Trigeminusneuralgie: Ursachen, Symptome und Behandlungen von Nervenschmerzen im Gesicht

Einschießende, starke Schmerzen und Schmerzattacken im Gesicht können auf eine Trigeminusneuralgie hindeuten, eine seltene, chronische Schmerzerkrankung des Trigeminusnervs. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, kann aber auch Jüngere betreffen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist eine Reizempfindlichkeit des fünften Hirnnervs, des Nervus trigeminus. Dieser Nerv ist für die Wahrnehmung und Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzreizen im Gesicht verantwortlich. Er besteht aus drei Hauptästen, die die Regionen um die Augen, den Oberkiefer und den Unterkiefer versorgen.

Symptome der Trigeminusneuralgie

Typische Symptome sind:

  • Wiederkehrende, stechende, blitzartig einschießende, starke Schmerzattacken in einer Gesichtshälfte
  • Die Schmerzen halten Sekundenbruchteile bis maximal ein bis zwei Minuten an
  • In schweren Fällen können bis zu 100 Attacken pro Tag auftreten
  • Auch spontane Schmerzen ohne Auslöser sind möglich, ebenso wie Dauerschmerzen bei vereinzelten Patienten
  • Die Schmerzen werden oft als blitzartig einschießend, extrem intensiv, elektrisierend, stechend und scharf beschrieben
  • Die Schmerzen sind meist auf das Versorgungsgebiet des zweiten oder dritten Astes oder auch auf beide gemeinsam begrenzt und auf eine Gesichtshälfte beschränkt

Die Schmerzattacken können durch minimale Reize wie Sprechen, Rasieren, Kauen, Zähneputzen, eine Berührung, kaltes Wasser oder ein kalter Luftzug ausgelöst werden (auch Triggerfaktoren genannt). Aber auch Stress kann dafür verantwortlich sein.

Formen der Trigeminusneuralgie

Es gibt verschiedene Formen der Trigeminusneuralgie:

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  • Klassische Trigeminusneuralgie: Hier ist die Hauptursache der Schmerzen ein Blutgefäß, das den Nerv komprimiert, erklärt Prof. Dr. Jens Lehmberg, Neurochirurg der München Klinik Bogenhausen. Das passiert an der besonders sensiblen Stelle, an der der Nerv in den Hirnstamm eintritt. Der Druck des Gefäßes verformt und schädigt damit Strukturen im Nervengewebe, das die reizleitenden Zellen umhüllt.
  • Sekundäre Trigeminusneuralgie: Die Schmerzen gehen auf Erkrankungen wie Multiple Sklerose, einen Tumor oder zum Beispiel Fehlbildungen von Gefäßen zurück.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Lassen sich trotz typischer Symptome keine konkreten Ursachen finden, sprechen Mediziner von einer Neuralgie ohne erkennbare Ursache.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Die genauen Ursachen der Trigeminusneuralgie sind nicht vollständig geklärt. Bei der klassischen Form wird vermutet, dass ein Blutgefäß den Trigeminusnerv am Hirnstamm komprimiert. Dieser Druck kann den Nerv schädigen und zu den typischen Schmerzattacken führen. Bei der sekundären Form sind andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Tumore oder Gefäßmissbildungen die Ursache. In manchen Fällen lässt sich keine Ursache finden (idiopathische Trigeminusneuralgie).

Triggerreize

Neben den Ursachen der Erkrankung gibt es auch Triggerreize, die die Schmerzattacken auslösen können. Diese können sehr unterschiedlich sein und umfassen alltägliche Dinge wie:

  • Berühren des Gesichtes
  • Lächeln oder Lachen
  • Kauen oder Essen kalter oder heißer Speisen
  • Trinken
  • Zähneputzen
  • Waschen des Gesichtes
  • Sprechen
  • Auftragen von Make-up
  • Rasieren
  • Zugluft

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Eine Trigeminusneuralgie lässt sich aufgrund der typischen, triggerbaren Schmerzen durch klinische Untersuchungen eindeutig diagnostizieren. Ein zusätzliches MRT dient vor allem dazu, einen Tumor als Ursache auszuschließen. Wichtig ist auch die Abgrenzung von anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel einer Trigeminusneuropathie. Bei einer Neuropathie ist der Trigeminusnerv selbst geschädigt.

Behandlung der Trigeminusneuralgie

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für die Trigeminusneuralgie, die je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung eingesetzt werden.

Medikamentöse Therapie

Gängige Schmerzmittel blockieren entweder Schmerzrezeptoren oder bestimmte Enzyme und damit Prozesse, die die Schmerzempfindung auslösen. Eine Trigeminusneuralgie wird konservativ mit dem Medikament Carbamazepin behandelt, das eigentlich aus der Therapie gegen Epilepsie kommt. Es verhindert, dass die Nervenzellen schnelle Stromimpulse abfeuern. Allerdings sind Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit häufige Nebenwirkungen. Weitere Medikamente können ergänzend oder bei akuten Schmerzattacken zusätzlich eingesetzt werden.

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Operative Verfahren

Das einzige Verfahren, das die eigentliche Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie beseitigt, ist die minimalinvasive Jannetta-Operation oder mikrovaskuläre Dekompression, kurz MVD. Bei diesem Eingriff wird das Gefäß, das auf den Trigeminusnerven drückt, durch eine Schlinge oder künstliches Material so gelagert und fixiert, dass der Nerv dauerhaft entlastet wird. Anschließend wird die kleine Eröffnung des Schädels, durch die der Eingriff vorgenommen wird, wieder verschlossen. Nur wenige Tage Klinikaufenthalt sind notwendig. Rund 98 Prozent der Patienten sind anschließend schmerzfrei oder verspüren eine deutliche Schmerzlinderung. Bei etwas weniger als zehn Prozent der Patientinnen und Patienten kommt es im Laufe der Zeit zu einem Rückfall mit neuerlichen Schmerzen. Das wiederum hängt oft mit dem Zeitpunkt des Eingriffs zusammen.

Ist die minimalinvasive Jannetta-Operation zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, gibt es eine Reihe weiterer Therapieoptionen. Sie alle zielen auf unterschiedliche Weise darauf ab, bestimmte Bereiche der Nervenwurzel zu veröden und damit Schmerzen zu verhindern. Die strahlentherapeutische Radiochirurgie ist ein nichtinvasives Verfahren. Mit einer hochpräzisen Strahlenquelle, zum Beispiel dem so genannten Gamma- oder auch dem Cyber-Knife, wird die Wurzel des Trigeminusnervs einmalig bestrahlt. Außerdem gibt es noch weitere, solche als Ablation bezeichnete Therapieverfahren. Sie alle werden minimalinvasiv mit einer Punktion durchgeführt, ohne dass dabei aber die Schädeldecke eröffnet werden muss. Die Thermokoagulation zum Beispiel nutzt zur Verödung die Hitze einer Radiofrequenz-Sonde, die Glyzerinhizolyse eine chemische Behandlung und die Ballonkompression mechanischen Druck. Entscheidend für Patientinnen und Patienten ist, sich in spezialisierten Zentren beraten und behandeln zu lassen, die eine große Palette an Verfahren anbieten.

Alternative Behandlungsmethoden

Auch für Akupunktur zur Behandlung einer Trigeminusneuralgie gibt es eine Reihe Studien, die auf positive Effekte hinweisen. Grundsätzliche Belege fehlen bisher aber noch. Ein altbewährtes Hausmittel um den gereizten Nerv zu beruhigen, ist der sogenannte Hexenschuss-Tee, der recht gut gegen Schmerzen verschiedener Nerven hilft. Besonders wirkungsvoll kann eine Behandlung der klassischen Trigeminusneuralgie sein. Zwar sprechen nicht alle Betroffenen auf dieses Hausmittel an, einen Versuch ist es jedoch allemal wert. Falls keine Verbesserung auftritt, sollten weitere Behandlungsmöglichkeiten erwogen werden. Mit Kampferöl aus der Apotheke wurden ebenfalls bereits Erfolge erzielt. Hierzu werden über einen Zeitraum von acht Tagen 15 Knoblauchzehen in 50 Gramm Kampferöl angesetzt und danach durchgesiebt und ausgepresst. Mit der hierbei entstehenden Flüssigkeit werden die schmerzenden Areale eingerieben. Vielen Betroffenen hilft auch das Einreiben mit Johanniskrautöl.

Was können Betroffene selbst tun?

  • Schmerztagebuch führen: Um Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden, kann ein Schmerztagebuch hilfreich sein.
  • Ernährung anpassen: Da die Nahrungsaufnahme schmerzhaft sein kann, sollten Betroffene auf eine ausgewogene Ernährung achten und gegebenenfalls Flüssignahrung bevorzugen.
  • Stress reduzieren: Stress kann Schmerzattacken auslösen, daher ist es wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
  • Gesicht schützen: Zugluft und Kälte können Schmerzen verstärken, daher sollte das Gesicht entsprechend geschützt werden.
  • Psychologische Unterstützung suchen: Die starken Schmerzen können zu psychischen Belastungen führen, daher kann eine psychologische Betreuung hilfreich sein.

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