Myasthenia Gravis und Arbeitsfähigkeit: Was Sie wissen müssen

Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, an Myasthenia gravis erkrankt ist, stellt sich die Frage nach den Auswirkungen auf die berufliche Zukunft. Dieser Artikel beleuchtet, wie sich die Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit auswirken kann und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist Myasthenia Gravis?

Myasthenia gravis ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln gestört ist. In Deutschland sind schätzungsweise 39 von 100.000 Einwohnern betroffen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, wobei Frauen häufiger im Alter zwischen 30 und 50 Jahren und Männer zwischen 60 und 89 Jahren betroffen sind.

Ursachen und Verlauf

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber die Thymusdrüse scheint eine Rolle zu spielen. Bei 50-60 % der Patienten ist diese vergrößert. Typischerweise beginnt die Erkrankung mit okulären Symptomen wie hängenden Augenlidern (Ptosis) oder Doppelbildern (Diplopie). Bei etwa der Hälfte der Betroffenen breitet sich die Erkrankung innerhalb von zwei Jahren auf andere Muskelgruppen aus. Dies kann zu Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken, Sprechen sowie zu Schwäche in Armen und Beinen führen. In schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, was zu einer lebensbedrohlichen myasthenen Krise führen kann.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Kombination verschiedener Tests, darunter:

  • Belastungstests: Beurteilung der Muskelermüdung bei wiederholten Bewegungen.
  • Antikörpertests: Nachweis von Autoantikörpern gegen Acetylcholin-Rezeptoren oder andere Proteine.
  • Nervenstimulation (EMG): Messung der elektrischen Aktivität von Muskeln und Nerven.
  • Kälte-Test: Verbesserung der Symptome nach Kühlung der Augenpartie.
  • Pharmakologische Tests: Einsatz von Acetylcholinesterasehemmern zur Verbesserung der Signalübertragung.
  • Bildgebende Verfahren: Untersuchung der Thymusdrüse mittels CT, MRT oder PET.

Myasthenia Gravis im Arbeitsalltag

Viele Menschen mit Myasthenia gravis können ihren beruflichen Alltag weitgehend ohne Einschränkungen fortsetzen, insbesondere wenn sie medikamentös gut eingestellt sind.

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Mögliche Anpassungen

  • Pausen: Regelmäßige Pausen können helfen, der Muskelermüdung entgegenzuwirken.
  • Stressvermeidung: Stress kann die Symptome verschlimmern.
  • Arbeitsplatzgestaltung: Ein behindertengerechter Arbeitsplatz kann die Arbeitsfähigkeit erhalten.

Arbeitsunfähigkeit und Krankschreibung

Wenn die Beschwerden einen Arbeitstag unmöglich machen, ist eine Krankschreibung durch den Arzt sinnvoll. In den ersten sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber das volle Gehalt weiter. Danach erhalten Sie Krankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung (70 % des Bruttogehalts).

Schwerbehinderung

Bei dauerhaften und starken Einschränkungen kann die Anerkennung einer Schwerbehinderung beantragt werden. Dies ermöglicht u.a. einen besonderen Kündigungsschutz und zusätzliche Urlaubstage.

Erwerbsminderungsrente

Wenn die Erkrankung die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkt, kann eine Erwerbsminderungsrente beantragt werden. Diese kann das Einkommen ersetzen oder ergänzen, wenn noch einige Stunden täglich gearbeitet werden kann.

Unterstützung und Rechte

Es ist wichtig, sich über die eigenen Rechte und Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren.

Tipps für Betroffene

  • Eigeninitiative: Seien Sie aktiv bei der Suche nach der richtigen Diagnose und Behandlung.
  • Arztwahl: Wechseln Sie den Arzt, wenn Sie sich nicht wohlfühlen oder psychosomatisch abgestempelt fühlen.
  • Netzwerk: Bauen Sie sich ein gutes Netzwerk aus Familie, Freunden und anderen Betroffenen auf.
  • Information: Informieren Sie sich umfassend über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten.
  • Sozialberatung: Nutzen Sie Sozialberatungsstellen, Bürgertelefone der Krankenkassen und Pflegestützpunkte.

Hilfsangebote

  • Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen.
  • Psychologische Hilfe: Unterstützung bei Ängsten und Sorgen.
  • Rehabilitationsmaßnahmen: Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit.

Therapieoptionen

Die Therapie zielt darauf ab, die Beweglichkeit zu erhalten und die Muskelkraft zu verbessern.

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Medikamentöse Behandlung

  • Acetylcholinesterasehemmer: Erhöhen die Konzentration von Acetylcholin im synaptischen Spalt.
  • Immunsuppressiva: Unterdrücken die Autoimmunreaktion.
  • Kortikosteroide: Wirken entzündungshemmend und immunsuppressiv.
  • C5-Komplementinhibitoren und FcRn-Hemmer: Können bei der Behandlung der generalisierten Myasthenia gravis eingesetzt werden, wenn die Wirkung anderer Medikamente nicht ausreicht.
  • Immunglobuline: Können im Falle einer myasthenen Krise über eine Infusion verabreicht werden.

Weitere Behandlungsansätze

  • Thymektomie: Entfernung der Thymusdrüse bei Vergrößerung oder Thymom.
  • Plasmapherese/Immunadsorption: Entfernung von Autoantikörpern aus dem Blut.

Leben mit Myasthenia Gravis

Myasthenia gravis kann den Alltag stark beeinträchtigen, aber mit einer gut eingestellten Therapie und der richtigen Unterstützung ist ein weitestgehend normales Leben möglich. Es ist wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen und aktiv nach Lösungen zu suchen.

Ernährung

Es gibt keine speziellen Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Myasthenia gravis.

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