Die Frage, ob Cannabis das Risiko für Hirntumore beeinflusst, ist komplex und Gegenstand aktueller Forschung. Während einige Studien vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich der potenziellen Antitumorwirkung von Cannabinoiden zeigen, deuten andere auf mögliche Risiken im Zusammenhang mit Cannabiskonsum hin. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle wissenschaftliche Datenlage und berücksichtigt sowohl die potenziellen Vorteile als auch die Risiken.
Cannabidiol (CBD) und seine Wirkung auf Hirntumorzellen
Cannabidiol (CBD), ein nicht-psychoaktiver Bestandteil von Cannabis, hat in den letzten Jahren aufgrund seiner potenziellen therapeutischen Eigenschaften viel Aufmerksamkeit erregt. Es wird als Nahrungsergänzungsmittel und Lifestyle-Produkt zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt, darunter Entzündungen, Stimmungsschwankungen und Schlaflosigkeit. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Lifestyle-Präparate nach wissenschaftlichen Standards oft nicht ausreichend belegt ist.
Interessanterweise haben Studien gezeigt, dass hochreines CBD in grundlagenwissenschaftlichen Modellen für bösartige Hirntumorzellen (Glioblastome) einen "Effekt" aufweisen kann. So wurde beispielsweise festgestellt, dass CBD die DNA-Bindung des Entzündungskontrollfaktors RELA beeinflussen kann, ohne dabei eine wichtige chemische Veränderung von RELA zuzulassen.
Cannabis-Wirkstoffe und die Aushungerung von Hirntumoren
Der spanische Krebsforscher Manuel Guzmán von der Universität Madrid hat in Versuchen an Mäusen und Menschen herausgefunden, dass Cannabis-Wirkstoffe in der Lage sein könnten, bestimmte Gehirntumore regelrecht auszuhungern. Dazu wurde der Wirkstoff in Reinform direkt in den Tumor gespritzt. Bei dem untersuchten Tumor handelte es sich um ein Glioblastom, einen besonders aggressiven Tumor, der normalerweise in kurzer Zeit zum Tod führt und schwer zu behandeln ist.
Guzmán fand heraus, dass Cannabis den Tumor aushungern kann, indem es Wachstumsfaktoren blockiert, die Blutgefäße sprießen lassen. Da sich Hirntumore normalerweise über ein Netz von Blutgefäßen mit Nahrung versorgen, kann die Stoppung der Blutversorgung zum Absterben des Tumors führen. Die Versuche deuten auf einen neuen Ansatz zur Behandlung von Hirntumoren hin, da Cannabis die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, was vielen anderen Krebsmedikamenten nicht gelingt. Guzmán betonte jedoch, dass wahrscheinlich mehrere verschiedene Therapien erforderlich sind, um dauerhafte Erfolge gegen aggressive Tumore zu erzielen.
Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis
Weitere Forschungsergebnisse zur Wirkung von Cannabis auf Gliome
Krebsforscher der St. George's University in London haben ebenfalls herausgefunden, dass Cannabis das Gliom, einen Gehirntumor, zum Schrumpfen bringen kann. In ihren Versuchen untersuchten sie die Effekte von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sowohl an Krebszellen in Glasschalen als auch an weiblichen Mäusen. Die Ergebnisse zeigten, dass beide Cannabinoide, sowohl einzeln als auch kombiniert, die Gliomzellen reduzieren konnten.
Die Studie ergab, dass THC und CBD intrazelluläre Signalmoleküle verändern. In Kombination verstärkten die Wirkstoffe die zytotoxische Wirkung der Bestrahlung, was zu einer dramatischen Reduktion der Tumorgröße führte. Zellen, die mit den Cannabinoiden behandelt worden waren, reagierten empfindlicher auf die Strahlentherapie.
Cannabis als mögliche Therapieergänzung bei Krebs
Die medizinische Anwendung von Cannabis bei Krebs ist in Deutschland erlaubt. Cannabis-basierte Arzneimittel sind vor allem als Lösung zum Einnehmen und in Kapselform erhältlich. Obwohl eine Übersichtsarbeit der Cochrane-Gesellschaft ergab, dass Cannabis-basierte Medikamente alleine Krebsschmerzen, die nicht auf Opioide ansprechen, nicht lindern können, gibt es Hinweise darauf, dass Cannabinoide in Kombination mit anderen Schmerzmitteln und in Ergänzung zur Standardtherapie wirksam sein könnten.
Cannabinoide können auch bei Chemotherapie-verursachtem Erbrechen und Übelkeit wirksam sein, insbesondere bei Patienten, bei denen übliche Medikamente nicht ausreichend helfen. Fachleute empfehlen Cannabinoide daher vor allem dann, wenn gängige Standardtherapien gegen Übelkeit und Erbrechen nicht ausreichend gut wirken - entweder als "Reservemittel" oder als Ergänzung zur Standardtherapie.
Es gibt jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Cannabinoide bei Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung und starker Appetitlosigkeit oder Geschmacksstörungen helfen.
Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen von Cannabiskonsum
Die medizinische Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden kann Nebenwirkungen verursachen, deren Art und Stärke von der Dosierung, der Verabreichungsform und den individuellen körperlichen Voraussetzungen der Patienten abhängen. Etwa 3 von 10 Personen brechen eine dauerhafte Behandlung mit Cannabis wegen Nebenwirkungen ab.
Das Tetrahydrocannabinol (THC) im Cannabis hat vor allem psychoaktive Effekte und kann zu Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, Angst und Paranoia führen. Bekannte Nebenwirkungen sind beispielsweise auch Blutdruckabfälle, Schwindel, Herzrasen, Mundtrockenheit und trockene Augen. Der Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) gilt im Allgemeinen als gut verträglich, kann aber Müdigkeit, Gewichtsveränderungen und veränderten Appetit verursachen.
Wer THC-haltiges Cannabis über einen langen Zeitraum einnimmt, kann unempfindlich gegenüber seinen Wirkungen werden. Setzen Patienten Cannabis dann plötzlich ab, kann es zu Entzugserscheinungen kommen.
Cannabis und erhöhtes Risiko für Kopf-Hals-Tumore
Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass intensiver Cannabiskonsum das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen kann. Menschen mit einer Cannabisabhängigkeit wiesen ein 3,5-fach höheres Risiko für Kopf-Hals-Tumore auf als Personen ohne Cannabisdiagnose. Dies könnte auf die Art des Konsums zurückzuführen sein, da Cannabis meist geraucht und ohne Filter tiefer als beim Zigarettenrauchen inhaliert wird. Dabei entstehen ähnlich wie beim Tabakrauchen krebserregende Schadstoffe. Die Forscher betonen jedoch, dass die Studie lediglich einen statistischen Zusammenhang zeigt, aber keinen Beweis für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Cannabis-Konsum während der Schwangerschaft und Krebsrisiko bei Kindern
Studien haben gezeigt, dass der vorgeburtliche Konsum illegaler Drogen wie Cannabis mit einem erhöhten Auftreten verschiedener aggressiver Krebserkrankungen bei Kindern verbunden sein kann, darunter Tumore in der Schädelhöhle, Medulloblastom, Tumore des Zentralnervensystems und Retinoblastom. Von Cannabiskonsum in der Schwangerschaft ist grundsätzlich abzuraten, da die Droge das Frühgeburtrisiko erhöhen und die Hirnentwicklung des Ungeborenen beeinflussen kann.
Lesen Sie auch: Alternativen zur Nasenspray-Abhängigkeit
Expertenmeinungen zum Nutzen von Cannabis bei Krebserkrankungen
Experten differenzieren zwischen der symptomatischen Therapie von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen und Depressionen und krebshemmenden Eigenschaften von Cannabinoiden. Die palliative Therapie von Krebserkrankungen mit cannabisbasierten Medikamenten ist aufgrund der klinischen Datenlage weitgehend akzeptiert. Es gibt Hinweise darauf, dass Cannabisprodukte in einzelnen Fällen das Überleben verlängern können.
Cannabinoide weisen in mehr als 100 tierexperimentellen Studien bei einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen krebshemmende Eigenschaften auf. Es gab jedoch auch Ausnahmen, in denen THC das Wachstum von Tumoren förderte.
Zusammenfassung der epidemiologischen Daten zum Zusammenhang zwischen Cannabisrauchen und Krebs
Verschiedene Institutionen haben in Zusammenarbeit mit der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation die bisherigen epidemiologischen Daten zum Zusammenhang zwischen Cannabisrauchen und Krebs zusammengefasst. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass bisher keine abschließende Bewertung möglich ist und fordern weitere methodisch gute Studien zum Zusammenhang zwischen Cannabisrauchen und Krebs.
tags: #durch #kiffen #gehirntumor