Die Frage, ob dunkle Schokolade Migräne auslösen kann, ist ein viel diskutiertes Thema. Während einige Menschen Schokolade als Trigger identifizieren, deuten neuere Erkenntnisse darauf hin, dass der Zusammenhang komplexer ist. Es ist wichtig, zwischen Mythos und Fakten zu unterscheiden, um fundierte Entscheidungen über den Konsum von Schokolade im Zusammenhang mit Migräne zu treffen.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die oft mit starken Kopfschmerzen einhergeht. Die Ursachen sind vielfältig und nicht vollständig geklärt. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Gehirn von Migränepatienten empfindlicher auf Veränderungen reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Diese Veränderungen können durch innere und äußere Einflüsse ausgelöst werden, die als Triggerfaktoren bezeichnet werden.
Die Symptome einer Migräne können sehr unterschiedlich sein und umfassen neben Kopfschmerzen auch Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit. Einige Menschen erleben auch eine Aura, die sich durch visuelle Störungen wie Blitze oder Zickzacklinien äußern kann.
Triggerfaktoren: Individuelle Auslöser von Migräne
Triggerfaktoren sind individuelle Auslöser, die eine Migräneattacke provozieren können. Diese Faktoren sind nicht die eigentliche Ursache der Migräne, sondern lediglich der Auslöser der Schmerzattacken. Die Frage, welche Triggerfaktoren bei einem Migränepatienten eine Attacke auslösen können, ist sehr individuell. Einige häufige Trigger sind:
- Stress: Sowohl akuter Stress als auch chronischer Stress können Migräne auslösen.
- Schlafstörungen: Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Schlafmangel oder zu viel Schlaf können Migräne begünstigen.
- Hormonelle Veränderungen: Schwankungen im Hormonspiegel, insbesondere bei Frauen während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder der Menopause, können Migräne auslösen.
- Wetterumschwünge: Schnelle Veränderungen von Temperatur und Luftdruck können bei manchen Menschen Kopfschmerzen auslösen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
Schokolade als Migräne-Trigger: Mythos oder Wahrheit?
Immer wieder wird Schokolade als Auslöser für Migräneattacken genannt. Studien zeigen jedoch, dass die Süßigkeiten nicht Auslöser sind. Der Heißhunger darauf sei lediglich ein Signal für den bevorstehende Migräne.
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Es ist eine gängige Annahme, dass bestimmte Lebensmittel wie Schokolade Migräneattacken auslösen können. Neuere Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass der Heißhunger auf solche Nahrungsmittel nicht die Ursache, sondern ein frühes Symptom einer bevorstehenden Migräne sein könnte. Dieser Heißhunger könnte als ein präventives Signal des Körpers interpretiert werden, eine Art Schrei des Gehirns nach Energiestoffen, um sich auf die bevorstehende Attacke vorzubereiten. Für Menschen, die unter Migräne leiden, ist es wichtig, solche Signale rechtzeitig zu deuten.
Dr. med. Lars Neeb, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, erklärt, dass die Kopfschmerz-Attacke zu diesem Zeitpunkt bereits im Anmarsch ist und mit oder ohne Süßes kommt. Das rechtzeitige Erkennen kann Betroffenen helfen, frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen und so den Schweregrad oder die Dauer der Migräne möglicherweise zu verringern.
Tyramin in Schokolade als möglicher Auslöser
Es gibt auch die Theorie, dass das in Schokolade enthaltene Tyramin Migräne auslösen kann. Tyramin ist ein biogenes Amin, das bei der Reifung oder Fermentierung von Lebensmitteln entsteht. Es ist unter anderem in Rotwein, gereiftem Käse und gepökelten Würsten enthalten. Im Falle von Schokolade stammt das Tyramin aus dem Kakao.
Deshalb vertragen viele Betroffene nicht so stark kakaohaltige Schokoladen, wie z.B. Vollmilchschokolade, besser als dunkle Schokolade, wie Zartbitter- oder Herrenschokolade. Noch besser wird meistens weiße Schokolade vertragen, da hier der Kakaomasse das Kakaopulver entzogen wird.
Bevor man allerdings auf (dunkle) Schokolade komplett verzichtet, sollte man erstmal testen, ob es wirklich am Tyramin liegt. Das kann durch dem Verzehr von anderen tyraminhaltigen Lebensmitteln geschehen.
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Heißhunger auf Schokolade als Symptom der Migräne
Viele Migränepatienten berichten von Heißhungerattacken, insbesondere auf Süßigkeiten wie Schokolade, bevor eine Migräneattacke beginnt. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Heißhunger nicht die Ursache, sondern ein Symptom der Migräne ist. In der Vorphase einer Migräne verspüren viele Betroffene einen Heißhunger auf Süßigkeiten wie zum Beispiel Schokolade. Die Lust auf Süßes ist dabei ein Vorbote der Migräne, kein Auslöser.
Der Körper benötigt Energie für die kommende Attacke. Das Hirn benötigt Energie für die kommende Attacke.
Was hilft wirklich bei Migräne?
Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung und Vorbeugung von Migräne. Dazu gehören:
- Medikamentöse Therapie: Es gibt verschiedene Medikamente zur Akutbehandlung von Migräneattacken sowie zur Vorbeugung.
- Nicht-medikamentöse Therapie: Entspannungstechniken, Verhaltenstherapie und Biofeedback können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten können helfen, Blutzuckerschwankungen zu vermeiden, die Migräne auslösen können.
- Lebensstiländerungen: Regelmäßiger Schlaf, Stressmanagement und ausreichend Bewegung können ebenfalls zur Vorbeugung von Migräne beitragen.
Die Bedeutung eines Kopfschmerztagebuchs
Um die persönlichen Triggerfaktoren zu identifizieren, ist es hilfreich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. In diesem Tagebuch werden die Migräneattacken mit Datum, Uhrzeit, Dauer, Symptomen, möglichen Auslösern und eingenommenen Medikamenten dokumentiert. Ebenfalls vermerken kann man darin auch Ernährungsweise oder andere Faktoren, die als Auslöser verdächtigt werden.
Ernährungsempfehlungen bei Migräne
Es gibt keine spezielle Migräne-Diät, die für alle Patienten gleichermaßen geeignet ist. Wichtig ist es, die ganz persönlichen ernährungsbedingten Einflüsse mit Hilfe des Kopfschmerztagebuchs herauszufinden, um sie gezielt vom Speiseplan zu streichen. Bei dieser „Detektivarbeit“ muss man bedenken, dass zwischen der Aufnahme eines Nahrungsmittels und einer Attacke zumeist mehrere Stunden liegen, mitunter sogar ein ganzer Tag.
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Einige allgemeine Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten sind:
- Regelmäßige Mahlzeiten: Mahlzeiten auslassen kann zu Blutzuckerschwankungen führen, die Migräne auslösen können.
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit frischen vollwertigen Produkten wirkt sich positiv auf den ganzen Organismus aus.
- Ausreichend Flüssigkeit: Ein Mangel an Flüssigkeit kann Kopfschmerzen verursachen.
- Vermeidung von Triggerfaktoren: Wenn bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke als Trigger identifiziert wurden, sollten diese gemieden werden.
Dunkle Schokolade in Maßen genießen
Wenn schon Schokolade, dann besser dunkle Sorten. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass auch Bitterschokolade konzentrierte Energie liefert, die erst einmal verbrannt werden muss. Bei einem übermäßigen Konsum schlägt der Kalorienvorteil ins Gegenteil um und ein Anstieg des Körpergewichts wirkt sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System aus.
Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und anderen Kopfschmerzen an. Zur Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die Klinik gesendet.
Die Klinik bietet auch Schmerzkonferenzen an, in denen individuelle Fragen im Zusammenhang mit der Einweisung, sowie der prä- oder poststationären Behandlung besprochen werden können.
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