DMT im Gehirn aktivieren: Wissenschaftliche Studien und Perspektiven

In den letzten Jahren hat das Interesse an Psychedelika, insbesondere an DMT (N,N-Dimethyltryptamin), in der wissenschaftlichen Forschung wieder zugenommen. Ursprünglich in den 1950er und 1960er Jahren untersucht, um das Bewusstsein, die Wahrnehmung und das Denken zu verändern, wurden diese Studien durch politische Veränderungen und technologische Einschränkungen unterbrochen. Die heutige Forschung beschäftigt sich mit denselben Kernfragen wie ihre Vorgänger, wobei ein besonderer Fokus auf dem therapeutischen Nutzen und den neurobiologischen Mechanismen von DMT liegt.

Die Wiederentdeckung der Psychedelika

Die Pionierarbeit mit Psychedelika in den 1950er und 1960er Jahren, bei der Forscher und Therapeuten sowohl natürliche als auch künstliche Substanzen wie Psilocybin, Meskalin und LSD einsetzten, zielte darauf ab, die Auswirkungen dieser Wirkstoffe auf das Bewusstsein zu verstehen. Diese frühe Forschung deutete darauf hin, dass Psychedelika die Funktion des Neurotransmitters Serotonin beeinträchtigen. Allerdings wurden diese Studien durch die damals verfügbaren Techniken und das veränderte politische Klima der 1970er Jahre begrenzt, als der Gebrauch von Psychedelika in vielen Ländern unter Strafe gestellt wurde.

In den letzten Jahren ist das wissenschaftliche Interesse an Psychedelika jedoch wiedererwacht, wobei moderne Forscher sich mit denselben grundlegenden Fragen beschäftigen wie die Pioniere.

DMT: Ein allgegenwärtiges Molekül

DMT, oder N,N-Dimethyltryptamin, gehört zur chemischen Stoffklasse der Tryptamine und ist eines der stärksten bekannten psychedelischen Moleküle. Es ist nicht nur in schamanischen Gebräuen wie Ayahuasca enthalten, sondern auch in zahlreichen Pflanzen und sogar im menschlichen Körper vorhanden. Der US-amerikanische Chemiker Sasha Shulgin bemerkte einst treffend: "DMT ist überall".

Geschichte und Verbreitung von DMT

Die Tradition, DMT-haltige Pflanzen zu konsumieren, reicht weit zurück. Archäologen fanden in nordchilenischen Grabanlagen aus dem 8. Jahrhundert Schnupfzubehör und Spuren von DMT. Heute wird Ayahuasca in Ritualen von Schamanen oder Therapeuten eingenommen und in Ayahuasca-Kirchen in Brasilien als Sakrament verwendet, wobei sich eine dieser Religionen, Santo Daime, in den 1990er Jahren weltweit ausbreitete.

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Die Wirkung von DMT

DMT kann auf verschiedene Weisen konsumiert werden, intravenös, inhaliert oder in traditionellen Gebräuen getrunken. Die Wirkung variiert je nach Konsumart und Dosis. Intravenös oder inhaliert tritt eine heftige, aber kurzzeitige Reaktion auf, während der Rausch bei der Einnahme in einem Gebräu länger anhält. Konsumenten berichten von synästhetischen Erfahrungen, lebendigen visuellen Halluzinationen und dem Gefühl, andere Dimensionen zu betreten oder fremden Wesen zu begegnen.

Die Rolle von DMT im Gehirn

Die Frage, ob DMT im menschlichen Gehirn vorkommt und welche Rolle es dort spielen könnte, beschäftigt Forscher seit Jahrzehnten. Jüngste Studien deuten darauf hin, dass DMT als nichtkanonischer Neurotransmitter fungieren und so zum Schutz des Gehirns vor physischem und psychischem Stress beitragen könnte.

DMT als Neurotransmitter

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die im Nervensystem Informationen zwischen Neuronen übertragen. DMT ähnelt in seiner Struktur dem Serotonin und dockt hauptsächlich an Serotoninrezeptoren an, was Halluzinationen auslösen kann. Obwohl DMT in geringen Mengen im Nervensystem von Tieren nachgewiesen wurde, ist seine Funktion als endogener Neurotransmitter noch nicht vollständig belegt.

Die Zirbeldrüse und DMT

Die Zirbeldrüse, auch Epiphyse genannt, ist eine kleine Struktur im Vorderhirn, die für die Regulierung des Schlafrhythmus durch die Produktion von Melatonin verantwortlich ist. Die Zirbeldrüse hat eine bemerkenswerte Geschichte und wurde in alten Kulturen als Sitz der Seele oder als Zugang zu höheren Bewusstseinszuständen angesehen. Obwohl die Theorie von Rick Strassman, dass die Zirbeldrüse DMT bei Nahtoderfahrungen freisetzt, umstritten ist, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass das Gehirn von Ratten DMT enthält und dessen Konzentration nach einem induzierten Kreislaufstillstand erhöht ist.

DMT und der Sigma-1-Rezeptor (Sig1R)

Neuere Forschung hat gezeigt, dass DMT nicht nur an Serotoninrezeptoren, sondern auch an den Sigma-1-Rezeptor (Sig1R) bindet. Sig1R ist ein ungewöhnlicher Rezeptor, der Signale sowohl über die Zellmembran als auch innerhalb der Zelle und im Zellkern weiterleiten kann. Er interagiert mit anderen Neurotransmitter-Rezeptoren, bindet Anti-Stress-Proteine und rekrutiert Proteine, die an die DNA binden und Gene aktivieren oder deaktivieren. Studien haben gezeigt, dass DMT durch die Aktivierung von Sig1R in Zellkulturen eine Rolle bei der Immunantwort und der Anti-Stress-Reaktion spielen kann.

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Therapeutischer Nutzen von DMT und Ayahuasca

Obwohl die Forschung noch in den Anfängen steckt, gibt es Hinweise darauf, dass DMT und Ayahuasca therapeutische Vorteile haben könnten. Tierstudien haben gezeigt, dass DMT bei Ratten depressives und ängstliches Verhalten reduzieren kann. Einige Studien an Patienten legen nahe, dass Ayahuasca Depressionen lindern und Suchterkrankungen behandeln könnte. Es fehlen jedoch noch systematische klinische Studien mit DMT an Menschen mit psychischen Erkrankungen, bei denen ein Placeboeffekt ausgeschlossen werden kann.

DMT und Traumaverarbeitung

Dr. Antonio Inserra formulierte eine Hypothese über die Rolle von Sig1R bei der Verarbeitung von Traumata. Er spekuliert, dass Sig1R Komplexe mit anderen Rezeptoren bildet und die Signalübertragung sowie die neuronale Plastizität in Gedächtniszentren verstärken könnte, welches beim Abrufen und Verarbeiten traumatischer Erinnerungen helfen könnte. Eine Studie von Dr. Simon Ruffell fand heraus, dass das für Sig1R kodierende Gen bei Teilnehmern von Ayahuasca-Zeremonien epigenetisch modifiziert war, was auf eine Verbindung zwischen DMT, Sig1R und epigenetischer Regulation hindeutet.

Risiken und Herausforderungen

Trotz des potenziellen therapeutischen Nutzens birgt DMT auch Risiken. Während eines DMT-Rauschs kann es zu erhöhter Herzfrequenz, erhöhtem Blutdruck, erweiterten Pupillen, schnellen Augenbewegungen und Schwindel kommen. Für gesunde Menschen besteht das größte Risiko darin, einen "Bad Trip" zu erleben. Menschen, die unter Psychosen leiden, laufen Gefahr, ihre Symptome durch Halluzinogene zu verschlimmern. Es besteht auch die Gefahr des Serotoninsyndroms bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva oder anderen serotoninhaltigen Mitteln.

Methodische und ethische Herausforderungen in der Forschung

Die Forschung mit Psychedelika steht vor methodischen und ethischen Herausforderungen. Ein grundlegendes Problem ist das Fehlen von Gruppenvergleichen mit aktivem Placebo, da die psychoaktiven Effekte der Psychedelika leicht zu erkennen sind. Die hohen Erwartungen an psychedelische Substanzen können zu starken Placeboeffekten führen. Ethische Herausforderungen betreffen die individuelle Patientenautonomie und die Frage der Einwilligung in die Behandlung, da die tiefgreifenden Erfahrungen, die durch Psychedelika hervorgerufen werden, das Verständnis und die Antizipation der potenziellen Risiken und Nebenwirkungen erschweren können.

Nicht-halluzinogene Psychoplastogene

Eine aktuelle Veröffentlichung aus dem Labor von Dr. David Olson an der University of California, Davis, beschreibt ein nicht-halluzinogenes Derivat der psychedelischen Substanz Ibogain, genannt Tabernanthalog (TBG). TBG hat in Studien mit Mäusen gezeigt, dass es die Neuroplastizität im Kortex erhöht, ohne halluzinogene Eigenschaften zu besitzen. Dies könnte Wissenschaftlern ermöglichen, die Frage zu beantworten, ob therapeutische Effekte ohne die subjektiven Wirkungen auftreten können.

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Neuroplastizität und Psychoplastogene

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und seine Funktionen durch Gehirnaktivität zu verändern. Psychoplastogene sind kleine Moleküle, die eine messbare Veränderung der Neuroplastizität bewirken. Obwohl fast alle identifizierten Psychoplastogene psychoaktiv sind, ist diese Eigenschaft nicht Teil ihrer Definition. TBG scheint ein vielversprechender Kandidat als weithin verabreichbares nicht-halluzinogenes Psychoplastogen zu sein.

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