Die Schwangerschaft ist eine besondere Zeit, die jedoch auch mit körperlichen Veränderungen und Beschwerden einhergehen kann. Ein Druckgefühl in der rechten Leiste in Verbindung mit Taubheitsgefühlen ist ein Symptom, das viele werdende Mütter beunruhigt. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Beschwerden und zeigt Wege zur Linderung auf.
Veränderungen im Körper während der Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft bringt zahlreiche Veränderungen für den Körper mit sich. Der Organismus muss sich an das wachsende Leben anpassen, was zu einem erhöhten Stoffwechselbedarf und hormonellen Veränderungen führt. Insbesondere das Hormon Progesteron, das frühzeitige Kontraktionen verhindert, kann Verdauungsprozesse verlangsamen.
Die drei Trimester und ihre typischen Beschwerden
- Erstes Trimester: Übelkeit, Erbrechen und Unterleibsschmerzen sind häufige Begleiterscheinungen. Ziehende oder krampfartige Unterleibsschmerzen, ähnlich Periodenschmerzen, sind nicht ungewöhnlich.
- Zweites Trimester: Viele Frauen erleben dies als die angenehmste Zeit. Beschwerden wie Verstopfung, Sodbrennen, Hämorrhoiden, Krampfadern, Wadenschmerzen und Rückenschmerzen können jedoch weiterhin auftreten. Dehnungsschmerzen entstehen durch das Wachstum der Gebärmutter und die Dehnung der Mutterbänder.
- Drittes Trimester: Wassereinlagerungen, Missempfindungen in den Händen (Karpaltunnelsyndrom) und Kurzatmigkeit können auftreten. Vor- und Senkwehen bereiten den Körper auf die Geburt vor.
Mögliche Ursachen für Druckgefühl und Taubheitsgefühl in der Leiste
Ischiasnervprobleme
Der Ischiasnerv ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins und verläuft über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Schmerzen im Ischiasnerv entstehen durch Einklemmungen, Verletzungen oder Reizungen des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln.
Ursachen für Ischiasbeschwerden in der Schwangerschaft
- Druck durch die Gebärmutter: Mit dem wachsenden Kind dehnt sich die Gebärmutter während der Schwangerschaft auf die 20-fache Größe aus. Durch den nach vorne wachsenden Bauch schafft die Gebärmutter sich Platz. Dennoch wächst der Druck im Bauchraum und im Becken. Dabei kann die ausdehnende Gebärmutter auch auf den Ischiasnerv drücken.
- Muskelverspannungen: Zudem leiden Schwangere durch den veränderten Körperschwerpunkt häufig unter Muskelverspannungen im unteren Rücken.
Symptome bei Ischiasreizung
Die typischen Schmerzen, die bei einer Reizung des Ischiasnervs auftreten, bezeichnet man auch als neuropathische Schmerzen. Das bedeutet, dass die Schmerzen vom Nerv selbst ausgehen und nicht von der Region, in der sie auftreten. Die Schmerzen betreffen den unteren Rücken und können in das betroffene Bein bis zum Fußaußenrand ausstrahlen. Die Beweglichkeit des Beines ist häufig eingeschränkt und die Patienten nehmen eine Schonhaltung ein, bei der das Bein leicht angewinkelt und nach außen gedreht ist.
Was kann man gegen Ischiasschmerzen tun?
- Schmerztherapie: In jedem Fall ist eine adäquate Schmerztherapie ratsam, um Schonhaltungen zu vermeiden. Eine erste Linderung bei akuten Rückenschmerzen lässt sich beispielsweise durch die Stufenlagerung erzielen. Zudem kommen entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zum Einsatz.
- Physiotherapie: Um die genaue Ursache der Ischias-Beschwerden zu identifizieren, sollten Sie sich von einem Spezialisten für Orthopädie und Wirbelsäulenerkrankungen untersuchen lassen.
Meralgia Paraesthetica
Der Nervus cutaneus femoris lateralis kann durch Druck und Verletzungen geschädigt werden. Der Name dieses Nervs bedeutet so viel wie „seitlicher Hautnerv des Oberschenkels“. Er vermittelt die Empfindung von Berührung, Schmerz und Temperatur am seitlichen und vorderen Oberschenkel.
Lesen Sie auch: Gehirn-Zusammenarbeit
Ursachen
Die häufigste Ursache der Nervenschädigung ist eine Einklemmung (Kompression) im Bereich des Leistenbandes; dies wird Meralgia paraesthetica genannt. Eine wichtige Rolle spielt dabei oft eine ungünstige Anatomie. Seltene Ursachen sind Knochenwucherungen und weitere krankhafte Veränderungen.
Folgende Dinge erhöhen das Erkrankungsrisiko:
- Enge Hosen („Jeanskrankheit“)
- Schwangerschaft
- Übergewicht
- Fahrradfahren, langes Laufen oder ähnliche körperliche Anstrengung
- Bettlägerigkeit
- Diabetische Polyneuropathie
- Erkrankungen im Bauchraum
Symptome
Patient*innen haben Beschwerden an der Vorder- bzw. Außenseite des Oberschenkels. Charakteristisch sind ein Kribbeln, brennende Schmerzen, Missempfindungen und Taubheit. Meistens ist nur eine Seite betroffen. Die Symptome treten vor allem dann auf, wenn der Druck auf den Nerv steigt - etwa beim Tragen enger Hosen („Jeanskrankheit“) und in der Schwangerschaft.
Behandlung
- Konservative Behandlung: Nicht immer ist eine Behandlung notwendig. Bei einem Viertel der Betroffenen bessern sich die Beschwerden spontan. Eine Physiotherapie kann die Beschwerden lindern. Ein durch die Nervenschädigung bedingter Schmerz (neuropathischer Schmerz) sollte frühzeitig mit einer Schmerztherapie behandelt werden. Es kann vorteilhaft sein, mehrere Behandlungsmethoden zu kombinieren. Außerdem kann ein Medikament zur örtlichen Betäubung in das Gewebe gespritzt werden (Infiltration). Auch Kortison kommt hier manchmal in Betracht.
- Operation: Operiert wird nur selten, wenn die Beschwerden sehr stark sind bzw. nicht auf andere Behandlungsversuche ansprechen.
Was Sie selbst tun können
- Vermeiden Sie das Tragen enger Hosen.
- Vermeiden Sie Streckbewegungen im Hüftgelenk.
- Gegebenenfalls kann eine Gewichtsreduktion hilfreich sein.
Karpaltunnelsyndrom
Schmerzen im Handgelenk, schmerzende, kribbelnde Finger und Hände oder Taubheitsgefühle - diese Symptome sind typisch für das Karpaltunnelsyndrom. Bei Schwangeren sind Missempfindungen in den Händen keine Seltenheit und die Beschwerden meistens in der Arbeitshand stärker ausgeprägt. Viele Frauen leiden im Laufe ihrer Schwangerschaft unter Wassereinlagerungen. Diese können zu einer Druckschädigung des Nervus medianus (Medianusnerv) im Karpaltunnel führen. Meistens fangen zunächst Ringfinger und Mittelfinger an zu kribbeln.
Symphysenlockerung
Eine Symphysenlockerung kann ganz unterschiedliche Ausmaße annehmen. In einem leichten Stadium macht sie sich vor allem durch Schmerzen im Schambeinbereich bemerkbar. Je weiter die Schambeinfuge nachgibt, desto stärker zeigen sich die Schmerzen und entsprechend intensiver ist die Einschränkung der Lebensqualität. Typisch sind Beschwerden beim Aufstehen, Bücken, Treppensteigen und Heben von schweren Gegenständen sowie beim Sport und bei schnellem Laufen. Ein Liegen auf der Seite ist in diesem Stadium sehr schmerzhaft bis nahezu unmöglich. Bei einer Schwangerschaft jedoch kann es in den Wochen bis zur Geburt zu einer Verstärkung der Symptome kommen.
Lesen Sie auch: Mythos und Realität: Geschlechterunterschiede im Gehirn
Leistenschmerzen und Oberschenkelschmerzen
Fehlbelastungen können zu einer unsymmetrischen Kraftverteilung auf die Hüfte und Leiste führen, was insbesondere bei Frauen zu Schmerzen im Oberschenkel- und Leistenbereich führen kann.
Weitere mögliche Ursachen
- Entzündungen: Eine Entzündung des Eileiters, auch Adnexitis genannt, kann ebenfalls zu einseitigen Leistenschmerzen führen.
- Infektionen: Frauen sind aufgrund der kürzeren Harnröhre anfälliger für Harnwegsinfekte.
- Varizen: Frauen neigen aufgrund einer häufigeren Bindegewebsschwäche eher zur Ausbildung von Krampfadern.
- Eileiterschwangerschaft: Wenn sich das befruchtete Ei nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter einnistet, spricht man von einer Eileiterschwangerschaft.
- Leistenbruch: Aufgrund einer Bindegewebsschwäche haben Frauen ein leicht erhöhtes Risiko, an einem Leistenbruch zu erkranken.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Wenn neurologische Beschwerden, wie Taubheitsgefühl des Oberschenkels oder auch Kribbeln auftreten.
- Wenn Schwellungen im Bereich des Oberschenkels hinzukommen.
- Wenn eine einzelne Schwellung im Bereich des Leistenbandes getastet wird.
Was kann man gegen Leisten- und Oberschenkelschmerzen tun?
- Zunächst sollte die Ursache der Leisten- und Oberschenkelschmerzen ermittelt und behoben werden.
- Überlastungen müssen vermieden, das betroffene Bein gelegentlich hochgelagert und dabei schonend bewegt werden, ohne es zu immobilisieren.
- Entzündungshemmende Gele, wie Diclofenac- oder Ibuprofengel, können 1-3 Mal täglich aufgetragen werden, auch pflanzliche Salben wie Kytta können hilfreich sein.
- Kälte- oder Wärmeanwendungen lindern ebenfalls oft, wobei Wärme bei akuten Entzündungen zu vermeiden ist.
Weitere Beschwerden in der Schwangerschaft und ihre Linderung
Neben den genannten spezifischen Beschwerden können während der Schwangerschaft auch andere Symptome auftreten, die das Wohlbefinden beeinträchtigen.
Brustspannen
Die hormonelle Umstellung des Körpers verursacht in der Brust bereits sehr früh in der Schwangerschaft ein manchmal sogar schmerzhaftes Druckgefühl und Spannen.
Tipps zur Linderung
- Achten Sie während der Schwangerschaft besonders auf einen gut sitzenden BH aus dehnbarem Material, der die Brust gut stützt, aber nicht drückt.
- Bei starken Beschwerden können eine sanfte Massage der Brust mit hochwertigen Pflegeölen (zum Beispiel Lavendelöl), ein warmes Bad mit Lavendelzusatz oder ein warmer Umschlag helfen, die Beschwerden zu lindern.
Rückenschmerzen
Unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone lockern sich Muskeln, Gelenke und Bänder im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens. Gleichzeitig werden sie durch das zunehmende Gewicht stärker belastet.
Mögliche Abhilfen und Tipps
- Vermeiden Sie langes Stehen oder schweres Heben und tragen Sie möglichst flache Schuhe.
- Legen Sie sich bei akuten Beschwerden hin und gönnen Sie Ihrem Rücken ein wenig Ruhe. Auch Wärme oder eine Massage der überlasteten Muskeln können die Beschwerden lindern.
- Regelmäßige Bewegung bereits vor und zu Beginn der Schwangerschaft stärkt die Muskulatur und kann helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen. Neben Schwangerschaftsgymnastik eignen sich beispielsweise Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Yoga oder Walking.
- Suchen Sie bei wiederkehrenden Rückenschmerzen Ihre gynäkologische Praxis auf. Häufig hilft hier eine Physiotherapie. Auch andere Verfahren wie Akupunktur, Osteopathie oder Chiropraktik können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
Heißhunger
Viele Schwangere entwickeln regelrechte Heißhungerattacken - und oftmals auf Speisen, nach denen sie zuvor nicht das geringste Verlangen hatten.
Lesen Sie auch: Leben nach einem Schlaganfall der rechten Gehirnhälfte: Therapieansätze
Mögliche Abhilfen und Tipps
- Essen Sie bei einer Heißhungerattacke möglichst bald eine kleine Zwischenmahlzeit, damit Ihr Blutzuckerspiegel sich wieder normalisiert.
- Essen Sie über den Tag verteilt lieber mehrere kleinere anstelle weniger großer Mahlzeiten.
- Achten Sie während der Schwangerschaft besonders auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung.
Sodbrennen
Sodbrennen entsteht, wenn Magensäure in die Speiseröhre gelangt und diese reizt.
Mögliche Abhilfen und Tipps
- Essen Sie über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten.
- Essen Sie langsam und kauen Sie die Nahrung gut durch.
- Essen Sie nach Möglichkeit nicht direkt vor dem Schlafen und legen Sie Ihren Oberkörper beim Schlafen leicht erhöht, damit die Magensäure schwerer in die Speiseröhre aufsteigen kann.
- Suchen Sie bei starken Beschwerden das Gespräch mit Ihrer gynäkologischen Praxis.
Übelkeit und Erbrechen
Übelkeit - vor allem am Morgen - ist besonders zu Beginn einer Schwangerschaft völlig normal.
Mögliche Abhilfen und Tipps
- Oft lassen sich Übelkeit und Erbrechen recht einfach lindern, denn beides ist bei nüchternem Magen am stärksten ausgeprägt. Deshalb sollten Sie schon vor dem Aufstehen am Morgen eine Kleinigkeit essen, beispielsweise einen Keks, Zwieback oder ein Knäckebrot, und zudem über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen.
- Meiden Sie außerdem die Auslöser, also Gerüche und Lebensmittel, die bei Ihnen Übelkeit hervorrufen.
Verstopfung
Unter dem Einfluss der Hormone entspannt sich bei schwangeren Frauen die Darmmuskulatur.
Mögliche Abhilfen und Tipps
- Wenn Sie Probleme mit Verstopfungen haben, sollten Sie reichlich trinken, mindestens zwei, besser drei Liter am Tag.
- Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.
- Trockenfrüchte und Leinsamen regen die Darmtätigkeit an und können ebenfalls die Beschwerden lindern.
- Verzichten Sie auf frei verkäufliche Abführmittel, da die meisten in der Schwangerschaft nicht empfohlen werden.
Hämorrhoiden
Während der Schwangerschaft oder nach der Entbindung leiden viele Frauen unter vergrößerten oder entzündeten Hämorrhoiden. Eine Ursache ist unter anderem das zunehmende Gewicht und die wachsende Größe der Gebärmutter, die die Beckenvenen abdrückt.
Was kann man tun?
Häufig lassen sich die Beschwerden mit einfachen Methoden beeinflussen, so lässt sich der Stuhlgang zum Beispiel durch größere Trinkmengen regulieren. Auch Sitzbädern oder Salben lindern die Beschwerden und in den meisten Fällen bilden sich die vergrößerten Hämorrhoiden nach der Geburt wieder zurück.
Blasenschwäche
Sehr viele Schwangere müssen während ihrer Schwangerschaft häufiger auf die Toilette als sonst. Auch ungewollter Urinverlust ist gerade im letzten Trimester keineswegs ungewöhnlich, insbesondere bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben.
Mögliche Abhilfen und Tipps
Bei vielen Frauen bilden sich die Beschwerden durch regelmäßiges Beckenbodentraining wieder zurück. Das Training können Sie problemlos bereits während der Schwangerschaft durchführen.
Krampfadern und Wassereinlagerungen
Krampfadern sind in der Schwangerschaft keine Seltenheit: Etwa vier von zehn Frauen sind davon betroffen, meist schon innerhalb des ersten Trimesters.
Mögliche Abhilfen und Tipps
- Regelmäßige Bewegung, vor allem im Wasser, hilft Wassereinlagerungen vorzubeugen.
- Wechselduschen mit kaltem und warmem Wasser bringt den Kreislauf in Schwung und fördert die Durchblutung.
- Vermeiden Sie langes Stehen und legen Sie die Beine tagsüber häufiger hoch. Das erleichtert den Rückfluss des Blutes und den Abtransport des überschüssigen Gewebewassers.
- Wenn Sie an Krampfadern leiden, können Kompressionsstrümpfe Beschwerden wie das unangenehme Spannungsgefühl in den Beinen lindern.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, bei ungewöhnlichen oder starken Beschwerden während der Schwangerschaft einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt insbesondere bei:
- Plötzlich auftretenden starken Schmerzen
- Anhaltenden Taubheitsgefühlen
- Blutungen
- Fieber
- Starken Kopfschmerzen
- Sehstörungen
- Atemnot
- Anzeichen einer Frühgeburt (wehenartige Krämpfe, blutiger Ausfluss, Austreten von Fruchtwasser)
tags: #druckgefuhl #rechte #leiste #mit #taubheitsgefuhl #schwangerschaft