Die Alzheimer-Krankheit ist heute eine der bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen, von der in Deutschland mehr als eine Million Menschen betroffen sind. Sie beginnt mit langsamem Gedächtnisverlust und kann bis zum Verlust der eigenen Identität führen. Der Begriff "Alzheimer" ist zum geflügelten Wort für Vergesslichkeit geworden. Weitgehend unbekannt ist jedoch der Mensch Alois Alzheimer, der diese Krankheit vor über hundert Jahren entdeckt hat. Dieser Artikel beleuchtet das Leben und Werk von Alois Alzheimer und zeichnet seine Entdeckung der nach ihm benannten Krankheit nach.
Frühe Jahre und Ausbildung
Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 in Marktbreit (Unterfranken) geboren. Er war der Sohn des Notars Eduard Alzheimer und dessen zweiter Ehefrau Barbara Theresia. Nach seiner Schulzeit in Aschaffenburg studierte er Medizin an den Universitäten Berlin, Tübingen und Würzburg. An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg schrieb er 1887 seine Dissertation zum Thema „Über die Ohrenschmalzdrüsen“.
Berufliche Laufbahn
Nach dem Staatsexamen begann Alzheimer seine berufliche Laufbahn als Assistenzarzt an der "Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische" in Frankfurt am Main im Jahr 1888. Diese Tätigkeit weckte sein Interesse an menschlichen Gehirnen, und er widmete sich in den darauffolgenden Jahren den histologischen und histopathologischen Studien der Hirnrinde. 1895 wurde er Oberarzt in Frankfurt.
Im Jahr 1894 kehrte Alzheimer von einem Aufenthalt in Algerien, wo er den kranken Frankfurter Diamantenhändler Otto Geisenheimer untersucht hatte, mit dessen Witwe Cecilie nach Frankfurt zurück. Nachdem Cecilie Geisenheimer vom Judentum zur protestantischen Konfession konvertiert war, heiratete sie Alois Alzheimer. Das Paar bekam drei Kinder: Gertrud, Hans und Maria.
1902 wurde er wissenschaftlicher Assistent von Professor Emil Kraepelin an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg. 1903 folgte er ihm als Oberarzt nach München. Dort richtete er ein anatomisches Labor für histopathologische Hirnforschung ein. 1907 kaufte er in Weßling am See die Villa Roiger als Sommersitz.
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1912 ging Alzheimer nach Breslau, um eine Professur für Psychiatrie an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu übernehmen. Auf der Reise erkrankte er an einer infektiösen Krankheit, die unter Anderem sein Herz betraf und von der er sich sein restliches Leben nicht mehr erholen sollte. Er starb am 19. Dezember 1915 in Breslau.
Die Begegnung mit Auguste Deter und die Entdeckung der Alzheimer-Krankheit
Ein einschneidender Wendepunkt in Alzheimers Leben war die stationäre Einweisung der 51-jährigen Auguste Deter in die "Städtische Heilanstalt für Irre und Epileptische" in Frankfurt am Main am 25. November 1901. Alzheimer beobachtete bei ihr starke Gedächtnisprobleme, Desorientierung und Halluzinationen. Sie erinnerte sich kaum an ihren Vornamen, war misstrauisch, aggressiv und weinerlich. „Ich habe mich sozusagen verloren“, sagte Auguste Deter zu ihrem Arzt Alois Alzheimer.
Alzheimer vermutete biologische Ursachen für den geistigen Verfall seiner Patientin. Da zu diesem Zeitpunkt in der Medizin eine derartige Verwirrtheit nur bei älteren Menschen als Krankheitsbild bekannt war, wollte Alzheimer das Gehirn der Patientin erneut untersuchen. Als Deter 1906 im Alter von 56 Jahren verstarb, ließ er sich von Emil Sioli die Krankenakte und das Gehirn der Toten nach München schicken, wo er inzwischen an der Königlich Psychiatrischen Klinik arbeitete.
Bei der Untersuchung bemerkte er, dass die Hirnrinde dünner war als bei gesunden Gehirnen und zudem Ablagerungen (Plaques) zu finden waren. Diese Veränderungen im Gehirn von Auguste Deter, die Alois Alzheimer vor über 100 Jahren entdeckte, bilden bis heute die Grundlage der aktuellen Alzheimer-Forschung.
Am 3. November 1906 hielt Alois Alzheimer einen Vortrag bei der 37. Versammlung Südwestdeutscher Irrenärzte in Tübingen und beschrieb dort erstmals das „eigenartige Krankheitsbild“, das er bei Auguste Deter entdeckt hatte. Er veröffentlichte seine Entdeckung 1907 in der Schrift „Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“.
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Anerkennung und Vermächtnis
Zu seiner Enttäuschung wurden seine Erkenntnisse zunächst überhaupt nicht ernst genommen. Denn damals ging man noch davon aus, dass „Altersblödsinn“ keine biologischen Ursachen habe, sondern auf einen unzüchtigen Lebenswandel zurückzuführen ist.
Doch sein Vorgesetzter Dr. Emil Kraepelin erkannte die Bedeutung von Alzheimers Entdeckung und nahm die Krankengeschichte von Auguste Deter 1910 in einem Lehrbuch auf und nannte sie die „Alzheimersche Krankheit“. Damit setzte er Alzheimer ein Denkmal und trug dazu bei, dass seine Arbeit nicht in Vergessenheit geriet.
Die moderne pathologische Diagnose der Alzheimer-Krankheit basiert noch immer auf denselben Untersuchungsmethoden wie 1906, als Alzheimer diese das erste Mal verwendete. Seit dieser ersten Beschreibung hat sich dank Forschung unser Verständnis der Krankheit stetig vertieft. Heute arbeiten weltweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Erforschung dieser komplexen und bis heute unheilbaren Krankheit. Es gibt jedoch Therapien und Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern und die Lebensqualität der Erkrankten verbessern können.
Alois Alzheimer in Kunst und Kultur
Die Geschichte von Alois Alzheimer und Auguste Deter hat auch Eingang in die Kunst und Kultur gefunden. So gibt es eine Biographie über Alois Alzheimer von Konrad Maurer und seiner Frau Ulrike. Nach dem großen Erfolg eines WDR-Hörspiels der Maurers entstand schließlich eine Bühnenfassung unter Mitarbeit von Ulrike Hofmann.
Auch in Filmen wird die Alzheimer-Krankheit thematisiert. In Richard Eyres Film „Iris“ wird unter anderem von der Alzheimer-Krankheit der englischen Schriftstellerin Iris Murdoch erzählt. Christiane Hörbiger verkörpert in „Stiller Abschied“ eine an Alzheimer erkrankte Unternehmerin, und Sarah Polley veranschaulicht in „An ihrer Seite“ den schleichenden Beginn einer Alzheimer-Erkrankung. Besonders eindringlich verkörpert Julianne Moore in „Still Alice. Mein Leben ohne Gestern“ eine Alzheimer-Patientin.
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Fazit
Alois Alzheimer war ein bedeutender Arzt und Forscher, dessen Entdeckung der Alzheimer-Krankheit einen Meilenstein in der Medizin darstellt. Sein Name ist untrennbar mit dieser Krankheit verbunden, die das Leben von Millionen Menschen weltweit beeinträchtigt. Auch wenn es bis heute keine Heilung gibt, so hat Alzheimers Arbeit doch den Grundstein für die heutige Forschung gelegt und ermöglicht, die Krankheit besser zu verstehen und zu behandeln.