Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 5 bis 20 % der Bevölkerung betroffen sind, wobei Frauen etwa viermal häufiger betroffen sind als Männer. Sie ist gekennzeichnet durch einen periodisch wiederkehrenden, anfallartigen, pulsierenden und halbseitigen Kopfschmerz, der von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) begleitet sein kann. Bei manchen Patienten geht einem Migräneanfall eine Aura voraus, während der insbesondere optische oder sensible Wahrnehmungsstörungen auftreten. Es sind aber auch motorische Störungen möglich.
Was ist Migräne mit Aura?
Von einer Migräne mit Aura sprechen Mediziner, wenn ganz bestimmte Symptome auftreten. Das Wort „Aura“ wurde ursprünglich verwendet, um eine Art Ausstrahlung, etwas Unsichtbares, zu beschreiben, was einen Menschen umgibt oder vorausgeht. Bei der Migräne beschreibt „Aura“ das Phänomen, das als „Vorbote“ der eigentlichen Migräneattacke auftritt - fast wie ein unsichtbarer Schleier, der die eigene Wahrnehmung einhüllt. Eine Aura kann sowohl vor dem Einsetzen der Kopfschmerzen als auch währenddessen oder danach auftreten. Manchmal kommt eine Aura auch ohne nachfolgende Kopfschmerzen vor - eine sogenannte isolierte Aura.
Symptome der Migräne mit Aura
Die Symptome einer Migräne mit Aura können vielfältig sein und von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- Sehstörungen: Eingeschränktes Gesichtsfeld, Flimmern oder Lichtblitze, verschwommenes oder doppeltes Sehen. Viele Betroffene beschreiben Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit wie Gesichtsfeldausfälle und Flimmern sowie Lichtblitze vor dem Auge als Symptome. Oft treten diese Anzeichen auch in Kombination auf oder gehen ineinander über. Lichtblitze und Flimmern können sich beispielsweise ergänzen und in eine starke Einschränkung des Gesichtsfelds übergehen.
- Sprachblockade: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden.
- Sensibilitätsstörungen: Zum Beispiel Kribbeln in den Händen.
- Lähmungserscheinungen: Schwierigkeiten, Arme oder Beine zu heben.
- Gleichgewichtsprobleme: Unsicherer Gang oder Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen auszuführen.
- Hirnstammsymptome: Sprach- oder Koordinationsstörungen, Tinnitus, Hörminderung, Schwindel, Doppeltsehen oder Bewusstseinsstörungen (bei Migräne mit Hirnstammaura).
Verschiedene Typen der Migräne mit Aura
Jede Migräne ist individuell. Doch es gibt verschiedene Formen von Migräne mit Aura, die sich in den Symptomen unterscheiden.
- Retinale Migräne: Eine seltene Migräne-Form. Dabei treten Sehstörungen auf, die sich langsam entwickeln und bis zu 60 Minuten dauern können. Zusätzlich treten Kopfschmerzen auf.
- Vestibuläre Migräne: Sie ist unter anderem durch starken Schwindel gekennzeichnet, da das Gleichgewichtsorgan im Innenohr betroffen ist. Schwindel und Gleichgewichtsstörungen gehen oft mit Übelkeit und Erbrechen einher. Eine Attacke kann zwischen 30 Sekunden bis zu mehreren Stunden dauern, in seltenen Fällen auch mehrere Tage. Kopfschmerzen treten dabei eher selten auf.
- Migräne mit Hirnstammaura: Neben den typischen Migränesymptomen treten bei ihr auch die namengebenden Hirnstammsymptome auf, wie z. B. Sprach- oder Koordinationsstörungen, Tinnitus, Hörminderung, Schwindel, Doppeltsehen oder Bewusstseinsstörungen.
- Hemiplegische Migräne: Neben den allgemeinen Symptomen (Seh-, Sprach- und Gefühlsstörungen) tritt auch eine Muskelschwäche auf. Diese Bewegungseinschränkungen können im Gegensatz zu den schnell abklingenden Migränesymptomen bis zu Tagen oder Wochen anhalten. Kopfschmerzen treten nicht immer auf. Zudem kann diese Form der Migräne vererbt werden (familiäre hemiplegische Migräne).
Ursachen der Migräne mit Aura
Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
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- Gendefekt: Ein Gendefekt, der in einem Stammbaum regelmäßig zu einer schweren Migräne mit Aura führt, erlaubt neue Einblicke in die Pathogenese der Erkrankung. Störungen im Kaliumkanal TRESK werden seit einiger Zeit mit einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit in Verbindung gebracht. In einem Stammbaum stießen Forscher auf einen Defekt, der zu einer Verschiebung des Leserasters führt, was in aller Regel die Bildung eines defekten Proteins zur Folge hat. Alle Mitglieder des Stammbaums mit diesem Gendefekt litten an einer schweren Migräne mit Aura.
- Durchblutungsstörungen: Bei der klassischen Migräne vermuten Forscher beispielsweise Durchblutungsstörungen als Ursache. Sie gehen davon aus, dass die Blutgefäße als Reaktion auf die gestörte Zirkulation Botenstoffe ausschütten, die für die Beschwerden sorgen. Die Augenmigräne wird dementsprechend auf eine Durchblutungsstörung im Bereich der Sehrinde zurückgeführt.
- Nervenstörung: Mediziner vermuten, dass bei den Nerven, die mit dem Sehnerv verbunden sind, ein Ungleichgewicht von Hemmung und Erregung besteht. Die Nerven leiten daher die optischen Reize nicht korrekt weiter, was sich durch die für die Augenmigräne typischen Leiden äußert. Oftmals erhöhen Triggerfaktoren die Wahrscheinlichkeit einer solchen Nervenstörung.
Triggerfaktoren
Bestimmte Faktoren können Migräneattacken mit Aura auslösen oder verstärken. Zu den häufigsten Triggern gehören:
- Stress
- Schlafmangel
- Hormonelle Veränderungen (z.B. Menstruation)
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke (z.B. Alkohol, Käse, Schokolade)
- Wetterwechsel
- Starke Sinnesreize (z.B. grelles Licht, laute Geräusche, starke Gerüche)
Diagnose der Migräne mit Aura
Die Diagnose der Migräne mit Aura wird in der Regel anhand der Krankengeschichte und der Beschreibung der Symptome gestellt. Ein Neurologe kann eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein.
Behandlung der Migräne mit Aura
Die Behandlung der Migräne mit Aura zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad und Häufigkeit der Migräne individuell angepasst werden.
Akutbehandlung
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
- Triptane: Triptane sind spezielle Migränemittel, die bei mittelschweren bis schweren Attacken eingesetzt werden können. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren. Bei der Migräne mit Hirnstammaura sind Triptane allerdings nicht empfohlen. Der Grund: Die Medikamente bewirken eine Verengung der Arterien im Gehirn. Da nach derzeitigem Wissensstand eine eingeschränkte Blutzufuhr die Ursache für eine Migräne mit Hirnstammaura ist, wird befürchtet, dass eine zusätzliche Verengung durch Arzneimittel die Beschwerden noch mehr verstärkt.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen, die Symptome zu lindern.
Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)
Eine vorbeugende Behandlung ist sinnvoll, wenn die Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können:
- Betablocker: Betablocker werden häufig zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die speziell zur Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Sie blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), ein Protein, das bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
- Flunarizin:
- Valproat:
- Topiramat:
- Pestwurz:
- Magnesium:
- Amitriptylin:
- Acetylsalicylsäure:
- Naprocen:
- Riboflavin (Vitamin B2):
Nicht-medikamentöse Therapien
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Therapien zur Behandlung und Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt werden:
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- Regelmäßiger Ausdauersport:
- Erlernen von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken:
- Biofeedback: Gezieltes Entspannen von Muskeln.
- Ergotherapie: Um zu lernen, wie man mit den Beschwerden am besten umgeht.
- Akupunktur:
- Spezielle therapeutische Migräne-Konzepte: Die auf die individuellen Schmerzsymptome und ihre vielfältigen Ursachen eingehen und neben regelmäßigen physikalischen Anwendungen in der Praxis auch praktische Anleitungen zur Selbsthilfe beinhalten.
Lebensstiländerungen
Bestimmte Lebensstiländerungen können ebenfalls dazu beitragen, die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken zu reduzieren:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus:
- Ausreichend Schlaf:
- Gesunde Ernährung:
- Regelmäßige Mahlzeiten:
- Vermeidung von Triggern:
- Stressmanagement:
Migräne ohne Kopfschmerzen (Migraine sans Migraine)
Es gibt Menschen, die eine Migräne-Aura mit Sehstörungen entwickeln, ohne dass der typische Kopfschmerz folgt. Bei einer Migräne ohne Kopfschmerzen (migraine sans migraine) nimmt der Betroffene eine Aura wahr, die er oft gar nicht als solche erkennt. Die Aura dauert meist 15 Minuten bis maximal eine Stunde und kann auch eher schwach ausfallen. So werden die visuellen Probleme von den Erkrankten zwar wahrgenommen, aber nicht mit einer Migräne assoziiert.
Normalerweise entwickeln Patienten mit einer Aura Migräne-Kopfschmerzen. Bei manchen Menschen bleiben diese aber hin und wieder aus. Mit höherem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Migräne ohne Kopfschmerzen auftritt, vor allem bei Männern. Warum das so ist, ist bisher ungeklärt. Selten haben die Patienten tatsächlich immer Migräne ohne Kopfschmerzen. Für Ärzte ist die Diagnose dann schwierig: Es besteht die Gefahr, isolierte Auren mit Symptomen für einen Schlaganfall oder anderen neurologischen Erkrankungen zu verwechseln.
Augenmigräne
Die Augenmigräne ist eine besondere Form der Migräne. Oft dauern Anfälle nur wenige Minuten an. Eine Augenmigräne kann zusätzlich zu den migränetypischen Kopfschmerzen auftreten, aber auch allein. Die Attacken unterscheiden sich dabei nicht nur von Mal zu Mal, sondern auch von Patient zu Patient. Generell beschreiben viele Betroffene Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit wie Gesichtsfeldausfälle und Flimmern sowie Lichtblitze vor dem Auge als Symptome. Oft treten diese Anzeichen auch in Kombination auf oder gehen ineinander über.
Migräne mit Hirnstammaura
Die Migräne mit Hirnstammaura ist eine sehr seltene Form der Migräne mit Aura. Im Gegensatz zu anderen Migräneformen treten die Durchblutungsstörungen bei dieser Unterform im Hirnstamm auf. Daher betreffen die Beschwerden auch die Bereiche, die im Hirnstamm gesteuert werden, zum Beispiel die Motorik. Die Diagnose wird von der International Headache Society (IHS) als Kriterium angegeben, dass mindestens zwei der oben genannten Symptome auftreten, sie wieder vollständig verschwinden und keine motorische Schwäche (zum Beispiel Lähmung der Arme oder Beine) vorkommt - erst dann kann von einer Migräne mit Hirnstammaura ausgegangen werden.
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