Dopamin ist ein Neurotransmitter, ein Botenstoff, der eine entscheidende Rolle im Nervensystem spielt. Es beeinflusst eine Vielzahl von Körperfunktionen, von der Steuerung von Bewegungen bis hin zur Regulierung von Emotionen und Motivation. Dopamin wird oft als "Glückshormon" bezeichnet, aber seine Funktionen sind vielfältiger und komplexer als dieser Begriff vermuten lässt.
Was ist Dopamin?
Dopamin gehört zu den sogenannten Neurotransmittern und ist ein Botenstoff, der vorwiegend im Nervensystem eine Rolle spielt. Es leitet Signale zwischen bestimmten Nervenzellen weiter, was unterschiedliche Effekte haben kann, etwa das Hervorrufen von Emotionen oder das Ausführen von Bewegungen. Dopamin wird wie Serotonin oft als „Glückshormon“ bezeichnet. „Das ist nicht falsch, aber der Begriff deckt nicht alles ab - Dopamin hat viele Facetten“, sagt Dr. Ana Weidenauer, Psychiaterin an der Medizinischen Universität Wien, die zu Dopamin forscht.
Die vielfältigen Funktionen von Dopamin im Körper
Dopamin hat eine Reihe von Funktionen, insbesondere im Nervensystem: Es beeinflusst das Verhalten und die geistige Aktivität, die bewussten Körperbewegungen, die Motivation, das Gefühl von Strafe und von Belohnung. Darüber hinaus wirkt es unter anderem auf den Schlaf, das Träumen, die Stimmung, die Konzentration, das Arbeitsgedächtnis und das Lernen.
Dopamin als "Glückshormon"
Die Bezeichnung „Glückshormon“ kommt daher, dass Dopamin insbesondere bei Tätigkeiten verstärkt ausgeschüttet wird, die wir als anregend empfinden. „Dazu können etwa Sport, Sex und gutes Essen gehören“, sagt Psychiaterin Weidenauer. Und weil eine Dopaminausschüttung im Gehirn bewirkt, dass man mehr von dem auslösenden Reiz haben möchte, kann Dopamin auch bei der Entwicklung einer Sucht eine Rolle spielen. Zur verstärkten Ausschüttung des Botenstoffes kommt es bei anregenden Tätigkeiten wie dem Konsum von Social Media. Dinge und Tätigkeiten, die mit Lust und Freude verbunden sind, führen zu einer Ausschüttung des Botenstoffs Dopamins - auch als Glückshormon bezeichnet. Je nach Menge des Hormons wird die Psyche beeinflusst. Dopamin fungiert als Neurotransmitter, das heißt als Botenstoff zwischen Nervenzellen. In seiner Wirkung vermag Dopamin die Vorfreude auf etwas auszulösen, motiviert und lässt zur Tat zu schreiten. So nimmt es Einfluss auf unsere Entscheidungen. Dopamin hat außerdem große Auswirkungen auf die Stimmung und das Wohlbefinden des Menschen. Auch Konzentration und körperliche Aktivität können durch Dopamin beeinflusst werden. Funktionell ermöglicht Dopamin eine Übertragung von Gefühlen und eine stabile Wahrnehmung - Somit ist es essenziell für den Körper und Geist.
Dopamin und das Belohnungssystem
Das Belohnungssystem funktioniert wie ein Schaltkreis: In der Großhirnrinde entsteht ein Verlangen. Gibt man ihm nach, gehen Signale unter anderem an das limbische System und den Hippocampus und zuletzt an die Großhirnrinde - als Rückmeldung, dass der Befehl ausgeführt wurde. Wichtigster Mitspieler im System ist das Dopamin. Es generiert Verlangen und Belohnungserwartung und ist damit ein wichtiger Motivator.
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Das Belohnungssystem im Gehirn wandelt sich im Laufe des Lebens. Besonders eindrücklich zeigt sich dies in der Pubertät und im Alter. Eine Studie von Jessica R. Cohen von der University of California in Los Angeles etwa zeigte, dass junge Menschen in der Pubertät besonders viel Dopamin in ihrem Striatum ausschütten, wenn sie riskante Handlungen erfolgreich abschließen. Dies motiviert sie dazu, ähnliche Situationen erneut zu suchen - und erklärt das mitunter merkwürdige risikobetonte Verhalten von Teenagern. Ursache der hohen Dopamin-Ausschüttung im Gehirn der Jugendlichen ist nach Ansicht der Forscher der massive Umbau des Gehirns in der Pubertät. Er setzt manche Kontrollmechanismen für einige Zeit außer Kraft, während andere noch nicht vollständig aufgebaut sind.
Auch im Alter wandelt sich die Reaktion des Gehirns auf Dopamin. Das zeigen Studien von Jean-Claude Dreher vom französischen Institute des Sciences Cognitives in Bron und Karen Berman vom amerikanischen National Institute of Mental Health in Bethesda. Die Forscher ließen Probanden im Alter von 25 und 65 Jahren zu einem Spiel antreten, bei dem man finanzielle Belohnungen gewinnen konnte, und untersuchten dabei deren Gehirnaktivität per Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT). Dabei zeigte sich, dass zwar in beiden Altersgruppen je nach Belohnung etwa gleich viel Dopamin ausgeschüttet wurde. Das Gehirn der älteren Teilnehmer reagierte darauf aber weniger intensiv als das der jüngeren. Vor allem der präfrontale Cortex antwortete auf das Dopamin in sehr unterschiedlicher Weise. Bei den jüngeren Probanden nahm die Aktivität in diesem Bereich mit steigender Dopamin-Ausschüttung zu. Bei den älteren beobachteten die Forscher den gegenteiligen Effekt: Je höher der Dopaminspiegel, desto weniger aktiv war der präfrontale Cortex.
Dopamin und Sucht
Dopamin ist auch stark mit Suchtverhalten verbunden. Da es das Belohnungssystem des Gehirns direkt beeinflusst, kann eine übermäßige Stimulierung dieses Systems durch bestimmte Verhaltensweisen oder Substanzen zu Abhängigkeiten führen. Bei wiederholtem Konsum von Drogen, Alkohol oder auch beim exzessiven Einsatz digitaler Medien wird das Belohnungssystem des Gehirns übermäßig aktiviert, was zu einer erhöhten Dopaminausschüttung führt. Der Körper gewöhnt sich an diese hohen Dopaminspiegel, was den Drang verstärkt, das Verhalten zu wiederholen, um das gleiche Gefühl der Belohnung zu erleben. So kann die Dopaminproduktion im Gehirn beispielsweise durch den Konsum von Essen, Alkohol, Tabak und Drogen angeregt werden. Doch auch Tätigkeiten, wie Umarmen von Angehörigen, Sport, Gaming, Surfen in sozialen Medien und Glücksspiele, können den Dopamin-Spiegel erhöhen. Dinge, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, können auch die Konzentration von Dopamin bzw. dessen Produktion steigern, wie beispielsweise Benachrichtigungen auf dem Smartphone zu erhalten oder neuen und unerwarteten Reizen ausgesetzt zu sein.
Prof. Dr. Falk Kiefer ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Schwerpunkte seiner Arbeit und Forschung sind die Entwicklung von Abhängigkeitserkrankungen und deren Bewältigung. Prof. Dr. Kiefer erklärt, dass Dopamin die Aufgabe hat, auf mögliche Belohnungen hinzuweisen, also eine belohnungsankündigende Wirkung. Das spielt beim Belohnungslernen eine große Rolle. Wenn wir etwas Positives erleben - wenn wir zum Beispiel hungrig sind und etwas essen oder wenn wir Zuwendung von einem anderen Menschen bekommen - dann wird Dopamin ausgeschüttet und markiert diese Situation als wichtig. Das heißt, wenn wir beim nächsten Mal an der Person vorbeigehen, die nett zu uns war, dann wird Dopamin ausgeschüttet, denn wir haben gelernt, dass es hier etwas Schönes geben könnte. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden gewissermaßen durch das Dopamin gelikt und dann im Suchtgedächtnis abgespeichert als etwas, das mit Belohnung verbunden ist.
Soziale Medien nutzen diese Lernmechanismen unseres Gehirns, indem sie immer wieder das Dopaminsystem anstacheln. Sie bekommen beispielsweise in sozialen Netzwerken nette Kommentare, dann assoziieren wir das mit dem Handy. Die Belohnungserwartung setzt dann in dem Moment ein, in dem wir aufs Handy gucken oder wenn das Handy vibriert. Das Handy im Raum wird dann immer wichtiger und die anderen Sachen, die im Raum sind, nimmt man weniger wahr - weil sie nicht so relevant sind wie das, was mit dem Dopamin markiert wurde, in diesem Fall das Handy.
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Dopamin und kognitive Funktionen
Der im Volksmund als „Glückshormon“ bezeichnete Botenstoff Dopamin ist nicht nur für Motivation und Motorik des Menschen wichtig, sondern kann Nervenzellen offenbar auch bei anspruchsvollen kognitiven Aufgaben positiv beeinflussen. Torben Ott, Simon Jacob und Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen konnten nun erstmals zeigen, welchen Einfluss Dopamin auf Gehirnzellen während der Verarbeitung von Regeln hat.
Um herauszufinden, wie Nervenzellen bei anspruchsvollen kognitiven Aufgaben durch Dopamin beeinflusst werden, wurden Rhesusaffen so trainiert, dass sie in der Lage waren, Rechenaufgaben nach der Regel „größer als“ oder “kleiner als“ zu lösen. Während dieser Messungen wurden nahe den untersuchten Nervenzellen physiologisch kleine Mengen verschiedener Substanzen ausgeschüttet, die die gleiche oder entgegengesetzte Wirkung wie Dopamin haben und die sich an dopaminempfindlichen Nervenzellen anlagern konnten. Überraschenderweise zeigte sich, dass durch Stimulierung des Dopaminsystems die Regelzellen leistungsfähiger wurden und die „Größer-als-„ oder „Kleiner-als-Regel“ noch deutlicher voneinander unterschieden. Mit dieser Arbeit ergeben sich neue Erkenntnisse darüber, wie Dopamin abstrakte Denkprozesse beeinflusst, wie sie etwa für die Anwendung von Rechenregeln notwendig sind.
Dopaminmangel: Symptome und Ursachen
Wenn zu wenig Dopamin im Körper und im Nervensystem vorhanden ist, kann sich das auf unterschiedliche Arten äußern: „Häufig stellt sich eine Art generelle Unlust ein. Man hat wenig Antrieb und sieht keine Freude darin, sich mit anderen Menschen zu treffen“, sagt Weidenauer. Neben der Stimmung können bei einem Dopaminmangel auch Depressionen auftreten und es gibt Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit. Doch wie kommt es überhaupt zu einem Dopaminmangel? „Das ist noch nicht ganz erforscht, aber soweit wir wissen, kann es ganz unterschiedliche Gründe haben. Häufig kommen mehrere Ursachen zusammen“, erklärt die Psychiaterin. Es wird eine genetische Veranlagung vermutet. „Wenn dann noch verschiedene äußere begünstigende Faktoren hinzukommen, entwickeln diese Menschen eher einen Dopaminmangel.“
Als besonders entscheidender Faktor gilt länger anhaltender Stress. „Das kann Stress im unmittelbaren Umfeld sein, etwa in der Familie oder in der Partnerschaft oder Unsicherheit am Arbeitsplatz. Es kann aber auch gesellschaftlicher Stress sein, etwa während eines Krieges oder während einer großen Wirtschaftskrise mit viel Unsicherheit“, sagt Weidenauer. Auch andere seelische Belastungen, Mangelernährung und Bewegungsarmut können mit einem Dopaminmangel einhergehen.
Dopamin erhöhen: Tipps für einen gesunden Dopaminhaushalt
Grundsätzlich wird die Produktion von Dopamin durch Tätigkeiten gesteigert, bei denen wir Lust empfinden. Doch der Grat zwischen einer gesunden Dopaminsteigerung und einer kurzfristig übermäßigen und auf Dauer eher schädlichen Überanregung des Dopaminsystems, etwa durch das schnelle Betrachten von Social-Media-Inhalten, ist schmal. Um das Dopaminsystem auf gesunde Weise anzuregen, empfehlen sich vor allem Sport und ausreichend Schlaf. Eine ausgewogene Ernährung kann das Nervensystem insgesamt stärken.
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Um das eigene Dopamin erhöhen zu können, können folgende Handlungen helfen:
- Abbau von chronischem Stress (ständiger Stress hemmt die Produktion von Dopamin)
- Ausreichend Schlaf (7-9h) von guter Qualität
- Praktizieren von Entspannung (Meditation und Yoga)
- Regelmäßige Bewegung (bereits nach 10min. kommt es zur Ausschüttung von Dopamin und nach 20 min. ist die Konzentration an Dopamin am höchsten)
- Ausreichendes Verzehren von Proteinen (Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte etc. führen zum Wachstum von Dopamin)
- Genießen von Musik (die Hirnaktivität im Belohnungszentrum ist reich an Dopaminrezeptoren und wird dabei angesprochen)
- Sonne tanken (Sonnenstrahlen fördern die Herstellung von Dopamin)
Die Tipps sind in Maßen anzuwenden und garantieren keine Steigerung an Dopamin. Dopamin kann auch als Arzneimittel in Apotheken gekauft werden, allerdings ist es rezeptpflichtig.
Dopamin erhöhen mit Sport
Sport ist Mord? Nein, Sport macht glücklich! Auch wenn für manch einen am Anfang ein gewisser Schweinehund zu überwinden ist, so versetzt körperliche Anstrengung im Rahmen von Sport die meisten Menschen nach einer Zeit in eine Art Glückszustand. Wer mit Sport den Dopaminspiegel steigern möchte, braucht wahrscheinlich ein gewisses Pensum. „Manche Menschen sagen, ich gehe eh spazieren. Aber das reicht nicht, um eine spürbare Dopaminausschüttung herbeizuführen. Dazu sollte man schon mehrmals in der Woche Sport von mindestens mittlerer Intensität machen“, empfiehlt Psychiaterin Weidenauer. Regelmäßige Bewegung (bereits nach 10min. kommt es zur Ausschüttung von Dopamin und nach 20 min. ist die Konzentration an Dopamin am höchsten).
Dopamin erhöhen mit Schlaf
Schlafmangel kann das Dopaminsystem durcheinanderbringen. Umgekehrt ist laut Weidenauer davon auszugehen, dass ausreichend Schlaf sich positiv auf das Dopaminsystem auswirken kann: „Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für den Körper und das Gehirn insgesamt - er kann vermutlich auch helfen, den Dopaminhaushalt zu stabilisieren.“ Ausreichend Schlaf (7-9h) von guter Qualität ist wichtig.
Dopamin erhöhen mit Ernährung
Dopamin wird im Nervensystem und im Nebennierenmark unter anderem aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin gebildet. Doch ob es einen Effekt hat, phenylalaninhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen, um den Dopaminspiegel zu steigern, darüber gibt es noch keine stichhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Es gibt viele dopaminhaltige Lebensmittel, die konsumiert werden können. Allerdings kann der Körper Nahrung nicht als Quelle benutzen, um Dopamin aufzunehmen, da es bei der Verdauung (zu) rasch abgebaut wird. Eine Dopaminsteigerung durch Lebensmittel ist also nicht möglich. Der Körper muss den Botenstoff selbst herstellen. Ausreichendes Verzehren von Proteinen (Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte etc. führen zum Wachstum von Dopamin) ist wichtig.
„Es gibt Nahrungsergänzungsmittel, in denen viele Substanzen enthalten sind, die Vorstufen von Dopamin sind. Ihr Effekt ist aber gering“, sagt Weidenauer. „Gerade bei krankhaftem Dopaminmangel - etwa im Rahmen von ADHS oder Depressionen - helfen solche Vorstufen kaum.“
Die Psychiaterin empfiehlt stattdessen eine ausgewogene Ernährung, um den Stoffwechsel im Gehirn insgesamt zu stärken. „Die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse und Olivenöl und Fisch sowie weißem Fleisch hat eine stabilisierende Wirkung auf das Nervensystem.“ Dazu tragen unter anderem die Omega-3-Fettsäuren bei, die etwa in Fisch und Olivenöl enthalten sind.
Dopaminüberschuss: Wenn zu viel des Guten schadet
Nicht nur ein Dopaminmangel kann zu Beschwerden führen, auch ein Dopaminüberschuss beziehungsweise eine ständige Aktivierung des Dopaminsystems kann zum Problem werden. Zu einem kurzfristigen Dopaminüberschuss kann es kommen, wenn die Dopaminausschüttung in kurzer Zeit extrem stimuliert wird. „Je mehr Dinge man macht, die eine Dopaminausschüttung bewirken, desto weniger empfindlich wird das Gehirn für kleinere Reize“, sagt Weidenauer. In der Praxis könnte das bedeuten: Wer in jeder Pause im Alltag durch Instagram scrollt und jeden Abend eine Verabredung hat, für den sind das Scrollen auf Social Media und auch die Verabredungen irgendwann weniger „besonders“, sie sorgen für weniger Befriedigung. „Das kann im Laufe der Zeit zu einer Art Abstumpfung des Dopaminsystems führen.“
Symptome eines Dopamin-Überschuss sind eine sehr intensive Wahrnehmung der Umwelt, zunehmende Unfähigkeit zwischen wichtigen und unwichtigen Empfindungen zu unterscheiden, Schlafprobleme, Wahnvorstellungen und manisches Verhalten. Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen, wie Psychosen, Schizophrenie, Drogenabhängigkeit und Angstzuständen, in Verbindung gebracht.
Dopamin Detox: Eine Auszeit für das Belohnungssystem
Beim „Dopamin Detox“, auch Dopaminfasten genannt, zieht man sich für eine bestimmte Zeit in eine möglichst ruhige Umgebung zurück und vermeidet alles, was sonst eine Dopaminausschüttung stimuliert. „Wer immer unterwegs ist - online und offline -, könnte sich zum Dopamin Detox beispielsweise für ein Wochenende in eine ruhige Hütte im Wald zurückziehen, ohne Internet und mit abgeschaltetem Telefon“, sagt Psychiaterin Weidenauer.
Es gibt bislang keine aussagekräftigen Studien darüber, inwieweit ein solches Dopamin Detox tatsächlich den Dopaminhaushalt beeinflusst. „Man kann aber schon davon ausgehen, dass es eine gewisse Wirkung hat“, meint Weidenauer. „Es geht ja nicht nur um die Dopaminkonzentration, sondern auch um das eigene Wohlbefinden und die Zufriedenheit. Und die können durch ein solches Dopamin Detox in vielen Fällen gesteigert werden - wenngleich es vielen anfangs auch schwerfallen dürfte, die relative Reizarmut auszuhalten.“
Dopamintoleranz
Häufig wird auch von einer Dopamintoleranz gesprochen. Damit ist gemeint, dass durch viele stimulierenden und kurzfristig Freude bereitende Reize Menschen das Gefühl entwickeln können, keine Freude mehr zu empfinden und nach immer größeren und neuen Vergnügen suchen. Häufig ist dies bei Personen der Fall, die viel digitale Medien konsumieren, Herausforderungen an Spielkonsolen suchen usw. Derartiges ist teils programmiert, um bei NutzerInnen hohe Dopamin-Ausschüttung hervorzurufen. Dabei können sich Verhaltenssüchte entwickeln, was dazu führen kann, dass Betroffene das Interesse an wichtigen Dingen oder diese vernachlässigen. Z.B. einmal pro Woche, Dopamin runterfahren: Kein PC, Smartphone, Spielkonsole, Fast Food, sondern spazieren, meditieren, schreiben lesen. Sich äußeren Reizen der digitalisierten Welt entgegensetzen und wieder mit „inneren Themen“ beschäftigen, mit Dingen die man aufschiebt und Erlebtes verarbeiten, Quality Time, Familie. Regelmäßig, langfristig im Alltag. Weniger interessantes vor dopaminlastiger Aktivität.
Krankheiten, die durch zu wenig oder zu viel Dopamin entstehen können
Liegt ein Dopaminmangel vor, kann dies mit Erkrankungen wie Depressionen oder einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) einhergehen. Es gibt außerdem Hinweise, dass ein Dopaminmangel in Wechselwirkung mit Umwelt- und genetischen Faktoren zur Entstehung von Parkinson beitragen kann.
Ein langfristiges Ungleichgewicht im Dopaminsystem wiederum kann mit Erkrankungen wie Schizophrenie einhergehen. Außerdem greifen Drogen in das Dopaminsystem ein und regen das Gehirn zur verstärkten Ausschüttung des Botenstoffs an. Wird eine Erkrankungen vom Arzt diagnostiziert, gibt es verschiedene Arzneimittel, die helfen können, das Dopaminsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie, ADS und ADHS, Drogenabhängigkeit und Angstzuständen assoziiert.
Dopamin und Parkinson
Eine der Krankheiten, bei denen ein Mangel an Dopamin im zentralen Nervensystem (ZNS) auftritt, ist Parkinson. Zu den typischen Parkinsonsymptomen zählen Muskelstarre (Rigor), Zittern (Tremor) und eine Verlangsamung der Bewegungen bis hin zur Bewegungslosigkeit (Akinese). Eine Behandlung mit Dopamin kann gegen diese Symptome helfen.
Da der Wirkstoff aber nicht in der Lage ist, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, kann er nicht direkt zugeführt werden, um dadurch den Mangel im Gehirn auszugleichen. Stattdessen werden eine Vorstufe (L-DOPA) und Analoga (Dopamin-Agonisten) des Botenstoffs verabreicht, die bis an den Wirkort im Gehirn gelangen können.
Dopamin und Schizophrenie
Bei schizophrenen oder sonstigen psychotischen Patienten ist meist in bestimmten Hirnregionen die Dopamin-Konzentration erhöht. Hier werden Hemmer des Botenstoffs (Dopamin-Antagonisten) eingesetzt. Sie zählen zu den Antipsychotika.
Wann ist ärztlicher Rat einzuholen?
Wer sich sehr häufig unwohl und antriebslos fühlt, und es dafür keinen konkreten Grund gibt, sollte eine ärztliche Praxis aufsuchen. „Es muss dann nicht unbedingt ein Dopaminmangel dahinterstecken“, sagt Psychiaterin Weidenauer. Wenn Sie Verdacht auf eine Erkrankung haben, so empfiehlt sich die Konsultation eines Arztes/einer Ärztin oder eines Psychotherapeuten/einer Psychotherapeutin.
Dopamin als Medikament
Dopamin kann in bestimmten Körperregionen (wie zum Beispiel den Nieren) die Durchblutung steigern. Es wird daher bei Schockzuständen, niedrigem Blutdruck und Nierenversagen angewendet. Diese Verwendung ist jedoch rückläufig, da beispielsweise mit Adrenalin oder Noradrenalin Wirkstoffe mit kleinerem Nebenwirkungspotential zur Verfügung stehen.
Für neurologische Indikationen (wie Parkinson) wird Dopamin nicht direkt eingesetzt. Stattdessen verabreicht man Vorläufer oder Analoga davon, da diese im Unterschied zu Dopamin die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.
Zur Kreislaufstabilisierung wird der Wirkstoff bei Schockzuständen oder drohenden Schockzuständen eingesetzt. Diese können beispielsweise in folgenden Fällen auftreten:
- Herzversagen und Herzinfarkt
- Schweren Infektionen
- Plötzlichem, starkem Blutdruckabfall
Es stehen Infusions- und Injektionslösungen zur intravenösen Anwendung von Dopamin zur Verfügung. Die Verabreichung erfolgt durch einen Arzt.
L-DOPA sowie Dopamin-Agonisten und Dopamin-Antagonisten gibt es in Tablettenform. Die Anwendungshäufigkeit und Dosierung wird individuell durch den behandelnden Arzt festgelegt. Nur Kliniken und Ärzte können Dopamin kaufen. Es kann nicht auf Rezept verschrieben werden und ist auch sonst in keiner Form durch Patienten beziehbar.
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