Einführung
In der Cardiopraxis wird zunehmend die Bedeutung der Stoffwechselwege von aktivierenden Neurotransmittern wie Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Adrenalin erkannt. Diese Neurotransmitter beeinflussen nicht nur das emotionale Befinden und Verhalten, sondern auch das Herz-Kreislaufsystem. Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Nachrichten zwischen Nervenzellen oder zwischen Nerven und Endorganen, wie dem Herzen, vermitteln. Sie dienen der Kommunikation, insbesondere im Gehirn, dem Hauptort der Informationsverarbeitung.
Was sind Neurotransmitter?
Kurz gesagt: Neurotransmitter sind Botenstoffe, die zwischen den Nervenzellen vermitteln. Die rund 100 Milliarden Nervenzellen des Gehirns müssen schnell und effektiv miteinander kommunizieren. Das funktioniert einerseits über elektrische Impulse und andererseits eben über Neurotransmitter und Rezeptoren. Die Neurotransmitter werden im Gehirn produziert. Durch das Andocken an einen Rezeptor können sie ihre Botschaft weiterleiten. Die Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind über Synapsen miteinander verbunden. An diesen Kontaktstellen findet die Übertragung von Informationen an die Zelle statt. Gedanken, Gefühle, Bewegungen - nichts würde ohne die Nervenbotenstoffe funktionieren. Kein Wunder, dass hier ein Ungleichgewicht massive Folgen hat, sowohl auf kognitiver als auch auf motorischer Ebene.
Die Bedeutung von Neurotransmittern
Neurotransmitter agieren bei allen Reizen, Signalen und Reaktionen, die auf uns einwirken. Sie sind die Botenstoffe unseres Gehirns und bestimmen alle Prozesse in unserem Leben. Sie transportieren auf afferenten Bahnen Informationen zum Gehirn und senden auf efferenten Bahnen einen Effekt nach außen (z. B. Schließung des Augenlids bei Lichteinfluss). Neurotransmitter sind im übertragenen Sinne die „Paketboten“ unseres Körpers, die ihre Päckchen je nach Anlass entweder zum Gehirn oder von dort aus zum entsprechenden Rezeptor tragen.
Motivation, Lust, Stimmung, Energie, Schlaf, Verlangen - all das sind Bereiche, die von den Neurotransmittern im Gehirn gesteuert werden. Sie beeinflussen die geistige Leistungsfähigkeit, die Lernfähigkeit, das Gedächtnis und auch die Art und Weise, wie man mit Stress umgeht.
Die Synthese von Neurotransmittern
Die Bildung von aktivierenden Neurotransmittern erfordert meist mehrere Stoffwechselschritte aus jeweils einer Aminosäure. So wird beispielsweise die Aminosäure L-Phenylalanin mit der Nahrung aufgenommen, aus der durch verschiedene Umbauprozesse der Neurotransmitter Dopamin entsteht. An diesen Prozessen sind verschiedene Faktoren beteiligt.
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Enzyme und Ko-Faktoren
Enzyme sorgen dafür, dass Neurotransmitter meist über mehrere Stoffwechselschritte gebildet werden. Diese Enzyme sind großmolekulare Eiweiße, die die Bildung als Katalysatoren erheblich beschleunigen, ohne dass sie sich selber dabei strukturell oder funktionell verändern. Enzyme benötigen in der Regel einen oder mehrere Ko-Faktoren, um richtig zu funktionieren. Diese Ko-Faktoren sind zwar für das einzelne Enzym spezifisch, können aber bei verschiedenen Enzymen ganz unterschiedlich sein. Sie kommen häufig aus der Gruppe der sog. Mikronährstoffe; die bekanntesten sind Vitamine und Mineralien.
Für jedes Enzym gibt es einen oder mehrere optimale Ko-Faktoren. Nun gibt es auch nicht-optimale Ko-Faktoren, die einen Stoffwechselschritt verlangsamen oder sogar blockieren können. Optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren konkurrieren um die Bindungsstelle am Enzym. In einer Zelle kommt derselbe Enzymtyp mehrmals vor, da ein einzelnes Enzym die notwendige Syntheseleistung alleine nicht erbringen könnte. So konkurrieren optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren um die Bindungsstelle an mehreren Enzymen eines Typs. Je nachdem wie diese Ko-Faktoren, optimale und nicht-optimale, in einem quantitativen Gleichgewicht zu einander stehen, läuft der Stoffwechselweg aller Enzyme desselben Typs in Summe schneller oder langsamer. Hieraus wird deutlich, dass Ko-Faktoren eine wichtige Regulierungsfunktion für Stoffwechselwege haben.
Diese Zusammenhänge haben vor dem Hintergrund der unkontrollierten Zufuhr von freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln eine erhebliche Bedeutung. Ein Beispiel ist die übermäßige Zufuhr von Vitamin B6 (Umwandlung von L-Dopa zu Dopamin durch L-Aminodecarboxylase). Nicht nur kann die Überbehandlung mit Vitamin B6 schwere neurologische Störungen zur Folge haben, sondern es tritt hierunter auch eine übersteigerte Stoffwechselaktivität auf.
Epigenetische Faktoren
Enzyme werden als Eiweißstoffe selber durch ein einzelnes Gen bzw. mehrere Gene gebildet. Gene können in ihrer Funktion an- und abgeschaltet werden. Die Faktoren, die das bewirken sind unter anderem “epigenetische Faktoren“. Epigenetik bedeutet vereinfacht “beim Gen“. Die Epigenetik ist ein verhältnismäßige neues Wissenschaftsgebiet. Bei der Regulierung des Herz- Kreislaufsystem durch aktivierende Neurotransmitter spielen epigenetische Einflussgrößen ebenfalls eine wichtige Rolle. Vitamin D induziert die Bildung des Enzyms Tyrosin-Hydroxylase (Umwandlung von Tyrosin in L-Dopa). Testosteron induziert genetisch die vermehrte Bildung der Catechol-O-Methytransferase (COMT) und Monoaminooxidase (MAO), was wiederum einem beschleunigten Abbau aktivierenden Neurotransmitter verbunden ist.
Die Freisetzung und Wirkung von Neurotransmittern an der Synapse
Sind die aktivierenden Neurotransmitter einmal gebildet, dann werden sie durch ein Signal im Nerven aus der Senderzelle in den Zellzwischenraum, den sog. synaptischen Spalt freigesetzt, um das Signal an eine Empfängerzelle zu übertragen. An der Empfängerzelle sitzen in der Zellmembran Rezeptoren, an welche die Neurotransmitter andocken. Bei einem Signal durch einen Signal-sendenden Nerv erfolgt immer die Freisetzung mehrerer Neurotransmitter. Weiterhin hat auch das quantitative Verhältnis von Neurotransmittern zu ihren spezifischen Rezeptoren eine Bedeutung.
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Rezeptoren und Signalübertragung
Wenn ein aktivierender Neurotransmitter durch ein Signal aus dem Signal-sendenden Nerv freigesetzt wird, dann befindet er sich zunächst im Zwischenraum zwischen 2 Nerven, dem sog. synaptischen Spalt. Er dockt dann, gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an spezifische Rezeptoren auf der Signal-empfangenden Zelle an. Rezeptoren werden selber durch Gene gebildet und werden selber durch spezifische epigenetische Faktoren und zum Teil über Rezeptor-spezifisch Ko-faktoren reguliert.
Wenn ein Rezeptor vermittelt durch einen Neurotransmitter ein Signal in die Signal-empfangenden Zelle übertragen hat, dann ist er danach für eine bestimmte Zeit inaktiv, d.h. er steht für eine erneute Signalübertragung nicht zur Verfügung. War das gesendete Signal aller Signal-sendenden Nerven quantitativ sehr stark, dann kann im Sinne einer Erschöpfung der ganze Signalweg für eine bestimmte Zeit blockiert sein.
Neurotransmitter und Rezeptor sind im Sinne des Schlüssel-Schloss-Prinzips spezifisch füreinander optimal passend. Ähnlich wie bei den Ko-Faktoren der Enzyme kann aber eine nicht-optimal passende Substanz den Rezeptor für den optimal passenden Neurotransmitter und damit die Wirkung desselben blockieren. Diese Blockade kann kompetitiv sein, d.h. die Signalübertragung wird durch das quantitative Verhältnis von optimal-wirkenden Neurotransmittern zu blockierenden Substanzen bestimmt.
In der Herz-Kreislaufmedizin wird das Prinzip der kompetitiven Rezeptorblockade, z.B. bei der Therapie mit Beta-Rezeptoren Blockern zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen regelmäßig eingesetzt.
Wiederaufnahme und Abbau von Neurotransmittern
Hat ein Neurotransmitter seine Funktion am Rezeptor des Signal-empfangenden Nerv erfüllt, dann löst er sich wieder, so dass er sich zunächst frei im Zwischenraum zwischen Signal-empfangenden und Signal-sendendem Nerven, dem sog. synaptischen Spalt befindet. In den meisten Fällen werden die freien Neurotransmitter allerdings über einen Wiederaufnahmekanal erneut in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen. Bei Wiederaufnahmekanälen handelt es sich um Eiweißstrukturen, die ebenfalls auf der Grundlage von Genen gebildet werden.
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Die Funktion von Wiederaufnahmekanälen wird bei den aktivierenden Neurotransmittern auch therapeutisch genutzt. So werden bei der Behandlung von Depression die sog. Serotonin- bzw. die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer verwendet. In der Regel speichert der Signal-sendenden Nerv die Neurotransmitter nach ihrer Wiederaufnahme. Dieses geschieht in kleinen Speicherbläschen, sog. Speichervesikeln. Um in ein Speichervesikel zu gelangen, muss der Neurotransmitter erneut einen Transporter-Kanal, der ebenfalls aus Proteinen besteht, passieren. In den Vesikeln sind die Neurotransmitter vor den abbauenden Enzymen, die innerhalb der Zelle, aber außerhalb der Vesikel liegen, geschützt.
Die Funktion eines Vesikel-Transporters wird auch therapeutisch genutzt. Der Blockade des Transporters VMAT2, z.B. durch Reserpin kann bei zu starker neurovegetativer Aktivierung z.B. zur Behandlung des Bluthochdrucks oder bei innerer Unruhe und Angstzuständen therapeutisch eingesetzt werden. Reserpin blockiert die Aufnahme von aktivierenden Neurotransmittern in die schützenden Vesikel.
Der Abbau von aktivierenden Neurotransmittern erfolgt überwiegend innerhalb des Signal-sendenden Nervs. Ebenso wie bei der Bildung von Neurotransmittern spielen bei ihrem Abbau Enzyme eine entscheidende Rolle. Von hervorgehobener Bedeutung sind hier die Enzyme Catechol-O-Methytransferase (COMT) und die Monoaminooxidasen (MAO). Für COMT und MAO sind genetische Varianten bekannt. So gibt es bei Menschen alleine schon genetisch bedingt eine hohe, mittlere und niedrige Abbaurate von aktivierenden Neurotransmittern durch COMT bzw. MAO. Ist die Abbaurate z.B. niedrig, dann “stauen“ sich die Neurotransmitter vor dem Enzym und es liegt bei diesem Menschen eher ein gesteigertes Aktivitätsniveau vor. In Bezug auf das menschliche Verhalten bedeutet dieses eine höhere bzw. niedrigere Irritabilität und erklärt so auch zum Teil das unterschiedliche Temperament zwischen einzelnen Menschen. Gerade die genetischen Varianten von COMT und MAO werden in der Verhaltensforschung ausgiebig untersucht. So kann z.B. eine niedrige Aktivität von COMT mit einem “Stau“ von Dopamin und Noradrenalin innere Unruhe und eine Neigung zu Panikattacken mit erklären.
Gerade bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, die ja nicht nur von Störungen des Organs Herz bzw. der Blutgefäße selber abhängig sind, hat die Kenntnis der individuellen genetischen Voraussetzung für die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern eine zunehmende therapeutische Bedeutung. Nicht nur werden so Verhaltensmuster eher erklärbar, sondern wir können gezielter Empfehlungen bei der medikamentösen Therapie, dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel und zu den Wirkungen von Hormonpräparaten, seien es Östrogen, Progesteron oder Testosteron geben.
Die wichtigsten Neurotransmittersysteme
Nervenzellen sind meist auf einen bzw. ganz wenige Neurontransmitter spezialisiert. Infolge dessen, werden jedem Botenstoff spezielle Neuronennetzwerke zugeschrieben. Am bekanntesten sind die Neurontransmitter Systeme wie das cholinerge System, das mit dem Transmitter Acetylcholin arbeitet, das serotonerge System mit Serotonin verbunden und das dopaminerge System welches mit dem Neurontransmitter Dopamin arbeitet.
Gemeinsam haben diese drei Netzwerke die Eigenschaft, dass sie kleine Ursprungsgebiete besitzen, also nur von ganz bestimmten Neuronengruppen produziert werden. Ihr Einfluss jedoch geht über einhunderttausend Synapsen pro beteiligtem Neuron und reicht in sehr unterschiedliche Stellen im Gehirn hinein. Wissen muss man, dass Acetylcholin, Dopamin und Serotonin verglichen mit Glutamat langsamer arbeiten und länger in ihrer Wirkung anhalten. Das kommt von der Tatsache, dass sie diffus in einem größeren Gebiet und nicht nur in einer einzelnen Synapse ausgeschüttet werden. Sie sind für die Regulierung umfassender Zustände wie Schlaf oder die Gemütsverfassung zuständig.
Acetylcholin
Acetylcholin wurde als erster Neurotransmitter entdeckt. Dieser Botenstoff ist für das vegetative Nervensystem eine Schnittstelle zwischen den motorischen Nerven und der Skelettmuskulatur. Im Gehirn sind ebenfalls cholinerge Neuronen zu finden. Sie können in zwei diffuse Modulationssysteme gegliedert werden.
Das eine System verbindet von der Basis des Großhirns aus den Hippocampus, Riechkolben und Neocortex. Diese Zellen spielen beim Ausbruch der Alzheimer Krankheit eine große Rolle. Sie sind die ersten, die bei der Alzheimer-Krankheit absterben. Unter den zugelassenen Alzheimer-Medikamenten, die den Verlust geistiger Fähigkeiten zumindest verzögern sollen, befinden sich aber Wirkstoffe, die den Acetylcholin-Abbau im Gehirn verlangsamen.
Das zweite System besteht aus Zellen, die im Pons und im Tegmentum vom liegen Mittelhirns. Es wirkt in erster Reihe in den Thalamus hinein, aber auch in hohem Maße ins Großhirn. Beteiligt daran sind die cholinergen Neuronen. Sie verantwortlich für die Steuerung von Aufmerksamkeit und Erregbarkeit des Gehirns im Laufe des Schlaf- und Wachrhythmuses. In Tierversuchen wurde deutlich, dass Acetylcholin die Weiterleitung sensorischer Reize vom Thalamus in die zuständigen Cortex-Regionen fördert. Darüber hinaus spielt es beim Lernen eine entscheidende Rolle.
Serotonin
Serotonin ist ein sehr vielseitiger Neurotransmitter. Auch außerhalb des zentralen Nervensystems kann man es in weiten Teilen finden. In der Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts wurde es isoliert. Den Namen hat es von seiner Wirkung auf den Blutdruck: Als Bestandteil des Serums reguliert es die Spannung (Tonus) der Blutgefäße.
Als Neurotransmitter im Gehirn ist Serotonin nur in den Neuronen der Raphekerne im Hirnstamm tätig. Von dort aus innervieren sie über Axone fast alle Regionen im Gehirn und nehmen Einfluss auf das Schmerzempfinden, den Schlaf- und Wachrhythmus und den Gemütszustand. So sind die Raphekerne im Zustand erhöhter Wachsamkeit besonders aktiv, am wenigsten dagegen im Schlaf. Umgekehrt haben Studien gezeigt: Ist Serotonin im Gehirn im Übermaß vorhanden, können Unruhe und Halluzinationen entstehen. Ein Serotoninmangel kann zu depressiven Verstimmungen, Angstzuständen und Aggressionen führen.
Es wird im Gehirn aus der Aminosäure Tryptophan erzeugt. Die Serotoninmenge im Gehirn kann über den Tryptophanspiegel beeinflusst werden, der sich über die Ernährung steuert. So führt kohlenhydratreiche Kost zu hoher Tryptophan-Verfügbarkeit, umgekehrt hat ein Entzug von Kohlenhydraten in Studien Schlafstörungen und Depressionen bewirkt, was man auf das dann fehlende Serotonin zurückführte. Viele Antidepressiva und Medikamente gegen Angst erhöhen gezielt die Menge verfügbaren Serotonins im Gehirn, etwa indem sie die präsynaptische Wiederaufnahme verlangsamen. Diese Wirkstoffe kennt man als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Trotzdem lässt sich die Stimmung nicht einfach verbessern, indem man den Serotoninspiegel erhöht.
Dopamin
Dopamin entsteht ebenso wie Noradrenalin und Adrenalin aus der Aminosäure Tyrosin. Dopamin galt lange als chemische Vorstufe des Noradrenalins. Dopaminhaltige Zellen sind für die Steuerung willkürlicher Bewegungen wichtig. Die Parkinson-Krankheit wird durch einen Degeneration der Zellen im Mittelhirn ausgelöst. Das zweite dopaminerge System ist das mesocorticolimbische System. Es soll eine wichtige Rolle bei der Motivation Spielen und ist deshalb auch als Belohnungssystem bekannt. Die Stimulation des Belohnungssystems macht abhängig.
Dopamin spielt als Botenstoff im Belohnungszentrum eine Rolle. Das Signalmolekül vermittelt das Gefühl von Euphorie, das etwa dann einsetzt, wenn wir einen Erfolg erzielen. Fast alle süchtig machenden Substanzen erhöhen den Dopaminspiegel in bestimmten Gehirnregionen. Das steigert seinerseits wieder das Verlangen nach der Droge. Schizophrenie und ADHS sollen vom Dopaminspiegel abhängen.
Neurotransmitter-Ungleichgewicht: Ursachen und Folgen
Hektik, Stress, Überforderung - der heutige Lifestyle ist nicht gerade eine Wellnesskur für unsere Nervenzellen. Ständig müssen sie aktiv sein, verschiedene Dinge gleichzeitig erledigen, sie sind immer unter Strom - dabei kommt die Entspannung viel zu kurz. Und ehe man sich versieht, machen sich die ersten Anzeichen einer Dysbalance bemerkbar. Hinzu kommen noch eine ungesunde Ernährung, wenig Schlaf, womöglich noch Alkohol und Nikotin und Umweltgifte, denen wir uns kaum entziehen können. Dass der Informationsfluss in den Synapsen darunter leidet, ist wenig überraschend.
Wie das Gleichgewicht der Neurotransmitter aussehen soll, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt keine Norm, an der du dich orientieren kannst. Doch solltest du Veränderungen an dir feststellen, an deinem Wesen, an deiner Laune oder einen Hang zur Sucht (es reichen schon mehrere Tassen Kaffee, das Verlangen nach einer Zigarette oder ein zwanghafter Shoppingwahn), solltest du dir Gedanken über deinen Neurotransmitter-Haushalt machen. Denn irgendwo könnte eine Schwachstelle in der Informationsübertragung von Synapse zu Nervenzelle liegen, die behoben werden kann.
Ein Ungleichgewicht hat massive Auswirkungen auf Emotionen und Gehirnleistung.
Neurotransmitter zurück ins Gleichgewicht bringen
Ob deine Neurotransmitter im Ungleichgewicht sind kannst du nur schwer über Tests herausfinden, da er keine eindeutigen Ergebnisse liefert. Du kannst jedoch folgendes tun und die folgenden Tipps umsetzen:
Ernährung
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist die Basis, um Körper und Geist zu optimieren. Macht sich dennoch ein Serotonin-Mangel bemerkbar, sind Lebensmittel wichtig, die L-Tryptophan enthalten. L-Tryptophan ist eine Aminosäure, welche die Vorstufe des Glückshormons Serotonin bildet. Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte enthalten besonders viel Tryptophan. Um Dopamin zu verstärken, bietet sich beispielsweise der Verzehr von Avocados, grünem Blattgemüse, Äpfeln, Nüssen, Samen, Haferflocken und dunkler Schokolade an. Auch Kaffee und Grüner Tee pushen Dopamin - sollten aber in Maßen genossen werden. Einen Acetylcholin-Mangel kannst du durch gesunde Fette ausgleichen. Fetthaltiger Fisch, Fleisch, Geflügel, Eier und fetthaltige Milchprodukte sind reich an Cholin, der Vorstufe von Acetylcholin. GABA steigt hingegen an, wenn du beispielsweise Bananen, Brokkoli, Zitrusfrüchte, Linsen, braunen Reis, Fisch, Nüsse, Haferflocken, Spinat, probiotischen Joghurt, Kefir oder Sauerkraut auf deinen Speiseplan setzt.
Supplements
Natürlich kannst du deine Gehirnleistung auch über Supplements fördern. 5-HTP ist der Vorläufer von Serotonin, sollte jedoch nicht langfristig eingenommen werden. Die Bildung des Glücksbotenstoffs Serotonin kann aber beispielweise durch MOOD unterstützt werden. MOOD enthält L-Tryptophan, welches deinem Körper als Grundlage zur Produktion des Wohlfühlhormons Serotonin dienen kann.
Änderung des Lifestyles
Regelmäßiger Sport, ausreichend Schlaf, frische Luft und Sonnenschein sorgen für die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin. Wer den ganzen Tag im Büro sitzt und von einem Meeting zum nächsten rennt, sollte dringend für Ausgleich sorgen. Meditation und ähnliche Entspannungsmethoden sind dafür sehr empfehlenswert. Der positive Effekt auf die Dopamin-Bildung wurde in einer Studie festgestellt, in der bei den Probanden während einer Mediation ein deutlicher Anstieg des Botenstoffes nachgewiesen werden konnte. Ein gutes Training für die Dopamin-Ausschüttung sind außerdem immer neue Ziele, die du erreichen willst. Dabei fängst du am besten mit Kleinigkeiten an, auf die du deine Energie fokussierst. So erreichst du schneller deine Ziele und kommst in den Genuss des Dopamin-Benefits. Dabei sollte jedoch die Entspannung nicht zu kurz kommen: In einer Studie konnte die besondere Wirkung von Yoga auf die Produktion von GABA nachgewiesen werden. Schon durch eine Stunde Yoga steigt der Wert um bis zu 27% an - ein guter Grund, regelmäßig die Entspannungsmethode zu praktizieren.
Neurotransmitter und neuropsychologische Bedeutung
Neurotransmitter haben auch auf neuropsychologischer Ebene eine große Bedeutung. Bei Senioren, Demenzkrankheiten und psychischen Störungen wie Depressionen werden bewusst Therapiemaßnahmen angewandt, mit denen speziell die Neurotransmitter angeregtwerden. Gezieltes Gedächtnistraining, Übungen für das logische Denken, die räumliche Wahrnehmung und das allgemeine Sprachverständnis sind ein effektives Training, auch weil das Belohnungspotential der Patienten relativ hoch ist und ein Erfolgserlebnis schnell erzielt werden kann. Dadurch gewinnt der Teilnehmer Selbstvertrauen dazu, das innere Wohlbefinden steigt - womit der biochemische Haushalt in unserem Körper im Einklang ist und der Transport von Informationen durch Neurotransmitter störungsfrei vonstatten gehen kann.
Klinische Relevanz: Krankheiten und Neurotransmitter
Störungen in der Neurotransmission können zu verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen führen. Einige Beispiele sind:
- Myasthenia gravis: Autoimmunerkrankung, die durch eine Produktion von Autoantikörpern gegen Acetylcholinrezeptoren auf der postsynaptischen Membran gekennzeichnet ist. Rezeptoren blockiert sind, wird die Muskelkontraktion gehemmt. Betroffene berichten von Erschöpfung und Müdigkeit am Ende des Tages.
- Parkinson-Krankheit: neurodegenerative Erkrankung, bei der die Produktion von Dopamin durch Zerstörung der produzierenden Zellen in der Substantia nigra vermindert ist.
- Autismus-Spektrum-Störung: neurologische Entwicklungsstörung, die durch reduzierte soziale Fähigkeiten, eingeschränkte Interessen und soziale Interaktionen sowie sich wiederholende und stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Diese Störung wird aufgrund der großen Variabilität in der Ausprägung und Symptomatik als „Spektrum“ bezeichnet. Autismus-Spektrum-Störung leiden unter schweren Beeinträchtigungen der Sprachfähigkeit und des Intellekts, während andere einen normalen oder sogar fortgeschrittenen Intellekt aufweisen.
- Chorea Huntington: progressive neurodegenerative Erkrankung mit autosomal-dominanter Vererbung. Sie wird durch vervielfältigte CAG-Triplett-Wiederholungen (Cytosin-Adenin-Guanin) im Huntingtin-Gen (HTT) verursacht. Zum klinischen Erscheinungsbild im Erwachsenenalter gehören eine Bewegungsstörung, die als Chorea bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um abrupte, unwillkürliche Bewegungen des Gesichts, des Rumpfes und der Extremitäten.
- Schizophrenie: schwere chronische psychische Störung. Schizophrenie ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein psychotischer Symptome, desorganisierten Sprechens oder Verhaltens, Affektverflachung, Avolition, Anhedonie, verminderte Aufmerksamkeitsfähigkeit und Alogie.
Epigenetische Einflüsse und Neurotransmitter
Neue Forschungsarbeiten zeigen, dass die Moleküle zudem als epigenetische Marker dienen können. Dazu binden sie sich im Zellkern an eine bestimmte Stelle des Histons H3. Das signalisiert der Zelle, dass das um die Histone gewickelte Gen mehr oder weniger abgelesen werden soll - die Herstellung des codierten Proteins steigt oder sinkt als Konsequenz. In der Summe können solche Veränderungen neuronale Schaltkreise umbauen und sogar unser Verhalten beeinflussen.
Die Entdeckung, dass Neurotransmitter bei epigenetischen Prozessen eine Rolle spielen, hat das Verständnis von Genetik und Drogenabhängigkeit revolutioniert. Laut den Studiendaten könnten epigenetische Veränderungen das intensive Verlangen nach Drogen wie Alkohol und Kokain verursachen, indem sie der Sucht zu Grunde liegende Schaltkreise im Gehirn beeinflussen. Interessanterweise legen die Ergebnisse auch eine Antwort darauf nahe, warum viele Antidepressiva erst nach wochenlanger Einnahme wirken.