Stammzellspende: Wie viel Rückenmark kann man spenden?

Jedes Jahr erkranken in Deutschland zahlreiche Menschen an bösartigen Bluterkrankungen wie Leukämie. Für viele dieser Patienten ist die Transplantation von Blutstammzellen eine Behandlungsmethode mit Hoffnung auf Heilung und Leben. Die Übertragung von Stammzellen ist aber erst dann möglich, wenn ein geeigneter, kompatibler Spender gefunden wurde.

Die Bedeutung der HLA-Merkmale

Für den Erfolg der Blutstammzelltransplantation ist eine möglichst hohe Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (HLA = Humane Leukozytenantigene) von Empfänger und Spender wichtig. Ist dies nicht der Fall, kann es im Körper des Patienten zu heftigen Abstoßungsreaktionen kommen. Für etwa ein Drittel der Patienten kommen aufgrund der ähnlichen Gene direkte Geschwister als Spender infrage. Bei den meisten Patienten muss daher nach einem nicht verwandten Spender gesucht werden - über das ZKRD. Auch in diesem Fall sind die HLA-Merkmale ausschlaggebend für die Erfolgschance. Einige Kombinationen der Gewebetypen kommen relativ häufig vor.

Stammzellspender werden: So funktioniert es

Stammzellen spenden kann grundsätzlich jede gesunde Person im Alter von 18 bis 60 Jahren, die mindestens 50 kg schwer ist. Um Stammzellspender zu werden, muss man sich einmalig typisieren und damit in der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSSD) registrieren lassen. Bei der Typisierung wird dem potenziellen Spender eine kleine Menge Blut (10 ml) oder eine Mundschleimhautprobe (Wattestäbchen) entnommen, damit die Gewebemerkmale analysiert werden können.

Registrierung und Typisierung

Will man Stammzellen spenden, muss man sich zunächst registrieren. Das geht z. B. bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei), einer internationalen gemeinnützigen Organisation mit bereits mehr als 11 Millionen registrierten Spendern. Alternativ kann man sich aber u. a. Über ein Bestellformular kann man dort ein Typisierungsset anfordern und mit den gelieferten Wattestäbchen einen Wangenabstrich machen. Zurück im Labor wird die Probe analysiert. Anhand einer Typisierung kann anschließend festgestellt werden, ob die eigenen Gewebemerkmale zu denen einer erkrankten Person passen. Liegt ein „Match“ vor, wird eine Blutprobe entnommen, um noch einmal die bestmögliche Kompatibilität sicherzustellen.

Die Rolle der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSSD)

Die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSSD) setzt sich seit Anfang der Achtzigerjahre für die Knochenmark- und Blutstammzellspende ein. Die Dateien der DSSD sind in die DRK Blutspendedienste Baden-Württemberg/Hessen und Nord-Ost eingebunden und sehen ihr Ziel darin, für möglichst viele Patienten einen passenden Spender zu finden. Mit Sitz in den Instituten für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Kassel, Mannheim, Lütjensee, Schleswig, Dresden, Cottbus und Ulm sowie im Zentrum für Transfusionsmedizin und Zelltherapie in Berlin, leistet die DSSD einen wichtigen Dienst bei der Gewinnung möglicher Stammzellspender, deren Stammzellen Leukämiepatienten und Patienten mit erkranktem Blutsystem transplantiert werden können. Die Stammzellspenderdateien der DRK Blutspendedienste Baden-Württemberg/Hessen und Nord-Ost sind über das ZKRD in ein weltweites Netzwerk von Dateien eingebunden.

Lesen Sie auch: Was Sie über Krämpfe durch zu viel Magnesium wissen sollten

Das Zentrale Knochenmarkspenderregister (ZKRD)

Alle Dateien melden ihre Daten an das Zentrale Knochenmarkspenderregister (ZKRD) in Ulm, wo täglich Suchanfragen nach passenden Spendern für Patienten aus aller Welt eingehen. In Deutschland sind rund 9,2 Millionen typisierte potentielle Spender erfasst und es gibt 27 Stammzellspenderdateien. Weltweit gibt es ca. 37,6 Mio.

Methoden der Stammzellspende

Es gibt zwei Möglichkeiten, die dringend benötigten Blutstammzellen zu spenden:

  1. Die periphere Stammzellspende
  2. Die Knochenmarkspende

Die periphere Blutstammzellspende ist inzwischen die Standard-Entnahmetechnik. Man spricht daher in den meisten Fällen nicht mehr von einer Knochenmarktransplantation, sondern von einer (Blut-) Stammzelltransplantation. Es kann vorkommen, dass die Ärzte abhängig vom gesundheitlichen Zustand des Patienten eine Methode bevorzugen oder ausschließen. Auch die Diagnose des Patienten kann dabei eine Rolle spielen, sodass die Ärzte eine bestimmte Blutstammzellquelle bevorzugen.

Periphere Stammzellspende

Bei der peripheren Blutstammzellspende wird der Spender zuerst mit dem Wachstumsfaktor G-CSF behandelt. Dieser unterstützt die Reifung der Stammzellen im Knochenmark und bewirkt, dass sie schneller in das Blut übergehen. Danach werden sie dem Spender mit der sogenannten Stammzellapharese, vergleichbar mit einer Dialyse, ambulant entnommen. Bei diesem Prozess wird das Blut aus einer Armvene durch einen Zellseparator zurück in die Armvene des anderen Arms geleitet. Im Regelfall dauert die Blutstammzellspende etwa drei bis vier Stunden. Nach einer peripheren Blutstammzellspende ist kein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Ablauf der peripheren Stammzellspende

Bei der peripheren Stammzellenentnahme soll durch das Spritzen des Botenstoffs G-CSF die Bildung weißer Blutzellen beim Spender angeregt werden. Dabei kann es zu kurzfristigen Nebenwirkungen wie grippeähnlichen Symptomen kommen.

Lesen Sie auch: Was wiegt ein menschliches Gehirn?

Knochenmarkspende

Bei der Knochenmarkspende nehmen die Ärzte unter Vollnarkose mehrere kleine Einstiche im Bereich des hinteren Beckenknochens vor und entnehmen mit einer Punktionsnadel Knochenmark aus dem Beckenkamm. Die Knochenmarkspende dauert in etwa eine Stunde. Das Knochenmark regeneriert sich innerhalb weniger Wochen wieder von selbst.

Ablauf der Knochenmarkspende

Die Knochenmarkentnahme erfolgt in einer Operation mit Vollnarkose. Zu Beginn der Operation wird man auf den Bauch gelegt. So haben die Ärzte den besten Zugang zum Beckenkamm, aus dem das Knochenmark entnommen wird. Für die Entnahme des Knochenmarks kommt eine Hohlnadel zum Einsatz. Man nennt das auch die Punktion des Beckenkamms. Mithilfe der Punktionsnadel wird aus dem Beckenkamm 0,5 bis 1,5 Liter Knochenmarkblut abgesaugt. Wie viel Knochenmarkblut entnommen wird, hängt vom Gewicht und der für den Empfänger angeforderten Zellzahl ab. Eine Menge von 1,5 Litern Knochenmarkblut wird dabei niemals überschritten. Das entspricht ungefähr 5% des gesamten Knochenmarks. Die gesamte OP dauert in etwa eine Stunde. Nach zwei bis vier Wochen hat sich das entnommene Knochenmark wieder neu gebildet.

Risiken der Knochenmarkspende

Bei jeder Operation mit Vollnarkose gibt es ein paar Risiken, so auch bei der Knochenmarkentnahme. Diese sind heutzutage aber sehr gering.

Wichtig: Knochenmark vs. Rückenmark

Wichtig! Das Knochenmark sollte nicht mit dem Rückenmark verwechselt werden. Knochenmark ist blutbildendes Gewebe, das in bestimmten Knochen vorkommt. Rückenmark liegt im Wirbelkanal und ist Teil des Nervensystems. Während Knochenmark transplantiert werden kann, kann Rückenmark nicht transplantiert werden.

Voraussetzungen für eine Stammzellspende

Gesucht werden vor allem gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren. Das maximale Alter für eine Registrierung als Blutstammzellspender beträgt 56 Jahre. Es gelten im Prinzip die gleichen Bedingungen wie für Blutspender. So sollte der Spender nicht an schweren Erkrankungen von Herz und Kreislauf (einschl. schlecht eingestelltem starkem Bluthochdruck), Lunge (einschl. Bronchialasthma), Blut, Lymphsystem, Leber, Nieren, Nervensystem (z. B. Anfallsleiden) oder anderen Organen leiden. Er sollte darüber hinaus keine schwere Stoffwechselstörung (z. B. Diabetes mellitus), schwere Allergie, Autoimmun- oder Krebserkrankung haben oder gehabt haben. Außerdem darf er nicht mit ansteckenden Krankheiten wie Malaria, Hepatitis, Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten (z. B. Syphilis) oder HIV (AIDS) infiziert sein oder zu einem von der Bundesärztekammer festgelegten Personenkreis gehören, der ein erhöhtes Risiko hat, durch Blut schwere Infektionskrankheiten zu übertragen.

Lesen Sie auch: Delfine: Mehr als nur verspielte Meeressäuger

Ausschlusskriterien

Bestimmte Erkrankungen schließen eine Spende aus. Dazu gehören unter anderem:

  • Blut- und Blutgefäßerkrankungen
  • Krebs
  • Diabetes, der mit Insulin behandelt wird
  • Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, aber auch HIV- oder Jakob-Creutzfeld-Infektionen
  • Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Multiple Sklerose, Morbus Basedow, Rheumatoide Arthritis und Morbus Crohn

Besteht eine Schwangerschaft oder eine aktive Infektion oder wurde jemand gerade operiert, sind das auch Gründe, warum man erst mal nicht Stammzellen spenden kann - jedoch sind das zeitlich begrenzte Ausschlusskriterien.

Risiken und Nebenwirkungen

Beide Arten der Stammzellentnahme ziehen normalerweise keine gesundheitlichen Einschränkungen nach sich.

Periphere Stammzellspende

Bei der peripheren Stammzellenentnahme soll durch das Spritzen des Botenstoffs G-CSF die Bildung weißer Blutzellen beim Spender angeregt werden. Dabei kann es zu kurzfristigen Nebenwirkungen wie grippeähnlichen Symptomen kommen.

Knochenmarkspende

Jede Narkose birgt ein gewisses Risiko in sich, bei gesunden Spendern ist die Gefahr ernster Zwischenfälle jedoch äußerst gering. An der Entnahmestelle können sich eventuell Blutergüsse bilden und noch einige Tage leichte Schmerzen auftreten. Das entnommene Knochenmark selbst regeneriert sich innerhalb weniger Wochen wieder vollständig, so dass von daher keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind.

Stammzellspende aus der Nabelschnur

Grundsätzlich kann auch eine Stammzellenspende aus der Nabelschnur gewonnen werden. Denn nach der Geburt befindet sich noch Blut in der Nabelschnur, das viele unausgereifte Stammzellen enthält. Dies vermindert das Risiko einer Abstoßreaktion des Empfängers. Voraussetzung für eine solche Spende ist aber u.

Anonymität und Kennenlernen von Spender und Empfänger

Eine Spende verläuft grundsätzlich anonym. Die Aufhebung der Anonymität zwischen Spender und Empfänger kann - wenn beide dies wünschen und die nationalen Regelungen dies erlauben - frühestens zwei Jahre nach der Transplantation erfolgen. Wenn beidseitiges Interesse besteht, gibt es in Deutschland die Möglichkeit, dass sich Spender und Empfänger nach der Spende kennen lernen. Dabei ist das Einverständnis beider zwingend erforderlich. Dies ist jedoch nur eine Empfehlung, keine Bedingung.

Kosten und Vergütung

Nein, für eine Knochenmarks- bzw. Stammzellenspende wird kein Geld gezahlt. Eine Stammzellenspende ist bei vielen Erkrankungen des Blutes die einzige wirksame Therapie - und somit die einzige Überlebenschance für Betroffene. Durch die Typisierung der Gewebemerkmale entstehen jedoch auch Kosten, die von den jeweiligen Organisationen getragen werden müssen. Deshalb brauchen diese zu jeder Zeit Unterstützung durch Geld- und Stammzellenspenden.

Die Kosten von derzeit ca. 40 € für die erforderliche Gewebetypisierung werden weder von Bund und Ländern noch von den Krankenkassen übernommen, sondern aus Spendenmitteln finanziert. Daher sind die Spenderdateien dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen und freuen sich über jede Spende. Alle Kosten, die mit der Stammzellentnahme verbunden sind, übernimmt die Krankenkasse des Patienten. Die Krankenversicherung oder Beihilfestelle des Spenders wird also nicht in Anspruch genommen. Außer einer Erstattung seiner Aufwendungen erhält der Spender keine weitere Vergütung.

Engagement und Unterstützung

Auch wenn man selbst kein Stammzellspender werden kann oder bereits typisiert ist und zusätzlich unterstützen möchte, kann man auch mit einer Geldspende einen großen Beitrag im Kampf gegen Leukämie leisten. Leider ist für die Typisierung der Stammzellspender in unserem Gesundheitssystem keine Finanzierung vorgesehen. Da aber bei jeder Typisierung Kosten in Höhe von ca. 40 € anfallen, ist die Deutsche Stammzellspenderdatei immer auch auf die finanzielle Unterstützung von außen angewiesen. Denn nur so kann die DSSD eine Registrierung unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten eines jeden potentiellen Spenders ermöglichen und ist dankbar für jede Spende.

Unterstütze uns im Kampf gegen Blutkrebs, indem man sich als Stammzellspender registrieren lässt oder bei der Organisation von Typisierungsaktionen hilft. Denn so kann man einen wertvollen Beitrag leisten, damit immer mehr Patienten passende Spender finden.

tags: #eie #viel #ruckenmark #kann #man #spenden