Drangsal, ein Begriff, der Bedrängnis, Trübsal oder auch einfach nur Nervenanspannung beschreibt, findet in der Musik oft einen Ausdruck. Die Musik von Drangsal, dem Projekt des deutschen Musikers Max Gruber, ist ein Beispiel dafür, wie diese Anspannung kreativ verarbeitet werden kann.
Drangsal: Ein Phänomen der deutschen Musikszene
Dank Drangsal ist eingängiger Wave-Pop wieder in aller Munde. Max Gruber, der Kopf hinter Drangsal, hat mit seinem Projekt einen bemerkenswerten Aufstieg in der deutschen Musikszene erlebt. Sein Debütalbum "Harieschaim" erntete viel Lob und katapultierte ihn in den Fokus der Medien. Von namhaften Musikmagazinen bis hin zur Feuilleton-Presse berichteten viele über Drangsal.
Umgang mit dem Hype
Als junger Künstler gleich zu Beginn einer Karriere derart gehypt zu werden, kann überwältigend sein. Gruber selbst sieht die Karriere als einen schwammigen Begriff, da seine Arbeit an den Songs von "Harieschaim" bereits Jahre zuvor begann, ohne große Beachtung zu finden. Er erklärt, dass ein Hype entsteht, wenn der Begriff einmal fällt und von anderen aufgegriffen wird, was für die Maschinerie hinter dem Produkt Musik von Vorteil ist. Allerdings ist er sich bewusst, dass ein Hype genauso schnell wieder verpuffen kann, wenn etwas Neues um die Ecke kommt. Diese Erkenntnis hilft ihm, nicht abzuheben und sich nicht unnötig unter Druck zu setzen.
Musikalische Einflüsse und Ästhetik
Drangsals Musik ist stark vom Sound der 80er Jahre beeinflusst. Bands wie The Cure, Suicide oder She Wants Revenge scheinen durch. Er verknüpft Düster-Ästhetik mit süchtigmachendem Synthesizer-Pop und legt viel Wert auf Bühnen-Optik und Imagebildung. Optisch erinnert er an eine junge Kopie von Falco.
Romantisierung der 80er?
Die Faszination für die 80er Jahre und die damalige Subkultur ist ein wiederkehrendes Thema in Interviews mit Drangsal. Gruber selbst ist sich keiner Sehnsucht bewusst, glaubt aber, dass sich die Leute nach Simplizität, Ehrlichkeit und Direktheit sehnen. Vor dem Internet habe man sich eben einfach im Jugendzentrum oder Plattenladen getroffen, statt sich stundenlang unlustige Memes oder Selfies anzusehen. Er selbst sehnt sich aber nicht danach, speziell in den Achtzigern aufgewachsen zu sein, da er so von dem unfassbaren Fundus an Musik, Kunst und kuriosen Charakteren zehren kann.
Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies
Arbeitsprozess und Album "Harieschaim"
Der Arbeitsprozess an "Harieschaim" begann bereits 2013 im Keller von Produzent Markus Ganter in Mannheim. Es gab immer wieder lange Pausen, bedingt durch Nebenjobs, Umzüge oder andere musikalische Projekte von Ganter. Diese Pausen ermöglichten jedoch eine gesunde Distanz zu den Songs, was wichtig war, um die Langlebigkeit bestimmter Ideen zu testen. Während der Produktion hat Gruber viel über technische Aspekte gelernt, für die er vorher zu faul war.
Sozialisation im Dorf und Leben in Berlin
Drangsal stammt aus dem 700-Seelen-Dorf Herxheim. In der Label-Presseinformation wird stark auf seine heimatliche Verbundenheit und gleichzeitig die bedrückende Enge des Dorflebens eingegangen. Mittlerweile lebt er in Berlin. Seine Eltern, seine Schwester, seine Großmutter und einige Freunde und Bekannte leben noch in Herxheim. Er schätzt die gute Luft und die Stille dort, aber er ist sich auch der Schattenseiten bewusst. Seine Jugendjahre verbrachte er mit Nichtstun, Musik hören und Lesen. Er empfand diese Zeit als dröge, öde und manchmal sogar depressiv.
Subkulturelles Treiben und musikalische Referenzen
Drangsals Look, die Ästhetik und einige musikalische Referenzen erinnern an prägende Industrial-Acts. Er selbst betont, dass es ihm wichtig ist, an seine Idole zu erinnern und ihnen Tribut zu zollen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Er beurteilt das subkulturelle Treiben in seiner näheren Umgebung positiv. Es gibt keine richtigen Gruppen mehr, und er findet verschwimmende Grenzen schön. Einen Achtziger-Boom kann er aber nicht wirklich feststellen, da Menschen in seinem Alter nicht das Selbe oder Ähnliches spielen wie er.
Deutschsprachige Musik und visuelles Konzept
Auf seinem Album findet sich nur ein deutschsprachiger Song. Anfänglich hatte er kein Interesse, auf Deutsch zu singen, da sich Englisch als inoffizielle Amtssprache der Popmusik richtiger anfühlt. Das deutsche Stück hat er eigentlich nicht für Drangsal geschrieben, es aber in einem schwachen Moment seinem Produzenten Markus Ganter vorgespielt. Dieser zeigte sich euphorisch und überzeugte Gruber, den Song auf das Album zu nehmen. Mittlerweile hat er sich ausgiebiger mit deutschsprachiger Musik auseinandergesetzt und erkannt, wie toll diese Sprache zum Texten sein kann.
Das visuelle Konzept der Platte ist ihm sehr wichtig. Die Haptik und der Look von physischen Auskopplungen, Promo-Fotos und Videos haben ihn stark geprägt. Im Booklet finden sich einige Fotos, die aus seinem privaten Lebenslauf stammen.
Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.
Faszination für morbide Grausamkeit
In Interviews betont Drangsal, dass er von der morbiden Grausamkeit der Menschheit fasziniert ist. Schon als Kleinkind haben ihn abstoßende Dinge fasziniert. Er hat früh MTV und Serien wie "Beavis & Butthead" oder "Celebrity Deathmatch" geschaut. Mit Zwölf hat er erstmals "A Clockwork Orange" gesehen, ein Jahr später dann "Die 120 Tage von Sodom" gelesen. Diese Faszination wuchs relativ natürlich.
Musikalische Zukunft und Ikonenstatus
Drangsal kann sich in der Zukunft einen musikalischen Stilwechsel vorstellen, jedoch versucht er immer, sich nicht zu viel vorzunehmen oder sich zu sehr von Kritik oder Ideen beeinflussen zu lassen. Er möchte, dass seine Musik einfach passiert. Er hofft, dass er so lange er will, Musik machen kann, immer besser darin wird und möglichst viele Menschen erreicht und berührt.
Max Rieger und All Diese Gewalt
Max Rieger ist nicht nur als Drangsal aktiv, sondern auch als Mitglied der Bands Die Nerven und Die Selektion und als Produzent für andere Künstler. Unter dem Namen All Diese Gewalt veröffentlicht er ebenfalls Musik. Sein neues Album unter diesem Pseudonym präsentiert das gesamte Spektrum seines Könnens und schafft Sound-Landschaften zwischen Pop und Experiment.
Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven