Dopamin und Bewegungsabläufe: Eine umfassende Betrachtung

Dopamin, oft als "Glückshormon" bezeichnet, ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle in unserem Nervensystem spielt. Es beeinflusst eine Vielzahl von Funktionen, von der Steuerung von Bewegungsabläufen über die Motivation bis hin zum Belohnungssystem im Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte von Dopamin, seine Auswirkungen auf den Körper, mögliche Störungen und Strategien zur Optimierung des Dopaminhaushaltes.

Was ist Dopamin?

Dopamin ist ein Botenstoff, der vorwiegend im Nervensystem eine Rolle spielt. Es leitet Signale zwischen bestimmten Nervenzellen weiter, was unterschiedliche Effekte haben kann, etwa das Hervorrufen von Emotionen oder das Ausführen von Bewegungen. Dopamin gehört zu den sogenannten Neurotransmittern und ist ein Botenstoff, der vorwiegend im Nervensystem eine Rolle spielt. Es leitet Signale zwischen bestimmten Nervenzellen weiter, was unterschiedliche Effekte haben kann, etwa das Hervorrufen von Emotionen oder das Ausführen von Bewegungen. Dopamin wird wie Serotonin oft als „Glückshormon“ bezeichnet. „Das ist nicht falsch, aber der Begriff deckt nicht alles ab - Dopamin hat viele Facetten“, sagt Dr. Ana Weidenauer, Psychiaterin an der Medizinischen Universität Wien, die zu Dopamin forscht.

Die vielfältigen Funktionen von Dopamin im Körper

Dopamin hat eine Reihe von Funktionen, insbesondere im Nervensystem: Es beeinflusst das Verhalten und die geistige Aktivität, die bewussten Körperbewegungen, die Motivation, das Gefühl von Strafe und von Belohnung. Darüber hinaus wirkt es unter anderem auf den Schlaf, das Träumen, die Stimmung, die Konzentration, das Arbeitsgedächtnis und das Lernen.

Die Bezeichnung „Glückshormon“ kommt daher, dass Dopamin insbesondere bei Tätigkeiten verstärkt ausgeschüttet wird, die wir als anregend empfinden. „Dazu können etwa Sport, Sex und gutes Essen gehören“, sagt Psychiaterin Weidenauer. Und weil eine Dopaminausschüttung im Gehirn bewirkt, dass man mehr von dem auslösenden Reiz haben möchte, kann Dopamin auch bei der Entwicklung einer Sucht eine Rolle spielen. Zur verstärkten Ausschüttung des Botenstoffes kommt es bei anregenden Tätigkeiten wie dem Konsum von Social Media.

Dopaminmangel: Symptome, Ursachen und Behandlung

Wenn zu wenig Dopamin im Körper und im Nervensystem vorhanden ist, kann sich das auf unterschiedliche Arten äußern: „Häufig stellt sich eine Art generelle Unlust ein. Man hat wenig Antrieb und sieht keine Freude darin, sich mit anderen Menschen zu treffen“, sagt Weidenauer. Neben der Stimmung können bei einem Dopaminmangel auch Depressionen auftreten und es gibt Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit.

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Ursachen eines Dopaminmangels

„Das ist noch nicht ganz erforscht, aber soweit wir wissen, kann es ganz unterschiedliche Gründe haben. Häufig kommen mehrere Ursachen zusammen“, erklärt die Psychiaterin. Es wird eine genetische Veranlagung vermutet. „Wenn dann noch verschiedene äußere begünstigende Faktoren hinzukommen, entwickeln diese Menschen eher einen Dopaminmangel.“

Als besonders entscheidender Faktor gilt länger anhaltender Stress. „Das kann Stress im unmittelbaren Umfeld sein, etwa in der Familie oder in der Partnerschaft oder Unsicherheit am Arbeitsplatz. Es kann aber auch gesellschaftlicher Stress sein, etwa während eines Krieges oder während einer großen Wirtschaftskrise mit viel Unsicherheit“, sagt Weidenauer. Auch andere seelische Belastungen, Mangelernährung und Bewegungsarmut können mit einem Dopaminmangel einhergehen.

Mit zunehmendem Alter nehmen die Dopaminproduktion und die Funktion der Dopamin-Rezeptoren natürlicherweise allmählich ab. Daneben können ungünstige Lebensstilfaktoren einen Dopaminmangel begünstigen:

  • Eine extrem eiweißarme Ernährung oder ein Mangel an essentiellen Eiweißbausteinen (Aminosäuren) - besonders Tyrosin und Phenylalanin - beeinträchtigt die Dopaminsynthese.
  • Ein sitzender Lebensstil, Bewegungsmangel und schlechte Schlafqualität wirken sich ebenfalls negativ auf den Dopaminspiegel aus.
  • Der chronische Konsum von Alkohol oder Freizeitdrogen schädigt Dopamin-produzierende Nervenzellen und kann so langfristig einen Dopaminmangel auslösen.
  • Die Exposition gegenüber Umweltgiften oder Stress kann die Bildung des Botenstoffes beeinträchtigen oder die Funktion seiner Rezeptoren stören und so zu einem Mangel beitragen.

Darüber hinaus können verschiedene genetische Faktoren die Dopamin-Synthese, den Dopamin-Stoffwechsel oder die Funktion der Dopamin-Andockstellen (Rezeptoren) auf den Nervenzellen so beeinflussen, dass die verfügbare Menge an Dopamin beziehungsweise die vorhandene Dopaminwirkung nicht ausreichend ist. So geht beispielsweise die seltene Erbkrankheit Lesch-Nyhan-Syndrom mit einem Dopaminmangel einher.

Behandlung eines Dopaminmangels

Die Behandlung eines Dopaminmangels richtet sich nach der Ursache und den individuellen Symptomen. Einige Beispiele:

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  • Parkinson-Krankheit: Medikamentöse Behandlungen zielen darauf ab, den bestehenden Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Betroffene erhalten dafür oft Levodopa - eine Dopaminvorstufe, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Ebenfalls eingesetzt werden Dopaminagonisten (ahmen die Dopamin-Wirkung nach) sowie MAO-B- und COMT-Inhibitoren (hemmen den Dopamin-Abbau). In fortgeschrittenen Fällen kommt eine tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) in Betracht. Untersuchungen zufolge kann sie die Dopamin-Wirkung imitieren.

  • Restless-Legs-Syndrom: Wenn eine Behandlung mit Eisenpräparaten nicht hilft oder nicht sinnvoll oder möglich ist, erhalten die Betroffenen Dopaminagonisten - also Medikamente, welche die Dopamin-Wirkung im Gehirn imitieren. Vorübergehend, aber nicht dauerhaft kann auch die Dopamin-Vorstufe Levodopa gegeben werden.

  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Bei ADHS verschreiben Ärzte oft Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin, um die Konzentration der Nervenbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn im Gehirn zu erhöhen.

Was Sie selbst tun können

Bei einem leichten Dopaminmangel hilft möglicherweise auch eine Lebensstil-Anpassung:

  • Eine gesunde Ernährung mit eiweißreichen Lebensmitteln (z.B. Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch) versorgt den Körper mit wichtigen Aminosäuren, die zur Dopaminproduktion benötigt werden.
  • In ärztlicher Absprache kann zum Ausgleich eines Dopaminmangels die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, etwa mit L-Tyrosin (Ausgangsstoff von Dopamin) oder Vitamin D (beeinflusst die Dopaminbildung).
  • Regelmäßige Bewegung fördert die Freisetzung von Dopamin und verbessert die Rezeptorfunktion. Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung pro Tag sind empfehlenswert.
  • Stressreduktion kann ebenfalls helfen, einem Dopaminmangel entgegenzuwirken. Techniken wie Meditation, Yoga, Achtsamkeits- und Atemübungen können den Stresspegel senken und die Dopaminproduktion positiv beeinflussen.
  • Ausreichend Schlaf unterstützt die Regulierung der Dopaminspiegel und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene und sieben bis acht Stunden guten Schlafes pro Nacht.
  • Positive soziale Interaktionen fördern die Freisetzung von Dopamin und verbessern die Stimmung. Treffen sie sich beispielsweise regelmäßig mit guten Freunden.
  • Pflegen Sie Ihre Hobbys und Interessen wie Malen, Musik hören oder Aufenthalte in der Natur. Das kann ebenfalls die Dopaminausschüttung unterstützen.
  • Verzichten Sie auf illegale Drogen und Alkohol, um die (Dopamin-produzierenden) Hirnzellen zu schützen und den Botenstoff-Haushalt im Gehirn in der Balance zu halten.

Dopamin erhöhen mit natürlichen Methoden

Grundsätzlich wird die Produktion von Dopamin durch Tätigkeiten gesteigert, bei denen wir Lust empfinden. Doch der Grat zwischen einer gesunden Dopaminsteigerung und einer kurzfristig übermäßigen und auf Dauer eher schädlichen Überanregung des Dopaminsystems, etwa durch das schnelle Betrachten von Social-Media-Inhalten, ist schmal. Um das Dopaminsystem auf gesunde Weise anzuregen, empfehlen sich vor allem Sport und ausreichend Schlaf. Eine ausgewogene Ernährung kann das Nervensystem insgesamt stärken.

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Dopamin erhöhen mit Sport

Sport ist Mord? Nein, Sport macht glücklich! Auch wenn für manch einen am Anfang ein gewisser Schweinehund zu überwinden ist, so versetzt körperliche Anstrengung im Rahmen von Sport die meisten Menschen nach einer Zeit in eine Art Glückszustand. Wer mit Sport den Dopaminspiegel steigern möchte, braucht wahrscheinlich ein gewisses Pensum. „Manche Menschen sagen, ich gehe eh spazieren. Aber das reicht nicht, um eine spürbare Dopaminausschüttung herbeizuführen. Dazu sollte man schon mehrmals in der Woche Sport von mindestens mittlerer Intensität machen“, empfiehlt Psychiaterin Weidenauer.

Dopamin erhöhen mit Schlaf

Schlafmangel kann das Dopaminsystem durcheinanderbringen. Umgekehrt ist laut Weidenauer davon auszugehen, dass ausreichend Schlaf sich positiv auf das Dopaminsystem auswirken kann: „Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für den Körper und das Gehirn insgesamt - er kann vermutlich auch helfen, den Dopaminhaushalt zu stabilisieren.“

Dopamin erhöhen mit Ernährung

Dopamin wird im Nervensystem und im Nebennierenmark unter anderem aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin gebildet. Doch ob es einen Effekt hat, phenylalaninhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen, um den Dopaminspiegel zu steigern, darüber gibt es noch keine stichhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

„Es gibt Nahrungsergänzungsmittel, in denen viele Substanzen enthalten sind, die Vorstufen von Dopamin sind. Ihr Effekt ist aber gering“, sagt Weidenauer. „Gerade bei krankhaftem Dopaminmangel - etwa im Rahmen von ADHS oder Depressionen - helfen solche Vorstufen kaum.“

Die Psychiaterin empfiehlt stattdessen eine ausgewogene Ernährung, um den Stoffwechsel im Gehirn insgesamt zu stärken. „Die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse und Olivenöl und Fisch sowie weißem Fleisch hat eine stabilisierende Wirkung auf das Nervensystem.“ Dazu tragen unter anderem die Omega-3-Fettsäuren bei, die etwa in Fisch und Olivenöl enthalten sind.

Dopaminüberschuss: Wenn zu viel des Guten schädlich ist

Nicht nur ein Dopaminmangel kann zu Beschwerden führen, auch ein Dopaminüberschuss beziehungsweise eine ständige Aktivierung des Dopaminsystems kann zum Problem werden. Zu einem kurzfristigen Dopaminüberschuss kann es kommen, wenn die Dopaminausschüttung in kurzer Zeit extrem stimuliert wird. „Je mehr Dinge man macht, die eine Dopaminausschüttung bewirken, desto weniger empfindlich wird das Gehirn für kleinere Reize“, sagt Weidenauer. In der Praxis könnte das bedeuten: Wer in jeder Pause im Alltag durch Instagram scrollt und jeden Abend eine Verabredung hat, für den sind das Scrollen auf Social Media und auch die Verabredungen irgendwann weniger „besonders“, sie sorgen für weniger Befriedigung. „Das kann im Laufe der Zeit zu einer Art Abstumpfung des Dopaminsystems führen.“

Dopamin Detox: Eine Auszeit für das Belohnungssystem

Beim „Dopamin Detox“, auch Dopaminfasten genannt, zieht man sich für eine bestimmte Zeit in eine möglichst ruhige Umgebung zurück und vermeidet alles, was sonst eine Dopaminausschüttung stimuliert. „Wer immer unterwegs ist - online und offline -, könnte sich zum Dopamin Detox beispielsweise für ein Wochenende in eine ruhige Hütte im Wald zurückziehen, ohne Internet und mit abgeschaltetem Telefon“, sagt Psychiaterin Weidenauer.

Es gibt bislang keine aussagekräftigen Studien darüber, inwieweit ein solches Dopamin Detox tatsächlich den Dopaminhaushalt beeinflusst. „Man kann aber schon davon ausgehen, dass es eine gewisse Wirkung hat“, meint Weidenauer. „Es geht ja nicht nur um die Dopaminkonzentration, sondern auch um das eigene Wohlbefinden und die Zufriedenheit. Und die können durch ein solches Dopamin Detox in vielen Fällen gesteigert werden - wenngleich es vielen anfangs auch schwerfallen dürfte, die relative Reizarmut auszuhalten.“

Dopamin und neurologische Erkrankungen

Ein Mangel an Dopamin hat ebenso wie ein Dopamin-Überschuss massive Konsequenzen für den Organismus. Die Auswirkungen eines Dopaminmangels lassen sich in Extremform an den bekannten Symptomen der Parkinson´schen Krankheit ersehen. Bei dieser schwerwiegenden Erkrankung liegt eine massive Verarmung an Dopamin und Empfangsstellen für Dopamin (Rezeptoren) in verschiedenen Hirnregionen (Substantia nigra, Corpus striatum) vor, die eine wichtige Rolle für die Bewegung und Koordination vor allem der Arme und Beine haben. Eine große Anzahl an Personen leidet an weniger stark ausgeprägten Formen des Dopaminmangels, die sich ebenfalls durch Bewegungsstörungen, Motivationslosigkeit oder Tagesmüdigkeit äußern können. Häufig wird bei solchen weniger deutlich auftretenden Symptomen kein Zusammenhang mit einem Dopamin-Mangel vermutet.

Ein langfristiges Ungleichgewicht im Dopaminsystem wiederum kann mit Erkrankungen wie Schizophrenie einhergehen. Außerdem greifen Drogen in das Dopaminsystem ein und regen das Gehirn zur verstärkten Ausschüttung des Botenstoffes an. Wird eine Erkrankung vom Arzt diagnostiziert, gibt es verschiedene Arzneimittel, die helfen können, das Dopaminsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Dopamin und Parkinson

Bei Parkinson fehlt es im Gehirn an dem für reibungslose Bewegungen notwendigen Botenstoff Dopamin. Was im Verlauf der Erkrankung zu beachten ist, um diesen Mangel möglichst gleichförmig auszugleichen, erläutert Prof. Dr. Prof. Weiß: Das gesunde Gehirn stellt den Botenstoff selbst her, speichert ihn in seinen Dopaminzellen und gibt ihn langsam kontinuierlich frei. So werden flüssige Körperbewegungen möglich. Bei Parkinson verlieren die Dopamin produzierenden Zellen mit der Zeit ihre Funktion. Ist der Dopaminmangel zu groß, zeigt sich das zum Beispiel über erste motorische Beschwerden in Form von Langsamkeit oder Steifigkeit. Allerdings können die verbliebenen Dopaminzellen oral zugeführtes Dopamin aufnehmen, speichern und wieder abgeben - man nennt das „Pufferkapazität“. Eine Dopamin-Ersatztherapie mit Tabletten kann den Mangel daher zunächst ausgleichen.

Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass nach circa fünf bis sieben Jahren Krankheitsdauer die Pufferkapazität abnimmt. Das oral zugeführte Dopamin flutet mit jeder Tablette an und wird relativ schnell wieder abgebaut. Das führt zu Wirkschwankungen. In Phasen mit zu viel Dopamin sind unter anderem Symptome wie unwillkürliche Überbewegungen möglich. Liegt zu wenig Dopamin vor, können zum Beispiel OFF-Phasen mit Muskelsteifheit und Unbeweglichkeit auftreten. Auch langfristig können sich Nebenwirkungen der immer intensiveren Medikation mit Dopamin und Dopaminagonisten einstellen, beispielsweise mit neuropsychiatrischen Komplikationen wie Impulskontrollstörungen.

Prof. Weiß: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die orale Therapie mit bestimmten Wirkstoffen zu steigern. Dabei vertritt man heute den Ansatz, je nach Stärke der motorischen Symptome frühzeitig L-Dopa auch bei jüngeren Patienten zu geben, sofern dies für eine ausreichende Symptomkontrolle erforderlich ist. Können die Zellen das zugeführte Dopamin nicht mehr speichern, wirkt es bereits nach etwa 30 Minuten, aber nicht sehr lange. Verlängern kann man seine Wirkung, indem man die Einnahme auf mehrere Einnahmezeiten am Tag verteilt. Die Patienten müssen sich dann häufiger am Tag mit der Tabletteneinnahme befassen. Das ist durchaus nicht leicht. Ein weiterer Weg ist es, Beistoffe zu geben, die den Abbau von L-Dopa verzögern. Im Tagesverlauf lassen sich so im Durchschnitt bis zu 60 Minuten zusätzlicher guter Beweglichkeit erzielen.

Prof. Weiß: Es gibt einen Punkt im Krankheitsverlauf, an dem die orale Therapie bereits intensiviert wurde und die Einnahmeschemata schon sehr kompliziert sind, aber trotz bestmöglicher Einstellung OFF-Phasen auftreten. Oder es kommt durch die intensive Therapie zu Problemen wie Überbewegungen, Stimmungsschwankungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Prof. Dr. med. Wichtige Entscheidungen trifft man am besten gut vorbereitet.

Prof. Weiß: Mit stärkeren Wirkfluktuationen auftretende Symptome beeinträchtigen das Wohlbefinden, die Lebensqualität und die soziale Einbettung der Patienten. Sie fühlen sich schlecht mit ihrer Erkrankung und können ihren Tagesablauf nicht zuverlässig planen, weil nicht sicher ist, wann die Medikamente ausreichend wirken und sie einkaufen gehen, Freunde treffen oder leistungsfähig arbeiten können. Das Ziel ist daher, ihnen zu jeder Zeit ein möglichst hohes Maß an Symptomkontrolle zu ermöglichen und bei entsprechenden Anzeichen früh genug zu reagieren. Und idealerweise wird eine wirkungsvolle Therapie bereits eingeleitet, bevor beispielsweise eine Störung der sozialen Funktionen eintritt. Denn was einmal verloren ging, ist schwierig zurückzugewinnen. Der Erhalt der körperlichen, psychischen und sozialen Funktionen spielt in der Therapiesteuerung eine große Rolle und nicht orale Folgetherapien gelten gerade in dieser Hinsicht als effektiv und nicht mehr als „letzter Ausweg“, wenn die Krankheit schon sehr vorangeschritten ist. Vielmehr haben wir gelernt, dass wir sie besser früh genug nutzen, um Wirkschwankungen zu begegnen.

Prof. Weiß: Sie sollten in Bezug auf ihre Erkrankung und ihre Symptome aufmerksam bleiben und immer wieder einmal in sich hineinhorchen, um Veränderungen rechtzeitig wahrzunehmen. Sie sollten sich frühzeitig informieren, welche Probleme im Zusammenhang mit Parkinson und der Therapie auftreten können, Angebote der Selbsthilfe nutzen und sich vernetzen. Zudem hilft die rechtzeitige Auseinandersetzung mit möglichen Therapiestrategien, Entscheidungen zu treffen. Schließlich sollten sie früh genug den Rat eines Arztes einholen, der sich auf Parkinson-Therapien spezialisiert hat und den Einsatz nicht oraler Folgetherapien abwägen kann.

DAT-Scan zur Diagnose von Parkinson

Bei bestimmten neurologischen Erkrankungen wie der Parkinsonerkrankung oder der Multisystematrophie kommt es zu einem Absterben der Nervenzellen, die Dopamin zur Informationsübertragung verwenden. Die Betroffenen haben dadurch verlangsamte Bewegungsabläufe und eine vermehrte Zittrigkeit. Andere Erkrankungen können im Frühstadium ein ähnliches Zittern aufweisen (z.B. essentieller Tremor). Bei diesen stellt sich das Dopamintransportersystems unauffällig dar. Mit einer speziellen Szintigraphie (DAT-Scan) kann die Dichte der Dopamintransporter gezielt dargestellt werden. So kann beispielsweise zwischen einer Parkinsonerkrankung und einem essentiellen Tremor unterschieden werden.

Ablauf der Untersuchung:

Etwa 30 Minuten vor der Untersuchung erhält die Patientin oder der Patient Irenat®-Tropfen, die die Aufnahme des schwach radioaktiven Arzneimittels in die Schilddrüse verhindern und so die Strahlenbelastung reduzieren. Nach einem Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt wird für den DAT-Scan eine geringe Menge eines schwach radioaktiven Arzneimittels (123Iod-Ioflupan) in eine Vene injiziert. Das Arzneimittel verteilt sich dann über den Blutkreislauf und reichert sich innerhalb der nächsten 3-4 Stunden im Bereich der Dopamin-freisetzenden Nervenzellen im Gehirn an. Nach dieser 3-4 stündigen Pause zeichnen empfindliche Kameras (Gammakamera) Schichtbilder in SPECT-Technik (Single-Photon-Emission-Tomography) auf, auf denen nun die Verteilung des Arzneimittels im Gehirn und so die Dichte der Dopamintransporter sichtbar gemacht werden. Die Kameraköpfe drehen sich bei der Untersuchung langsam um den Kopf der liegenden Patientin oder des liegenden Patienten. Um eine gute Bildqualität zu erzielen sollte die Patientin oder der Patient während der Untersuchung den Kopf nicht bewegen.

Wann ist ärztlicher Rat einzuholen?

Wer sich sehr häufig unwohl und antriebslos fühlt, und es dafür keinen konkreten Grund gibt, sollte eine ärztliche Praxis aufsuchen. „Es muss dann nicht unbedingt ein Dopaminmangel dahinterstecken“, sagt Psychiaterin Weidenauer. Ein erhöhter Dopamin-Wert im Blut kann ein Hinweis auf ernstzunehmende Erkrankungen wie einen Tumor des Nebennierenmarks oder des Nervensystems sein. Daher ist es wichtig, die Ursache ärztlich abklären zu lassen.

Dopamin und Übergewicht

Eine niedrigere Aktivität des D2-Rezeptors für Dopamin könnte Übergewichtigen die Motivation nehmen, Sport zu treiben. Dies legen zumindest Versuche an Mäusen nahe, über welche Forscher um Alexxai Kravitz am NIDDK Bethesda in der Fachzeitschrift Cell Metabolism berichten.

Die Forscher bemerkten jedoch bei Tierversuchen, dass das Bewegungsmuster von übergewichtigen Mäusen und solchen, die an Parkinson erkrankt waren, einander ähnelte. Dies warf die Frage auf, ob nicht möglicherweise eine Störung des Dopaminstoffwechsels im Gehirn für die reduzierte Bewegung der dicken Mäuse verantwortlich war. Letztlich ist ein relativer Dopaminmangel auch Ursache für die Hypokinesie bei Parkinsonkranken.

Das Wissenschaftlerteam testete diese Hypothese an Mäusen. Sie fütterten eine Gruppe von Mäusen mit normalem Futter, während eine Experimentalgruppe fettreiches Futter erhielt. Die überfütterten Mäuse legten schnell Gewicht zu und bewegten sich weniger. Überraschenderweise nahm die Bewegung bereits ab, bevor das Gewicht stieg. Die Forscher stellten fest, dass diese Mäuse eine reduzierte Bindungsaktivität von D2-Rezeptoren im Gehirn aufwiesen. D2-Rezeptoren wirken normalerweise durch ihre Hemmung von inhibierenden Neuronen bewegungsfördernd.

In einem weiteren Versuch entfernten die Forscher bei einigen Mäusen genetisch die D2-Rezeptoren. Obwohl die Tiere sich weniger bewegten, legten sie nicht an Gewicht zu. Dies ließ laut der Arbeitsgruppe den Schluss zu, dass der Bewegungsmangel Folge und nicht Ursache des Übergewichts sein könnte.

In künftigen Studien wollen die Forscher untersuchen, ob sich durch die Ernährung die Bewegungsmotivation von Mäuse steuern lässt.

Dopamin-Wert bestimmen

Der Dopamin-Wert wird bei Verdacht auf verschiedene Tumoren bestimmt. Dazu gehören meist gutartige Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) und des Nervensystems (beispielsweise Paragangliome). Diese Tumoren können die Hormone Noradrenalin, Adrenalin und seltener Dopamin produzieren und setzen sie unkontrolliert frei.

Das Hauptsymptom bei Menschen mit solchen Tumoren ist Bluthochdruck, der anhaltend oder anfallsartig auftreten kann. Zusätzlich kann es zu Herzrasen, Kopfschmerzen und Schweißausbrüchen kommen. Daher können diese Symptome einen Anlass geben, den Dopamin-Wert zu überprüfen.

Der Wert kann auch genutzt werden, um zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand verändert oder ob eine Behandlung wirkt, etwa nach einer operativen Entfernung des Tumors.

Um den Dopamin-Wert zu bestimmen, nimmt die Ärztin oder der Arzt etwas Blut ab, in der Regel aus der Armvene. Es ist wichtig, vor und während der Blutabnahme ruhig zu liegen. Die Referenzbereiche können sich von Labor zu Labor unterscheiden, da verschiedene Testverfahren eingesetzt werden. Daher gibt jedes Labor in seinem Bericht eigene Referenzbereiche an. Im 24-Stunden-Sammelurin sollte der Wert unter 500 Mikrogramm (µg) liegen.

Schmerz, Aufregung, Stress oder körperliche Aktivität können den Messwert vorübergehend steigen lassen. Schon etwa 30 Minuten vor der Blutentnahme wird daher eine kleine Venenverweilkanüle gelegt, über die später die Probe entnommen wird. Zudem ist es wichtig, dann bis zur Entnahme in einer ruhigen Umgebung zu liegen.

Es gilt auch, die drei Tage vor der Blutabnahme auf Tee, Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke und Lebensmittel zu verzichten, da sie den Wert erhöhen können. Auch bestimmte Medikamente wie etwa katecholaminhaltige Nasen- und Hustentropfen oder ACE-Hemmer können den Dopamin-Wert erhöhen.

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