Dopamin- und Noradrenalin-Störungen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Dopamin und Noradrenalin sind essenzielle Neurotransmitter, die eine entscheidende Rolle bei der Steuerung verschiedener Körperfunktionen und psychischer Prozesse spielen. Ein Ungleichgewicht dieser Botenstoffe kann zu einer Vielzahl von Störungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Dopamin- und Noradrenalin-Störungen.

Was sind Dopamin und Noradrenalin?

Dopamin und Noradrenalin sind Katecholamine, die als Neurotransmitter im Gehirn und Körper fungieren. Dopamin ist wesentlich an der Regulierung von Emotionen, Motivation, Belohnungsgefühlen und der Bewegungskoordination beteiligt. Noradrenalin hingegen beeinflusst Aufmerksamkeit, Wachheit, Stressreaktionen und den Blutdruck.

Dopaminmangel: Symptome, Ursachen und Behandlung

Beschreibung und Symptome eines Dopaminmangels

Ein Dopaminmangel liegt vor, wenn die Dopaminkonzentration im Körper oder Gehirn unter den normalen Bereich fällt. Dies kann vielfältige Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben. Die Symptome können je nach Schweregrad und betroffenem Bereich variieren.

Allgemeine Symptome eines Dopaminmangels:

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Nervosität und Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Interessen- und Motivationsmangel

Dopaminmangel bei spezifischen Erkrankungen:

  • Parkinson-Krankheit: Hier sterben fortschreitend Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn ab, was zu typischen Parkinson-Symptomen wie unwillkürlichem Zittern (Tremor), Muskelsteife (Rigor), verlangsamten Bewegungen (Bradykinesie) bis hin zur Bewegungslosigkeit (Akinesie), Gangstörungen sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen führt.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Dopaminmangel ist neben anderen Faktoren offenbar ein beteiligter Faktor beim RLS. Das Beschwerdebild der "unruhigen Beine" (starker Bewegungsdrang etc.) bessert sich nämlich, wenn die Betroffenen mit Levodopa (Vorstufe von Dopamin) oder einem sogenannten Dopaminagonisten (ahmt die Dopamin-Wirkung nach) behandelt werden.
  • Schizophrenie: Ein gestörter Dopaminstoffwechsel wird als mögliche Hypothese zur Krankheitsentstehung diskutiert. Es gibt Hinweise, dass bei schizophrenen Psychosen in manchen Hirnregionen ein Überschuss an Dopamin besteht, während es in einer anderen Hirnregion an dem Botenstoff mangelt.
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Zu wenig Dopamin an bestimmten Stellen im Gehirn scheint eine der beteiligten Ursachen zu sein. Die Betroffenen leiden beispielsweise unter Konzentrationsproblemen, Hyperaktivität und Impulsivität.
  • Depressionen: Störungen in dopaminergen Systemen könnten Depressionen (mit Symptomen wie Antriebs- und Freudlosigkeit) zugrunde liegen.
  • Sucht: Menschen, die von Drogen wie Kokain oder Amphetamine abhängig sind, entwickeln einen Dopaminmangel, wenn sie den Konsum einstellen. Dies verursacht Entzugssymptome wie Depression, Antriebslosigkeit und erhöhtes Verlangen nach der Droge.

Ursachen eines Dopaminmangels

  • Natürlicher Abbau: Mit zunehmendem Alter nehmen die Dopaminproduktion und die Funktion der Dopamin-Rezeptoren natürlicherweise allmählich ab.
  • Ernährung: Eine extrem eiweißarme Ernährung oder ein Mangel an essentiellen Aminosäuren (besonders Tyrosin und Phenylalanin) beeinträchtigt die Dopaminsynthese.
  • Lebensstil: Ein sitzender Lebensstil, Bewegungsmangel und schlechte Schlafqualität wirken sich negativ auf den Dopaminspiegel aus.
  • Drogenkonsum: Der chronische Konsum von Alkohol oder Freizeitdrogen schädigt Dopamin-produzierende Nervenzellen und kann so langfristig einen Dopaminmangel auslösen.
  • Umweltfaktoren: Die Exposition gegenüber Umweltgiften oder Stress kann die Bildung des Botenstoffes beeinträchtigen oder die Funktion seiner Rezeptoren stören und so zu einem Mangel beitragen.
  • Genetische Faktoren: Verschiedene genetische Faktoren können die Dopamin-Synthese, den Dopamin-Stoffwechsel oder die Funktion der Dopamin-Andockstellen (Rezeptoren) auf den Nervenzellen beeinflussen. Ein Beispiel ist die seltene Erbkrankheit Lesch-Nyhan-Syndrom.
  • Stress: Starker oder chronischer Stress sowie langandauernde seelische oder körperliche Belastung können ebenfalls zu einem Dopaminmangel führen.

Behandlung eines Dopaminmangels

Die Behandlung eines Dopaminmangels richtet sich nach der Ursache und den individuellen Symptomen.

Medikamentöse Behandlungen:

  • Parkinson-Krankheit: Medikamentöse Behandlungen zielen darauf ab, den bestehenden Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Betroffene erhalten dafür oft Levodopa - eine Dopaminvorstufe, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Ebenfalls eingesetzt werden Dopaminagonisten (ahmen die Dopamin-Wirkung nach) sowie MAO-B- und COMT-Inhibitoren (hemmen den Dopamin-Abbau). In fortgeschrittenen Fällen kommt eine tiefe Hirnstimulation ("Hirnschrittmacher") in Betracht.
  • Restless-Legs-Syndrom: Wenn eine Behandlung mit Eisenpräparaten nicht hilft oder nicht sinnvoll oder möglich ist, erhalten die Betroffenen Dopaminagonisten. Vorübergehend, aber nicht dauerhaft kann auch die Dopamin-Vorstufe Levodopa gegeben werden.
  • ADHS: Bei ADHS verschreiben Ärzte oft Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin, um die Konzentration der Nervenbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn zu erhöhen.
  • Andere Dopaminagonisten: Des Weiteren gibt es auch andere Dopaminagonisten, wie beispielsweise Robinirol oder Pramipexol. Zudem lässt sich auch der Abbau von Dopamin hemmen und somit seine Wirkdauer verstärken. Decarboxylasehemmer (z. B. MAO-B-Hemmer (z. B. COMT-Hemmer (z. B.

Was Sie selbst tun können:

  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit eiweißreichen Lebensmitteln (z.B. Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch) versorgt den Körper mit wichtigen Aminosäuren, die zur Dopaminproduktion benötigt werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel: In ärztlicher Absprache kann zum Ausgleich eines Dopaminmangels die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, etwa mit L-Tyrosin (Ausgangsstoff von Dopamin) oder Vitamin D (beeinflusst die Dopaminbildung).
  • Regelmäßige Bewegung: Fördert die Freisetzung von Dopamin und verbessert die Rezeptorfunktion. Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung pro Tag sind empfehlenswert.
  • Stressreduktion: Techniken wie Meditation, Yoga, Achtsamkeits- und Atemübungen können den Stresspegel senken und die Dopaminproduktion positiv beeinflussen.
  • Ausreichend Schlaf: Unterstützt die Regulierung der Dopaminspiegel und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene und sieben bis acht Stunden guten Schlafes pro Nacht.
  • Soziale Interaktion: Positive soziale Interaktionen fördern die Freisetzung von Dopamin und verbessern die Stimmung.
  • Hobbys und Interessen: Pflegen Sie Ihre Hobbys und Interessen wie Malen, Musik hören oder Aufenthalte in der Natur. Das kann ebenfalls die Dopaminausschüttung unterstützen.
  • Verzicht auf Drogen und Alkohol: Schützt die (Dopamin-produzierenden) Hirnzellen und hält den Botenstoff-Haushalt im Gehirn in der Balance.

Noradrenalin-Störung: Mögliche Auswirkungen und Zusammenhänge

Obwohl der Fokus oft auf Dopamin liegt, ist Noradrenalin ein ebenso wichtiger Neurotransmitter. Störungen im Noradrenalin-Haushalt können sich auf verschiedene Weise äußern und sind oft mit anderen Erkrankungen verbunden.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

Mögliche Auswirkungen einer Noradrenalin-Störung

  • Aufmerksamkeitsstörungen: Noradrenalin spielt eine wichtige Rolle bei der Aufmerksamkeit und Konzentration. Ein Mangel kann zu Konzentrationsproblemen und Aufmerksamkeitsdefiziten führen, wie sie beispielsweise bei ADHS auftreten.
  • Stimmungsstörungen: Noradrenalin beeinflusst die Stimmung und kann bei einem Ungleichgewicht zu Depressionen oder Angstzuständen beitragen.
  • Stressreaktionen: Noradrenalin ist ein wichtiger Bestandteil der Stressreaktion des Körpers. Störungen können zu einer übermäßigen oder unzureichenden Reaktion auf Stress führen.
  • Blutdruckregulation: Noradrenalin beeinflusst den Blutdruck. Ein Mangel kann zu niedrigem Blutdruck führen, während ein Überschuss Bluthochdruck verursachen kann.

Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen

  • ADHS: Wie bereits erwähnt, spielt Noradrenalin neben Dopamin eine wichtige Rolle bei ADHS.
  • Depressionen: Ein Mangel an Noradrenalin wird mit bestimmten Formen von Depressionen in Verbindung gebracht.
  • Angststörungen: Störungen im Noradrenalin-Haushalt können zu Angstzuständen und Panikattacken beitragen.
  • Fibromyalgie: Diese chronische Schmerzerkrankung wird mit Störungen im Noradrenalin-System in Verbindung gebracht.

ADHS: Ein komplexes Zusammenspiel von Dopamin und Noradrenalin

ADHS ist ein Paradebeispiel für eine Störung, bei der sowohl Dopamin als auch Noradrenalin eine zentrale Rolle spielen. Die Forschung deutet darauf hin, dass ein Ungleichgewicht dieser beiden Neurotransmitter in bestimmten Hirnregionen zu den typischen Symptomen von ADHS führt.

Neurobiologische Grundlagen von ADHS

Das wissenschaftlich begründete Erklärungsmodell für die Entstehung der ADHS legt eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen bestimmten Hirnabschnitten zugrunde, welche für die Konzentration, Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind. Diese Störung ist wiederum durch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) in diesen Hirnbereichen - vor allem von Dopamin und Noradrenalin - bedingt, die eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung von einer Nervenzelle zur anderen spielen.

Man geht u.a. davon aus, dass bei ADHS-Patienten Dopamin im Raum zwischen zwei Nervenzellen, dem so genannten synaptischen Spalt, nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Die Unterversorgung mit diesem Botenstoff führt zu einer gestörten Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen. Reize werden nur schlecht und unzureicheichend gefiltert.

Mit modernen bildgebenden Methoden konnten bei ADHS-Patienten zudem Funktionsstörungen in einzelnen Hirnabschnitten (Stammganglien und Frontalhirn) sowie Veränderungen in der „Gehirnarchitektur“ sichtbar gemacht werden. Auf diese Weise wurde festgestellt, dass z.B. der Hirnvorderlappen, d.h. Menschen mit ADHS können aufgrund der Stoffwechsel- und Funktionsstörungen in ihrem Gehirn die dauernden neuen Impulse nicht genügend filtern, so dass die Informationsverarbeitung behindert wird. Sie unterliegen einer permanenten Reizüberflutung. Die Betroffenen sind daher nur eingeschränkt in der Lage, ihre Aufmerksamkeit auf eine Sache zu konzen¬trieren, sie leiden an einer gestörten Selbstregulation. Gleichzeitig ist der Zugriff auf vorhandene Fähigkeiten und Informationen eingeschränkt, so dass eine vorausschauende Handlungsplanung erschwert wird. Sie können wichtige von unwichtigen Wahrnehmungen kaum unterscheiden. Da alle Eindrücke ungefiltert auf sie einstürzen, stehen sie ständig unter einer großen Anspannung.

Genetische und psychosoziale Faktoren bei ADHS

Eine genetische Veranlagung führt zu dieser neurobiologischen Störung, denn 10 bis 15% der nächsten Familienangehörigen von Kindern mit ADHS sind ebenfalls betroffen. Zwillingsstudien zeigen, dass gut 80% der Eineiigen und knapp 30% der Zweieiigen die gleiche Symptomatik aufweisen. Neuere Forschungsergebnisse gehen sogar davon aus, dass nahezu 80% aller ADHS-Erkrankungen erblich bedingt sind. Mehrere veränderte Gene (polygener Erbgang), die alleine kaum Störungen bewirken, sind aber im Zusammenspiel ursächlich für die fehlerhafte Informationsübertragung im Gehirn verantwortlich. Das erklärt dann auch das breite Spektrum möglicher Begleitstörungen (Komorbidität) wie Lerndefizite oder emotionale Störungen sowie das unterschiedliche Ansprechen auf die Medikation.

Lesen Sie auch: Parkinson-Krankheit und Dopamin

"Schlechte Erziehung” oder “negative Kindheitserfahrungen” können als eigentliche Ursachen einer ADHS ausgeschlossen werden. Ungünstige Familienverhältnisse können die betroffenen Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung jedoch zusätzlich belasten und sich auf den Schweregrad, den Krankheitsverlauf und die Entwicklung von begleitenden Störungen (z.B. Aggressivität, Angst) negativ auswirken. Zu den so genannten psychosozialen Risikofaktoren zählen z.B.:

  • unvollständige Familie, d.h. Aufwachsen mit einem alleinerziehenden Elternteil oder ohne Eltern
  • psychische Erkrankung eines Elternteils, vor allem antisoziale Persönlichkeitsstörung des Vaters und Alkoholkonsum in der Familie
  • familiäre Instabilität, ständiger Streit zwischen den Eltern
  • niedriges Familieneinkommen, sehr beengte Wohnverhältnisse
  • Inkonsequenz in der Erziehung, fehlende Regeln
  • häufige Kritik und Bestrafungen
  • unstrukturierter Tagesablauf

Auch eine mindere Intelligenz und die Persönlichkeit des Kindes, die zum großen Teil durch die ungünstigen Familienverhältnisse bedingt ist, wie z.B.

Manche Fachleute vermuten, dass die ADHS-Entwicklung auch durch unseren heutigen modernen Lebensstil ungünstig beeinflusst wird. Statt Wege zur Schule zu Fuß zurückzulegen und täglich im Freien zu spielen, werden die Kinder mit dem Bus oder von den Eltern zur Schule gebracht und meistens wird drinnen gespielt und allzu häufig am PC. Körperliche Aktivität, optische und akustische Wahrnehmung aus der Natur und wirkliches „Begreifen“ mit den Händen findet immer weniger statt. Bewegungsdrang, überschießende Energie und Neugier können kaum ausgelebt werden. Weniger Autorität der Eltern und Lehrer fördert heutzutage zwar die freie Entfaltung gesunder Kinder, schadet aber dem ADHS-Kind, das klare Strukturen, Regeln und Regelmäßigkeit benötigt. Große Gruppenstärken in Kindergärten und Schulen, die individuelle Betreuung nahezu unmöglich machen, verschärfen das Problem, ebenso der sogenannte „offene Kindergarten“, der kaum Strukturen vorgibt.

Behandlung von ADHS

Die Behandlung von ADHS zielt darauf ab, das Ungleichgewicht der Neurotransmitter auszugleichen und die Symptome zu lindern. Häufig werden Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin eingesetzt, die die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erhöhen. Ergänzend können психотерапевтические Maßnahmen und eine Anpassung des Lebensstils hilfreich sein.

Bipolare Störung: Das Auf und Ab der Stimmung

Die Bipolare Störung, früher als manisch-depressive Erkrankung bekannt, ist durch extreme Stimmungsschwankungen gekennzeichnet. Neben depressiven Phasen treten auch manische Phasen auf, in denen die Betroffenen übermäßig euphorisch und überaktiv sind. Auch hier spielen Neurotransmitter, insbesondere Dopamin und Noradrenalin, eine wichtige Rolle.

Lesen Sie auch: Der Einfluss von Alkohol auf Dopamin bei Parkinson

Neurotransmitter und die Bipolare Störung

Bei depressiven Menschen findet sich ein Mangel an den Neurotransmittern Noradrenalin und Serotonin. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass nicht einzelne Veränderungen der Neurotransmitter, sondern eine Störung des Gleichgewichts verschiedener Transmitter ursächlich ist. Außerdem ist bei depressiven Menschen die Empfindlichkeit und Dichte der Rezeptoren verändert, auf die die Neurotransmitter einwirken. Neurotransmitter scheinen auch bei der Entstehung der Manie eine Rolle zu spielen. Bei dieser Störung liegt eine erhöhte Konzentration der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin vor.

Ursachen der Bipolaren Störung

Die Entstehung Bipolarer Störungen ist im Sinne einer anlagebedingten Verletzlichkeit des Nervensystems zu verstehen, die von vielen weiteren äußeren Faktoren beeinflusst wird. Ob ein Lebensereignis eine Bipolare Störung auslöst, hängt also von der individuellen Disposition ab. Folgende Faktoren werden als ursächlich angesehen:

  • Genetische Faktoren: In Zwillings-, Familien-, und Adoptionsstudien konnte gezeigt werden, dass bei Verwandten ersten Grades von Patienten mit Bipolaren Störungen solche Erkrankungen etwa sieben Mal häufiger auftreten. Eine Bipolare Störung ist jedoch keine „Erbkrankheit“ im engen Sinne, die nach den Mendelschen Regeln vererbt wird. Viele verschiedene Gene, die wohl vor allem auf den Chromosomen 18, 4 und 21 liegen und die wichtig sind für Noradrenalin, Serotonin sowie für die Plastizität des Nervensystems, scheinen zu dem Störungsbild beizutragen.
  • Biologische Faktoren: Bei Patienten mit Bipolaren Störungen sind Veränderungen im Neurotransmitterhaushalt festgestellt worden.
  • Körperliche und auf Medikamente bezogene Ursachen: Grundsätzlich kann jede körperliche Erkrankung zu psychiatrischen, d.h. auch zu manisch-depressiven Symptomen führen oder sie verursachen. Auf der anderen Seite können Medikamente wie das Cortison manisch-depressive Zustandbilder auslösen. Ebenso können Bluthochdruckmittel wie Beta-Blocker oder Antibiotika u.ä. diese Wirkung zeigen. Außerdem ist anzumerken, dass nicht nur Drogenkonsum, sondern auch Alkohol die affektive Gemütslage des Menschen verändert und zu großer Antriebssteigerung führen, aber auch den gegenteiligen Effekt haben kann.
  • Psychosoziale Faktoren: Belastende Lebensereignisse (sog. „life events“) wie frühe Scheidung der Eltern, Trauerfälle, frühe schwere körperliche Erkrankungen etc., aber vor allem Traumata wie sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlung und fortgesetzte Vernachlässigung können zu psychiatrischen Erkrankungen wie der Bipolaren Störung führen bzw. bei einer vorbestehenden individuellen Disposition diese mitverursachen können. Auslöser für eine Bipolare Störung sind Stress und psychische Belastung.

Behandlung der Bipolaren Störung

Die Behandlung der Bipolaren Störung umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie. Stimmungsstabilisierende Medikamente wie Lithium oder Antikonvulsiva werden eingesetzt, um die Stimmungsschwankungen zu kontrollieren. Ergänzend kann eine Psychotherapie helfen, die Erkrankung zu bewältigen und den Umgang mit Stress zu verbessern.

Depression: Ein Ungleichgewicht der Botenstoffe

Auch bei Depressionen spielen Neurotransmitter, insbesondere Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, eine wichtige Rolle. Ein Mangel oder ein Ungleichgewicht dieser Botenstoffe kann zu den typischen Symptomen einer Depression führen.

Neurobiologische Grundlagen der Depression

Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass Depressionen durch typische Veränderungen von Botenstoffen im Gehirn gekennzeichnet sind. Dabei scheinen bestimmte Botenstoffe (so genannte Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Acetylcholin, Gamma-Aminobuttersäure) aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Depressive Patienten weisen im Vergleich zu Gesunden oft eine erniedrigte Aktivität von Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin auf. Diese Annahme wird durch den generellen Wirkmechanismus einer bestimmten Medikamentengruppe, der so genannten „Antidepressiva“, gestützt. Diese Wirkstoffe sorgen für eine Erhöhung bestimmter Botenstoffe im neuronalen System und helfen, die Symptome einer Depression zu mindern bzw. sie zu unterdrücken.

Darüber hinaus wurde mithilfe bildgebender Verfahren bei Betroffenen während einer depressiven Episode eine veränderte Aktivität des so genannten limbischen Systems im Gehirn festgestellt. Das limbische System, auch als stressregulierendes System bezeichnet, ist für das Empfinden und Verarbeiten von Gefühlen mitverantwortlich.

Weitere Faktoren bei der Entstehung einer Depression

  • Erbliche Vorbelastung: Denn Depressionen treten familiär gehäuft auf. Sind Verwandte ersten Grades betroffen, liegt die Gefahr, selbst eine Depression zu entwickeln, bei etwa 15%. Bei eineiigen Zwillingen steigert sich das Risiko, dass beide an einer Depression erkranken auf mindestens 50%.
  • Fehlgeleitete Entwicklung in der Kindheit: Ein ängstlich-fürsorglicher Erziehungsstil, eine daraus resultierende „erlernte Hilflosigkeit“ sowie geringe Fähigkeiten der Betroffenen, Stress zu bewältigen, können Risikofaktoren für die Entwicklung einer Depression sein. Auch der frühe Verlust eines Elternteils, eine Störung der Mutter-Kind-Beziehung oder mangelndes Selbstwertgefühl seit frühester Kindheit können zu einer besonderen Verletzlichkeit gegenüber Enttäuschungen führen.
  • Belastende Lebensereignisse: Bei vielen Depressionen tritt die Erkrankung nach kritischen, belastenden oder negativen Ereignissen auf, z.B. dem Verlust eines Partners bzw. Angehörigen oder Probleme mit nahen Bezugspersonen, Scheidung/Trennung etc. oder einfach nur Veränderungen der gewohnten Lebensweise wie z.B. durch Pensionierung. Es ist nachgewiesen, dass stressreiche Lebensereignisse zu neurobiologischen Reaktionen wie z.B. vermehrter Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führen, welches auch bei Depression in erhöhter Konzentration im Blut gefunden wird.
  • Körperliche Erkrankungen:
  • Weitere Faktoren: weibliches Geschlecht; Single-Dasein; Großstädte; wenig gesellschaftliche Kontakte; niedriger Ausbildungsgrad; Arbeitslosigkeit; Cannabis-Konsum und Alkohol-Missbrauch.

Behandlung von Depressionen

Die Behandlung der Depression erfolgt mit Psychotherapie, antidepressiven Medikamenten und körperlichem Training sowie Entspannungstraining. Zusätzlich können ergänzend eine Neural-Akupunktur und eine magneto-elektrische Stimulation angewendet werden. Insgesamt empfiehlt sich die Behandlung integriert und multimodal, das heißt unter Ausschöpfung aller Behandlungsmöglichkeiten zu gestalten.

  • Psychotherapeutische Behandlung: Hierbei werden die verschiedenen Lebensbereiche im Hinblick auf Krankheit-auslösende oder Krankheit-unterstützende Faktoren analysiert, erörtert und Möglichkeiten der Konfliktlösung aufgezeigt. Im optimalen Fall führt dies zu einer Verhaltensänderung des Patienten, die für ihn vorteilhaft ist und zur Ausheilung der Depression beiträgt.
  • Medikamentöse Therapie: Ziel der medikamentösen Therapie der Depression ist es Störungen im Stoffwechsel der Überträgerstoffe zwischen den Nervenzellen im Gehirn zu verbessern. Wichtige Überträgerstoffe hierfür sind Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Melatonin.
  • Körperliches Training und Entspannungstraining: Durch körperliches Training werden die Gehirnzellen aktiviert und Stammzellen im Gehirn zur Teilung angeregt. Schon nach kurzer Zeit können Stimmung und Lebensfreude steigen, Antrieb und Selbstvertrauen sich normalisieren, Schlafstörungen behoben sein.
  • Neural-Akupunktur: Hypothetisches Ziel der Neural-Akupunktur ist es, durch Stimulation an den Nervenaustrittspunkten die Freisetzung der körpereigenen Endorphine herbeizuführen.
  • Magneto-elektrische Stimulation: Mit einer direkt über den Kopf gehaltenen Magnetspule wird im Bereich des Gehirns schwacher elektrischer Strom ausgelöst, der das Gehirn aktiviert.

tags: #dopamin #noadrenalin #storung