Dimethylsulfoxid (DMSO) ist eine organische Schwefelverbindung, die in den letzten Jahrzehnten sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin breite Anwendung gefunden hat. Bekannt für seine farb- und geruchlose Beschaffenheit bei Raumtemperatur, wird DMSO oft als Lösungsmittel und als Mittel zur Förderung der Aufnahme anderer Substanzen in den Körper verwendet. Die Geschichte von DMSO ist komplex, wobei frühe Studien in den 1960er-Jahren vielversprechende Ergebnisse zeigten, die jedoch von späteren Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Wirksamkeit überschattet wurden.
Was ist DMSO?
Dimethylsulfoxid (DMSO) ist ein farb- und geruchloser Wirkstoff aus der Gruppe der Antiphlogistika. Es wird zur äußerlichen Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Schwellungen eingesetzt. DMSO soll ausschließlich äußerlich angewandt werden, entweder als Gel, Creme oder Spray. Eine besondere Eigenschaft von DMSO ist die Förderung der Aufnahme anderer Wirkstoffe in die Haut. Im Körper wird DMSO zu Dimethylsulfid (DMS) und Dimethylsulfon metabolisiert.
DMSO fällt unter anderem in größeren Mengen als Nebenprodukt bei der Holzzellstoffproduktion an. Auch in der pharmazeutischen Industrie wird DMSO gemeinsam mit Wasserstoffperoxid als Lösungsmittel und Auszugsmittel für viele Prozesse verwendet.
Die Geschichte und Kontroverse um DMSO
Die Geschichte von DMSO ist von Kontroversen und widersprüchlichen Forschungsergebnissen geprägt. Ursprünglich in den 1960er-Jahren für den klinischen Einsatz untersucht, wurden die Tests aufgrund von Bedenken hinsichtlich krankhafter Veränderungen der Augenlinsen beendet. Trotz dieser frühen Warnzeichen wird DMSO weiterhin von einigen als Allheilmittel angepriesen, während andere seine Verwendung aufgrund potenzieller Risiken ablehnen.
Für Hartmut Fischer und Karin Huber ist die Sache klar: DMSO, das „Wundermittel mit den vier Buchstaben“, ist ein medizinischer Alleskönner, der bis vor einigen Jahrzehnten noch in jeder Hausapotheke zu finden war. Fischer ist Chemiker, Heilpraktiker und Autor zahlreicher DMSO-Bücher. Er initiierte eine „DMSO Online Academy“, eine Fernschule, in der man sich die Lerninhalte in Eigenregie beibringt. Dort verkauft sie neben Mitteln für Darm-Detox-Kuren auch DMSO-Produkte. Huber ist Ernährungstrainerin und „DMSO & Co. Practitioner“. Diesen Titel erwarb sie in Fischers Fernschule.
Lesen Sie auch: Parkinson-Forschung mit DMSO
Wirkungsweise von DMSO
DMSO besitzt eine Reihe von Eigenschaften, die es für medizinische Anwendungen interessant machen:
- Penetrationsfördernde Wirkung: DMSO durchdringt biologische Membranen, einschließlich der Haut und Zellwände, was die Aufnahme anderer Substanzen in den Körper erleichtert. So konnte eine Kombination aus Dimethylsulfoxid und dem Zytostatikum 5-Fluoruracil in der Therapie bei Warzen bessere Ergebnisse erzielen, als die Gabe von 5-Fluoruracil allein. Ebenso wird DMSO in einigen freiverkäuflichen Präparaten mit Heparin kombiniert (z. B. Dolobene® Sport Gel), um das Eindringen von Heparin ins Unterhautgewebe zu verstärken.
- Entzündungshemmende Wirkung: DMSO kann Entzündungen reduzieren, indem es die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen hemmt. Gleichfalls wird durch Dimethylsulfon, ein Abbauprodukt von DMSO, ein bedeutender entzündungsfördernder Faktor, das NF-κB, in seiner Aktivität gehemmt. In der Folge werden dadurch weniger schmerz- und entzündungverursachende sowie gefässerweiternde Botenstoffe wie Interleukin-1, Interleukin-6 und Tumor-Nekrose-Faktor-alpha gebildet.
- Schmerzlindernde Wirkung: DMSO wirkt analgetisch, indem es die Schmerzsignale blockiert und die Entwässerung von angeschwollenen Stellen fördert. Es entsteht eine analgetische (schmerzlindernde) Wirkung. Erreicht wird das durch eine Entwässerung der angeschwollenen Stelle, wodurch sich der Druck auf die Entzündung lindert. Ausserdem blockiert DMSO die beteiligten Nerven, das Schmerzsignal wird dann nicht mehr an das Gehirn weitergeleitet.
- Antioxidative Wirkung: DMSO kann als Schwefeldonor fungieren und den Körper mit Schwefelatomen versorgen, die für antioxidative Stoffwechselvorgänge essentiell sind. MSM wirkt ähnlich wie DMSO, nämlich über die Bereitstellung von Schwefelatomen für antioxidative Stoffe und Enzyme im Körper. Das antioxidative Potential des Körpers steigt, was mit einem TEAC-Test durch eine Blutprobe gemessen werden kann. TEAC steht für Trolox Equivalent Antioxidative Capacity . Bei diesem TEAC-Test wird die Referenzsubstanz Trolox zur Bestimmung der antioxidativen Kapazität herangezogen.
DMSO und das Gehirn
Die Fähigkeit von DMSO, biologische Membranen zu durchdringen, hat zu Spekulationen über seine potenziellen Auswirkungen auf das Gehirn geführt. Einige Befürworter behaupten, dass DMSO die Blut-Hirn-Schranke überwinden und therapeutischeSubstanzen ins Gehirn transportieren kann. Es gibt auch Behauptungen, dass DMSO selbst neuroprotektive Eigenschaften besitzt und bei neurologischen Erkrankungen helfen kann.
Potenzielle Vorteile für das Gehirn
- Verbesserte Medikamentenaufnahme: DMSO könnte die Aufnahme von Medikamenten zur Behandlung von Hirntumoren, Alzheimer-Krankheit und anderen neurologischen Erkrankungen verbessern.
- Neuroprotektion: Einige Studien deuten darauf hin, dass DMSO Zellen vor Schäden durch freie Radikale und Entzündungen schützen kann, was potenziell neuroprotektive Wirkungen haben könnte.
- Entzündungshemmung im Gehirn: DMSO könnte Entzündungen im Gehirn reduzieren, die bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen eine Rolle spielen.
Risiken und Nebenwirkungen
Trotz der potenziellen Vorteile ist es wichtig, die Risiken und Nebenwirkungen von DMSO zu berücksichtigen, insbesondere im Hinblick auf das Gehirn:
- Toxizität: Studien haben gezeigt, dass DMSO in hohen Konzentrationen toxisch für Zellen sein kann, einschließlich Gehirnzellen. Forscher:innen aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden berichteten 2019, dass DMSO bereits ab einer Konzentration von 0,1 Prozent die Erbsubstanz wie auch lebenswichtige Prozesse kultivierter menschlicher Herz- und Leberzellen störte.
- Nebenwirkungen: DMSO kann eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, darunter Hautreizungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und einen knoblauchartigen Körpergeruch. DMS wird über die Lunge und die Haut ausgeschieden, was unerwünschte Wirkungen wie allergische Reaktionen, Rötungen, Juckreiz, Brennen, ein knoblauchartiger Mund- und Körpergeruch sowie Verdauungsstörungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Appetitmangel verursachen kann.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: DMSO kann die Wirkung anderer Medikamente verstärken oder verändern, was zu unerwünschten Wechselwirkungen führen kann. Deshalb ist davon abzuraten, auf dem gleichen Hautareal, welches mit DMSO behandelt wurde, andere Arzneimittel aufzutragen.
Wissenschaftliche Evidenz
Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirkung von DMSO auf das Gehirn ist begrenzt und oft widersprüchlich. Viele Studien wurden an Tieren oder in Zellkulturen durchgeführt, und die Ergebnisse lassen sich nicht immer auf den Menschen übertragen. Es bedarf weiterer Forschung, um die potenziellen Vorteile und Risiken von DMSO für das Gehirn vollständig zu verstehen.
DMSO-Pflanzenextrakte
DMSO wird auch als Extraktionsmittel für Pflanzenextrakte verwendet. Bei DMSO Pflanzenextrakten wird als Extraktionsmittel ("Auszugsmittel") DMSO anstatt Alkohol genutzt. Es kommt ausschließlich DMSO in pharmazeutischer Qualität zum Einsatz. Der DMSO Pflanzenextrakt ist alkoholfrei, somit enthält er 0,0% Alkohol. DMSO als Auszugsmittel hat außerdem viele weitere Vorteile. Es hat eine höhere Lösungskapazität. Das bedeutet, es werden mehr Inhaltsstoffe gelöst als bei dem alkoholischen Auszug. Zudem löst es die einzelnen Inhaltsstoffe vollständiger. Aufgrund dessen gilt eine deutlich niedrigere Verzehrempfehlung. DMSO Pflanzenextrakte werden auch DMSO Tinkturen genannt.
Lesen Sie auch: DMSO-Anwendung: Schlaganfall
Einige Beispiele für DMSO-Pflanzenextrakte sind:
- Ashwagandha: Ashwagandha, auch bekannt als „indischer Ginseng“, gilt im Ayurveda als kräftigendes Tonikum. Die Urtinktur kann bei stressbedingten Schlafstörungen und Angstzuständen, Schilddrüsenunterfunktion und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson helfen.
- Baldrian: Baldrian ist eine der bekanntesten Pflanzen zur Entspannung und Beruhigung. Die Urtinktur hilft bei innerer Nervosität, fördert einen erholsamen Schlaf und unterstützt das natürliche Gleichgewicht von Körper und Geist.
- Brahmi: Brahmi ist reich an Saponinen, darunter Bacoside und Bacopasaponine.
- Gelber Salbei: Der gelbe Salbei enthält eine Vielzahl von interessanten Inhaltsstoffen, die ihr besondere Eigenschaften verleihen. Dazu gehören ätherische Öle, Tannine, Flavonoide und Gerbstoffe.
- Gelber Steinklee: Gelber Steinklee, wissenschaftlich als Melilotus officinalis bekannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler, die in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet ist.
- Ginseng: Panax ginseng enthält eine Vielzahl bioaktiver Komponenten, darunter Ginsenoside, die als Hauptwirkstoffe gelten. Außerdem enthält Ginseng Polysaccharide, Aminosäuren, Peptide und Vitamine.
- Heiligenbasilikum/Tulsi: Heiliger Basilikum (Tulsi) ist reich an verschiedenen bioaktiven Verbindungen, darunter ätherische Öle wie Eugenol, Urosolsäure und Rosmarinsäure. Tulsi enthält auch eine Vielzahl an Flavonoiden und anderen Pflanzenstoffen.
- Heilziest: Heilziest enthält eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, die für seine verschiedenen Anwendungen wichtig sind. Dazu gehören Bitterstoffe, Gerbstoffe, Glykoside, Saponine und ätherische Öle wie Cholin, Turicin und Betonicin.
- Helmkraut: Das Alleinstellungsmerkmal von DMSO ist, dass es sowohl wasser- als auch fettlösliche Stoffe sehr gut lösen und an sich binden kann. DMSO agiert zudem als "Kanalöffner", indem es biologische Membranen durchdringt.
Rechtliche Aspekte und Verfügbarkeit
In Deutschland sind DMSO-haltige Salben oder Lösungen ab einer Konzentration von 15 Prozent verschreibungspflichtig. Reines DMSO kann jedoch als Chemikalie von Apotheken oder Online-Shops erworben werden, oft ohne dass ein Sicherheitsdatenblatt erforderlich ist. Dies ermöglicht den legalen Handel mit DMSO ohne weitere Sicherheitshinweise, was den Missbrauch der Chemikalie erleichtert.
Verkäufer reiner DMSO-Produkte aus dem Internet sind sehr vorsichtig, was diesen rechtlichen Aspekt anbelangt. Auf den Flaschen von 99,9%igen DMSO finden sich oft Angaben wie „DMSO ist ein organisches Lösungsmittel“ und „die Eigenschaften und Anwendungsgebiete von DMSO sind vielfältig“.
Lesen Sie auch: Umfassende Betrachtung: DMSO und Polyneuropathie
tags: #dmso #zur #gehirn #gehirnreifung