Einleitung
Nervenerkrankungen, insbesondere Polyneuropathie, können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und die Fähigkeit zur vollen Erwerbstätigkeit in Frage stellen. Die Symptome sind oft unsichtbar, aber gravierend. Die Polyneuropathie raubt Ihnen die Kraft im Alltag. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschäden, insbesondere im Zusammenhang mit Polyneuropathie und chronischer Erschöpfung, und zeigt Wege auf, wie Betroffene trotz dieser Herausforderungen ein erfülltes Berufsleben führen können.
Zunehmende Erwerbsminderung aufgrund psychischer Erkrankungen
Angststörungen, Depressionen, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit: Immer mehr Menschen bekommen eine Erwerbsminderungsrente wegen einer psychischen Erkrankung. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund stellt fest, dass psychische Erkrankungen als Ursache für Erwerbsminderungsrenten in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Haben im Jahr 2000 noch rund 51.500 Menschen erstmals eine Erwerbsminderungsrente wegen einer psychischen Erkrankung erhalten, waren es 2020 bereits rund 73.000. Das ist in diesem Zeitraum ein Anstieg um rund 42 Prozent. „Entfielen im Jahr 2000 noch 24,2 Prozent der erstmals gezahlten Erwerbsminderungsrenten auf psychische Leiden, sind es 2020 bereits 41,5 Prozent“, so Rüdiger Herrmann, Vorsitzender der Vertreterversammlung der DRV Bund anlässlich der nächsten Sitzung dieses Gremiums. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass psychische Erkrankungen immer häufiger erkannt und diagnostiziert werden. Gleichzeitig ist die Stigmatisierung in der Gesellschaft bei dem Thema rückläufig. Die Sensibilisierung für das Thema hat in der Öffentlichkeit zugenommen, nicht zuletzt durch Medienberichterstattung über prominente Betroffene.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, bietet die Deutsche Rentenversicherung verstärkt spezifische medizinische Rehabilitationen für Versicherte mit psychischen Erkrankungen an. Erhebungen der Rentenversicherung verzeichnen hier eindeutig einen positiven Effekt: Auch zwei Jahre nach einer Rehabilitation wegen psychischer Störungen beziehen lediglich 17 Prozent der Betroffenen eine Erwerbsminderungs- oder Altersrente. Somit ermöglicht eine Rehabilitation vielen psychisch erkrankten Versicherten dauerhaft erwerbstätig zu bleiben und verhindert so die Erwerbsminderungsrente. „Wegen der Zunahme des Bedarfs an Rehabilitationen wegen psychischer Erkrankungen hat die Rentenversicherung die Behandlungsplätze in diesem Bereich in den letzten Jahren deutlich ausgebaut“, so Herrmann. Darüber hinaus bietet die Rentenversicherung mit ihrem Programm RV Fit auch Präventionsleistungen an, mit denen etwa bei ersten psychischen Beeinträchtigungen frühzeitig entgegengesteuert werden kann. Im Rahmen des sog. Firmenservices der Rentenversicherung können Betriebe vor Ort Informationen und Beratung erhalten, auch zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen.
Polyneuropathie: Eine Nervenerkrankung mit vielfältigen Auswirkungen
Taube Füße, brennende Schmerzen und ständige Erschöpfung sind Symptome der Polyneuropathie, einer schleichend beginnenden Nervenerkrankung mit massiven Auswirkungen auf das tägliche Leben und das Berufsleben. Für viele Betroffene wird irgendwann selbst der gewohnte Arbeitsalltag zur Herausforderung. Die Beschwerden sind oft unsichtbar, aber gravierend. Wer dann auf die Unterstützung einer Berufsunfähigkeitsversicherung hofft, sieht sich schnell mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Denn Versicherer erkennen eine Berufsunfähigkeit nur an, wenn die gesundheitlichen Einschränkungen zweifelsfrei belegt und nachvollziehbar dokumentiert sind.
Was ist Polyneuropathie?
Bei der Polyneuropathie handelt es sich um eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Dabei sind mehrere Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark geschädigt, sodass die Reizweiterleitung beeinträchtigt ist. Dadurch werden Reize entweder gar nicht mehr oder zu schwach bzw. Die Polyneuropathie tritt häufig symmetrisch auf, beispielsweise in beiden Beinen oder Armen, und kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten wird sie durch Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel (B1, B12, E), toxische Substanzen (z.B. In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache jedoch unklar, dann spricht man von einer idiopathischen Polyneuropathie. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und äußern sich durch Sensibilitätsstörungen, die am gesamten Körper auftreten können.
Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis
Symptome der Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Manche Menschen sind auch von mehreren Formen der Polyneuropathie gleichzeitig betroffen. Eine Polyneuropathie kann akut, sich schnell verschlechternd oder chronisch verlaufen.
- Sensible Polyneuropathie: Sensible Nerven senden Informationen von der Haut zum Gehirn. Beeinträchtigungen können zu Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln führen. Auch ein vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden ist möglich. Diese Form der Polyneuropathie merken Betroffene vor allem an Füßen oder Händen.
- Motorische Polyneuropathie: Die motorischen Nerven leiten Signale vom Gehirn zu den Muskeln weiter. Eine Nervenschädigung kann Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe verursachen.
- Vegetative Polyneuropathie: Das vegetative Nervensystem ist Bestandteil des peripheren Nervensystems - es koordiniert automatisierte Körperfunktionen wie das Verdauen, Atmen oder Schwitzen. Eine vegetative Polyneuropathie steht unter anderem mit Beschwerden wie Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen in Verbindung - sie betrifft die Organfunktionen.
Ursachen der Polyneuropathie
Polyneuropathie kann erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein, was häufiger der Fall ist. Schädigungen an den peripheren Nerven können etwa durch Entzündungsprozesse im Körper als Folge einer Autoimmunerkrankung oder einer Infektion mit bestimmten Viren beziehungsweise Bakterien auftreten. Dafür bekannte Erkrankungen sind unter anderem Borreliose, Diphtherie oder Gürtelrose. Daraus resultieren Entzündungen, die die empfindliche Schutzschicht des Nervenzellfortsatzes, die sogenannte Myelinschicht, angreifen können. Oft steht die Polyneuropathie im Zusammenhang mit einer Diabeteserkrankung - dann handelt es sich um eine diabetische Polyneuropathie: Ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven und führt zu den Beschwerden. Eine weitere häufige Ursache ist die Abhängigkeit von Alkohol, wegen seiner nervenschädigenden Wirkung bei langjährigem hohen Konsum.
Weitere Polyneuropathie-Ursachen:
- Erkrankungen der Leber
- Mangelernährung, unter anderem bei Zöliakie
- Vitaminmangel, z.B. Vitamin B12
- Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder rheumatoide Arthritis
- Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel die Antibiotika Nitrofurantoin oder Metronidazol
- Kontakt mit giftigen Substanzen, etwa Schwermetalle
- HIV-Infektionen
- Erkrankungen, die auf Infektionen beruhen: Borreliose oder Syphilis
- Krebserkrankungen, beispielsweise Brustkrebs oder Blutkrebs
- hormonelles Ungleichgewicht, zum Beispiel ausgelöst durch eine Schilddrüsenunterfunktion
- erbliche Veranlagung (hereditäre Neuropathien)
Diagnose von Polyneuropathie
Eine neurologische Facharztpraxis ist die richtige Anlaufstelle bei Polyneuropathie. Betroffene können sich aber auch an den Hausarzt oder die Hausärztin wenden - diese erstellen eine Verdachtsdiagnose und überweisen zu einem Neurologen oder einer Neurologin. Um festzustellen, ob tatsächlich eine Polyneuropathie vorliegt, findet zuerst ein Gespräch statt. Dabei erkundigt sich der Mediziner oder die Medizinerin nach der Krankengeschichte und nach den vorliegenden Beschwerden. Von Interesse ist etwa, ob den Betroffenen das Gehen Probleme bereitet oder ob sie feinmotorische Einschränkungen der Hände oder Finger haben. Relevant ist auch, ob die Betroffenen Schmerzen haben und wie stark die Schmerzen sind. Auch eine körperliche Untersuchung ist wichtig. Dabei prüft der Mediziner oder die Medizinerin, ob Muskeln gelähmt oder geschwächt sind. Einschränkungen beim Reizempfinden oder eine Beeinträchtigung der Reflexe können bei der körperlichen Untersuchung ebenfalls auffallen. Um den Ursachen auf den Grund zu gehen und um herauszufinden, welche Nerven wie stark geschädigt sind, gibt es zahlreiche Untersuchungsmethoden.
- Elektroneurographie: Bei der Elektroneurographie wird ein Elektrodenset im Gebiet des Nervenverlaufs auf die Haut geklebt - so lassen sich die elektrischen Impulse der Nerven messen. Die Untersuchung hilft dabei, herauszufinden, wie die Nervensignale transportiert und im Körper verteilt werden - Nervenschädigungen führen zu einem auffälligen Ergebnis und geben Hinweise zur Abgrenzung der Nervenausfälle.
- Elektromyographie: Macht deutlich, ob und wie stark die Muskeln auf die Nervensignale ansprechen. Bei dieser Untersuchung werden dünne Nadelelektroden durch die Haut in den entsprechenden Muskel eingeführt.
- Untersuchungen von Urin, Gehirnwasser, Blut oder Gewebeproben sowie genetische Tests und bildgebende Verfahren: Diese Methoden sind sinnvoll, wenn etwa Diabetes und Alkoholkrankheit als Ursache unwahrscheinlich sind und das Beschwerdebild sowie elektrophysiologische Untersuchungsbefunde weiteren Abklärungsbedarf ergeben. Auch wenn die Symptome sehr plötzlich auftreten, kann eine zusätzliche Diagnostik sinnvoll sein.
Behandlung von Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie gibt es verschiedene Behandlungsansätze:
Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung
- Auslöser vermeiden und behandeln: Um weitere Schäden zu verhindern und um die Beschwerden zu lindern, wird die zugrunde liegende Ursache beseitigt oder behandelt. Liegt etwa eine unbehandelte Diabeteserkrankung vor, muss der Blutzucker richtig eingestellt werden. Alkoholabhängige Menschen profitieren von einer Suchttherapie. Bei einem Vitaminmangel können Betroffene durch Ernährungsumstellungen einen Ausgleich schaffen. Führen Infektionen oder Entzündungen zu den Nervenschäden, können Antibiotika oder Kortison sinnvoll sein.
- Schmerzen lindern: Eine begleitende Schmerztherapie verschafft Betroffenen Linderung. Zum Einsatz kommen Antidepressiva und bestimmte Medikamente, die ursprünglich für Epilepsien entwickelt wurden (Antikonvulsiva). Durch die Einnahme von Antidepressiva produziert der Körper vermehrt Botenstoffe - diese dämpfen die Weiterleitung von Schmerzsignalen. Antikonvulsiva sind meist die erste Wahl, sie bremsen die Erregbarkeit der Nerven, was schmerzlindernd wirkt. Bei ausgeprägten Schmerzen sind womöglich Opioide angezeigt. Da diese zu einer Abhängigkeit führen können, verschreiben Mediziner und Medizinerinnen sie nur für kurze Zeit.
- Begleitende Therapien: Je nach vorliegender Nervenschädigung können weitere Behandlungsansätze hilfreich sein, etwa Physio- oder Ergotherapie - sie unterstützen bei ungünstigen Bewegungsabläufen oder Gleichgewichtsstörungen sowie bei der Regeneration akuter Polyneuropathien. Spezielle Schienen, sogenannte Orthesen, helfen Betroffenen mit Muskellähmungen dabei, Hände und Füße beweglich zhalten.
Chronische Erschöpfung (Fatigue) bei Polyneuropathie
Polyneuropathie betrifft nicht nur die motorischen oder sensorischen Nerven, sondern kann auch das vegetative Nervensystem beeinträchtigen. Besonders belastend für Betroffene ist, dass die Beschwerden meist dauerhaft sind und die Lebensqualität massiv einschränken. Auch wenn die Erkrankung äußerlich kaum sichtbar ist, kann sie im Alltag und vor allem im Berufsleben schwerwiegende Folgen haben. Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die Betroffene nicht nur körperlich, sondern oft auch mental stark belastet. Diese Form der Erschöpfung, auch Fatigue-Syndrom genannt, ist mehr als nur Müdigkeit. Sie ist tiefgreifend, dauerhaft und lässt sich selbst durch Ruhe oder Schlaf nicht vollständig lindern. Im Zusammenhang mit Polyneuropathie betrifft die Erschöpfung nicht nur die körperliche Kraft, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit. Diese Symptome sind für Außenstehende oft unsichtbar und werden daher nicht selten unterschätzt.
Chronisches Erschöpfungssyndrom (ME/CFS)
Derzeit leiden über 300.000 Menschen an schwerwiegenden Erschöpfungssymptomen, so der Bundesverband ME/CFS Fatigatio. In der Folge der Corona-Pandemie könnten nach Schätzungen nochmal 100.000 zusätzliche Fälle hinzukommen. Die Ursache: eine Krankheit namens "Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom" (ME/CFS) - auch bekannt als "Chronisches Erschöpfungssyndrom". Lange gingen Ärztinnen und Ärzte davon aus, dass die Krankheit, die auch als Chronische Fatigue bekannt ist, hauptsächlich psychisch bedingt ist. Heute weiß man: ME/CFS ist eine schwere neurologische Erkrankung, die wahrscheinlich auch Anteile einer Autoimmunerkrankung hat. Sie beginnt oft nach einem Infekt, einer Grippe, einer Covid-19-Erkrankung, die auch mild verlaufen sein kann, oder einer Infektion mit Herpes oder dem Epstein-Barr-Virus, das für das Pfeiffersche Drüsenfieber verantwortlich ist.
Ein Leitsymptom ist die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM). Sie beinhaltet, dass selbst kleinste Anstrengungen zur totalen Erschöpfung führen können. Das kann bedeuten, dass ein Patient zum Beispiel morgens abwägen muss, ob er sich heute lieber duscht oder die Zähne putzt. Aktuell geht die Forschung davon aus, dass bei ME/CFS-Betroffenen die Energiebereitstellung in den Körperzellen zusammenbricht. Der "Akku" ist einfach zu gering, sodass auch alltägliche Verrichtungen nicht mehr ausgeführt werden können. Der Nachtschlaf oder sonstige Erholungsmaßnahmen helfen nicht weiter. Auch eine Überreaktion des Immunsystems und Hormone sind in Verdacht, die Krankheit mit zu beeinflussen.
Symptome von ME/CFS
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) ist eine chronische Erkrankung mit vielen möglichen Beschwerden. Dazu gehören unter anderem starke Erschöpfung, Schmerzen sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Typisch bei ME/CFS ist eine geringe Belastbarkeit. Symptome können sich schon nach leichten körperlichen oder geistigen Aktivitäten verschlimmern. Die Verschlechterung kann dann stunden-, wochen- oder monatelang anhalten. Dies wird Post-exertional Malaise (PEM) oder auch Belastungsintoleranz genannt.
- Eine starke, vorher nicht gekannte Erschöpfung (Fatigue), die durch Ruhe und Erholung kaum besser wird.
- Ein gestörter oder nicht erholsamer Schlaf.
- Konzentrationsstörungen, stark verlangsamtes Denken und ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis.
- Kreislaufbeschwerden wie Schwindel, Übelkeit, erhöhter Puls oder Herzrasen.
- Schmerzen (betroffen sind etwa Kopf, Gelenke, Muskeln oder Lymphknoten).
- Mögliche weitere Symptome sind zum Beispiel grippeähnliche Beschwerden, eine erhöhte Reizempfindlichkeit oder Verdauungsbeschwerden.
Diagnose und Behandlung von ME/CFS
Es gibt keine Untersuchung, die eine ME/CFS direkt feststellen kann. Beschwerden wie eine anhaltende Erschöpfung oder Schmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben und eine ME/CFS ist eher selten der Grund. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. ME/CFS kann bislang nicht geheilt werden. Es gibt auch keine Medikamente, mit denen die Krankheit behandelt werden kann. Bestimmte Beschwerden lassen sich aber gezielt behandeln, beispielsweise Schmerzen, Schlafstörungen oder Kreislaufprobleme. Das sogenannte Energiemanagement (Pacing; englisch für „Geschwindigkeit anpassen“) soll helfen, Belastungen so zu dosieren, dass sich die Beschwerden möglichst nicht verstärken. Aktivitäten werden bewusst angepasst und über den Tag verteilt, damit sich die Anstrengung in bestimmten Grenzen hält. Je nach persönlicher Situation kann es möglich sein, Aktivitäten schrittweise und langsam zu steigern. Dabei ist es wichtig, die Belastungen so anzupassen, dass sich die Beschwerden nicht verschlechtern und eine PEM auslösen.
Lesen Sie auch: Alternativen zur Nasenspray-Abhängigkeit
Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderungsrente bei Nervenschäden
Polyneuropathie und Erschöpfung können zur Berufsunfähigkeit führen: Polyneuropathie ist eine neurologische Erkrankung mit vielfältigen Symptomen wie Taubheit, Schmerzen und Muskelschwäche. Sie geht häufig mit chronischer Erschöpfung (Fatigue) einher. Versicherungen zahlen eine Berufsunfähigkeitsrente nicht aufgrund der Diagnose an sich, sondern nur, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Symptome die berufliche Leistungsfähigkeit um mindestens 50 % einschränken. Erschöpfung ist ein subjektives Symptom, das sich nicht durch Laborwerte oder bildgebende Verfahren belegen lässt. Dennoch ist es juristisch relevant. Viele Anträge scheitern an unzureichenden Nachweisen der BU: Ein Großteil der Anträge wird abgelehnt, weil die medizinischen Nachweise unklar, unvollständig oder für juristische Zwecke ungeeignet sind. Die Versicherung erkennt dann eine tatsächlich häufig vorliegende Berufsunfähigkeit nicht an. Aufgrund der komplexen medizinischen, formalen und juristischen Anforderungen haben Betroffene ohne anwaltliche Unterstützung oft geringe Erfolgschancen.
Gesetzliche Erwerbsminderungsrente
Wer aufgrund eines Unfalls oder Krankheiten nicht mehr arbeiten kann und noch zu jung für die Altersrente ist, kann eine Rente wegen Krankheit beantragen. Voraussetzung für die Erwerbsminderungsrente ist, dass Du aus gesundheitlichen Gründen - Krankheit oder Behinderung - weniger als drei Stunden täglich arbeiten kannst. Wer mehr als sechs Stunden am Tag arbeiten kann, erhält keine Erwerbsminderungsrente. Anspruch auf die volle Rente wegen Erwerbsminderung hat nur, wer nicht mehr erwerbsfähig ist. Wer lediglich berufsunfähig ist, muss auch eine Beschäftigung annehmen, die nicht seinem gelernten Beruf entspricht. Wer weniger als sechs Stunden am Tag, aber mehr als drei Stunden am Tag trotz Krankheit arbeiten kann, erfüllt die Voraussetzung für die Teilzeitrente und erhält die teilweise Rente wegen Erwerbsminderung.
Im Jahr 2023 waren die meisten Krankheiten, welche die Voraussetzung zur Erwerbsminderungsrente erfüllt haben, psychischer und neurologischer Natur. Bist Du von einer Erkrankung betroffen, kannst Du davon ausgehen, dass Dein Gesundheitszustand zunächst von den zuständigen Ärzten beurteilt wird. Für den Antrag bei der Rentenversicherung müssen verschiedene Formulare ausgefüllt werden, welche die persönliche Gesundheitssituation schildern.
Private Berufsunfähigkeitsversicherung
Zur Absicherung der erreichten Lebensstellung, die sich wirtschaftlich und sozial aus dem aktuellen Beruf ergibt, müssen Erwerbstätige selbst vorsorgen und eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Der Begriff Berufsunfähigkeit beschreibt den gesundheitlich bedingten Verlust der Fähigkeit, den bisherigen Beruf auszuüben. Die gesetzliche Definition der Berufsunfähigkeit findet sich in § 172 Abs. 2 Versicherungsvertragsgesetz - kurz VVG. Danach liegt Berufsunfähigkeit vor, wenn eine Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls außerstande ist, ihren bisherigen Beruf auszuüben. Ist die Depression so ausgeprägt, dass beide Kriterien erfüllt sind, besteht ein Anspruch auf die BU-Rente. Allerdings prüfen die Versicherer im Falle einer Berufsunfähigkeit, ob aus irgendwelchen Gründen die Zahlung der BU-Rente verweigert werden kann.
Herausforderungen bei der Beantragung von Leistungen
Die Beantragung einer Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) bei Depressionen ist oft mit vielen Herausforderungen verbunden. Die Versicherungen verlangen umfangreiche medizinische Unterlagen, die die Berufsunfähigkeit zweifelsfrei belegen müssen. Zudem müssen medizinische Fragebögen der Versicherung detailliert ausgefüllt werden, was für Laien auf diesem Gebiet oft schwierig ist. Ein weiteres Problem sind Rückfragen der Versicherung während des Antragsverfahrens. Diese beziehen sich häufig auf den Gesundheitszustand, ärztliche Atteste oder die Tätigkeit vor der Erkrankung. Gerade bei Depressionen fällt es den Betroffenen oft schwer, rechtzeitig und umfassend zu antworten, da sie durch die Erkrankung beeinträchtigt sind. Bleiben Nachfragen unbeantwortet, kann dies zur Ablehnung des Antrags führen.
Unterstützung durch spezialisierte Anwälte
Spezialisierte Anwälte unterstützen Betroffene umfassend. Sie helfen nicht nur bei der Antragstellung, sondern prüfen auch die Versicherungsunterlagen, klären mögliche Anzeigepflichtverletzungen und vertreten Mandanten in außergerichtlichen und gerichtlichen Auseinandersetzungen.
Tipps für den Umgang mit Polyneuropathie und Erschöpfung im Berufsleben
- Frühzeitige Diagnose und Behandlung: Lassen Sie Ihre Symptome frühzeitig fachärztlich abklären und dokumentieren Sie Ihre Einschränkungen so umfassend wie möglich.
- Anpassung des Arbeitsplatzes: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über mögliche Anpassungen Ihres Arbeitsplatzes, um Ihre Belastung zu reduzieren.
- Energiemanagement: Planen Sie ausreichend Pausen ein und verteilen Sie Ihre Aufgaben so, dass Sie Ihre Energie optimal nutzen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann Ihnen helfen, mit Ihrer Erkrankung besser umzugehen und neue Strategien zu entwickeln.
- Rechtliche Beratung: Holen Sie sich rechtlichen Rat, um Ihre Ansprüche auf Leistungen wie Erwerbsminderungsrente oder Berufsunfähigkeitsrente geltend zu machen.