Dystonie des vegetativen Nervensystems: Ursachen und Behandlungsansätze

Dystonie kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl bewährter Behandlungsmethoden, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Obwohl Dystonie derzeit nicht heilbar ist, können individuell angepasste Therapien und Medikamente die Symptome wirksam kontrollieren und den Alltag erleichtern.

Was ist Dystonie?

Dystonie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Bewegungsstörungen, die durch unwillkürliche, anhaltende Muskelkontraktionen gekennzeichnet sind. Diese Kontraktionen können zu wiederholten Bewegungen oder abnormalen Körperhaltungen führen. Das vegetative Nervensystem (auch autonomes Nervensystem genannt) spielt eine Schlüsselrolle bei der Steuerung lebenswichtiger Körperfunktionen, die nicht willentlich beeinflussbar sind. Dazu gehören Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Verdauung und Körpertemperatur. Eine Störung in diesem System kann zu einer vegetativen Dystonie führen.

Das vegetative Nervensystem: Ein autonomer Regler

Das vegetative Nervensystem ist ein unbewusst ablaufender Steuerungsmechanismus mit einer Zentrale im Hypothalamus. Es steuert den gesamten Organismus und sorgt für einen harmonischen Ablauf der wichtigsten Körpervorgänge. Es besteht aus zwei gegensätzlichen Polen:

  • Sympathikus: Der anregende Teil, der den Körper auf Aktivität und Stress vorbereitet. Er erhöht Herzfrequenz und Blutdruck, intensiviert die Atmung und vermindert die Verdauung.
  • Parasympathikus: Der beruhigende Teil, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist. Er verlangsamt Herzfrequenz und Blutdruck, beruhigt die Atmung und intensiviert die Verdauung.

Im Idealfall halten Sympathikus und Parasympathikus den Körper im Gleichgewichtszustand (Homöostase). Ein Ungleichgewicht zwischen beiden kann zu einer vegetativen Dystonie führen.

Ursachen der vegetativen Dystonie

Für eine vegetative Dystonie gibt es oft keine konkrete Ursache. Es können sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen, oft in Kombination.

Lesen Sie auch: Wechseljahresbeschwerden natürlich lindern

Körperliche Ursachen

  • Neurologische Erkrankungen: Parkinson oder Erkrankungen des peripheren Nervensystems.
  • Diabetes mellitus (Typ 2)
  • Genetische Faktoren: In der Gruppe der genetisch bedingten Dystonien sind zurzeit 21 verschiedene Formen identifiziert worden. Entscheidender Hinweis für eine mögliche genetische Ursache der Dystonie ist das vermehrte Auftreten dieses Erkrankungsbildes innerhalb der Familie.
  • Symptomatische Dystonie: Eine symptomatische Dystonie kann durch sehr verschiedene Ursachen hervorgerufen werden, z. B. bestimmte Medikamente, degenerative Hirnerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder eine unfallbedingte Schädel-Hirn-Verletzung.

Psychische Ursachen

Da Körper und Psyche eng miteinander verbunden sind, können sich psychologische und soziale Faktoren wie Stress, Sorgen oder Überforderung auf das vegetative Nervensystem auswirken. Unbewusste seelische Konflikte, Erdstrahlen (Geopathien), chronisch entzündliche Herde und funktionelle Organstörungen können ebenfalls eine Rolle spielen.

Symptome der vegetativen Dystonie

Die Vielfalt an unspezifischen Symptomen macht es oft schwierig, ein überreiztes Nervensystem unmittelbar zu erkennen. Das Krankheitsbild einer vegetativen Dystonie ergibt sich in der Regel über das Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen. Mögliche Symptome sind:

  • Herz-Kreislauf-Beschwerden: Herzrasen, erhöhter oder erniedrigter Pulsschlag, Blutdruckschwankungen
  • Verdauungsbeschwerden: Verstopfung, Durchfall, Reizdarm, Völlegefühl, Blähungen
  • Atembeschwerden: Atemenge bis zu asthmatischen Zuständen
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • Krämpfe
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Leichtes Zittern der Hände
  • Kribbeln in den Gliedmaßen
  • Muskelverspannungen, Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Reizblase
  • Nervosität, innere Unruhe, Angstzustände
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger
  • Kalte Hände und Füße

Diagnose der vegetativen Dystonie

Die Diagnose einer vegetativen Dystonie ist oft eine Herausforderung, da die Symptome vielfältig und unspezifisch sind. In der Regel erfolgt die Diagnose durch Ausschluss anderer Erkrankungen. Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um die Krankengeschichte und die Lebensumstände des Patienten zu erfassen. Anschließend folgen verschiedene körperliche Untersuchungen, um mögliche organische Ursachen auszuschließen. Dazu gehören:

  • Körperliche Untersuchung: Abtasten des Bauches, Abhören der Herztöne
  • Puls- und Blutdruckmessung
  • Blutuntersuchung: Überprüfung auf Entzündungsprozesse, Nährstoffmängel, Hormonstörungen
  • Spezielle Untersuchungen: EKG, Stuhl- oder Urinuntersuchung, bildgebende Verfahren (Ultraschall, Röntgen)

Behandlung der Dystonie

Die Behandlung der Dystonie beruht auf einem multimodalen Therapieansatz, der medikamentöse Maßnahmen, physiotherapeutische Begleitung sowie gezieltes Training umfasst. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und den Alltag zu erleichtern.

Medikamentöse Therapie

  • Botulinumtoxin-Therapie (BTX): Besonders bewährt hat sich die Botulinumtoxin-Therapie (BTX), die gezielt den erhöhten Muskeltonus reduziert und so überaktive Muskeln entspannt. Durch die Reduktion der überaktiven Muskulatur erhalten Betroffene bessere Voraussetzungen, Bewegungsmuster gezielt zu trainieren und ihre motorische Kontrolle schrittweise zu optimieren. Besonders wirksam ist die Botulinumtoxin-Therapie bei fokalen Dystonien. Der muskelentspannende Wirkstoff wird direkt in die zuvor identifizierte überaktive Muskulatur injiziert. Das erfolgt durch einen Spezialisten. Der Muskeltonus wird dosisabhängig gesenkt, wodurch die unwillkürlichen Verkrampfungen gemindert werden. Da die Wirkung mit der Zeit nachlässt, muss die Injektion in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.
  • Medikamente zum Einnehmen: Medikamente mit muskelentspannender Wirkung können auch in Tablettenform (oral) eingenommen werden. Die Verschreibung erfolgt ebenfalls durch den Neurologen, da solche Substanzen u. a. in die Funktion des Nervensystems eingreifen (z.B. L-Dopa). Andere Muskelrelaxantien sind z.B. die Wirkstoffe Baclofen oder die Benzodiazepine. Weil oral angewendete Medikamente auf den gesamten Körper wirken, können sie mit (erheblichen) Nebenwirkungen verbunden sein. Sie werden insbesondere bei ausgedehnten (generalisierten) Dystonien eingesetzt und/oder wenn die beteiligten Muskeln nicht genau bestimmt werden können (z.B. auch bei oromandibulären Dystonien). Wenn die Patienten unter Schmerzen leiden (z.B. bei einem Torticollis spasmodicus), werden auch Schmerzmittel verschrieben.
  • Intrathekale Baclofen-Therapie: Es handelt sich um eine medikamentöse Therapie mit einem chirurgischen Zugang: Über einen weichen Katheter wird das Medikament Baclofen direkt in die Flüssigkeit abgegeben, die das Rückenmark umspült. Von einer unter der Bauchhaut liegenden Pumpe wird es zur Muskulatur befördert, deren Spannung es insgesamt herabsetzt. Dieses Verfahren kommt bei generalisierten Dystonien infrage.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Bewegungsabläufe zu verbessern, Fehlhaltungen zu korrigieren und Schmerzen zu lindern.
  • Ergotherapie: Ergotherapeutische Ansätze stehen bei fokalen Extremitätendystonien (z.B. Schreib- oder Musikerkrampf) zunächst im Fokus. Manchmal kann die Bewegungsstörung bereits durch einfache Hilfsmittel, z. B. ein anderes Schreibgerät, verbessert werden.
  • Logopädie: Logopädisches Stimmtraining in Kombination mit psychosomatischer Unterstützung ist ein alternativer Ansatz bei einer laryngealen Dystonie (Kehlkopfkrampf).
  • Psychotherapie: Es gibt verschiedene Psychotherapieformen, die den Betroffenen helfen können, besser mit ihrer Krankheit und den Reaktionen ihrer Umwelt umzugehen
  • Entspannungsmethoden: Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder andere Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, das Stresslevel zu senken und das Nervensystem wieder zu beruhigen.
  • Ernährungsberatung: Bei Schluckbeschwerden kann auch eine Ernährungsberatung hilfreich sein. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Gesundheit des autonomen Nervensystems unterstützen.
  • Hydrotherapie: Wechsel von Wärmereiz und Kältereiz regen Regulation an.
  • Sport/ Bewegung, Ausdauertraining
  • Schlafhygiene: regelmäßiger Wach-/Schlafrhythmus, angenehme und schlaffördernde Schlafumgebung (Temperatur, Licht, Geräusche) schaffen, Mittagsruhe (Nickerchen, „Siesta“) ideal 20 Minuten, max.
  • Störfeldbehandlung mittels eIRT: zentral abgespeicherte alte Verletzungsmuster können neben der Fehlansteuerung von Muskeln mit entsprechenden Beschwerden in den dazugehörigen Gelenken ebenso zu biochemischen, emotionalen Störungen aber zu einer vegetativen Dysregulation führen, die mittels eIRT behandelt werden können.

Chirurgische Eingriffe

In besonders schweren Einzelfällen kann es sein, dass sich Ärzte und Patienten für einen chirurgischen Eingriff entscheiden. Der kann z. B. so aussehen, dass Nervenverbindungen durchtrennt werden, wodurch die Muskelaktivität und somit auch die Beschwerden schlagartig aussetzen. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sollten solche Maßnahmen vorab genau überdacht werden, da sie sich noch im Wachstum befinden.

Lesen Sie auch: Loges Nerven-Vitamin B im Detail

  • Tiefe Hirnstimulation: Bei der tiefen Hirnstimulation (auch „Hirnschrittmacher“ genannt) werden in einem neuro-chirurgischen Verfahren Sonden in das Gehirn eingebracht und Stromstöße abgegeben, wodurch bestimmte krankhafte Hirnaktivitäten gehemmt werden. Das Verfahren kommt bei schweren Bewegungsstörungen (z.B. Parkinson oder generalisierten Dystonien) zum Einsatz, die mit anderen Therapien erfolglos behandelt wurden.

Es ist wichtig, dass die Therapie individuell auf den Patienten abgestimmt wird und in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt erfolgt.

Was Sie Ihrem Arzt mitteilen sollten

Ihr Arzt benötigt möglichst viele Informationen über Ihre Symptome, deren Verlauf und eventuelle Auslöser. Halten Sie fest, wann die Beschwerden begonnen haben, ob es familiäre Vorerkrankungen gibt und welche Faktoren die Symptome verstärken oder lindern. Auch bereits erfolgte Behandlungen und deren Wirkung sind wichtig für die Therapieplanung. Eine detaillierte Symptombeschreibung kann dabei helfen, eine präzisere Diagnose zu stellen. Um sich optimal vorzubereiten, können Sie eine Liste mit Fragen und Beobachtungen erstellen und zu Ihrem Termin mitbringen. Wichtig ist auch die Angabe von rezeptfreien Produkten und Mitteln zur Nahrungsergänzung.

An wen wende ich mich für die Behandlung einer Dystonie?

Bei Verdacht auf Dystonie ist der erste Ansprechpartner ein Neurologe. Er kann Sie bei Bedarf an Spezialisten für Bewegungsstörungen weiterleiten. In vielen Städten gibt es spezialisierte Zentren oder Kliniken mit Experten für Dystonie. Auch Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie Schmerztherapeuten können Teil des Behandlungsteams sein. Es kann hilfreich sein, eine Überweisung von Ihrem Hausarzt einzuholen, um die richtige Fachabteilung zu finden.

Leben mit Dystonie

Obwohl Dystonie nicht heilbar ist, können viele Betroffene mit der richtigen Behandlung und Unterstützung ein erfülltes Leben führen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine positive Einstellung und die Bereitschaft, aktiv an der Therapie mitzuwirken, können den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.

Naturheilkundliche Aspekte

Aus Sicht der Naturheilkunde spielen unbewusste seelische Konflikte, Belastungen durch Erdstrahlen (Geopathien), chronisch entzündliche Herde und funktionelle Organstörungen eine wichtige Rolle bei der Entstehung vegetativer Fehlfunktionen. Die Beseitigung dieser ursächlichen Krankheitsfaktoren kann zu rascher Besserung und schließlich zur Heilung führen.

Lesen Sie auch: Enterisches Nervensystem vs. Vegetatives Nervensystem: Ein detaillierter Vergleich

Ein weiterer Ansatz besteht darin, die vegetative Starre im Sinne einer Sympathikotonie oder Parasympathikotonie aufzulösen und das Vegetativum wieder zum harmonischen Schwingen zu bringen. Hierzu können homöopathische Präparate wie Simvita® (für Sympathikotonie) und Paravita® (für Vagotonie) eingesetzt werden.

tags: #dysto #loges #vegetatives #nervensystem