Ein abgestorbener Zahn, oft an seiner dunklen Färbung erkennbar, kann für viele Patienten ein Schock sein. Während Zahninfektionen im frühen 19. Jahrhundert in einem hohen Prozentsatz tödlich endeten, sind die Auswirkungen heute weniger dramatisch, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Die moderne Medizin bietet jedoch gute Therapiemöglichkeiten für Ursachen und Folgen.
Die Problematik eines toten Zahns
Wenn Bakterien in das Innere eines Zahnes eindringen, entzündet sich der dort befindliche Gewebebereich. Es bildet sich eine Eitertasche, die zu gravierenden Folgen wie Sepsis, Herzgewebeentzündung oder Thrombosen führen kann, wenn sie unbehandelt bleibt. Dies kann passieren, wenn der Zahnhals frei liegt, der Zahnschmelz durch Karies oder Frakturen beschädigt ist oder ein Stück Zahn abgebrochen ist. In der Folge kommt es meist zu einer Entzündung und oft zum Absterben der Pulpa (Gängrän, Gewebsnekrose). Die Pulpa ist jedoch sehr wichtig, da sie den Zahn unser Leben lang versorgt.
Es ist trügerisch, wenn der Schmerz verschwindet, da dies oft nur bedeutet, dass die Nerven gänzlich abgestorben sind und kein Schmerzempfinden mehr vorhanden ist. Die Entzündung im Zahn arbeitet jedoch weiter. Im Gegensatz zu Muskelverletzungen, die oft selbst heilen können, erfolgt die Anbindung des Zahns nur über feine Wurzelkanäle. Die Bakterien vermehren sich schneller, als der Körper gegensteuern kann, wodurch ein ständiger Infektionsherd entsteht, der den Organismus fortwährend belastet und zu schweren Verläufen führen kann. Entzündungen im Knochen sind zudem meist symptomlos und können nur durch Röntgenbilder entdeckt werden. Mit der Zeit verfärbt sich der Zahn grau oder schwarz. Gelangen die Bakterien bis in den Kiefer, kann sich ohne rechtzeitige Behandlung ein Abszess unter dem Zahn bilden und den Knochen in der Umgebung der Zahnwurzel schädigen.
Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten
Die Quelle der Entzündung muss beseitigt werden. Ist der Zahn tot, wird entweder eine Wurzelbehandlung durchgeführt oder der Zahn gezogen. Zunächst wird mit einer Vitalitätsprüfung festgestellt, ob der Zahnnerv noch vital ist oder bereits tot. Dies hilft auch, die Entzündung grob zu lokalisieren und festzustellen, ob sie im Zahn oder im Kiefer lokalisiert ist. Ein vitaler Nerv reagiert dabei auf verschiedene Faktoren, weshalb ein Kältetest, ein Hitzetest, ein Klopftest oder ein Aufbiss-Test eine merkliche Reaktion des Zahns und des Patienten auslösen. Verspürt der Patient nichts, ist der Zahn tot. In vereinzelten Fällen kann es sich auch um eine eigenständige Entzündung im Kiefer handeln, die gegebenenfalls auch von selbst wieder heilen kann. Eine Abklärung erfolgt dann durch den Arzt über ein Röntgenbild.
Wurzelbehandlung
Kommt der Arzt zu dem Entschluss, den Zahn zu erhalten, wird eine Wurzelbehandlung vorgenommen. Dabei werden die Kanäle elektrometrisch vermessen und mit hochflexiblen Feilen aus Nickel-Titan maschinell aufbereitet. Danach werden die Wurzelkanäle desinfiziert und gefüllt. Bei wiederkehrenden Entzündungen kann eine Wurzelspitzenresektion erforderlich sein.
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Zahnextraktion
Ist der Zahn jedoch bereits locker oder so stark infiziert, dass eine Reinigung nicht mehr möglich ist, bleibt nur noch die Möglichkeit, den Zahn zu entfernen. Die Lücke wird dann durch einen Zahnersatz, eine Brücke oder ein Implantat gefüllt.
Ursachen für das Absterben eines Zahnnervs
Es gibt verschiedene Gründe, weshalb ein Zahn abstirbt. Ein Zahn besteht aus drei Schichten: Zahnschmelz, Dentin und Zahnmark. Das Zahnmark (Pulpa) enthält Blutgefäße und Nerven, die den Zahn versorgen. Durch ein Zahntrauma oder eine durch Karies bedingte, voranschreitende Entzündung kann es zur Unterbrechung der Blutzirkulation kommen, wodurch der Zahn nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird und abstirbt. Dies kann jedoch auch erst Jahre nach dem Trauma auftreten.
Karies
Eine unbehandelte Karies kann tief in den Zahn eindringen und das Zahnmark erreichen, was zu einer Entzündung im Inneren des Zahnes und bei lang anhaltendem Reiz zu einem Abszess führen kann. Bakterien und deren Stoffwechselprodukte spielen bei Karies eine wichtige Rolle. Diese Stoffwechselprodukte pathogenetischer Bakterien sind Giftstoffe, die beispielsweise die potentiell krebserregende Schwefelwasserstoffverbindung Mercaptan als Nebenprodukt erzeugen.
Verletzungen
Eine Verletzung, beispielsweise durch einen Sturz, kann zu einem gebrochenen oder beschädigten Zahn führen. Da ein beschädigter Zahn nicht bakteriendicht ist, siedeln sich zahlreiche Krankheitserreger an - eine Nekrose kann die Folge sein. Nekrosen sind totes, abgestorbenes Gewebe in einem lebenden Organismus.
Weitere Ursachen
Manche Erkrankungen können den Blutfluss in den Zähnen stören. Wurzelbehandelte, tote Zähne stellen ein Störfeld für den gesamten Körper dar.
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Symptome eines toten Zahns
Es ist schwierig, einen toten Zahn zu diagnostizieren, da der Prozess des Absterbens des Zahnes selbst oft nicht wahrgenommen wird, da der abgestorbene Nerv keine Schmerzimpulse weiterleiten kann. Schmerzen können aber dennoch eines der Symptome sein, die von empfindlichen Nervenenden an der Außenseite, dem sogenannten parodontalen Gewebe, herrühren. Oft hat der Zahn eine dunklere Farbe, und Sie können eine gelbe, graue oder schwarze Verfärbung feststellen. Weitere Symptome sind:
- Eine dunkle Verfärbung: Ein toter Zahn kann in der Farbe variieren - von bräunlich bis hin zu grau oder sogar schwarz.
- Ein Abbrechen von Zahnsubstanz
- Schmerzen und Schwellungen
- Häufig ist auch zu beobachten, dass ein toter Zahn schmerzt beim Draufbeißen.
- Ist ein toter Zahn zudem entzündet, umfassen die Symptome oft auch noch einen unangenehmen, fauligen Geruch.
Ein Warnsignal sind plötzlich nachlassende Zahnschmerzen. Der Patient glaubt, das Problem sei gelöst. Tatsächlich ist die Folge ein toter Zahn. Weil der Zahnschmelz zunächst unverändert bleibt, entdeckt der Patient das Problem erst, wenn der Zahn dunkler wird oder abbricht.
Die Rolle der Mundgesundheit für den gesamten Körper
Der menschliche Körper funktioniert wie ein Orchester: Jedes Organ spielt die Rolle eines Instruments. Wenn die Mundgesundheit aus dem Gleichgewicht tritt, können sich Bakterien und Pilze vermehren und andere Organe erreichen. Menschen mit toten Zähnen können ein erhöhtes Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden. Menschen mit einer angeborenen Herzerkrankung sind dem Risiko ausgesetzt, eine schwere Infektion, eine Endokarditis, zu entwickeln. Bakterien und Speisereste, die sich auf der Zunge festsetzen, sind die Verursacher von Mundgeruch.
Die Wurzelkanalbehandlung im Detail
Eine Wurzelbehandlung (Endodontie) ist eine komplexe und aufwändige Methode, mit der Zähne erhalten werden sollen, deren Nerv bzw. Zahnmark entzündet oder bereits abgestorben ist. Vereinfacht gesagt wird bei einer Wurzelbehandlung das Zahnmark (Pulpa samt Zahnnerv) entfernt. Die Wurzelkanäle, durch die der Zahnnerv verläuft, werden anschließend gesäubert, desinfiziert und mit Wurzelfüllmaterial aufgefüllt.
Ablauf einer Wurzelbehandlung
- Lokalisierung des betroffenen Zahns: Bei vitalen Zähnen (ohne Wurzelfüllung) wird ein Kältetest durchgeführt. Eine weitere Möglichkeit bietet der Klopftest (Perkussion). Röntgenaufnahmen geben einen Überblick über den Status der Zahngesundheit.
- Entfernung von Füllungen, Inlays oder Kronen: Um den Eingang des Nervenkanals freilegen zu können, wird zunächst vorhandenes Füllmaterial entfernt.
- Reinigung und Desinfektion der Wurzelkanäle: Die mechanische Reinigung der Kanäle erfolgt maschinell mit hochwertigen Nickel-Titan-Einmalinstrumenten. Die Wurzelkanallängen werden mit elektrometrischen Längenmessgeräten ermittelt. Zur Verbesserung der Qualität und der Langzeitergebnisse wird unter Vergrößerung gearbeitet.
- Spülungen: Durch Spülflüssigkeiten wird die Keimzahl so gut wie möglich reduziert. Dabei kommen u.a. Natriumhypochlorit, Ethylendiamintetraacetat, Alkohol und Chlorhexidindigluconat zum Einsatz. Die Ultraschallaktivierung der Spülungen spielt eine wichtige Rolle.
- Medikamentöse Einlage: Sind mehrere Sitzungen notwendig, wird eine medikamentöse Einlage mit frisch angemischtem Kalziumhydroxid empfohlen.
- Wurzelfüllung: Zum Abschluss der Wurzelbehandlung werden alle Kanäle mit einer dichten Wurzelfüllung versehen. In der ganzheitlichen Zahnmedizin wird auf die dreidimensional hermetisch abdichtende Guttapercha-Wurzelfüllung gesetzt, die mit modernen thermoplastischen Verfahren mehrdimensional in die Kanäle appliziert wird.
Ist eine Wurzelbehandlung schmerzhaft?
In der Regel werden Wurzelbehandlungen in örtlicher Betäubung durchgeführt und sind nicht schmerzhaft. Wenn eine Pulpa am Absterben ist und wegen starker Schmerzen entfernt werden muss, kann es sein, dass die Wirkung der Spritzen nicht ausreicht. Dann kann es für kurze Zeit zu unvermeidbaren Schmerzen kommen, bis die Pulpa aus dem Zahn entfernt wurde.
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Kosten einer Wurzelbehandlung
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nach dem Prinzip "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich". Das bedeutet, dass sie nur das Notwendigste bezahlen. Leider reicht das nicht immer aus, um den langfristigen Erfolg einer Wurzelbehandlung zu sichern. Mit modernen Aufbereitungs- und Füllungstechniken können Wurzelkanalbehandlungen besser und erfolgreicher durchgeführt werden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein wurzelbehandelter Zahn länger erhalten bleibt. Solche zusätzlichen Maßnahmen können gesetzlich Versicherte auf Wunsch in Anspruch nehmen und selbst bezahlen. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten moderner Behandlungsmethoden entsprechend der vertraglichen Regelungen.
Mögliche Fehlerquellen und Komplikationen nach einer Wurzelbehandlung
Auch nach einer Wurzelbehandlung können Schmerzen auftreten, die verschiedene Ursachen haben können:
- Postfüllungsbedingte Schmerzen: Das Öffnen, Reinigen und Füllen der Kanäle kann eine normale Reaktion sein.
- Überfüllung der Kanäle: Das Füllmaterial wird über die Wurzelspitze hinausgeführt.
- Übersehene Kanäle: Teile der Kanäle werden übersehen.
- Perforation: Das Durchbohren der Kanalwand mit einem endodontischen Instrument.
- Unvollständige Entfernung der Pulpa: Eine häufige Ursache für Schmerzen nach der Nervenentfernung.
- Fehler bei der Wiederherstellung der Zahnkrone: Eine zu hohe Füllung oder Spalten zwischen der Füllung und den Zahnwänden.
- Verbleibende Instrumententeile: Starke, pulsierende Schmerzen, die beim Drücken zunehmen, deuten oft darauf hin, dass ein Teil des endodontischen Instruments im Wurzelsystem verblieben ist.
- Verkalkte Wurzelkanäle: Diese sind dann schwer zu öffnen, zu reinigen und gründlich zu desinfizieren.
- Unzureichende Desinfektion: Übermäßiger Einsatz von Antiseptika oder schlechte Isolierung der Pulpakammer.
- Eitrige Prozesse an den Wurzelspitzen: Entstehen in der Regel aufgrund einer unzureichenden Behandlung und Füllung der Wurzelkanäle.
Was tun bei anhaltenden Schmerzen?
Wenn der Zahn auch zwei Wochen nach der Nervenentfernung weiterhin schmerzt, ist eine Behandlung in der Klinik notwendig. Es wird empfohlen, den Zahn unter einem dentalen Mikroskop erneut zu behandeln. Deshalb sollte man bei anhaltenden oder neu auftretenden Schmerzen eine Zahnklinik aufsuchen. Die Einhaltung der Pflegeanweisungen für devitale Zähne kann das Risiko von Schmerzen verringern.
Die Wurzelspitzenresektion als Alternative
Falls im Bereich der Wurzelspitze eine abgegrenzte bzw. abgekapselte Entzündung sichtbar wird, kommt eine Wurzelspitzenresektion in Frage, um den wurzelbehandelten Zahn doch noch zu retten. Solange eine akute Entzündung vorliegt, kann keine Wurzelspitzenresektion vorgenommen werden. Sie kommt nur in Frage, wenn das entsprechende Gebiet abgekapselt ist. Zudem sollte man wissen, dass die Erfolgschancen bei einer Wurzelspitzenresektion noch geringer sind als bei einer Wurzelbehandlung, weil die Wundheilung tendenziell schwieriger wird. Von Prinzip her wird bei einer Wurzelbehandlung der infizierte Nerv entfernt, der Zahnkanal mit Instrumenten gründlich gesäubert, aufwändig desinfiziert und mit einer Wurzelfüllung bis zu der Wurzelspitze luftdicht abgefüllt. Anschließend wird der Zahn wieder aufgebaut.
Vorbeugung ist der beste Schutz
Die beste Lösung für Probleme mit toten Zähnen und Wurzelfüllungen ist die Prävention von wurzelbehandelten Zähnen. Eine korrekte Mundhygiene mit täglichem Zähneputzen und der Verwendung von Zahnseide ist der beste Weg, um die Bildung von Plaque zu verhindern. Darüber hinaus gibt es weitere Symptome, auf die man achten sollte. Die Rettung hängt von der Schnelligkeit der Diagnose und der zahnärztlichen Behandlung ab. Die beste Vorbeugung, um eine Wurzelspitzenentzündung zu vermeiden, ist eine konsequente Zahnhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen. Durch gründliches Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und das regelmäßige Reinigen der Zahnzwischenräume lassen sich Karies und Plaque effektiv verhindern. Frühzeitige Behandlungen von Karies oder anderen Zahnproblemen können ebenfalls helfen, das Risiko einer Wurzelspitzenentzündung zu reduzieren.
Die Sichtweise der ganzheitlichen Zahnmedizin
Aus den genannten Gründen steht die ganzheitliche, systemische, interdisziplinäre und Umwelt-Zahnmedizin einer Wurzelbehandlung durchaus skeptisch gegenüber. Ihrer Auffassung nach sind wurzelkanalbehandelte Zähne Störfelder und Verursacher oder Mitunterstützer von chronisch-entzündlichen und Autoimmunerkrankungen. Wie lange Sie Freude an einem wurzelbehandelten Zahn haben werden, lässt sich schwer vorhersagen. Das hängt sehr vom Einzelfall ab. Nach Erfahrung der ganzheitlichen Zahnmedizin hängt der Erfolg einer Wurzelbehandlung nicht nur von ihrer Qualität, sondern auch wesentlich von der Regulationsfähigkeit des Patienten ab. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass eine Wurzelbehandlung bei - in der Regel gesunden - Menschen eher zu empfehlen ist, als bei chronisch Kranken.
Wurzelbehandelte Zähne als Störfelder
Immer wieder beobachten ganzheitlich arbeitende Zahnärzte und Ärzte deutliche Verbesserungen von chronischen entzündlichen Erkrankungen, nachdem wurzelbehandelte Zähne und andere Störfelder aus der Mundhöhle entfernt wurden. Insbesondere die Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte und die Verwendung von biologischen Wurzelfüllungsmaterialien sind hierbei zu erwähnen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, für jeden Patienten individuell die bestmögliche Therapieform auszusuchen. Dafür ist es nötig, die Therapiemöglichkeiten der Schulmedizin und Komplementärheilverfahren miteinander zu kombinieren.