Cannabis ist eine viel diskutierte Substanz, deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper und Geist vielfältig sind. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Neurotransmitter Dopamin, der eine zentrale Rolle in verschiedenen Gehirnfunktionen spielt. Dieser Artikel beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Cannabiskonsum und Dopaminspiegel, unter Berücksichtigung kurz- und langfristiger Effekte sowie individueller Unterschiede.
Dopamin: Der Schlüsselneurotransmitter für Motivation und Belohnung
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Regulation verschiedener Funktionen spielt, darunter Bewegung, Belohnung, Motivation, Lernen, Gedächtnis und Emotionen. Es wird von spezialisierten Nervenzellen im Gehirn produziert, insbesondere in Bereichen wie der Substantia nigra und dem ventralen Tegmentum, und dann an andere Nervenzellen weitergeleitet, um Signale zu übertragen. Die Freisetzung von Dopamin wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter Belohnungen, wie Essen oder soziale Interaktionen, aber auch durch Suchtmittel wie Drogen und Alkohol. Eine Dysfunktion des dopaminergen Systems kann zu verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen führen, darunter Parkinson-Krankheit, Schizophrenie und Suchterkrankungen.
Dopamin ist maßgeblich an der Steuerung von Motivation, Belohnung, Stress und emotionaler Stabilität beteiligt. Es ist auch als "Wohlfühlhormon" bekannt und spielt eine wichtige Rolle für unsere Stimmung. Dieses Molekül hat einen massiven Einfluss darauf, wie wir im täglichen Leben agieren. Es beeinflusst unsere Entscheidungen, hilft uns beim Aufstehen und spielt sogar eine Rolle, wenn wir nach einem Joint oder einer Bong greifen.
Die kurzfristigen Auswirkungen von Cannabis auf den Dopaminspiegel
Cannabis kann kurzfristig Antrieb, Euphorie und Motivation steigern. Studien zeigen, dass THC, der Hauptwirkstoff von Cannabis, einen kurzfristigen Anstieg des Dopaminspiegels im Gehirn erzeugt, besonders im Nucleus accumbens. Dieser Anstieg der Dopaminausschüttung führt zu Gefühlen der Entspannung, Euphorie, Kreativität und Motivation.
THC ahmt das Endocannabinoid 2-Arachidonoylglycerol (2-AG) nach und bindet an die CB1-Rezeptoren, die sich auf präsynaptischen GABA- und Glutamat-Neuronen befinden. Dadurch beeinflusst THC direkt das Belohnungssystem des Gehirns. Durch die Hemmung des Flusses von GABA-Neuronen tragen Endocannabinoide dazu bei, das Feuern von Dopamin-Neuronen zu verbessern.
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Langfristige Veränderungen des Dopaminsystems durch chronischen Cannabiskonsum
Der Dauerkonsum von Cannabis über viele Jahre hinweg verändert die Art und Weise, wie das Gehirn auf Cannabinoide reagiert und verursacht eine Verschiebung des dopaminergen Systems selbst. Eine in der Zeitschrift Addiction Biology veröffentlichte Forschungsarbeit aus dem Jahr 2019 dokumentiert eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie, in der die Auswirkungen von Cannabis auf chronische und gelegentliche Cannabisnutzer bewertet wurden. Die Forscher führten auch eine funktionelle Magnetresonanztomographie durch, um zu beobachten, wie sich das Kraut auf das Gehirn der Teilnehmer auswirkte. Im Gehirn von Dauernutzern hingegen fehlte diese Veränderung, was auf eine reduzierte Reaktionsfähigkeit des Belohnungskreislaufs auf THC schließen lässt.
Britische Hirnforscher berichteten in Biological Psychiatry (2013), dass das bei chronischen Cannabis-Konsumenten beobachtete „Amotivationssyndrom“ seine Ursache in einer verminderten Dopaminproduktion im Gehirn haben könnte. Mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wurde die Dopamin-Konzentration im Gehirn von 19 chronischen Cannabis-Konsumenten untersucht. Die PET-Aufnahmen zeigten eine deutlich verminderte Dopamin-Konzentration. Dies kann zwar nicht die psychotischen Symptome der Cannabis-Konsumenten erklären, schreibt Bloomfeld, es könnte aber die Ursache des in dieser Gruppe sehr häufig beobachteten „Amotivationssyndroms“ sein. Cannabis-Konsumenten sind oft teilnahmslos, passiv und antriebsvermindert.
Regelmäßiger und langfristiger Cannabiskonsum kann zu Veränderungen in der dopaminergen Funktion führen, insbesondere zu einer Verringerung der Anzahl von Dopamin-Rezeptoren oder zu einer veränderten Dopamin-Freisetzung.
Die Rolle von CBD im Zusammenhang mit Dopamin
CBD, ein weiterer wichtiger Bestandteil von Cannabis, hat ebenfalls Auswirkungen auf das dopaminerge System, obwohl diese komplexer und weniger gut verstanden sind. Insgesamt zeigt die Forschung, dass die Verbindung zwischen Cannabis und Dopamin komplex ist und von vielen Faktoren abhängt, einschließlich der Zusammensetzung des Cannabisprodukts, der Dosis, der Häufigkeit des Konsums und individueller Unterschiede in der Reaktion auf Cannabis.
Einige Studien haben gezeigt, dass CBD die Freisetzung von Dopamin im Gehirn beeinflussen kann, obwohl die Ergebnisse gemischt sind und die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden werden. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass CBD potenziell neuroprotektive Eigenschaften besitzt, die das dopaminerge System schützen könnten. Allerdings kann festgehalten werden, dass die Forschung zu CBD und Dopamin noch in den Anfängen steht und viele Fragen noch offen sind.
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CBD beeinflusst nicht direkt die Produktion dieses Neurotransmitters. Es kann jedoch die Art und Weise beeinflussen, wie Ihr Gehirn auf das bereits vorhandene Dopamin im Körper reagiert. Dadurch kann CBD dazu führen, dass mehr Dopamin produziert wird, wodurch die Spiegel im Gehirn aufgefüllt werden. Aber es ist noch nicht genau klar, welche Rolle CBD spielt und was genau der Effekt auf die Dopaminspiegel ist. Die Forschung dazu steht noch in den Kinderschuhen.
Das ECS kann mit Hilfe von CBD die Aktivität der Dopaminrezeptoren steuern und so die Freisetzung dieses Neurotransmitters beeinflussen. Neben Dopamin kann CBD auch die Produktion von Anandamid steuern. Dies ist ein Endocannabinoid, das wiederum an der Regulierung von Dopamin und Serotonin beteiligt ist. Es wird auch als das Glückshormon bezeichnet. Durch seine Einflussnahme auf verschiedene Neurotransmitter und Endocannabinoide kann CBD also einen deutlichen Effekt auf Ihre Stimmung und Motivation haben.
Cannabis als Risikofaktor für Psychosen bei vulnerablen Personen
Cannabiskonsum ist ein Risikofaktor für Psychosen. Studien zufolge löst Cannabis jedoch nur bei Personen eine Psychose aus, die ohnehin empfänglich hierfür sind. Ein Forschungsteam aus den Niederlanden hat möglicherweise den Mechanismus gefunden, der hinter dem erhöhtem Psychoserisiko steckt.
Eine Studie aus den Niederlanden liefert nun möglicherweise eine Antwort auf die Frage, wie Cannabiskonsum mit dem erhöhten Psychoserisiko in Zusammenhang steht. Rebecca Kuepper und ihr Team haben drei Personengruppen in einen PET-Scanner gelegt. Das ist ein spezielles bildgebendes Verfahren, mit dem die Produktion von Neurotransmittern im Gehirn sichtbar gemacht werden kann.
Insgesamt waren 24 Cannabiskonsumierende beteiligt, darunter acht Personen, die an einer Psychose erkrankt waren sowie sieben Angehörige von an Psychose erkrankten Menschen. Es waren ausschließlich Angehörige ersten Grades, also Eltern oder ihre Kinder, da diese eine hohe genetische Übereinstimmung aufweisen. Neun Cannabiskonsumierende, die bislang keine Anzeichen einer Psychose gezeigt hatten, bildeten die Kontrollgruppe. Alle drei Personengruppen mussten vor den PET-Scans THC inhalieren, den Hauptwirkstoff von Cannabis. Die Ergebnisse bestätigten die Hypothese des Forschungsteams. Sowohl bei den an Psychosen erkrankten Personen als auch ihren Angehörigen konnte eine erhöhte Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin nachgewiesen werden. Hingegen zeigte sich keine erhöhte Dopaminproduktion in der gesunden Kontrollgruppe, obwohl sie ebenfalls THC bekommen hatte.
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Nach Angaben des Forschungsteams konnte somit erstmals belegt werden, dass Cannabiskonsumierende unterschiedlich auf THC reagieren und eine erhöhte Dopaminproduktion mit dem Psychoserisiko zusammenhängt. Sowohl bei den an Psychose erkrankten Personen als auch den Angehörigen von Psychotikern war die Dopaminproduktion besonders in den Hirnregionen verstärkt, von denen bekannt ist, dass sie eine wichtige Rolle bei der Entstehung von psychotischen Symptomen spielen.
Epidemiologische Studien zeigen, dass Menschen mit übermäßigem und unkontrolliertem Cannabiskonsum („cannabis use disorder“, CUD) ein erhöhtes Risiko für Psychosen wie z.B. Schizophrenie haben. Eine aktuelle kanadische Studie konnte jetzt zeigen, dass Menschen mit CUD einen erhöhten Dopaminspiegel in einer bestimmten Hirnregion - SN/VTA (Substantia nigra/ventrales tegmentales Areal) -Subregion - aufwiesen, die mit Psychosen in Verbindung gebracht wird.
Das Endocannabinoid-System (ECS) und seine Rolle bei der Dopaminregulation
Komponenten des ECS zeigen sich auch an Dopamin-Neuronen. Hier fungieren sie als eine Art Verkehrswacht. Die meisten Neurotransmitter im Gehirn wandern in antegrader Weise. Endocannabinoide gehen gegen den Strich. Sie wandern retrograd von postsynaptischen zu präsynaptischen Neuronen. Indem sie rückwärts reisen, können sie die eingehenden Signale von anderen Neuronen regulieren. Durch die Hemmung des Flusses von GABA-Neuronen tragen Endocannabinoide dazu bei, das Feuern von Dopamin-Neuronen zu verbessern.
Das Cannabinoidsystem interagiert mit dopaminergen Neuronen, die Zellkörper in der retikulären Formation des Mittelhirns (z.B. in Substantia nigra pars compacta (A9) und VTA (A10)) und Axone im Vorderhirn (z.B. im Caudatus/Putamen und im Nucleus Accumbens/PFC-Komplex) haben. Die Interaktion von Endocannabinoide und Dopamin zur Regulierung wichtiger Gehirnfunktionen wie motorische Kontrolle, Belohnung und Psychose erfolgt insbesondere in Nucleus accumbens, VTA, Substantia nigra, Striatum und PFC.
Endocannabinoide können GABA hemmen und dadurch die durch GABA vermittelte Hemmung der VTA-Dopamin-Neuronen beseitigen.