Die Wichtigkeit von Neurotransmittern und ihre Funktionen

Neurotransmitter sind essenzielle Botenstoffe im Nervensystem, die eine Schlüsselrolle bei der Übertragung von Nervenimpulsen zwischen Neuronen spielen. Sie ermöglichen die Kommunikation zwischen Nervenzellen und sind von grundlegender Bedeutung für zahlreiche neurologische Prozesse, einschließlich Bewegung, Wahrnehmung, Emotionen und Gedächtnisbildung.

Was sind Neurotransmitter?

Neurotransmitter, abgeleitet vom lateinischen "transmittere" (überbringen), sind Botenstoffe, die bei der Erregungsübertragung eines Reizes von einem Neuron (Nervenzelle) auf ein anderes eine wichtige Rolle spielen. Sie sind biochemische Substanzen, die zwischen Zellen im menschlichen Körper Reize weiterleiten, verstärken oder modulieren können.

Die rund 100 Milliarden Nervenzellen des Gehirns müssen schnell und effektiv miteinander kommunizieren. Das funktioniert einerseits über elektrische Impulse und andererseits eben über Neurotransmitter und Rezeptoren. Die Neurotransmitter werden im Gehirn produziert. Durch das Andocken an einen Rezeptor können sie ihre Botschaft weiterleiten. Die Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind über Synapsen miteinander verbunden. An diesen Kontaktstellen findet die Übertragung von Informationen an die Zelle statt.

Gedanken, Gefühle, Bewegungen - nichts würde ohne die Nervenbotenstoffe funktionieren. Kein Wunder, dass hier ein Ungleichgewicht massive Folgen hat, sowohl auf kognitiver als auch auf motorischer Ebene.

Die Synapse: Ort der Erregungsübertragung

Synapsen sind der Ort, an dem die Erregungsübertragung stattfindet - hier werden elektrische Reize (Aktionspotentiale) von Neuronen zu nachgeschalteten Muskel-, Nerven- und Drüsenzellen weitergeleitet. Dabei sind Neurotransmitter von großer Bedeutung.

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Synapsen bestehen grob aus drei Teilen:

  • Die präsynaptische Membran: Sie enthält Neurotransmitter, die in Vesikel verpackt sind. Diese Neurotransmitter dienen als Botenstoffe für die Erregungsübertragung.
  • Der synaptische Spalt: Diese ist der Zwischenraum zwischen prä- und postsynaptischer Membran und besteht aus extrazellulärer Matrix.
  • Die postsynaptische Membran: Hier gibt es Rezeptoren, die Informationen über Dendriten empfangen.

Innerhalb einer Synapse werden sie in der Regel von der präsynaptischen Membran per Exozytose in den synaptischen Spalt freigesetzt, wo sie zur postsynaptischen Membran diffundieren. Neurotransmitter sind also dafür zuständig, Reize von einer Zelle auf die andere Zelle zu übertragen.

Wie funktionieren Neurotransmitter?

Neurotransmitter übermitteln Signale innerhalb einer Synapse von der präsynaptischen zur postsynaptischen Membran. Hierzu werden elektrische Signale in chemische Signale umgewandelt. Dies läuft folgendermaßen ab:

  1. Zunächst erreichen elektrische Impulse, sogenannte Aktionspotentiale, die präsynaptische Membran und führen zur Öffnung von Calcium-Kanälen.
  2. Die Neurotransmitter, die sich in der präsynaptischen Membran in Vesikeln befinden, werden daraufhin in den synaptischen Spalt ausgeschüttet. Dieser Vorgang wird als Exozytose bezeichnet.
  3. Als Nächstes gelangt ein Vesikel per Diffusion zu den Rezeptoren der postsynaptischen Membran. Die Bindung des Neurotransmitters an einen Rezeptor führt zu Änderungen der Struktur der Rezeptorproteine.
  4. Es öffnen sich Kanäle, die zum Ein- oder Ausströmen von Ionen führen. Der Ein- oder Ausstrom von Ionen kann entweder ein erregendes (exzitatorisches) postsynaptisches Potential (EPSP) oder ein hemmendes (inhibitorisches) postsynaptisches Potential (IPSP) verursachen. Je nachdem wird das Potential verstärkt oder gehemmt.

Ob eine verstärkte (EPSP) oder gehemmte (IPSP) Erregung weitergeleitet wird, hängt von den Rezeptoren und Ionenkanäle der Postsynapse ab.

  • An einer exzitatorischen Synapse entsteht ein exzitatorisches postsynaptisches Potential (EPSP). Hierbei wird die Spannung am postsynaptischen Neuron positiver. Man spricht von einer Depolarisation. Das geschieht so: die entsprechenden Neurotransmitter binden an Rezeptoren der Postsynapse und öffnen Natrium-Ionenkanäle. Na+ -Ionen strömen in die Zelle hinein und führen zum Anstieg der Spannung in der Nervenzelle. Sie wird depolarisiert.
  • An einer hemmenden Synapse entsteht ein inhibitorisches postsynaptisches Potential (IPSP). Dabei kommt es zu einer Hyperpolarisation. Das beschreibt ein Absinken des Ruhepotentials. Genauer gesagt öffnen sich Kalium- und Chloridkanäle durch die Bindung entsprechender Neurotransmitter an den Rezeptoren der Postsynapse. Positiv geladene K+-Ionen strömen aus der Zelle heraus und negativ geladene Cl--Ionen strömen in die Zelle hinein. Die Spannung wird negativer - die Nervenzelle wird hyperpolarisiert.

Nach der Bindung an den Rezeptor der postsynaptischen Membran werden die Neurotransmitter durch verschiedene Enzyme in unwirksame Bestandteile abgebaut. Das Enzym Cholinesterase im synaptischen Spalt baut den Neurotransmitter Acetylcholin ab. Acetylcholin wird in Acetat (Essigsäure) und Cholin gespalten und diffundiert wieder zurück zur präsynaptischen Membran. Die Reizweitergabe findet so lange statt, wie Acetylcholin im synaptischen Spalt noch vorhanden ist. Diese Bestandteile diffundieren zurück zur präsynaptischen Membran und werden unter Energieverbrauch wieder zusammen gesetzt und in Vesikeln gespeichert - sie sind bereit für ein neues elektrisches Signal.

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Insgesamt ermöglichen Neurotransmitter also die Kommunikation und Informationsweiterleitung zwischen Neuronen und anderen Zellen.

Ionotrope und metabotrope Rezeptoren

Ob ein Neurotransmitter erregend oder hemmend wirkt, hängt von den Eigenschaften seines Rezeptors an der Postsynapse ab. Es werden ionotrope und metabotrope Rezeptoren unterschieden.

  • Ionotrope Rezeptoren (bzw. ligandengesteuerte Ionenkanäle) sind Rezeptoren, an denen Liganden binden und zur Öffnung des Ionenkanals führen. Sie sind Membranrezeptoren und gleichzeitig stellen sie einen Ionenkanal dar. Die Öffnung des Ionenkanals bewirkt das Einströmen von Ionen, die das Membranpotential verändern. Liganden sind Stoffe (z. B. Neurotransmitter), die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an den Ionenkanälen binden und sie aktivieren. Die Aktivierung kann durch Loslösen des Moleküls wieder rückgängig gemacht werden. Den ligandengesteuerten Ionenkanal kannst du dir wie eine Pore an der postsynaptischen Membran vorstellen. Hier strömen Ionen heraus oder herein. Das Membranpotential ist die Spannungs- bzw. Potentialdifferenz zwischen zwei Flüssigkeitsräumen, die voneinander getrennt sind. Genauer gesagt dem Interzellulär- und dem Extrazellulärraum - also zwischen dem inneren Zellraum und dem Raum außerhalb der Zelle. Bei Nervenzellen herrscht im unerregten Zustand ein Ruhepotential. Durch Reizeinwirkung und daraus resultierenden Ioneneinstrom kommt es zu Spannungsänderungen, die zu einem Aktionspotential führen können.
    • Exzitatorische Rezeptorkanäle - Erregende Neurotransmitter: Die wichtigsten exzitatorischen (erregenden) Liganden sind die Neurotransmitter Glutamat und Acetylcholin. Die Ionenkanäle bzw. Rezeptorkanäle erhalten ihren Namen nach dem aktivierenden Liganden. Ihre Rezeptoren heißen dementsprechend ionotrope Acetylcholinrezeptoren und ionotrope Glutamatrezeptoren. Synapsen, an denen sich exzitatorische Rezeptorkanäle befinden, bezeichnet man auch als erregende Synapsen. Sie erzeugen an der Postsynapse ein postsynaptisches Potential, das stärker positiv ist, als das Ruhepotential. Das wird als exzitatorisches postsynaptisches Potential bezeichnet, kurz EPSP.
    • Inhibitorische Rezeptorkanäle - Hemmende Neurotransmitter: Ein wichtiger inhibitorischer (hemmender) Ligand ist der Neurotransmitter GABA (y-Aminobuttersäure). Die Rezeptorkanäle heißen GABA-Rezeptoren und kommen im zentralen Nervensystem vor. Synapsen, an denen sich inhibitorische Rezeptorkanäle befinden, bezeichnet man auch als hemmende Synapsen.
  • Metabotrope Rezeptoren: Durch Bindung eines Liganden an einen metabotropen Rezeptor wird im Zellinneren eine Signalkaskade ausgelöst, die der Informationsweiterleitung dient. Diesen Vorgang der Signalweiterleitung bezeichnet man als Signaltransduktion. Meist wird ein G-Protein aktiviert, nachdem ein Neurotransmitter an ein metabotropen Rezeptor bindet. Dadurch, dass ein Signal an metabotropen Rezeptoren über mehrere Schritte weitergegeben wird, kommt es zu längeren Reaktionszeiten. Die metabotropen Rezeptoren haben anders als die ionotropen Rezeptoren keinen Einfluss auf die Menge der Ionen und deshalb auch nicht auf das Membranpotenzial.

Einteilung der Neurotransmitter

Die Einteilung der Neurotransmitter kann nach einer Reihe von verschiedenen Aspekten erfolgen. Neurotransmitter können nach ihren chemischen Merkmalen in Monoamine, Peptide und Aminosäuren eingeteilt werden.

  • Monoamine: sind z. B. Adrenalin, Dopamin, Histamin und Melatonin.
  • Neuropeptide: sind z. B. Oxytocin, Somatostatin und Vasopressin.
  • Aminosäuren: sind z. B. y-Aminobuttersäure (GABA) und Glutaminsäure (Glutamat).

Beispiele für wichtige Neurotransmitter und ihre Funktionen

Es gibt sehr viele verschiedene neuronale Botenstoffe, die Signale in deinem Körper übermitteln. Bisher sind um die 100 Neurotransmitter bekannt, doch vermutlich gibt es mehrere Tausende. Aufgrund ihrer chemischen Struktur lassen sie sich in Gruppen einteilen: die Aminosäuren, Peptide und Monoamine. Außerdem können sie hinsichtlich ihrer Funktion unterteilt werden.

Dabei lässt sich zwischen „anregend“ und „hemmend“ unterscheiden, wobei manche Neurotransmitter sogar beides sein können. Unter dieser Vielzahl gibt es einige, von denen du bestimmt schon mehrfach gehört hast. Adrenalin und Noradrenalin haben zum Beispiel eine stimulierende Wirkung.

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Doch diese vier sind für die Nerven-Kommunikation besonders wichtig: Acetylcholin, Serotonin, Dopamin und GABA.

  • GABA (Gamma(y)-Aminobuttersäure): GABA ist ein inhibitorischer Neurotransmitter, der im zentralen Nervensystem vorkommt und in der Bauchspeicheldrüse den Blutzuckerspiegel reguliert. Die Abgabe des Hormons Glucagon, welches für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels sorgt, wird gehemmt. Außerdem ist GABA durch seine hemmende Funktion auch an der Regulation des Schlafs beteiligt. Als hemmender Neurotransmitter steht die GABA-Wirkung der Glutamat-Wirkung gegenüber, sie wirken also gegensätzlich. GABA ist der am häufigsten vorkommende hemmende Botenstoff im Zentralen Nervensystem. Er ist unter anderem am Schlaf beteiligt. Auch in der Bauchspeicheldrüse kommt GABA in größeren Mengen vor.
  • Glutamat: Glutamat ist der Gegenspieler vom GABA-Neurotransmitter. Er kommt ebenfalls im zentralen Nervensystem vor und wirkt exzitatorisch - also erregend. Glutamat dient unter anderem dem Muskelaufbau, der Koordination und der Sekretion von Hormonen der Hypophyse (wie z. B. ACTH). Glutamat ist der häufigste exzitatorische (erregende) Neurotransmitter im Zentralen Nervensystem. Glutamat findet man vor allem etwa in Großhirnrinde, Hippocampus, Thalamus, Kleinhirn und Hirnstamm. Eine Ausnahme hinsichtlich der erregenden Wirkung von Glutamat stellt die Retina dar: Hier am Auge wirkt Glutamat hemmend. Der Neurotransmitter Glutamat (Salz der Glutaminsäure) ist eine Aminosäure. Es ist außerdem der Vorläufer des Transmitters γ-Aminobuttersäure (GABA).
  • Acetylcholin (ACh): Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, der im zentralen und peripheren Nervensystem vorkommt. Im zentralen Nervensystem ist er an kognitiven Prozessen beteiligt und an der Erregungsübertragung von einer Nervenzelle an die nachgeschaltete Nervenzelle. Darüber hinaus ist er an der Vermittlung der Muskelkontraktion und weiterer wichtiger Körperfunktionen beteiligt. Weiterhin ist er auch im vegetativen (dem autonomen) Nervensystem wichtig, insbesondere im Sympathikus und im Parasympathikus. Im Sympathikus und im Parasympathikus werden Informationen über zwei Vorgänge weitergegeben. Zuerst vom prä- auf das postganglionäre Neuron und dann vom postganglionären Neuron an das Zielorgan. Acetylcholin ist sowohl im Sympathikus als auch im Parasympathikus der Neurotransmitter der präganglionären Neuronen. Im Parasympathikus übernimmt er auch die postganglionäre Erregungsübertragung. Acetylcholin (kurz: ACh) wirkt meist erregend und ist, neben Noradrenalin, der wichtigste Transmitter im Peripheren Nervensystem. Man findet Acetylcholin aber beispielsweise auch in Großhirn, Hirnstamm (Formatio reticularis) und Rückenmark. Daneben spielt es auch eine herausragende Rolle im Vegetativen Nervensystem als Neurotransmitter von Sympathikus und Parasympathikus sowie bei der Erregung von Muskelzellen an der motorischen Endplatte. Es gibt zwei Arten von Rezeptoren für Acetylcholin. Ionotrop bedeutet, dass der Rezeptor selbst ein aktivierbarer Ionenkanal ist. Es gibt zwei verschiedene Acetylcholin-Rezeptoren (cholinerge Rezeptoren), die die Acetylcholin-Wirkung beeinflussen: der nikotinische Acetylcholin-Rezeptor und der muskarinische Acetylcholin-Rezeptor. Nikotinische Rezeptoren sind ionotrope Rezeptoren, bilden also selber Ionenkanäle.
  • Dopamin: Dopamin zählt, neben Serotonin, zu den Glückshormonen, weil es beim inneren Belohnungssystem eine wichtige Rolle spielt. Dopamin diffundiert nachdem es seine Wirkung entfaltet hat, zurück zur ursprünglichen Nervenzelle. Die Wirkung des Dopamins endet hierdurch. Wird ein Erlebnis als positiv bewertet, wird Dopamin ausgeschüttet. Dadurch steigert sich der Antrieb und die Motivation und das Erlebnis wird als angenehm abgespeichert. Drogen beeinflussen den Dopamin-Haushalt, weil sie die Wiederaufnahme an der ursprünglichen Nervenzelle hemmen. Langfristig stumpfen die Rezeptoren, an denen das Dopamin bindet allerdings ab und benötigen mit der Zeit mehr Dopamin für eine Erregung. Darüber hinaus ist Dopamin im Gehirn wichtig für die Kontrolle von Bewegungen. Krankheitsbilder wie Parkinson beispielsweise, bei denen die dopamingesteuerten Neuronen degenieren, führen zu Symptomen wie Zittern (Tremor) und Muskelsteifheit (Rigor). Dopamin ist ein Katecholamin und gehört damit zur selben Gruppe wie Adrenalin und Noradrenalin. Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei einer Vielzahl von Funktionen, wozu beispielsweise Motorik, Denken, Wahrnehmung und das Belohnungssystem gehören. Der Neurotransmitter Dopamin gehört neben Adrenalin und Noradrenalin zu den sogenannten Katecholaminen. Es wird vor allem im Nebennierenmark und im Hypothalamus im Gehirn gebildet. Bei Patienten mit Parkinson ist ein Absterben von Nervenzellen, die Dopamin herstellen (dopaminergen Neuronen), verantwortlich. Das kann zur Bewegungsarmut oder sogar Bewegungslosigkeit führen. Um dem entgegenzuwirken, werden Dopamin-Medikamente eingesetzt. Dopamin kann außerdem die Wirkung des Sympathikus steigern.
  • Serotonin: Serotonin ist an der Regulation von Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerz, Emotion sowie Ess- und Sexualverhalten beteiligt. Insgesamt sorgt Serotonin für gute Stimmung und Gelassenheit, was ihm auch den Namen “Glückshormon” beigebracht hat. Serotonin: Den Glücksbotenstoff Serotonin kennt wohl jeder, der gerne Schokolade isst. Serotonin pusht die gute Laune. Dabei ist Serotonin nicht nur für die Stimmung am Tag verantwortlich, sondern auch für den Schlaf in der Nacht. Wie das zusammenhängt? Aus Serotonin wird am Abend Melatonin, das menschliche Schlafhormon, gebildet. Dieses sorgt dafür, dass du müde wirst und schließlich einschläfst. Serotonin ist an der Regulation von Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerz, Emotion sowie Ess- und Sexualverhalten beteiligt. Insgesamt sorgt Serotonin für gute Stimmung und Gelassenheit, was ihm auch den Namen “Glückshormon” beigebracht hat. Neben dem zentralen Nervensystem findest du Serotonin ebenfalls im Magen-Darm-Trakt. Das ist auch der Grund dafür, dass der Konsum einiger Lebensmittel besonders glücklich zu machen scheint.Dort hat Serotonin eine Wirkung auf Schlaf, Schmerzempfinden, Ess-, Sexualverhalten und Emotionen. Es sorgt für eine gute Stimmung und Gelassenheit. Neben dem zentralen Nervensystem findest du Serotonin ebenfalls im Magen-Darm-Trakt. Das ist auch der Grund dafür, dass der Konsum einiger Lebensmittel besonders glücklich zu machen scheint.

Gründe für ein Neurotransmitter-Ungleichgewicht

Hektik, Stress, Überforderung - der heutige Lifestyle ist nicht gerade eine Wellnesskur für unsere Nervenzellen. Ständig müssen sie aktiv sein, verschiedene Dinge gleichzeitig erledigen, sie sind immer unter Strom - dabei kommt die Entspannung viel zu kurz. Und ehe man sich versieht, machen sich die ersten Anzeichen einer Dysbalance bemerkbar. Hinzu kommen noch eine ungesunde Ernährung, wenig Schlaf, womöglich noch Alkohol und Nikotin und Umweltgifte, denen wir uns kaum entziehen können. Dass der Informationsfluss in den Synapsen darunter leidet, ist wenig überraschend.

Wie das Gleichgewicht der Neurotransmitter aussehen soll, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt keine Norm, an der du dich orientieren kannst. Doch solltest du Veränderungen an dir feststellen, an deinem Wesen, an deiner Laune oder einen Hang zur Sucht (es reichen schon mehrere Tassen Kaffee, das Verlangen nach einer Zigarette oder ein zwanghafter Shoppingwahn), solltest du dir Gedanken über deinen Neurotransmitter-Haushalt machen. Denn irgendwo könnte eine Schwachstelle in der Informationsübertragung von Synapse zu Nervenzelle liegen, die behoben werden kann.

Was tun bei einem Ungleichgewicht?

Ob deine Neurotransmitter im Ungleichgewicht sind kannst du nur schwer über Tests herausfinden, da er keine eindeutigen Ergebnisse liefert. Du kannst jedoch folgendes tun und die folgenden Tipps umsetzen:

  1. Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist die Basis, um Körper und Geist zu optimieren. Macht sich dennoch ein Serotonin-Mangel bemerkbar, sind Lebensmittel wichtig, die L-Tryptophan enthalten. L-Tryptophan ist eine Aminosäure, welche die Vorstufe des Glückshormons Serotonin bildet. Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte enthalten besonders viel Tryptophan. Um Dopamin zu verstärken, bietet sich beispielsweise der Verzehr von Avocados, grünem Blattgemüse, Äpfeln, Nüssen, Samen, Haferflocken und dunkler Schokolade an. Gute Nachricht für alle Kaffee-Liebhaber: Auch Kaffee und Grüner Tee pushen Dopamin - sollten aber in Maßen genossen werden. Einen Acetylcholin-Mangel kannst du durch gesunde Fette ausgleichen. Fetthaltiger Fisch, Fleisch, Geflügel, Eier und fetthaltige Milchprodukte sind reich an Cholin, der Vorstufe von Acetylcholin. GABA steigt hingegen an, wenn du beispielsweise Bananen, Brokkoli, Zitrusfrüchte, Linsen, braunen Reis, Fisch, Nüsse, Haferflocken, Spinat, probiotischen Joghurt, Kefir oder Sauerkraut auf deinen Speiseplan setzt.
  2. Supplements: Natürlich kannst du deine Gehirnleistung auch über Supplements fördern. 5-HTP ist der Vorläufer von Serotonin, sollte jedoch nicht langfristig eingenommen werden.
  3. Änderung des Lifestyles: Regelmäßiger Sport, ausreichend Schlaf, frische Luft und Sonnenschein sorgen für die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin. Wer den ganzen Tag im Büro sitzt und von einem Meeting zum nächsten rennt, sollte dringend für Ausgleich sorgen. Meditation und ähnliche Entspannungsmethoden sind dafür sehr empfehlenswert. Der positive Effekt auf die Dopamin-Bildung wurde in einer Studie festgestellt, in der bei den Probanden während einer Mediation ein deutlicher Anstieg des Botenstoffes nachgewiesen werden konnte. Ein gutes Training für die Dopamin-Ausschüttung sind außerdem immer neue Ziele, die du erreichen willst. Dabei fängst du am besten mit Kleinigkeiten an, auf die du deine Energie fokussierst. So erreichst du schneller deine Ziele und kommst in den Genuss des Dopamin-Benefits. Dabei sollte jedoch die Entspannung nicht zu kurz kommen: In einer Studie konnte die besondere Wirkung von Yoga auf die Produktion von GABA nachgewiesen werden. Schon durch eine Stunde Yoga steigt der Wert um bis zu 27% an - ein guter Grund, regelmäßig die Entspannungsmethode zu praktizieren.

Neurotransmitter-Störungen und ihre Auswirkungen

Störungen der Neurotransmitter können zu schwerwiegenden neurologischen und psychischen Erkrankungen führen. Beispielsweise vermutet man bei der Erkrankung Schizophrenie, dass für einige Formen eine Überaktivität von dopaminergen Zellgruppen verantwortlich ist. Auch bei der Depression könnten Neurotransmitter eine ausschlaggebende Rolle spielen. Die Leitsymptome der Depression (gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessensverlust) könnten auf eine reduzierte Aktivität von bestimmten Transmittern zurückzuführen sein. Eine weitere Erkrankung, die auf Neurotransmitter zurückzuführen ist, ist Morbus Parkinson. Bei dieser Krankheit kommt es zum Untergang von dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra. Die Folge davon ist, dass es zu einer vermehrten Hemmung innerhalb der Basalganglienschleife kommt, was schlussendlich die Motorik verlangsamt.

Einige Beispiele für Erkrankungen, die mit Neurotransmitter-Störungen in Verbindung stehen, sind:

  • Myasthenia gravis: Autoimmunerkrankung, die durch eine Produktion von Autoantikörpern gegen Acetylcholinrezeptoren auf der postsynaptischen Membran gekennzeichnet ist. Rezeptoren blockiert sind, wird die Muskelkontraktion gehemmt. Betroffene berichten von Erschöpfung und Müdigkeit am Ende des Tages.
  • Parkinson-Krankheit: neurodegenerative Erkrankung, bei der die Produktion von Dopamin durch Zerstörung der produzierenden Zellen in der Substantia nigra vermindert ist.
  • Autismus-Spektrum-Störung: neurologische Entwicklungsstörung, die durch reduzierte soziale Fähigkeiten, eingeschränkte Interessen und soziale Interaktionen sowie sich wiederholende und stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Diese Störung wird aufgrund der großen Variabilität in der Ausprägung und Symptomatik als „Spektrum“ bezeichnet. Autismus-Spektrum-Störung leiden unter schweren Beeinträchtigungen der Sprachfähigkeit und des Intellekts, während andere einen normalen oder sogar fortgeschrittenen Intellekt aufweisen.
  • Chorea Huntington: progressive neurodegenerative Erkrankung mit autosomal-dominanter Vererbung. Sie wird durch vervielfältigte CAG-Triplett-Wiederholungen (Cytosin-Adenin-Guanin) im Huntingtin-Gen (HTT) verursacht. Zum klinischen Erscheinungsbild im Erwachsenenalter gehören eine Bewegungsstörung, die als Chorea bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um abrupte, unwillkürliche Bewegungen des Gesichts, des Rumpfes und der Extremitäten.
  • Schizophrenie: schwere chronische psychische Störung. Schizophrenie ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein psychotischer Symptome, desorganisierten Sprechens oder Verhaltens, Affektverflachung, Avolition, Anhedonie, verminderte Aufmerksamkeitsfähigkeit und Alogie.

Diagnose von Neurotransmitter-Störungen

Bei Verdacht auf eine Neurotransmitter-Störung kann ein/e Arzt/Ärztin oder Neurologe/-in Tests durchführen, um die Neurotransmitter-Spiegel im Körper zu messen. Möglich ist dies beispielsweise für die Parameter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Die Messung kann durch Bluttests, Liquoruntersuchungen oder bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) erfolgen. Mögliche Indikationen für derartige Untersuchungen sind etwa Schlafstörungen, verminderte Leistungsfähigkeit oder Schmerzen.

Pharmakologische Beeinflussung von Neurotransmittern

Viele Medikamente wirken auf Neurotransmitter-Systeme, um neurologische und psychische Erkrankungen zu behandeln. Einige Beispiele sind:

  • Antidepressiva: Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wurden. Basierend auf der Theorie des Neurotransmitter-Ungleichgewichts versuchen Antidepressiva, die Stimmung zu beeinflussen, indem sie die Spiegel spezifischer Neurotransmitter im Gehirn verändern. Antidepressiva sind als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Angststörungen und Major Depression (MDD) indiziert. Das therapeutische Ansprechen auf Antidepressiva dauert 2-4 Wochen und der volle Nutzen wird erst nach bis zu 8 Wochen sichtbar.
  • Antipsychotika (Neuroleptika): Arzneimittel zur Behandlung psychotischer Störungen und zur Linderung von Unruhe, Manie und Aggression. Beide Medikamentenklassen wirken auf Dopaminrezeptoren.
  • Benzodiazepine: Medikamente, die auf den GABAA-Rezeptor einwirken, um inhibitprische Wirkungen auf das ZNS zu erzeugen. Sie haben anxiolytische, muskelrelaxierende, hypnotische, sedierende und krampflösende Eigenschaften und werden im Allgemeinen nicht für die Langzeitanwendung empfohlen, da Personen eine physiologische und psychologische Abhängigkeit entwickeln können.
  • Pharmakotherapie bei Morbus Parkinson: Carbidopa, MAO-B-Hemmern und Dopaminagonisten, die die dopaminerge Aktivität wiederherstellen.

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