Netflix-Dokumentationen über Alzheimer und Musik: Eine heilende Verbindung

Die Auseinandersetzung mit Demenz, insbesondere Alzheimer, ist ein zunehmend wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Filme und Dokumentationen bieten hierbei die Möglichkeit, Betroffenen und Angehörigen Einblicke, Verständnis und sogar Hoffnung zu vermitteln. Netflix hat sich in diesem Bereich als eine Plattform etabliert, die eine Vielzahl von Produktionen anbietet, die sich mit den verschiedenen Aspekten der Krankheit auseinandersetzen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der heilenden Kraft der Musik.

Filme und ihre Perspektiven auf Demenz

Filme wie "Lebe zweimal, liebe einmal" nähern sich dem Thema Demenz auf eine oft bewegende Weise. Der Film erzählt die Geschichte von Emilio, einem Mathematikprofessor, der an Alzheimer erkrankt. Er versucht, seine Jugendliebe wiederzusehen, bevor er sie vergisst. Solche Geschichten berühren das Publikum und zeigen die persönlichen Herausforderungen und emotionalen Belastungen, die mit der Krankheit einhergehen.

"Still Alice" ist ein weiteres Beispiel für einen Film, der die Auswirkungen von Alzheimer eindrücklich darstellt. Julianne Moore erhielt für ihre Darstellung einer Frau, die an früh einsetzender Alzheimer erkrankt, einen Oscar. Der Film zeigt, wie die Krankheit das Leben der Protagonistin und ihrer Familie verändert.

Es gibt jedoch auch Filme, die versuchen, dem Thema mit Humor zu begegnen. "Lebe zweimal, liebe einmal" versucht dies durch komische Szenen, die jedoch nicht immer gelingen. Der Film verzettelt sich in verschiedenen Handlungssträngen, die nicht immer befriedigend zu Ende erzählt werden.

Musik als Therapie: "Die Musik meines Lebens - Alive Inside"

Eine Dokumentation, die sich intensiv mit der heilenden Kraft der Musik auseinandersetzt, ist "Die Musik meines Lebens - Alive Inside". Der Film begleitet Dan Cohen, den Gründer des Programms "Music & Memory", das personalisierte Musik einsetzt, um Menschen mit Alzheimer für kurze Momente aus ihrer Isolation zu holen. Die Dokumentation zeigt eindrücklich, wie Musik Erinnerungen wecken und Emotionen hervorrufen kann, selbst wenn das Gedächtnis bereits stark beeinträchtigt ist.

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Die wissenschaftliche Perspektive: Musik als Frischzellenkur fürs Gehirn

Die heilende Wirkung von Musik wird auch von der Wissenschaft bestätigt. Stefan Kölsch, Neurowissenschaftler, Psychologe und Soziologe an der Universität Bergen, forscht seit Jahren über den Einfluss von Musik auf das Gehirn. Seine Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Musik nicht nur den Verlauf einer Demenz mildern, sondern möglicherweise auch wie eine Frischzellenkur wirken könnte, die neue, gesunde Gehirnzellen generiert.

Kölsch betont, dass es wichtig ist, die individuellen musikalischen Vorlieben der Patienten zu berücksichtigen. Musik, die sie noch nie mochten, kann das Gegenteil der gewünschten Wirkung erzielen. Erfolgversprechend ist populäre Musik aus der Jugendzeit des Patienten. Durch Beobachtung und Protokollierung der Reaktionen kann man eine individuelle Playlist erstellen, die den Patienten in seinem Alltag unterstützt.

Musik in der Praxis: "Resonare" an der Komischen Oper Berlin

Ein weiteres Projekt, das die heilende Kraft der Musik nutzt, ist "Resonare" an der Komischen Oper in Berlin. Hier wird versucht, Menschen mit Demenz mit Musik Brücken in ihre eigene, vergessene Welt zu bauen. Der Gerontopsychiater Oliver Peters erklärt, dass die alten Lieder hochüberlernt sind und die Emotionen ansprechen, die oft noch erreichbar sind.

Musik als Prävention: Instrument spielen als Gehirntraining

Musik kann nicht nur bei bereits erkrankten Menschen positive Effekte erzielen, sondern auch dazu beitragen, dass sich Demenz erst gar nicht entwickelt. Eine Studie aus dem International Journal of Geriatric Psychiatry hat gezeigt, dass Menschen, die in ihrem Leben ein Instrument gespielt haben, ein besseres Gedächtnis und komplexe Aufgaben besser lösen konnten als Menschen ohne musikalische Erfahrung. Besonders wirksam waren Instrumente, auf denen man zwei Stimmen gleichzeitig spielt, wie Akkordeon und Klavier.

Kölsch betont, dass Musikmachen ein tolles Gehirntraining ist, da es Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und soziale Begegnungen trainiert. Auch wenn der schützende Effekt des Musizierens noch nicht endgültig bewiesen ist, deuten die Forschungsergebnisse stark darauf hin.

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Weitere Filmvorschläge zum Thema Demenz

Neben den bereits genannten Filmen gibt es noch weitere sehenswerte Produktionen, die sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzen. "Ziemlich beste Freunde" erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem gelähmten Mann und seinem unkonventionellen Pfleger. "Honig im Kopf" handelt von einem an Alzheimer erkrankten Mann und seiner Enkelin, die mit ihm nach Venedig reist. "Live is Life - Die Spätzünder" erzählt die Geschichte von fünf Freunden, die gemeinsam ihren Lebensabend verbringen möchten. "Und wenn wir alle zusammenziehen?" handelt von einem Ehepaar, das sich auf einen Roadtrip begibt, obwohl der Mann an Demenz erkrankt ist.

Die Macht der Musik: Emotionen, Erinnerungen und Gemeinschaft

Musik hat eine unglaubliche Macht, da sie nicht nur über das Rationale, sondern auch über das Emotionale funktioniert. Sie kann Erinnerungen wecken, Emotionen hervorrufen und Gemeinschaft stiften. Gerade für Menschen mit Demenz kann Musik eine Möglichkeit sein, sich mit ihrer Vergangenheit zu verbinden und positive Emotionen zu erleben.

In der "Terra X"-Reihe "Musik" wird gezeigt, wie Musik unsere Geschichte beeinflusst und wie sie als Machtinstrument eingesetzt werden kann. Die Dokumentation zeigt auch, wie Musik bei Alzheimer-Patienten wie eine Frischzellenkur wirken kann.

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