessiert zu sein, fotografiert zu werden, als sich mit der Musik und der Kultur der Szene auseinanderzusetzen. Dies führt zu einer Oberflächlichkeit, die von einigen als störend empfunden wird.
Die Frage der Toleranz
Obwohl die schwarze Szene oft als tolerant gilt, gibt es auch hier Grenzen. Einige Besucher fühlen sich von bestimmten Outfits oder Verhaltensweisen gestört und fordern eine stärkere Besinnung auf die Wurzeln der Szene.
Lösungsansätze und Zukunftsperspektiven
Um die genannten Probleme anzugehen und das WGT zukunftsfähig zu machen, gibt es verschiedene Lösungsansätze:
Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.
- Gesundschrumpfung: Eine Reduzierung der Besucherzahlen und der Anzahl der Bands könnte zu einer Entspannung der Situation führen.
- Verbesserung der Infrastruktur: Der Ausbau der Toilettenanlagen und die Bereitstellung von Informationen über den Füllstand der Veranstaltungsorte sind dringend erforderlich.
- Förderung von Newcomern: Mehr Platz für unbekanntere Bands im Line-Up könnte zu einer größeren Vielfalt und neuen Impulsen führen.
- Stärkere Fokussierung auf die Kultur: Mehr Angebote im Bereich Theater, Film, Lesungen und Workshops könnten das WGT inhaltlich bereichern.
- Besinnung auf die Wurzeln: Eine stärkere Fokussierung auf die Ursprünge der schwarzen Szene und ihre Werte könnte zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche führen.
Konkrete Verbesserungsvorschläge
Einige konkrete Verbesserungsvorschläge, die von Besuchern geäußert wurden, sind:
- Die Einrichtung von Informationsständen, an denen sich Besucher über den Füllstand der Veranstaltungsorte informieren können.
- Die Schaffung einer zweiten Open-Air-Bühne, um das Programm zu entlasten.
- Die Flexibilisierung der Konzertzeiten, um den Bands mehr Zeit für ihre Auftritte zu geben.
- Die Reduzierung der DJ-Sets, die von vielen Besuchern als störend empfunden werden.
Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven