Erkrankungen des Nervensystems, die durch Vitaminmangel verursacht werden, sind von erheblicher Bedeutung und werden oft erst spät erkannt. Ein Vitaminmangel kann sich bereits zu Beginn der Erkrankung negativ auswirken. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von B-Vitaminen, insbesondere B1, B6 und B12, bei der Behandlung von Polyneuropathie, einer Erkrankung, die durch Schädigung der peripheren Nerven gekennzeichnet ist.
Einführung in die Polyneuropathie
Die distale, symmetrische sensible oder sensomotorische Polyneuropathie (DSPN) ist die häufigste Ausprägung der diabetischen Neuropathie. Mehr als 30 % aller Diabetiker leiden an einer DSPN, die in der Regel schleichend beginnt, chronisch fortschreitet und insbesondere an den distalen Abschnitten der unteren Extremitäten, seltener auch an den oberen, auftritt. Symptomatisch kommt es zu Kribbeln, Parästhesien, Taubheitsgefühlen sowie Reduktion oder Verlust von Schmerz-, Temperatur-, Berührungs-, Druck- und Vibrationsempfindungen, Stand- und Gangunsicherheit und neuropathischen Schmerzen.
Die Bedeutung von B-Vitaminen für das Nervensystem
Der Vitamin B-Komplex spielt eine entscheidende Rolle für die Funktionalität des Nervensystems. Ein Mangel an Vitaminen dieser wasserlöslichen Gruppe wird mit dem Auftreten verschiedener neurologischer Krankheiten assoziiert. Insbesondere geschädigte Nerven haben einen erhöhten Vitamin B und Folsäurebedarf.
Vitamin B1 (Thiamin)
Vitamin B1 ist am Energie-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel beteiligt. Eine ausreichende Zufuhr ist besonders wichtig für die Herzfunktion sowie die Nerven- und Gedächtnisleistung. Es wirkt Appetit anregend, fördert eine gute Verdauung, lindert Schmerzen, sorgt für geistiges Wohlbefinden und unterstützt die Wundheilung. Bei Diabetikern ist Vitamin B1 häufig vermindert.
Benfotiamin, eine fettlösliche Vorstufe von Thiamin (Vitamin B1), hat sich in der Praxis bewährt, um einen Vitamin-B1-Mangel auszugleichen. In einer doppelblinden, randomisierten Studie an Diabetes-Patienten mit Neuropathie wurde nachgewiesen, dass Benfotiamin die Symptome einer diabetischen Neuropathie lindern und zu einer Verbesserung des Neuropathy Symptom Scores (NSS) gegenüber Placebo führen kann.
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Dosierung von Benfotiamin:
- Zur Vorbeugung eines Vitamin-B1-Mangels: 1-mal täglich 1 Tablette (150 mg).
- Zur Behandlung eines Vitamin-B1-Mangels: 1-2 Tabletten (150-300 mg) täglich, in seltenen Fällen auch mehr.
- Bei Polyneuropathien durch Vitamin-B1-Mangel: Anfangs mindestens 2-mal täglich 1 Tablette (150 mg), in besonderen Fällen bis zu 3-mal täglich. Nach einem Zeitraum von mindestens 3 Wochen kann die Weiterbehandlung mit 1-2 Tabletten täglich erfolgen.
Vitamin B6 (Pyridoxin)
Vitamin B6 ist wichtig für den Eiweißstoffwechsel, die Blutbildung, das Nervensystem und das Immunsystem. Es kann auch bei Vorliegen einer Polyneuropathie eingesetzt werden, falls ein Mangelzustand vorliegt.
Vitamin B12 (Cobalamin)
Vitamin B12 ist mit anderen B Vitaminen grundlegend für die Erneuerung (Regeneration) von geschädigten Nerven. Es ist am Aufbau der Erbsubstanz (DNA) beteiligt und notwendig für Zellaufbau, Blutbildung und Energiestoffwechsel. Ein Mangel kann zu Nervenschäden und Symptomen wie Müdigkeit und Blutarmut führen. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, Veganer und Patienten unter Metformin-Therapie.
Ein Mangel an Vitamin B12 ist weit verbreitet: In Deutschland hat jeder Zehnte zu wenig Vitamin B12 im Blut. Im Alter von über 65 Jahren ist sogar jeder Vierte betroffen. Der Körper benötigt Vitamin B12 für den Energiestoffwechsel, zur Bildung von Blutzellen und zum Aufbau der Nervenhüllen. In größeren Mengen steckt es in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milcherzeugnissen.
Diagnose von Vitamin-B12-Mangel:
Um den Mangel an Vitamin B12 mit der richtigen Dosierung des Vitamins zu behandeln, sollte eine Diagnose erfolgen. Die Diagnose ist ein komplexes Verfahren und erfolgt durch Blutuntersuchungen auf verschiedene Biomarker. Liegt ein zellulärer Mangel an Vitamin B12 vor, produziert der Körper verstärkt Methylmalonsäure. Sie kann durch Blut- und Urintests nachgewiesen werden.
Aufnahme von Vitamin B12 über die Nahrung:
Da Vitamin B12 fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt, ist es wichtig, die Ernährung entsprechend umzustellen. Die empfohlene Tagesdosis an Vitamin B12 für einen gesunden Menschen liegt bei 2,5 bis 4 Mikrogramm. Um eine optimale Wirkung auf Stoffwechsel und Nerven zu erzielen, sollte die Tagesdosis bei 7 Mikrogramm liegen.
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Gute Vitamin-B12-Lieferanten sind:
- Rinderleber
- Kaviar
- Makrelen
- Austern
- Hering
- Forelle
- Thunfisch
- Eier
- Frischkäse
Dosierung von Vitamin B12 bei einem fortgeschrittenen Mangel:
Ist der Mangel an Vitamin B12 bereits weit fortgeschritten oder gehören Sie zu einer der Risikogruppen, reicht die Zufuhr von Vitamin B 12 über die Nahrung nicht aus. Eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin B12 ist mitunter auch bei Vegetariern und Veganern erforderlich, da sie zu wenig oder gar kein Vitamin B12 aufnehmen.
Führen Sie Ihrem Körper vorsorglich Vitamin B12 mit Nahrungsergänzungsmitteln zu, besteht keine Gefahr einer Überdosierung. Das, was der Körper nicht benötigt, wird über die Nieren ausgeschieden.
Wie die Dosierung von Vitamin B12 erfolgt, hängt davon ab, wie weit der Mangel bereits fortgeschritten ist. Erfolgt eine frühzeitige Behandlung mit der richtigen Dosierung, sind die Symptome oft reversibel.
Dosierungsempfehlungen:
- Orale Therapie:
- Therapiebeginn: 1000-2000 µg/Tag über eine Woche (Dosis abhängig vom Spiegel)
- Bei Spiegel < 200 pg/mg, Therapiebeginn mit 2000 µg/Tag
- Woche 2-4: 1000µg/Woche
- Ab 2. Monat: 1000µg/Monat
- Parenterale Therapie:
- Bei neurologischer Manifestation mit funikulärer Myelose, Optikusatrophie empfehlenswert
- Dosis Therapiebeginn: 1-2x /Woche 1000µg intramuskulär oder (abhängig von Schwere der Symptome) 5-7 Tage 1000µg Hydroxycobalamin intramuskulär oder intravenös/subkutan
- Danach: 2x1000µg in den Wochen 2-4
- Erhaltungsdosis: 1000µg/Monat
Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Polyneuropathie
Neben der Vitamin-B-Substitution gibt es weitere Behandlungsoptionen für Polyneuropathie:
- Kausale Therapie: Optimierung der Blutzuckereinstellung (orale Antidiabetika und/oder Insulin) sowie Kontrolle und Management von Risikofaktoren wie Hypertonie, Adipositas und Hyperlipidämie.
- Pathogenetische Therapie: Um einen Vitamin-B1-Mangel auszugleichen, hat sich das Vitamin-B1-Derivat Benfotiamin in der Praxis bewährt.
- Alpha-Liponsäure: Als zusätzliche Behandlungsoption des oxidativen Stress der Nervenzellen ist das Antioxidans Alpha-Liponsäure, das seit vielen Jahren in der Behandlung der diabetischen Polyneuropathie eingesetzt wird. Unter einer Therapie mit Alpha-Liponsäure kommt es zu einer Verbesserung der neuropathischen Symptomatik - Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schmerzen - sowie der sensorischen und motorischen Nervenleitgeschwindigkeit. Auch das Fortschreiten neuropathischer Beeinträchtigungen kann verhindert werden.
- Elektroakupunktur: Eine gute nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeit der neuropathischen Schmerzen der Füße ist die Elektroakupunktur.
- Schmerztherapie: Die Schmerzen entsprechen dem neuropathischen Schmerztyp, der oft besonders schlecht auf klassische Schmerzmittel anspricht.
Vitamin B Komplex forte Hevert
Das rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel Vitamin B Komplex forte Hevert versorgt den Körper schnell und hochdosiert mit B-Vitaminen und lindert Symptome eines Vitamin B-Mangels, zum Beispiel Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Händen und Füßen bei Neuropathien. Es enthält die hochdosierten B-Vitamine Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B6 (Pyridoxin) und Vitamin B12 (Cyanocobalamin). Dieser einzigartige Neuro-Tri-Komplex verbessert die Stoffwechselprozesse in den Zellen, besonders in den Nervenzellen und trägt so zur Regeneration und zum Schutz der Nerven bei.
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Anwendungsgebiete: Zur Therapie nachgewiesener Mangelzustände der Vitamine B1, B6 und B12.
Wichtige Hinweise:
- In Schwangerschaft und Stillzeit ist “Vitamin B Komplex forte Hevert” aufgrund seiner Wirkstoffmenge nur zur Behandlung eines nachgewiesenen Vitamin B1- und B6-Mangels sinnvoll und nur anzuwenden, wenn der Arzt dies für unbedingt erforderlich hält.
- Bei langfristiger Einnahme von Tagesdosen über 50 mg Vitamin B6 (Pyridoxinhydrochlorid) sowie bei kurzfristiger Einnahme von Dosen im Grammbereich wurden periphere sensorische Neuropathien beobachtet.
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