Christian Huther: Ein Frankfurter Kulturjournalist im Fokus

Christian Huther ist ein freier Kulturjournalist, der sich insbesondere im Großraum Frankfurt einen Namen gemacht hat. Seine Schwerpunkte liegen dabei auf bildender Kunst und Architektur. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine fundierte Auseinandersetzung mit den Themen und eine kritische, aber stets respektvolle Herangehensweise aus.

Huthers Blick auf die Kunstszene

Huther beobachtet aufmerksam die Entwicklungen in der Kunstwelt und scheut sich nicht, auch unbequeme Fragen zu stellen. So beleuchtete er beispielsweise die Situation der Frankfurter Museen am Schaumainkai, die seiner Ansicht nach teilweise in einen "Dämmerschlaf" verfallen sind. Im Gegensatz dazu hob er den Portikus hervor, eine kleine Kunsthalle, die trotz finanzieller Schwierigkeiten immer wieder für Aufsehen sorgt.

Der Portikus als Gegenmodell

Der Portikus, von König als "Scharnier" zwischen der Städel-Hochschule und der Öffentlichkeit gedacht, entstand als Gegenmodell zum "pompösen Frankfurter Museumsufer". Entworfen als ein einfaches und billiges Konzept. Hinter die klassizistische Fassade der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadtbibliothek wurde 1987 ein Containerbau aus Blech gesetzt. Er bot 120 Quadratmeter Ausstellungsfläche, minimalen Büroraum und Oberlicht. Königs Kunst-Kiste war mit einem abrupten Übergang zwischen Außen und Innen für etwa 300.000 DM fertig: "Der Besucher öffnet die Tür, tritt in den Raum und sieht, was zu sehen ist. Nicht mehr, nicht weniger" (Ulrich Wilmes). Im Portikus geht es völlig puristisch nur um die Kunst, ohne großen architektonischen Schnickschnack wie andere Häuser von berühmten Stararchitekten. Diese "Schuhkarton"-Kunsthalle, wie sie flapsig genannt wird, hat wohl schon manch großem Haus das Fürchten gelehrt; mit einem kleinen Apparat ist man wendig, kann schneller und vielfältiger über die Szene berichten. Der Portikus war als "Morgengabe" für Kasper Königs Rektorat gedacht und sollte als eine Art "Tankstelle" für wechselnde inhaltliche Aktivitäten dienen.

Gerhard Glück: Humor und Tiefsinn

Huther widmete sich auch dem Werk des Karikaturisten Gerhard Glück und besuchte eine Ausstellung mit rund 240 humorvollen und hintergründigen Gemälden. Glück, der sich selbst eher als humorvollen Maler denn als Satiriker sieht, rückt selten Berühmtheiten wie Karl Marx ins Zentrum seiner Werke. Vielmehr sind es unscheinbare Männer, oft ein glatzköpfiger, korpulenter und knollennasiger Mann um die 50, die im Mittelpunkt stehen. Glücks Bilder sind "kleine, funkelnde Geschichten", die den Betrachter zum Nachdenken anregen.

Ori Gersht: Die verborgene Geschichte

Ein weiterer Künstler, dessen Werk Huther analysierte, ist Ori Gersht. In einer Ausstellung im Museum Sinclair-Haus präsentierte Gersht Fotos und Videos, die sich mit verborgener Geschichte und dem Erinnern auseinandersetzen. Ein Beispiel dafür ist das Foto "Der Berg", das eine überbelichtete Dorfansicht zeigt. Es handelt sich um das früher zu Polen und heute zur Ukraine gehörende Dorf Kosov, wo Gershts Schwiegervater aufgewachsen ist. Während der Nazibesatzung wurden dort mehr als 2000 Dorfbewohner von deutschen Soldaten auf den Berg getrieben und erschossen oder lebendig begraben. Gersht spürt diesen verborgenen Geschichten nach und findet für das Erinnern sehr berührende Bilder.

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Gersht verwischt Eindrücke und Landschaften, die historisch belastet sind. So fuhr er mit dem Zug von Krakau, um der Fahrt deportierter Juden ins Konzentrationslager Auschwitz nachzuspüren. Sein Video "Der Wald", das in einem Wald bei Kosov entstand, zeigt, wie Bäume mit lautem Krachen umfallen. Gersht verwandelt den Wald in ein symbolisches Schlachtfeld, in dem die Bewohner der umliegenden Dörfer vor den Nazis flohen - und oft entdeckt wurden. Auch das Video "Evaders" ("Flüchtlinge"), das den Weg über die Pyrenäen auf der Grenze zwischen Frankreich und Spanien zeigt, thematisiert die Flucht vor den Nazis.

"Das Gedächtnis der Kunst": Eine Ausstellung im Historischen Museum

Huther berichtete auch über die Ausstellung "Das Gedächtnis der Kunst" im Frankfurter Historischen Museum. Die Schau präsentierte rund siebzig im letzten Jahrzehnt entstandene Arbeiten von vierzig Künstlern, die sich mit dem Thema Erinnerung auseinandersetzen. Die Ausstellung widmete sich einzelnen Themen von der Französischen Revolution bis zum Mauerfall und zeigte, wie Geschichte in Bilder umgesetzt werden kann.

Marcel Broodthaers' Stummfilm über den Transport einer leeren Kiste zum Waterloo-Denkmal verneinte jegliche künstlerische Gedächtnisleistung. Kara Walker illustrierte die Verfolgungsgeschichte der Schwarzen in einem monumentalen Scherenschnitt. Ilya Kabakov baute im zentralen Saal ein mächtiges Monument aller seiner künstlerischen Ideen im Modell. Sigrid Sigurdsson teilte Notizbücher an knapp einhundert Frankfurter Persönlichkeiten aus, die bis zum Jahr 2050 historische oder biografische Notizen abliefern sollen. Hans-Peter Feldmann sammelte Fotos der seit 1967 aus politischen Gründen ums Leben gekommenen Menschen und machte im Tod Opfer wie Täter gleich.

Adrian H. Koerfer: Ein Kunstsammler im Hintergrund

Huther widmete sich auch dem Kunstsammler Adrian H. Koerfer, der seine Sammlung im Museum Wiesbaden präsentierte. Koerfers Sammlung umfasst mehr als 650 Bilder von Herbert Brandl über Alex Katz, David Reed und Gerhard Richter bis zu Andy Warhol und dokumentiert die Geschichte der Malerei seit etwa 1960.

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