Digitale Demenz: Definition, Ursachen und Therapieansätze

Die "digitale Demenz" ist ein populärwissenschaftlicher Begriff, der durch den Ulmer Psychiater Manfred Spitzer geprägt wurde. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, Ursachen und Therapieansätze dieser Thematik und berücksichtigt dabei die neuesten Forschungsergebnisse.

Einführung

Die rasante Entwicklung und Verbreitung digitaler Medien haben unser Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Smartphones sind zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Alltags geworden, der durchschnittliche Nutzer greift mehrmals täglich darauf zu. Diese Entwicklung wirft jedoch auch Fragen nach den Auswirkungen auf unsere geistige Gesundheit auf. Der Begriff "digitale Demenz" beschreibt die Vermutung, dass die Nutzung digitaler Medien hirnorganische Störungen hervorrufen kann, die sich negativ auf Lernen, Gedächtnis und Denken auswirken. Es geht um die potenziellen negativen Auswirkungen der Nutzung von digitalen Medien.

Definition der digitalen Demenz

Im weiteren Sinne beschreibt die digitale Demenz alle vermuteten negativen Auswirkungen der Nutzung von digitalen Medien, etwa im Hinblick auf gesellschaftliches Engagement, Einsamkeit, Wohlbefinden oder Aggressivität. Der Begriff umfasst Störungen von Merkfähigkeit und Konzentration, Schwierigkeiten beim Lesen eines Textes, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Motivationslosigkeit.

Ursachen der digitalen Demenz

Die Ursachen der digitalen Demenz sind vielfältig und komplex. Es wird vermutet, dass die ständige Verfügbarkeit von Informationen und die damit einhergehende Reizüberflutung zu einer Überlastung des Gehirns führen können. Die Neurowissenschaftler der Baylor University und der University of Texas stellten fest, dass Menschen, die digitale Medien nutzen, sogar besser kognitiv altern könnten.

Mangelnde Nutzung des Kurzzeitgedächtnisses

Da Smartphones und andere digitale Geräte als eine Art externes Gedächtnis fungieren, müssen wir unser eigenes Gedächtnis weniger anstrengen. Dies kann dazu führen, dass das Kurzzeitgedächtnis nach und nach an Leistung verliert.

Lesen Sie auch: Gehirn-Implantate: Was bringen digitale Folien?

Verringerte Aufmerksamkeitsspanne

Die ständige Verfügbarkeit von Unterhaltung und Informationen im Internet hat dazu geführt, dass sich viele Menschen an eine schnelle Abfolge von Reizen gewöhnt haben. Dies kann es erschweren, sich über längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren.

Auswirkungen auf die Gehirnaktivität

Studien haben gezeigt, dass zu viel Zeit am Bildschirm die Gehirnleistung negativ beeinflussen und das Risiko für "echte" Demenz und Alzheimer im Alter erhöhen kann. Wer Informationen googelt, speichert die Erkenntnisse mit geringerer Wahrscheinlichkeit im Gehirn ab. Wer sich im Chat austausche, statt Face to Face mit einem Gegenüber darüber zu sprechen, merke sich Inhalte nicht so gut.

Therapieansätze und Präventionsmaßnahmen

Die beste Therapie gegen digitale Demenz ist Üben, Üben, Üben. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die man ergreifen kann, um der digitalen Demenz entgegenzuwirken und die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Geistige Aktivität fördern

Regelmäßiges Gehirntraining kann helfen, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Dies kann durch das Erlernen neuer Fähigkeiten, das Lösen von Rätseln, das Spielen von Strategiespielen oder das Lesen von Büchern geschehen.

Digital Detox

Achten Sie darauf, dass Sie genug Zeit am Tag haben, während der Sie nicht auf einen Bildschirm schauen und sich auf die digitale Kompetenz Ihrer Geräte verlassen. Das ist wichtig für Ihr Gehirn.

Lesen Sie auch: Prof. Spitzer über digitale Demenz

Soziale Interaktion pflegen

Treffen Sie sich regelmäßig mit Freunden und Familie, um sich auszutauschen und soziale Kontakte zu pflegen. Dies kann helfen, Einsamkeit und soziale Isolation zu vermeiden, die sich negativ auf die geistige Gesundheit auswirken können.

Gesunde Lebensweise

Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung sind wichtig für die Gesundheit des Gehirns.

Lernen Sie wieder auswendig

Lernen Sie doch mal wieder ein paar wichtige Nummern auswendig, die einer Freundin oder deines Partners zum Beispiel. Es schadet ja nicht, diese auf Abruf zu kennen - und so trainieren Sie Ihr Gehirn und wirken der digitalen Demenz entgegen.

Digitale Medien bewusst nutzen

Es ist wichtig, digitale Medien bewusst und gezielt zu nutzen. Vermeiden Sie es, sich von der Reizüberflutung des Internets überwältigen zu lassen und konzentrieren Sie sich stattdessen auf Inhalte, die Sie wirklich interessieren und weiterbringen.

Digitale Technologien zur Unterstützung der psychischen Gesundheit

Digitale Technologien können auch zur Unterstützung der psychischen Gesundheit eingesetzt werden. Digitale Interventionen für die psychische Gesundheit werden beispielsweise durch oder mithilfe einer Internetseite vermittelt.

Lesen Sie auch: Digitale Demenz nach Spitzer: Eine kritische Betrachtung

Digitale Interventionen

Digitale Interventionen können spezifisch auf die Symptome einer psychischen Erkrankung, wie Depression, posttraumatische Belastungsstörung oder Demenz, oder auch transdiagnostisch ausgerichtet sein, wenn übergreifende Symptome über Störungsbilder hinaus behandelt werden.

Apps und Chatbots

Apps sind eine der am häufigsten entwickelten Interventionsformen zur digitalen Behandlung von psychischen Problemen. Chatbots können zudem für das Selbstmanagement der eigenen psychischen Gesundheit, für Beratung oder für eine Informationsübermittlung verwendet werden.

Digitale Phänotypisierung

In den letzten Jahren hat sich die digitale Phänotypisierung als neuer Forschungsansatz in Bezug auf die psychische Gesundheit etabliert. Hierbei geht es darum, Daten einer Person mittels ihres Smartphones oder ihrer Smartwatch zu sammeln und diese zur Diagnose, Vorhersage und Überwachung von Problemen bei der psychischen Gesundheit zu nutzen.

Die Rolle digitaler Medien im Alter

Für ältere Menschen kann sich die Nutzung von Tablet, Smartphone oder Computer sogar positiv auf das Gehirn auswirken. Software-Updates, einen Netzwerkfehler beheben oder die Funktionen eines neuen Handys lernen, halten das Gehirn beschäftigt. Auch würden die Technologien bisher nie gekannte Möglichkeiten eröffnen, etwa sich mit Freunden und Familie zu vernetzen. Viele Studien bescheinigen Menschen mit guten sozialen Beziehungen ein deutlich niedrigeres Demenz-Risiko. Wer bereits an Demenz leide, könne sein Leben dank digitaler Helferlein weit besser bestreiten.

Kritik und Einschränkungen des Konzepts der digitalen Demenz

Die Thesen zur digitalen Demenz sind mit Empfehlungen zur elterlichen und schulischen Medienpädagogik verbunden, die der Bewahrpädagogik zuzuordnen sind. Die empirische Basis für die mit dem Begriff verbundenen Behauptungen ist lückenhaft. Substanzielle Belege für hirnorganische Schädigungen durch die Nutzung digitaler Medien fehlen. Metaanalytische Befunde liefern keine Hinweise für eine Minderung des gesellschaftlich-politischen Engagements oder erhöhte Einsamkeit durch die Nutzung von digitalen Medien. Die mit dem Begriff digitale Demenz verbundene Vermutung, digitale Medien seien für Lernen und Wissenserwerb von Kindern und Jugendlichen ungeeignet, widerspricht der Befundlage.

tags: #digitale #demenz #vortrag