Neurologie Lübeck: Forschung, Klinik und Kontaktinformationen

Die Klinik für Neurologie am UKSH Campus Lübeck, unter der Leitung von Prof. Dr. med. T.F. Münte, ist ein Zentrum für Forschung, Lehre und Patientenversorgung im Bereich der neurologischen Erkrankungen. Die Klinik zeichnet sich durch ihre Expertise in verschiedenen Bereichen der Neurologie aus, darunter kognitive Neuropsychiatrie, Bewegungsstörungen und die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV).

Forschungsschwerpunkte

Die Forschung in der Neurologie Lübeck konzentriert sich auf verschiedene Aspekte des Nervensystems und neurologischer Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der kognitiven Neuropsychiatrie, einem modernen Forschungsgebiet, das sich mit der Schnittstelle zwischen Kognition und Psychopathologie befasst. Ziel ist es, die neurobiologischen Grundlagen psychopathologischer Phänomene sowie neurotypischer Prozesse zu untersuchen.

Kognitive Neuropsychiatrie

Im Bereich der kognitiven Neuropsychiatrie werden psychophysische Messungen eingesetzt, um neuropsychologische Mechanismen zu untersuchen. Zu diesen Messungen gehören Reaktionszeiten, Fehlerraten und die Messung der elektrischen Hirnaktivität mittels Elektroenzephalographie (EEG). Die hohe zeitliche Auflösung des EEG ermöglicht die Untersuchung von ereignisbezogenen Veränderungen innerhalb von Millisekunden.

Neuroimaging-Techniken wie die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichen die Untersuchung struktureller Prozesse mit hoher räumlicher Auflösung. Die Kombination dieser Methoden erlaubt ein umfassendes Verständnis der neuronalen Grundlagen kognitiver Funktionen und ihrer Störungen.

Multimodale Integration

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf der multimodalen Integration, also der effizienten Kombination von Informationen aus verschiedenen Sinnesmodalitäten wie Sehen, Hören, Tasten und Riechen. Studien haben gezeigt, dass Prozesse der multimodalen Integration bei Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder Autismus beeinträchtigt sein können. Die Forschungsgruppe untersucht verschiedene Aspekte dieses komplexen Phänomens, beispielsweise im Bereich der Sprachwahrnehmung.

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Ein spezifisches Beispiel für multisensorische Wahrnehmung ist die Sprachwahrnehmung, bei der auditive Informationen über die Stimme und visuelle Informationen über die Lippenbewegung kombiniert werden. Die visuelle Information kann die Sprachwahrnehmung in lauten Umgebungen erleichtern. Der Integrationsprozess von auditiven und visuellen Informationen kann anhand der McGurk-Illusion untersucht werden, bei der inkongruente visuelle und auditive Informationen zu einer völlig anderen Sprachwahrnehmung führen.

Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis spielt eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung multisensorischer Informationen und zeigt pathologische Beeinträchtigungen bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen. Die meisten Studien untersuchen das Arbeitsgedächtnis jedoch aus einer unimodalen Perspektive. In Lübeck wird die Beziehung zwischen Aggressionsregulation und exzessivem Videospielkonsum untersucht, wobei das General Aggression Model (GAM) zur Anwendung kommt. Das GAM postuliert eine kausale Beziehung zwischen exzessivem Konsum von gewalthaltigen Videospielen und kurzfristigem aggressivem oder impulsivem Verhalten, das auf eine emotionale Desensibilisierung und einen damit verbundenen Empathieverlust zurückgeführt wird.

Schilddrüsenhormone und Kognition

Ein weiteres Forschungsgebiet untersucht die Auswirkungen von Schilddrüsenhormonen auf die kognitive Funktion, die Hirnstruktur und die funktionelle Konnektivität des Gehirns. Durch die gezielte Veränderung der Schilddrüsenfunktion bei gesunden Probanden und Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen werden die Auswirkungen von leichter Hypo- und Hyperthyreose auf höhere kognitive Funktionen, die Struktur der weißen und grauen Hirnsubstanz, die funktionelle Konnektivität des Gehirns und die Hirnperfusion untersucht. Dabei kommen modernste multimodale Neuroimaging-Verfahren, neurokognitive Tests und die Analyse von Biomarkern zum Einsatz.

Die Forschergruppe konnte zeigen, dass eine partielle Reduktion der Levothyroxin-Behandlung bei Patienten zu veränderten Hirnaktivierungen und Auswirkungen auf die Leistung in einer Arbeitsgedächtnisaufgabe führt. Experimentell induzierte subklinische Hypothyreose verursacht eine verminderte funktionelle Konnektivität des Cuneus, während milde Thyreotoxikose zu Veränderungen der Hirnperfusion führt. Experimentell induzierte Thyreotoxikose führt zu einer erhöhten Konnektivität in Strukturen des Temporallappens.

Return to Work nach psychischer Erkrankung

Ein weiteres Projekt konzentriert sich auf die Rückkehr an den Arbeitsplatz (RTW) nach psychischer Erkrankung. Bisherige Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf die Zeit vor der Rückkehr, während die Zeit während und nach der Rückkehr kaum berücksichtigt wird. In diesem Projekt wird eine intensivierte Unterstützung in fünf Versorgungskliniken implementiert, wobei ein multiprofessionelles Team Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen während und nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz begleitet, um eine langfristige Unterstützung zu gewährleisten. Das Konzept verknüpft medizinisch-therapeutische Behandlung mit betrieblichen Maßnahmen, um die berufliche Reintegration zu fördern.

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Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV)

Die Klinik für Neurologie am UKSH Campus Lübeck engagiert sich auch in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). Die ASV ist einVersorgungsangebot für Patienten mit komplexen oder seltenen Erkrankungen, die eine hochspezialisierte ambulante Behandlung benötigen. Die Klinik bietet ASV unter anderem für Patienten mit Multipler Sklerose, Rheumatologie und Lungenerkrankungen an.

Vorträge und Moderationen zum Thema ASV

Prof. Dr. med. und Sonja Froschauer sind als Referenten und Moderatoren zum Thema ASV tätig. Sie halten Vorträge auf Fachveranstaltungen und moderieren Diskussionsrunden, um die Potentiale und Herausforderungen der ASV zu diskutieren und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern.

Themen der Vorträge und Moderationen umfassen:

  • Sektorenübergreifende und intersektorale Zusammenarbeit in der ASV
  • ASV Tumoren der Lunge und des Thorax
  • Digitalisierung in der Praxis - Aktuelle Entwicklungen aus berufspolitischer Sicht
  • ASV Rheumatologie
  • ASV Multiple Sklerose
  • Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung bei MS: Chance in der Neurologie
  • Ambulante Medizin inkl. ASV
  • Vorstellung des Projektes GOAL ASV mit Ergebnissen von Befragungen und Abschätzung der Versorgungsrelevanz
  • ASV - die 3. Säule in der Versorgung
  • Bessere Versorgung durch innovative Ansätze
  • Round Table zur ASV
  • Versorgung von Mukoviszidose-Patienten
  • ASV für Rheuma
  • ASV näher gebracht (Barcamp)
  • ASV novelliert: Die Umsetzung
  • HzV, MVZ, ASV, BAG, Netze - Strukturen weiterdenken!
  • Potentiale der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV)
  • Ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) - Option für eine zukünftige Verbesserung der Patientenversorgung?
  • ASV: Überblick und Ausblick
  • Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung - Status quo, Entwicklungen und Perspektiven
  • Ambulante spezialfachärztliche Versorgung in der Rheumatologie
  • ASV - Neue Chancen für Kooperationen von Vertragsärzten und Krankenhaus
  • Geschichte der Innovationen oder: Die Logik des Scheiterns
  • Wie müsste die ASV gestaltet werden?
  • Umsetzung der ASV in die tägliche Praxis
  • Aktuelle Entwicklungen zur ASV
  • Die ASV: Kollektive integrierte Versorgung mit extrabudgetärer Sonderfinanzierung - ein Vorteil für die Hämophilie?
  • ASV: Stand der Entwicklung, Perspektiven - Veränderung der Strukturen
  • ASV: der Weg in den neuen Versorgungsbereich
  • ASV: gastrointestinale und gynäkologische Tumoren und Optionen für die Umsetzung
  • Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV)
  • Erfahrungen, Hemmschuhe, mittelfristige Entwicklungspotenziale der ASV - Quantensprung für Niedergelassene und Kliniken?
  • Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) - praktische Anwendung
  • Perspektiven der Ambulaten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV)
  • Status quo der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV)
  • Innovation auf Antrag? - Der Innovationsfonds und die Förderung sektorenübergreifender Versorgungsansätze
  • Erfahrungen mit Vergütungsverlockungen; am Beispiel der ASV
  • Ambulante spezialfachärztliche Versorgung - Chancen und Risiken für die Strahlentherapie
  • Interdisziplinäre Teams in der ASV - Standortbestimmung - Bedarf an Case Management?
  • ASV - Erste Umsetzungserfahrungen bei den gastrointestinalen Tumoren und Ausblick auf die weiteren Entwicklungen
  • Aktueller Stand der ASV
  • Die Bedeutung der sektorenübergreifenden „Ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung“ für das Land Baden-Württemberg - heute und in Zukunft
  • ASV - Quantensprung für Kliniken?
  • ASV - Blaupause für die Überwindung der Sektorengrenzen?
  • Ambulante spezialfachärztliche Versorgung: aktueller Stand
  • § 116b neu aus Sicht der Niedergelassenen
  • Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung - Chancen und Risiken des neuen Versorgungssektors
  • Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung: der aktuelle Stand
  • Neufassung der Richtlinie § 116b SGB V - Mehrwert für Patienten fraglich?

Schachspielende Ärzte

Der Neurologe Prof. Dr. med. Peter Krauseneck ist ein begeisterter Schachspieler und nimmt regelmäßig an Schachturnieren für Ärzte teil. Auch andere Ärzte, wie der Kardiologe Dr. med. Patrick Stiller, sind für ihre Schachkünste bekannt. Die Schach spielenden Ärzte treffen sich regelmäßig, um ihr Können zu messen und sich auszutauschen.

Kontaktinformationen

Klinik für NeurologieUKSH Campus Lübeck

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Prof. Dr. T.F. Münte

Ausgewählte Publikationen

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Münte hat zahlreiche Publikationen in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Einige ausgewählte Publikationen sind:

  • Göbel A, Heldmann M, Göttlich M, Goerges R, Nieberding R, Sartorius A, Brabant G, Münte TF. Partial withdrawal of levothyroxine treated disease leads to brain activations and effects on performance in a working memory task: A pilot study. J Neuroendocrinol. 2019 Apr;31(4):e12707.
  • Göbel A, Göttlich M, Heldmann M, Georges R, Nieberding R, Rogge B, Sartorius A, Brabant G, Münte TF. Experimentally induced subclinical hypothyroidism causes decreased functional connectivity of the cuneus: A resting state fMRI study. Psychoneuroendocrinology. 2019 Apr;102:158-163.
  • Göbel A, Heldmann M, Sartorius A, Göttlich M, Dirk AL, Brabant G, Münte TF. Mild Thyrotoxicosis Leads to Brain Perfusion Changes: An Arterial Spin Labelling Study. J Neuroendocrinol. 2017 Jan;29(1).
  • Göttlich M, Heldmann M, Göbel A, Dirk AL, Brabant G, Münte TF. Experimentally induced thyrotoxicosis leads to increased connectivity in temporal lobe structures: a resting state fMRI study. Psychoneuroendocrinology. 2015 Jun;56:100-9.
  • Pietzner M, Engelmann B, Kacprowski T, Golchert J, Dirk AL, Hammer E, Iwen KA, Nauck M, Wallaschofski H, Führer D, Münte TF, Friedrich N, Völker U, Homuth G, Brabant G. Plasma proteome and metabolome characterization of an experimental human thyrotoxicosis model. BMC Med. 2017 Jan 9;15(1):6.
  • Mohammadi, B., Szycik, G. R., te Wildt, B., Heldmann, M., Samii, A., & Münte, T. F. (2020). Structural brain changes in young males addicted to video-gaming. Brain and Cognition, 139, 105518.
  • Tietze, F. A., Hundertmark, L., Roy, M., Zerr, M., Sinke, C., Wiswede, D., … & Szycik, G. R. (2019). Auditory deficits in audiovisual speech perception in adult Asperger’s syndrome: fMRI study. Frontiers in psychology, 10, 2286.
  • Zerr, M., Freihorst, C., Schütz, H., Sinke, C., Müller, A., Bleich, S., … & Szycik, G. R. (2019). Brief sensory training narrows the temporal binding window and enhances long-term multimodal speech perception. Frontiers in psychology, 10, 2489.
  • Rüsseler, J., Ye, Z., Gerth, I., Szycik, G. R., & Münte, T. F. (2018). Audio-visual speech perception in adult readers with dyslexia: an fMRI study. Brain imaging and behavior, 12(2), 357-368.
  • Haß, K., Bak, N., Szycik, G. R., Glenthøj, B. Y., & Oranje, B. (2017). Deficient prepulse inhibition of the startle reflex in schizophrenia using a cross-modal paradigm. Biological psychology, 128, 112-116.
  • Haß, K., Sinke, C., Reese, T., Roy, M., Wiswede, D., Dillo, W., … & Szycik, G. R. (2017). Enlarged temporal integration window in schizophrenia indicated by the double-flash illusion. Cognitive neuropsychiatry, 22(2), 145-158.
  • Sinke, C., Neufeld, J., Zedler, M., Emrich, H. M., Bleich, S., Münte, T. F., & Szycik, G. R. (2014). Reduced audiovisual integration in synesthesia-evidence from bimodal speech perception. Journal of neuropsychology, 8(1), 94-106.
  • Sinke, C., Neufeld, J., Wiswede, D., Emrich, H. M., Bleich, S., Münte, T. F., & Szycik, G. R. (2014). N1 enhancement in synesthesia during visual and audio-visual perception in semantic cross-modal conflict situations: an ERP study. Frontiers in human neuroscience, 8, 21.
  • Szycik, G. R., Ye, Z., Mohammadi, B., Dillo, W., Te Wildt, B. T., Samii, A., … & Münte, T. F. (2013). Maladaptive connectivity of Broca’s area in schizophrenia during audiovisual speech perception: an fMRI study. Neuroscience, 253, 274-282.
  • Münte, T. F., Stadler, J., Tempelmann, C., & Szycik, G. R. (2012). Examining the McGurk illusion using high-field 7 Tesla functional MRI. Frontiers in Human Neuroscience, 6, 95.
  • Neufeld, J., Sinke, C., Zedler, M., Emrich, H. M., & Szycik, G. R. (2012). Reduced audio-visual integration in synaesthetes indicated by the double-flash illusion. Brain research, 1473, 78-86.
  • Neufeld, J., Sinke, C., Dillo, W., Emrich, H. M., Szycik, G. R., Dima, D., … & Zedler, M. (2012). The neural correlates of coloured music: A functional MRI investigation of auditory-visual synaesthesia. Neuropsychologia, 50(1), 85-89.
  • Szycik, G. R., Jansma, H., & Münte, T. F. (2009). Audiovisual integration during speech comprehension: An fMRI study comparing ROI‐based and whole brain analyses. Human brain mapping, 30(7), 1990-1999.
  • Szycik, G. R., Tausche, P., & Münte, T. F. (2008). A novel approach to study audiovisual integration in speech perception: localizer fMRI and sparse sampling. Brain Research, 1220, 142-149.

Diese Publikationen geben Einblick in die vielfältigen Forschungsaktivitäten der Klinik für Neurologie am UKSH Campus Lübeck und tragen zur Weiterentwicklung des Verständnisses neurologischer Erkrankungen bei.

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