Dopaminerges System im Gehirn: Funktion, Bedeutung und Auswirkungen

Dopamin, oft als "Glückshormon" bezeichnet, ist ein wichtiger Neurotransmitter im Gehirn, der eine zentrale Rolle bei verschiedenen Prozessen spielt, darunter Motivation, Belohnung, Bewegung und Kognition. Das dopaminerge System, das aus neuronalen Verbindungen besteht, die Dopamin verwenden, um Informationen zu übertragen, ist entscheidend für das Verständnis von Suchtverhalten, psychischen Erkrankungen und neurologischen Störungen.

Was ist Dopamin?

Dopamin ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der die Kommunikation zwischen Nervenzellen ermöglicht. Es wird in dopaminergen Nervenzellen aus der Aminosäure L-Tyrosin (oder deren Vorstufe L-Phenylalanin) synthetisiert. Dopamin wirkt insbesondere im Belohnungssystem des Gehirns, indem es auf mögliche Belohnungen hinweist und somit eine belohnungsankündigende Wirkung hat.

Die Hauptaufgaben von Dopamin

Obwohl Dopamin hauptsächlich als Belohnungsneurotransmitter bekannt ist, hat es verschiedene Funktionen innerhalb seiner vier Hauptsignalsysteme:

  • Mesolimbisches System: Dieser Pfad ist stark an Vergnügen und Belohnung beteiligt. Dopamin vermittelt hier Gefühle der Freude und Belohnung und ist wichtig für die Aufrechterhaltung unserer täglichen Aktivität. Eine Überstimulation kann jedoch zu einem intensiven Verlangen führen.
  • Mesokortikales System: Dieses System ist dem Bereich der aktiven Gehirnleistungen zugeordnet, wie Kurzzeitgedächtnis und Entscheidungsfindung. Dopamin beeinflusst hier die Wahrnehmung und Aktivität im präfrontalen Kortex (PFC).
  • Nigrostriatales System: Dieses System ist an der motorischen Planung beteiligt. Dopaminerge Neuronen stimulieren eine gezielte Bewegung. Eine verringerte Anzahl von Dopamin-Neuronen in diesem System ist ein Hauptaspekt der Beeinträchtigung der Motorik.
  • Tuberoinfundibuläres System: Dieses System reguliert die Prolaktin-Ausschüttung aus der Hypophyse. Dopamin hemmt die Prolaktin-Produktion, die für die Milchproduktion verantwortlich ist und wichtige Funktionen im Stoffwechsel, der sexuellen Befriedigung und im Immunsystem hat.

Dopamin und Sucht

Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Suchtverhalten. Wenn wir etwas Positives erleben, wird Dopamin ausgeschüttet und markiert diese Situation als wichtig. Situationen, die mit Belohnungen einhergehen, werden gewissermaßen durch das Dopamin "gelikt" und dann im Suchtgedächtnis abgespeichert als etwas, das mit Belohnung verbunden ist.

Soziale Medien nutzen beispielsweise diese Lernmechanismen unseres Gehirns. Nette Kommentare in sozialen Netzwerken werden mit dem Handy assoziiert, wodurch eine Belohnungserwartung entsteht, sobald wir aufs Handy gucken oder es vibriert. Das Handy wird dann immer wichtiger, während andere Sachen im Raum weniger wahrgenommen werden.

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Dieses Verhalten hat durchaus Aspekte von Suchtverhalten. Soziale Netzwerke sind oft so konstruiert, dass sie immer wieder das Dopaminsystem anstacheln, was in Extremfällen zu einer Ähnlichkeit mit klassischen Abhängigkeiten führen kann.

Typische Symptome von Suchtverhalten

  • Craving: Ein starker, schwer bezwingbarer Wunsch, das suchtartige Verhalten auszuüben oder das Suchtmittel zu konsumieren.
  • Toleranzentwicklung: Um den gleichen positiven Effekt zu erleben, sind höhere Dosen des Suchtmittels oder des suchtartigen Verhaltens erforderlich.
  • Vernachlässigung anderer Lebensbereiche: Dem Nachgehen der Sucht wird Vorrang vor anderen Interessen und Verpflichtungen gegeben.
  • Entzugssymptome: Bei Beendigung oder Reduktion des Konsums können körperliche und/oder psychische Entzugssymptome auftreten.
  • Kontrollverlust: Es wird zunehmend schwieriger, den Substanzkonsum oder das Ausmaß des süchtigen Verhaltens bezüglich Dauer und Intensität zu kontrollieren.
  • Anhaltender Konsum trotz bereits eingetretener Schäden: Der Substanzkonsum bzw. das Suchtverhalten wird fortgesetzt, obwohl es bereits zu schädlichen Folgen geführt hat.

Dopamin-Detox

"Dopamin-Detox" ist ein neuer Name für etwas, das die Menschheit schon seit Jahrtausenden kennt: sich abschotten von äußeren Reizen, um zu sich zu kommen. In der heutigen Welt gibt es besonders viele dieser Reize, gerade über die vielen Medien, die uns beschallen. Wenn man sich von äußeren Triggern abschottet, dann reagiert das Dopamin nicht andauernd auf äußere Signale, es gibt keine Höhen und Tiefen. Das beste Beispiel dafür ist die Meditation.

Dopaminmangel

Ein Dopaminmangel liegt vor, wenn die Dopamin-Konzentration im Körper oder Gehirn unter dem normalen Bereich liegt. Dies kann vielfältige Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben.

Symptome eines Dopaminmangels

Allgemeine Symptome, die bei Dopaminmangel auftreten können, sind:

  • Müdigkeit
  • Nervosität, Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Interessen-, Motivationsmangel

Gravierende Auswirkungen zeigen sich bei der Parkinson-Krankheit, bei der Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn absterben. Der resultierende Dopaminmangel ruft typische Parkinson-Symptome hervor wie:

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  • Unwillkürliches Zittern (Tremor), etwa der Hände
  • Muskelsteife (Rigor)
  • Verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie) bis hin zu Bewegungslosigkeit (Akinesie)
  • Gangstörungen
  • Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen

Auch beim primären Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist Dopaminmangel ein beteiligter Faktor. Bei Schizophrenie, ADHS und Depressionen könnten ebenfalls Störungen in dopaminergen Systemen zugrunde liegen. Menschen, die von Drogen abhängig sind, entwickeln einen Dopaminmangel, wenn sie den Konsum einstellen, was zu Entzugssymptomen führt.

Ursachen eines Dopaminmangels

Mit zunehmendem Alter nehmen die Dopaminproduktion und die Funktion der Dopamin-Rezeptoren natürlicherweise allmählich ab. Daneben können ungünstige Lebensstilfaktoren einen Dopaminmangel begünstigen:

  • Eine extrem eiweißarme Ernährung oder ein Mangel an essentiellen Aminosäuren
  • Ein sitzender Lebensstil, Bewegungsmangel und schlechte Schlafqualität
  • Der chronische Konsum von Alkohol oder Freizeitdrogen
  • Die Exposition gegenüber Umweltgiften oder Stress
  • Verschiedene genetische Faktoren

Behandlung eines Dopaminmangels

Die Behandlung eines Dopaminmangels richtet sich nach der Ursache und den individuellen Symptomen. Einige Beispiele:

  • Parkinson-Krankheit: Medikamentöse Behandlungen zielen darauf ab, den bestehenden Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen, oft mit Levodopa, Dopaminagonisten oder MAO-B- und COMT-Inhibitoren. In fortgeschrittenen Fällen kommt eine tiefe Hirnstimulation in Betracht.
  • Restless-Legs-Syndrom: Dopaminagonisten können helfen, die Symptome zu lindern.
  • ADHS: Ärzte verschreiben oft Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin, um die Konzentration der Nervenbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn zu erhöhen.

Was Sie selbst tun können

Bei einem leichten Dopaminmangel kann eine Lebensstil-Anpassung helfen:

  • Eine gesunde Ernährung mit eiweißreichen Lebensmitteln
  • In ärztlicher Absprache die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit L-Tyrosin oder Vitamin D
  • Regelmäßige Bewegung
  • Stressreduktion durch Meditation, Yoga oder Atemübungen
  • Ausreichend Schlaf
  • Positive soziale Interaktionen
  • Pflegen Sie Ihre Hobbys und Interessen
  • Verzichten Sie auf illegale Drogen und Alkohol

Dopamin-Überschuss

Ein Dopamin-Überschuss kann zu einer sehr intensiven Wahrnehmung der Umwelt, zunehmender Unfähigkeit zwischen wichtigen und unwichtigen Empfindungen zu unterscheiden, Schlafproblemen, Wahnvorstellungen und manischem Verhalten führen. Hohe Dopaminwerte werden mit seelischen Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie, Drogenabhängigkeit und Angstzuständen in Verbindung gebracht.

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Dopamintoleranz

Durch viele stimulierende und kurzfristig Freude bereitende Reize können Menschen das Gefühl entwickeln, keine Freude mehr zu empfinden und nach immer größeren und neuen Vergnügen suchen. Dies kann zu Verhaltenssüchten führen, was dazu führen kann, dass Betroffene das Interesse an wichtigen Dingen verlieren oder diese vernachlässigen.

Dopamin und Ernährung

Es gibt viele dopaminhaltige Lebensmittel, die konsumiert werden können. Allerdings kann der Körper Nahrung nicht als Quelle benutzen, um Dopamin aufzunehmen, da es bei der Verdauung rasch abgebaut wird. Der Körper muss den Botenstoff selbst herstellen. Eine gesunde Ernährung mit eiweißreichen Lebensmitteln versorgt den Körper jedoch mit wichtigen Aminosäuren, die zur Dopaminproduktion benötigt werden.

Dopamin und Zucker

Der Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln aktiviert unser dopaminerges System, was zur Ausschüttung von Dopamin führt. Dies verstärkt das Verhalten, das zu dieser Belohnung geführt hat, wie zum Beispiel Essen. Ein ständiger Zuckerkonsum kann jedoch dazu führen, dass wir immer mehr Zucker essen wollen, da sich die neuronalen Schaltkreise so verändern, dass zuckerreiche Nahrung eine stärkere belohnende Wirkung hat.

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