Einleitung
In vielen Städten und Gemeinden in Deutschland klagen Anwohner über zunehmende Parkplatzprobleme in ihren Wohngebieten. Oftmals sind es Lieferwagen, LKW oder auch Wohnwagen, die Stellflächen blockieren und für Ärger sorgen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und reichen von steigendem Online-Handel bis hin zu fehlenden Parkmöglichkeiten für LKW-Fahrer.
Belästigungen durch Lieferwagen und Subunternehmer
Entlang der Carl-Orff-Straße in Vaterstetten und anderswo sorgen Lieferwagen seit mehreren Wochen für Ärger bei den Anwohnern. Bis zu 15 Fahrzeuge parken dort auf öffentlichen Stellflächen. Die Wagenflotte gehört offenbar zu einem Amazon-Subunternehmer, wie die Fahrzeugbeschriftungen vermuten lassen.
Eine Leserin berichtet, dass die Fahrzeuge so groß sind, dass sie auf die Fahrbahn überhängen oder nur teilweise in die Parklücken passen. Wenn die Fahrer zu später Stunde keinen Parkplatz mehr finden, parken sie in der Siedlung auf der Spielstraße, was den Unmut der Anwohner hervorruft. Auch die Fläche neben dem Verkehrsübungsplatz oder der Parkplatz vor der Grund- und Mittelschule sind beliebte Abstellplätze. Morgens um 8 Uhr standen vier Laster auf dem Parkplatz vor dem Kindergarten, sodass die Eltern dort nicht halten konnten.
Das Problem ist im Vaterstettener Rathaus bekannt, aber die Gemeinde hat keine Handhabe, solange die Fahrzeuge vorschriftsmäßig parken. Grundsätzlich darf jeder an und auf Straßen parken, wenn kein Park- oder Halteverbot dies untersagt oder die Fahrbahn weniger als drei Meter breit ist.
Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) sagte auf Nachfrage, dass hinsichtlich des Verkehrsrechts nichts unternommen werden könne. Bauaufsichtlich werde jedoch geprüft, ob es Grund zur Beanstandung gibt. Ein Gewerbe sei dort nicht angemeldet, und es gebe keine Hinweise auf gewerbliche Tätigkeiten. Ein Anwohner berichtet, dass die Fahrer in einem Haus in der Nähe wohnen.
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Eine Leserin kommentiert: „Man könnte sagen, diese Veränderungen sind nun mal die Konsequenzen unseres munteren Konsums. Aber müssen wir wirklich hinnehmen, dass ein vermutlich wohlhabender Konzern die öffentlichen (und auch privaten) Flächen zum Geschäftsparkplatz umfunktioniert und sich so eine Menge Geld spart? Warum mietet Amazon nicht eine Parkfläche für die gewerblich genutzten Fahrzeuge, wie andere Unternehmen auch? Und wie wird es werden, wenn Amazon dieses Geschäftsmodell ausweitet?“
Lärmbelästigung durch parkende LKW
Im Meierweg im Norden von Oberhausen rauben Lastwagen, die dort über Nacht in der Straße abgestellt werden, den Anwohnern den Schlaf. Eine Anwohnerin klagt: „Wenn sie nur parken würden, wäre das auch nicht schön, aber der Lärm ist für mich unerträglich.“ Im Meierweg befindet sich ein großes Lager für Obst und Gemüse, zu dem Lastwagen aus ganz Europa ihre Waren liefern.
Fehlende LKW-Stellplätze und ihre Folgen
Immer mehr Brummis parken in Wohngebieten, weil sie an Autobahnraststätten kaum Platz finden. Anwohner sind genervt, Bezirksbürgermeister in Sorge.
Auf dem Osterfelddamm in Hannover reiht sich samstags nachts Lastwagen an Lastwagen. Busse müssen ausweichen, und Autos geraten fast in den Gegenverkehr. Groß-Buchholz Bürgermeister Henning Hofmann beklagt: „Wir haben hier ein echtes Problem.“ Die Stadt habe bislang nicht reagiert, sondern den Hinweis gegeben, dass sich Anwohner am Bundessortenamt oder am Grünstreifen gestört fühlen könnten. Hofmann betont, dass außer dem Parken auch das Fehlen von Müllcontainern und Sanitärmöglichkeiten störe. „Jeder macht sein Geschäft in freier Natur.“
Der Güterverkehr wächst schneller als die Zahl der Flächen für Fahrer-Ruhepausen. Niedersachsen will bis 2025 1800 neue Lkw-Stellplätze an Autobahnen bauen, die meisten davon an der A 2 und der A 7.
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Die meisten hannoverschen Bezirksbürgermeister begrüßen die Pläne. Klaus Dickneite berichtet über den Lohweg in Anderten: „Die LKW-Kolonnen dort beschädigen die Straßenränder. Viele Fahrer lassen ihren Müll achtlos liegen und können keine Toilette nutzen.“ Er fordert zumindest eine Minimal-Sanitärversorgung und Müllcontainer.
Laut Gesetz ist das regelmäßige Parken in Wohngebieten werktags von 22 bis 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen mit Fahrzeugen über 7,5 Tonnen verboten. In Einzelfällen darf ein größerer Lastwagen über Nacht im Wohngebiet stehen, da nur das „regelmäßige Parken“ nicht gestattet ist. Experten zweifeln, ob das Ausbauprogramm des Landes reicht, da bis 2030 ein Wachstum des Güterverkehrs um 40 Prozent zu erwarten ist.
Dauerparker und ihre Auswirkungen
In Hamm-Herringen ist das Parken hinterm Bürgeramt offiziell nur nach 16 Uhr und an Wochenenden gestattet, wird aber geduldet. Ein Betroffener ärgert sich, dass das „ganze Chaos“ mit der Einführung des zeitlich begrenzten Parkens auf dem großen Parkplatz im Lippe-Carrée begann. Dauerparker wichen auf die umliegenden Straßen und den Marktplatz aus. Anwohner fordern die Verwaltung und die Politik auf, das Problem zu lösen. Sie appellieren an die Dauerparker, die vorhandenen Parkplätze aufzusuchen.
Blockierte Parkplätze durch Wohnwagen und Co.
Ein Anwohner in einer 30er Zone klagt, dass der Nachbar immer einen Parkplatz mit seinem Wohnwagen belegt, den er höchstens einmal im Monat bewegt. Wenn der Wohnwagen weg ist, stellt er dort zwei Mülltonnen hin. Ein Anhänger darf nur zwei Wochen am selben Platz geparkt werden, danach muss er nachweislich genutzt werden.
In Grafrath beschwerten sich Anwohner, dass Wohnwagen länger als 14 Tage an der Villenstraße Nord geparkt waren und eine erhebliche Sichtbehinderung darstellten. Der Gemeinderat lehnte den Antrag der Anwohner ab, dort nur noch Pkw parken zu dürfen, will aber die Polizei bitten, die Abstellfrist für Anhänger engmaschiger zu überwachen.
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Parkplatzprobleme durch Flughafenpassagiere
In Memmingen blockieren Passagiere des Flughafens Parkplätze in Wohngebieten, um Parkgebühren zu sparen. Selbst vor dem Waldfriedhof wurden an einem Morgen 32 auswärtige Kennzeichen gezählt.
Kuriositäten und Fehlplanungen
In Berlin herrscht Parkplatz-Chaos: Automaten blockieren Stellflächen, Fahrradboxen bleiben ungenutzt, und Anwohner drehen durch. Auf der Innsbrucker Straße in Berlin-Tempelhof stehen acht Parkplatzautomaten mitten auf einem Parkplatz. Bereits im Oktober 2024 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung, die Automaten zu entfernen, aber zehn Monate später stehen sie immer noch dort. Am Tempelhofer Damm blockieren 19 neue Parkautomaten Flächen, obwohl die Straße bald saniert wird und die Automaten danach wieder entfernt werden sollen. In Friedrichshain-Kreuzberg wurden acht Parkplätze gestrichen, um 21 Fahrradboxen für Bezirksamt-Mitarbeiter aufzustellen - genutzt werden sie wohl kaum.
Anliegerstraßen als Firmenparkplätze
Angestellte benachbarter Firmen parken ihre Pkw auf der Hugo-Schlimm-Straße in Berlin, sehr zum Leidwesen der Anwohner. Die Straße wird als Parkplatz der umliegenden Firmen genutzt, obwohl es Tiefgaragen für die Bewohner sowie Stellplätze an den Grundstücken gibt.
Lösungsansätze
- Ausbau von LKW-Stellplätzen: Niedersachsen plant den Bau von 1800 neuen Lkw-Stellplätzen an Autobahnen bis 2025.
- Kontrolle und Ahndung von Verstößen: Die Polizei soll die Einhaltung der Abstellfristen für Anhänger überwachen.
- Anpassung von Parkraumkonzepten: Die Verwaltung soll Parkraumkonzepte anpassen und die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigen.
- Schaffung von Anreizen für alternative Verkehrsmittel: Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Förderung des Radverkehrs können dazu beitragen, den Parkdruck in Wohngebieten zu reduzieren.
- Dialog mit Unternehmen: Die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die Lieferdienste betreiben, kann dazu beitragen, Parkplatzprobleme zu minimieren.