Plexus und Ganglion: Definitionen, Funktionen und klinische Bedeutung

Einführung

Im menschlichen Körper bilden Leitungsbahnen wie Gefäße und Nerven komplexe Verflechtungen, die als Plexus bezeichnet werden. Ein Ganglion hingegen ist eine Schwellung in der Nähe eines Gelenks. Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über die Definitionen, Funktionen und klinischen Aspekte von Plexus und Ganglion.

Plexus: Ein Netzwerk von Leitungsbahnen

Ein Plexus ist ein Netzwerk oder eine Verflechtung von einzelnen Leitungsbahnen im Körper. Dazu gehören Arterien und Venen sowie Lymphgefäße und Nerven. Ähnlich wie in einem elektrischen Verteilerkasten winden sich Nervenplexus durch den Körper.

Arten von Plexus

Man unterscheidet zwischen Nervenplexus und Gefäßplexus. Die Nervenplexus lassen sich wiederum in somatische und vegetative Plexus unterteilen. Die Gefäßplexus können in venöse und arterielle sowie gemischte Plexus unterteilt werden. Arteriellen Plexus dienen der Blutversorgung des Areals, während venöse Plexus weitere Aufgaben wie die Oberflächenvergrößerung übernehmen.

Nervenplexus

Die Spinalnerven treten entlang der Wirbelsäule jeweils aus ihrem Rückenmarkssegment heraus. Ihre Nervenfasern verbinden sich untereinander netzförmig neu und ziehen zu ihrer Zielregion. Dadurch werden in der Nähe des Rückenmarks alle Nerven gebündelt, die einen bestimmten Bereich des Körpers versorgen. Sie führen Fasern für das somatische Nervensystem, welches alle bewussten und willentlich beeinflussbaren Vorgänge steuert.

Plexus cervicalis

Der Plexus cervicalis ist ein Nervengeflecht, welches aus den ventralen (vorderen) Ästen der zervikalen Spinalnerven (C1 bis C5) entsteht. Sensorisch innerviert das Geflecht die Hals- und Nackenregion, während seine motorischen Anteile etwa die infrahyoidale Muskulatur und das Zwerchfell innervieren. Zu den motorischen Ästen zählen die Ansa cervicalis, der Nervus phrenicus, der Ramus sternocleidomastoideus und der Ramus trapezius. Seine sensiblen Äste umfassen den Nervus occipitalis minor, Nervus auricularis magnus, Nervus transversus colli und die Nervi supraclaviculares.

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Plexus brachialis

Der Plexus brachialis bildet sich aus den ventralen Ästen der Spinalnerven von C5 bis Th1. Sie lagern sich zu drei Primärstämmen aneinander, woraus sich einerseits die Nerven des Pars supraclavicularis über dem Schlüsselbein (Clavicula) erstrecken, andererseits aber auch die Nerven der Pars infraclavicularis. Im Plexus brachialis verlaufen alle motorischen Fasern und nahezu alle sensorischen Fasern der oberen Extremität.

Die Rami ventrales der Zervikalwurzeln C5 bis T1 mit kleinen Anteilen von C4 und T2 bilden den Plexus brachialis. Zunächst formieren sich diese Segmentnerven in Höhe der Mm. scaleni anteriores et medius zu den Trunci superior, medius und inferior. Diese noch sehr eng beieinander liegenden Fasern können mit der interskalenären Blockade zuverlässig anästhesiert werden. In Höhe der Klavikula teilt sich jeder Truncus in einen ventralen und dorsalen Anteil - diese bilden die sog. Divisiones anteriores et posteriores. Der Fasciculus lateralis entsteht aus dem Truncus superior und Truncus medius; er flankiert lateral die A. axillaris. Der Fasciculus medialis entsteht aus dem Truncus inferior und liegt medial der A. axillaris. Der Fasciculus posterior entsteht aus dorsalen Anteilen (Divisiones dorsales) aller 3 Trunci und verläuft hinter der A. axillaris.

Im Verlauf des gesamten Plexus brachialis gehen zusätzliche Nervenäste ab, die hauptsächlich die Schultergürtelmuskulatur innervieren. Die tiefe Halsfaszie umhüllt den Plexus brachialis, nimmt die A. axillaris und später die V. axillaris in eine gemeinsame Faszienscheide auf und zieht als sog. Gefäß-Nerven-Scheide bis in die Axilla. Innerhalb der Gefäß-Nerven-Scheide verlaufen wabenförmige, von Flüssigkeit leicht durchdringbare Septen. Nach distal bekommt die Gefäß-Nerven-Scheide eine zunehmend derbe Konsistenz. Der N. axillaris verlässt noch oberhalb der Axilla die Gefäß-Nerven-Scheide und zieht durch die laterale Achsellücke nach dorsal. Der N. musculocutaneus verlässt die Gefäß-Nerven-Scheide weit proximal in der Axilla und zieht durch den M. coracobrachialis. Der N. medianus liegt ventral der A. axillaris. Der N. ulnaris liegt medial und dorsal der A. axillaris. Der N. radialis liegt hinter und teilweise lateral der A. axillaris. Die V. axillaris verläuft oft medial der A.

Die Plexusbildung zeigt zahlreiche individuelle Varianten; ein Grundplan ist jedoch immer erkennbar.

Plexus lumbalis und sacralis

Der Plexus lumbalis und sacralis lassen sich auch zum Plexus lumbosacralis zusammenfassen. Er innerviert die untere Extremität und entsteht aus den Rami anteriores der Spinalnerven von Th12 bis S4. Der Plexus lumbalis versorgt motorisch die untere Bauchmuskulatur und die vordere Seite des Oberschenkels. Sensibel innerviert er den Unterbauch, die Genitalregion und den vordere Oberschenkel. Der Plexus sacralis innerviert die untere Extremität und das Becken.

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Vegetative Nervenplexus

Aus den Fasern des vegetativen Nervensystems entstehen die vegetativen Nervenplexus. Das vegetative System umfasst die unwillkürlichen, autonomen Vorgänge im Körper, die ohne die bewusste Steuerung vom Gehirn ablaufen.

Plexus coeliacus

Der Plexus coeliacus ist ein dichter Nervengeflecht (Plexus) im oberen Abdomen, das zum vegetativen Nervensystem gehört. Der Plexus coeliacus gehört zu den prävertebralen Nervengeflechten, die sich im Bereich der großen abdominellen Gefäße befinden. Die Hauptaufgabe des Plexus coeliacus besteht in der autonomen Steuerung der Bauchorgane. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Funktion ist die Umschaltung von präganglionären auf postganglionäre sympathische Nervenfasern.

Präganglionäre sympathische Fasern, die aus dem thorakalen Rückenmark stammen, erreichen den Plexus coeliacus über die Nervi splanchnici major und minor. Hier werden sie auf postganglionäre Fasern umgeschaltet, die direkt zu den Bauchorganen ziehen und dort ihre Wirkung entfalten. Der Plexus coeliacus spielt eine zentrale Rolle in der Übermittlung viszeraler Schmerzen. Über seine sensorischen Anteile leitet er Schmerzreize von den Organen des oberen Abdomens an das zentrale Nervensystem weiter. Diese viszeralen Schmerzen sind häufig diffus und schwer lokalisierbar, da sie über dieselben neuronalen Bahnen wie somatische Schmerzen projiziert werden können.

Der Plexus coeliacus setzt sich aus sympathischen Fasern des Nervus splanchnicus major und den parasympathischen Fasern des Nervus vagus zusammen. Topographisch findet er sich um den Truncus coeliacus, die Arteriae phrenicae inferiores und die Arteria mesenterica superior sowie die Arteriae renales.

Die zentrale Struktur des Plexus bilden die Ganglia coeliaca. Diese paarig angelegten Ganglien sind die Hauptumschaltstation für präganglionäre sympathische Fasern. Die genaue Größe und Form der Ganglia coeliaca können individuell variieren, doch sie befinden sich meist symmetrisch zu beiden Seiten der Aorta und sind in das dichte Netzwerk des Plexus coeliacus eingebettet. Wichtig ist jedoch herauszustellen, dass über diese Ganglien ausschließlich sympathische Fasern verschaltet werden. Die parasympathischen Fasern des Nervus vagus verlaufen zwar durch den Plexus, ziehen aber direkt zu ihren Zielorganen.

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Der Plexus coeliacus versorgt alle großen Organe des Oberbauchs mit sympathischen und parasympathischen Nervenfasern.

Plexus mesentericus superior und inferior

Der Plexus mesentericus superior besteht aus sympathischen Fasern des Nervus splanchnicus minor, wobei der Nervus vagus auch hier die parasympathischen Fasern beisteuert. Er innerviert beispielsweise den größten Teil des Dünndarms und des Colons und das Pankreas. Die sympathischen Nervi splanchnici lumbales bilden gemeinsam mit den parasympathischen Nervi splanchnici pelvis den Plexus mesentericus inferior.

Plexus solaris

Der Plexus coeliacus und der Plexus mesentericus superior bilden gemeinsam den Plexus solaris, umgangssprachlich als Solarplexus bekannt. Zu ihnen fügen sich noch parasympathische Fasern des Nervus vagus an, während die anderen beiden Plexus sympathische Fasern über den Nervus splanchnicus major und Nervus splanchnicus minor führen. Er befindet sich hinter dem Magen und der Bursa omentalis, direkt vor den Schenkeln des Zwerchfells auf Höhe des ersten Lendenwirbelkörpers. Funktionell dient er der Steuerung der Aktivität des Gastrointestinaltrakts. Darunter fällt beispielsweise die Darmperistaltik. Das Geflechtsystem reagiert sehr sensibel auf mechanische Einwirkungen. Bei starker mechanischer Irritation, etwa durch einen Schlag, lösen die Fasern des Nervus vagus und der Nervi splanchnici major und minor Übelkeit, Blutdruckabfall und Ohnmacht aus. Der Name lässt sich durch die aus mehreren Richtungen “einstrahlenden” Fasern begründen.

Weitere vegetative Nervenplexus

Im Körper existieren noch viele weitere organspezifische Nervenplexus, die sich jeweils aus sympathischen und parasympathischen Fasern zusammensetzen. Exemplarisch zu nennen sind hierbei etwa der Plexus cardiacus für das Herz, der Plexus pulmonalis für die Trachea, Bronchien und pulmonalen Gefäße oder der Plexus oesophagus für die Speiseröhre (Ösophagus).

Gefäßplexus

Gefäße können sich über Anastomosen zusammenschließen und dabei Geflechte bilden. Sie versorgen ein definiertes Gewebsareal oder drainieren es.

Arterielle Gefäßplexus

Netzwerke arterieller Gefäße bilden Arteriengeflechte. Es existieren zahlreiche solcher Verbindungen im Körper, die unmöglich hier alle aufgezählt werden können. Ein Beispiel ist der Circulus arteriosus cerebri. Dieser bildet einen geschlossenen Arterienkreis, der das gesamte Hirn versorgt und Arterienausfälle teilweise kompensieren kann. Das Blut führen im vorderen Abschnitt die Arteriae carotis internae und im hinteren Abschnitt die Arteriae vertebrales zu.

Venöse Gefäßplexus

Venengeflechte bestehen aus anastomosierten venösen Gefäßen und erfüllen außer dem Rücktransport des Blutes noch andere Aufgaben. Der Plexus pampiniformis beispielsweise bildet sich aus Venen des Hodens und Nebenhodens, wobei der Plexus venosus ovaricus das weibliche Äquivalent darstellt. Er drainiert das Blut aus dem Hoden und ist essentiell für die Temperaturregulation, da er nach dem Gegenstromprinzip arbeitet.

Ganglion: Eine Schwellung in Gelenknähe

Mit Ganglion bezeichnen wir eine Schwellung (Aussackung) in der Nähe eines Gelenkes. Bedingt ist das Ganglion durch eine Verbindung zur Kapsel des Gelenkes. Typischerweise fühlt sich das Ganglion durch die Gelenkflüssigkeit. Das Ganglion bereitet dem Patienten Schmerzen durch die Raumforderung und die Verdrängung von gesundem Gewebe.

Das Ganglion entsteht sehr oft an der Streckseite des Handgelenkes und findet sich häufig bei jungen Frauen. Sehr selten entsteht ein Ganglion durch eine vorangegangene Verletzung. Ursächlich sind aber auch arthrotische Veränderungen welche zu einer vermehrten Bildung von Gelenkflüssigkeit in führen und nachfolgend ein Ganglion ausbilden wie zum Beispiel an der Streckseite des Endgelenkes der Finger.

Zu Beginn der Erkrankung kann es in einigen Fällen zur spontanen Rückbildung des Ganglions kommen. Bei längerzeitigem Bestehen des Ganglions, Zunahme der Größe und vor allen Dingen bei zunehmenden Schmerzen wird die operative Versorgung mit Entfernung des Ganglions empfohlen. Intraoperativ wird darauf geachtet die schmale Verbindung zum Gelenk darzustellen und zu unterbinden um das Wiederauftreten (Rezidiv) zu vermeiden. Die Operation am Finger erfolgt in Oberst Leitungsanästhesie, die operative Versorgung bei Ganglien am Handgelenk erfolgt in i.v.

Klinische Bedeutung von Plexus und Ganglion

Plexusblockaden

Klinisch kann die anatomische Grundlage der Plexus gut für die Technik der Plexusblockaden genutzt werden. Dabei wird im Rahmen der Regionalanästhesie der entsprechende Plexus mittels eines lokalem Betäubungsmittel betäubt. Dieses Verfahren findet vorwiegend bei operativen Eingriffen seine Anwendung.

Regionalanästhesie

Die Regionalanästhesie beschreibt ein Verfahren, das es ermöglicht, selektiv den Schmerz einer bestimmten Körperregion auszuschalten. Dabei unterscheidet man zwischen Leitungsanästhesie oder intravenöser Regionalanästhesie. Bei der axillären Plexusblockade wird der Plexus brachialis auf Ebene der Endäste blockiert. Dadurch wirkt die Betäubung auf den Nervus radialis, Nervus medianus, Nervus ulnaris, Nervus musculocutaneus und den Nervus cutaneus antebrachii medialis. Diese Methode findet Einsatz bei schmerzhaften Prozeduren an der Hand oder Unterarm, etwa bei Operationen, einer Fasziotomie oder Dekompression. Sie eignet sich ausdrücklich nicht für Eingriffe am Oberarm, da der Nervus axillaris durch diese Methode nicht betäubt wird.

Das eigentliche Vorgehen der Betäubung geschieht meist mit Hilfe von Ultraschall. Hierüber kann man Leitstrukturen erkennen, die der Identifikation der Nerven dienen. Bei der klassischen Blockade werden die Nerven einzeln aufgesucht und umspült, wobei man mit den tief gelegenen Nerven anfängt. Eine selten genutzte Alternative stellt die perivaskuläre Plexusblockade dar, bei der das Lokalanästhetikum einmalig dorsal der Arteria axillaris gespritzt wird, ohne das Aufsuchen der einzelnen Nerven.

Nach dem gleichen Prinzip lassen sich über den interskalenären Anteil des Plexus brachialis die Rückenmarkssegmente C5 bis C7 und etwas unsicherer die umgebenden Segmente betäuben. Dieser Anteil liegt zwischen dem Musculus scalenus anterior und medius. Die Methode findet Einsatz bei Eingriffen an der Schulter, dem lateralen Schlüsselbein oder dem proximalen Humerus. Auch hier erfolgt der Eingriff mit sonographischer Unterstützung.

Eine Regionalanästhesie der unteren Extremität ist mittels der Femoralisblockade möglich. Dabei blockiert man den Nervus femoralis als Ast des Plexus lumbalis nach dem Durchtritt durch die Lacuna musculorum. Dadurch betäubt man sensibel den ventralen und medialen Oberschenkel, das mediale Kniegelenk und den medialen Unterschenkel sowie den medialen Knöchel und Fuß. Der Nervus ischiadicus entspringt dem Plexus sacralis. Bei der Ischiadikusblockade wird er betäubt und damit eine sensible Blockade des lateralen Kniebereichs, Unterschenkels und beinahe des gesamten Fußes erreicht.

Spezifische Plexusblockaden im Detail

  • Interskalenäre Plexus-brachialis-Blockade: Bei der klassischen Technik wird die Nadel in Richtung auf den Querfortsatz des 6. HWK vorgeschoben. Eine Punktion der A. vertebralis muss vermieden werden. Eine Modifikation dieser Technik sieht einen höheren Zugang und einen flacheren Punktionswinkel vor. Hierdurch können o. g. Komplikationen reduziert werden. Durch die interskalenäre Plexusblockade wird eine sehr gute Anästhesie des unteren Plexus cervicalis erreicht. Nach Schulteroperationen sind starke postoperative Schmerzen häufig. Deshalb sollte bei Eingriffen an der Schulter großzügig die Kathetertechnik angewendet werden. Die interskalenäre Blockade kann grundsätzlich als Monoverfahren durchgeführt werden. Die Gelenkkapsel der Schulter wird sensibel von Nervenästen der Nn. axillaris, suprascapularis, subscapularis, pectoralis lateralis und selten von Anteilen des N. musculocutaneus innerviert.

    Zwischen dem M. scalenus anterior und M. scalenus medius ziehen die 3 Trunci oberflächennah durch die hintere Skalenuslücke nach distal. Unmittelbar vor den Trunci verläuft die A. subclavia. Anteromedial des Truncus inferior und posteromedial der A. subclavia befindet sich bereits die Pleurakuppel. Die prävertebrale Faszie umschließt hier neben dem Plexus brachialis die Mm. scaleni anteriores et medius und bildet im weiteren Verlauf - mit der A. subclavia - die Gefäß-Nerven-Scheide.

    Die Punktionsstelle liegt in Höhe der Incisura thyroidea superior und am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus; dies ist oberhalb der Stelle, an der die V. jugularis externa sehr häufig die hintere Skalenuslücke kreuzt. Die Stichrichtung verläuft kaudal, diskret dorsal und lateral in Richtung auf den Übergang vom mittleren zum lateralen Drittel der Klavikula. Bei Stimulation des N. phrenicus (Zwerchfellkontraktion) muss die Stichrichtung geringfügig nach lateral und dorsal korrigiert werden.

    Auch nach Applikation von 30 ml Lokalanästhetika werden Anteile des Truncus inferior - insbesondere der N. ulnaris und N. cutaneus (ante)brachii medialis - unzureichend anästhesiert. Zur Toleranz der Oberarmblutleere wird eine zusätzliche Blockade des N. cutaneus brachii medialis und der Nn. intercostobrachiales empfohlen.

    Zu den möglichen Komplikationen gehören Recurrensparese (6-8 %), Hypotension (10 %) und Gefäßpunktion (V. jugularis interna oder externa, A. vertebralis).

    Für die ultraschallgesteuerte Plexusblockade existieren zahlreiche Studiendaten. Die Lagerung und das prinzipielle Vorgehen unterscheiden sich nicht vom Vorgehen mit der elektrischen Nervenstimulation. Mit dem Linearschallkopf und einer Schallfrequenz >10 MHz sind die wenige Zentimeter unter der Haut liegenden Zielstrukturen gut darzustellen. Die Nervenstrukturen liegen unter der Faszia prävertebralis zwischen den Mm. scalenus anterior und medius und sind als monofaszikuläre, annähernd echofreie Rundstrukturen sicher zu erkennen. Der Schallkopf wird quer zum Nervenverlauf positioniert und durch Schieben und Ziehen im Längsverlauf des Plexus an die Position geführt, in der der Plexus am besten erreicht werden kann. Dieser Punkt liegt auf Höhe des Ringknorpels (C6). Um Nervenstrukturen sicher von Gefäßen unterscheiden zu können, ist der gezielte Wechsel zwischen Kompression und Dekompression mit dem Schallkopf oder die Anwendung des Farbdopplers sinnvoll. Zur Punktion kann die Kanüle entweder im Verlauf der Nerven nach distal in die Schallebene geführt werden („out of plane“) oder aber von lateral oder medial in der Schallebene eingebracht werden.

    Mit der visuellen Darstellung der Medikamentenausbreitung gelingt es, das injizierte Volumen stark zu reduzieren und damit die Häufigkeit der Mitblockade des ebenfalls unter der Faszia prävertebralis liegenden N. phrenicus zu minimieren.

  • Vertikale infraklavikuläre Plexus-brachialis-Blockade (VIB): Aus anatomischer Sicht bietet der infraklavikuläre Verlauf des Plexus brachialis einen ausgezeichneten Blockadeort, da alle 3 Faszikel noch dicht beieinander liegen.

    Die Punktionsstelle wird durch exakte Halbierung der Strecke (mittels Maßband) Mitte der Fossa jugularis - ventraler Akromionfortsatz identifiziert und markiert. Die Stichrichtung verläuft streng vertikal zur Unterlage (max. 30° nach kranial). Nach ca. 3-4 cm erfolgt die Stimulation des Plexus. Nach Auslösen von peripheren Muskelkontraktionen möglichst weit distal (Hand/Finger: Fasciculus medialis/Fasciculus posterior) erfolgt die Reduktion der Stromstärke bis zum Erreichen von ca. 0,5 mA.

    Eine Korrektur der Stimulationsnadel darf ausschließlich durch Zurückziehen unter Hautniveau und erneutes streng vertikales Vorschieben an anderer Stelle erfolgen. Wird bei der Punktion Blut aspiriert (A. oder V. axillaris), ist die Punktion zu medial.

    Zu den möglichen Komplikationen gehören Gefäßpunktion (A. subclavia, V. subclavia, V. axillaris) und Pneumothorax (0,2-0,7 %). Ohne eine hinreichende Indikation sollte die vertikal infraklavikuläre Blockade wegen der Pneumothoraxgefahr nicht bei ambulanten Eingriffen durchgeführt werden.

    Die ultraschallgesteuerte Durchführung der Blockade gelingt nur, wenn der Zugang leicht lateral des klassischen VIB-Punkts erfolgt, da anderenfalls das notwendige Schallfenster durch die Klavikula verschlossen ist. Es sind verschiedene Techniken beschrieben. Die 3 Faszikel des Plexus brachii verlaufen infraklavikulär posterior und lateral der A. axillaris.

    Für die Durchführung der infraklavikulären Plexusblockade wird üblicherweise ein Linearschallkopf verwendet. Er wird quer zum Nervenverlauf unterhalb der Klavikula in der Fossa infraclavicularis aufgesetzt. Die Identifikation der Zielstrukturen erfolgt durch langsames Ziehen, Schieben oder auch Kippen des Schallkopfs. Die Schallfrequenzen sind in Abhängigkeit von der Lagetiefe (2-5 cm) manchmal auf 7,5 MHz zu reduzieren. Im Gegensatz zur interskalenären Blockade sind die Nerven infraklavikulär multifaszikulär. Durch die sonographische Ähnlichkeit mit dem umgebenden Gewebe sind sie nicht so leicht zu identifizieren. Die begleitenden Gefäße und die häufig im Punktionsweg verlaufende V. cephalica sowie die atemverschieblichen Reflexe der Pleurablätter stellen sich jedoch eindeutig dar. Schallkopfnah sind die beiden Mm. pectoralis major und minor gut zu erkennen.

    Die rein sonographisch durchgeführte Blockade gelingt auch bei mangelhafter Nervendarstellung gut. Hauptidentifikationspunkt ist dann die A. axillaris. Die Kanülenspitze wird möglichst nahe an den posterioren Rand des Gefäßes platziert und das Lokalanästhetikum injiziert. Wenn das Lokalanästhetikum die A. axillaris von hinten umgibt, ist die Blockade regelhaft erfolgreich, da der zentrale Bereich des Plexus l (Fasciculus posterior) meist an diesem Punkt lokalisiert ist. Die Kombination mit der Elektrostimulation ermöglicht es, die Faszikel zu verifizieren.

  • Laterale infraklavikuläre sagittale Plexus-brachialis-Blockade (nach Klaastad): Für die infraklavikulären Blockaden existiert ein weiterer Zugangsweg, der erstmalig beschrieben wurde. Der Punktionsort ist durch die knöchernen Strukturen von Klavikula und Korakoid durch Palpation exakt identifizierbar. Grundlegende Untersuchungen zeigen, dass auch unmittelbar medial des Korakoids die große Nähe der 3 Faszikel zueinander vorhanden ist. Im Vergleich zum VIB liegt der Punktionsort nur wenige Zentimeter weiter lateral. Damit erhöht sich die Distanz zum knöchernen Thorax und folglich reduziert sich das Pneumothoraxrisiko. Im Gegensatz zum VIB erfolgt die Punktion nicht vertikal zum Plexus, sondern in…

Blockade des Plexus coeliacus

Eine interventionelle Therapieform bei chronischen Schmerzen ist die Blockade des Plexus coeliacus. Dabei wird unter Bildgebungskontrolle (etwa CT- oder Ultraschall-gestützt) ein Lokalanästhetikum oder ein Neurolytikum in die Nähe des Plexus injiziert. Diese Technik wird insbesondere bei Schmerzen aufgrund eines Pankreaskarzinoms oder anderer schwerer abdominaler Erkrankungen angewandt.

Pathologien im Bereich des Plexus coeliacus

Kompression oder Irritation: Tumoren, entzündliche Prozesse oder vaskuläre Veränderungen in der Umgebung des Plexus coeliacus können zu einer Kompression oder Irritation des Nervengeflechts führen. Viszeraler Schmerz: Chronische viszerale Schmerzen, wie sie zum Beispiel beim Pankreaskarzinom auftreten, werden häufig mit einer Überaktivierung der sympathischen Fasern im Plexus coeliacus in Verbindung gebracht.

Die Diagnose von Pathologien im Bereich des Plexus coeliacus erfolgt häufig mittels Bildgebung wie CT oder MRT.

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