Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. Obwohl die moderne Medizin Behandlungen zur Linderung der Symptome bietet, suchen viele Betroffene nach ergänzenden und alternativen Ansätzen, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Ayurveda und Yoga, zwei alte indische Gesundheitssysteme, bieten einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Parkinson, indem sie Körper, Geist und Seele in Einklang bringen.
Einführung in Ayurveda und Yoga
Ayurveda, wörtlich "Wissenschaft vom Leben", ist ein traditionelles indisches Medizinsystem, das seit über 3000 Jahren praktiziert wird. Es basiert auf dem Konzept der drei Doshas - Vata, Pitta und Kapha - die die grundlegenden Energien oder Prinzipien darstellen, die den menschlichen Körper und Geist steuern. Ein Ungleichgewicht dieser Doshas kann zu Krankheiten führen. Das Ziel des Ayurveda ist es, das Gleichgewicht der Doshas wiederherzustellen, um Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern.
Yoga, was Einheit und Stille bedeutet, ist ein weiteres altes indisches System, das Körper, Geist und Seele verbindet. Es umfasst körperliche Übungen (Asanas), Atemtechniken (Pranayama) und Meditation, um die körperliche und geistige Gesundheit zu verbessern. Yoga kann auf verschiedene Weise übersetzt werden, es bedeutet aber in erster Linie Einheit und Stille mit dem Ziel in Verbindung zu sich selbst zu kommen. Ashtanga bedeutet Acht und beschreibt den achtfachen Weg des Yoga. Dieser Weg beinhaltet verschiedene essentielle Punkte, die beispielsweise das soziale und ethische Verhalten, die Stärkung des Körpers durch Asanas, Meditation und auch Atemübungen (Pranayama) beschreiben. Auch im Ayurveda findet sich die Zahl Acht innerhalb der acht wichtigsten, beschriebenen Behandlungspfade wieder. Yoga ist somit der Weg zur Selbsterkenntnis und -vervollkommnung, während Ayurveda der Weg der Selbstheilung ist.
Im Westen verbinden die meisten Menschen mit Yoga vor allem Körperübungen, die sogenannten Asanas, und haben vielleicht Bilder im Kopf von Menschen, die im Lotussitz sitzen oder sich in andere ungewohnte Posen begeben. Diese Verbindung wird nicht nur durch die Bewegung des Körpers erreicht, sondern besonders auch geprägt durch das Verhalten im Alltag. Die Urform des Yoga findet sich im Ashtanga, aus dem sich zahlreiche weitere Yoga-Zweige abgeleitet haben und bis heute auch immer wieder neue - mehr oder weniger sinnvolle - entstehen.
Parkinson aus ayurvedischer Sicht
Ayurveda diagnostiziert die Parkinson-Krankheit als Störung des "Vata"-Prinzips in mehreren strukturellen und funktionellen Komponenten des Körpers. Auch wenn es Hinweise wie „Kampavata“ gibt - ein Zustand mit Zittern der Extremitäten, passt die Kombination aus Bradykinesie, Zittern, Rigor und Haltungsinstabilität besser zu einem Zustand - „Vata-Syndrom“.
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In der klassischen Literatur des Ayurveda wird der menschliche Körper unterteilt als ‚strukturelle Komponenten‘ (Dhatus), die sich auf verschiedene Organsysteme wie das Muskel-Skelett-System, das Nervensystem, das Kreislaufsystem usw. beziehen, sowie in ‚funktionelle Komponenten‘, die als „Agni” und „Doshas” bezeichnet werden. Der Begriff „Agni” bezieht sich sowohl auf das Verdauungs- als auch auf das Stoffwechselfeuer, und „Doshas” -Vata, Pitta und Kapha -beziehen sich auf das Konzept verschiedener biologische Energien.
Die vorherrschenden Eigenschaften von „Vata” sind Trockenheit, Leichtigkeit, Kälte, Rauheit, Feinheit und ständige Bewegung. Der erhöhte Zustand dieser Eigenschaften auf struktureller und funktioneller Ebene führt zu den klassischen Parkinson-Symptomen. Die Behandlung besteht daher darin, das erhöhte Vata und seine einzelnen Eigenschaften zu reduzieren sowie das Agni (Verdauungs- und Stoffwechselfeuer) mit allen Mitteln und Methoden zu stärken.
Ayurveda-Behandlungsansatz bei Parkinson
Unter Berücksichtigung der Chronizität, der strukturellen und funktionellen Beeinträchtigungen, die durch die Krankheit verursacht werden, sowie der grundlegenden Körperkonstitution des Einzelnen wird die Therapie von einem Ayurveda-Spezialisten verschrieben. Sie erfordert einen multimodalen Ansatz und kann als adjuvante Therapie zu den bestehenden Dopamin-Medikamenten durchgeführt werden. Der Ayurveda-Behandlungsansatz bei Parkinson umfasst in der Regel folgende Komponenten:
- Pflanzliche Arzneimittel: Ayurvedische Kräuter werden eingesetzt, um das neurologische Wohlbefinden zu fördern und die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Ashwagandha, Kapikachu, Brahmi, Shatavari, Guduchi und Triphala sind einige häufig verwendete Kräuter. Diese Kräuter verbessern die Lebensqualität aufgrund ihrer neuroprotektiven, antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung.
- Ayurvedische Ernährung: Der Schwerpunkt einer ausgewogenen ayurvedischen Ernährung liegt auf vollwertigen Lebensmitteln, die leicht verdaulich, nahrhaft und förderlich für die allgemeine Gesundheit sind. Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten können reichhaltige, nahrhafte Lebensmittel wie gekochte Getreideprodukte, Suppen, Eintöpfe, Gemüse und Kräutertees umfassen. Maßvoller Verzehr, achtsames Essen und geeignete Mahlzeitenkombinationen.
- Lebensstil, Yoga, Meditation: Ayurveda legt großen Wert auf die Bedeutung einer Änderung des Lebensstils, um die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern. Patienten wird empfohlen, einen regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten, sich ausreichend auszuruhen und zu schlafen, leichte Yoga-Übungen und Pranayama (Atemübungen) zu praktizieren. Kurze Meditationen helfen dabei, eine optimistische Einstellung und emotionale Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.
- Panchakarma-Therapie: Die Ayurveda-Panchakarma-Therapie kann zusammen mit der bestehenden therapeutischen Methode durchgeführt werden und trägt dazu bei, die Wirkung verschiedener Medikamente zu verstärken. Das Ziel der Panchakarma-Behandlung ist es, den Stoffwechsel zu stärken, angesammelte Giftstoffe (Ama) auszuscheiden und die Doshas wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Panchakarma umfasst Ölmassagen (Abhyanga), Kräuterdampfbäder, verschiedene Arten von Stempelmassagen, Matravasthi (Öl-Einlauf), Virechana (Abführen), Nasya (Inhalation von medizinischen Ölen) usw. als Beispiele für Behandlungen. Nach einer ausführlichen Erstkonsultation wird ein Therapieplan erstellt und die einzelnen Behandlungen werden nach einer kurzen Überprüfung des Fortschritts täglich geplant. Die Dauer von Panchakarma variiert je nach Zustand und Konstitution des Einzelnen.
Yoga als ergänzende Therapie bei Parkinson
Yoga kann eine wertvolle ergänzende Therapie für Menschen mit Parkinson sein. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges Yoga die motorischen Fähigkeiten verbessern, die Muskelsteifheit reduzieren, das Gleichgewicht fördern und die Lebensqualität steigern kann. Yogaübungen verfolgen heute meist einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Geist und Seele durch einen kontrollierten Atem und eine Fokussierung auf die Konzentration in Einklang bringen soll. Eine Yoga-Unterrichtseinheit vereint Asanas, Phasen der Tiefenentspannung, Atem- sowie Meditationsübungen. Ziel ist es, mehr Lebensenergie zu sammeln und einen Zustand innerer Gelassenheit zu erreichen.
Den Parkinsonkranken kommt den Studien zufolge dabei zugute, dass bei den Übungen Kraft, Flexibilität, Gleichgewichtssinn und Muskelausdauer zeitgleich trainiert werden. So verbessern sich das Aktivitätsniveau, die Funktions- und Widerstandsfähigkeit von Muskeln, Sehnen, Bändern sowie die Durchblutung von Blut- und Lymphgefäßen.
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Geeignete Yoga-Übungen für Parkinson-Patienten:
- Sonnengruß (Surya Namaskar): Der Sonnengruß wärmt den ganzen Körper auf, dehnt die Körpervorder- und rückseite, Arme und Beine, und sorgt für einen tiefen Atemstrom. Er mobilisiert die Gelenke und regt die Verdauungskraft an. Somit ist Surya Namaskar eine Übung, die die Sonnenenergie in uns aktiviert. Denn aktivierende Energie findet sich ebenso in uns, in der Körpermitte, im Solarplexus wieder. Im Yoga spielen die Koordination und das Zusammenführen von Atmung und Bewegung eine sehr große Rolle. Das bewusste Lenken der Atmung in Synchronisation zu den Asanas vertieft den Effekt und stellt gleichzeitig eine gute Konzentrationsübung dar. Nach einer Runde Sonnengrüße tritt ein angenehm vitales Gefühl im Körper ein. Traditionell wird nach Osten ausgerichtet zur aufgehenden Sonne hin geübt. Der immer gleiche Bewegungsablauf des Sonnengrußes symbolisiert hierbei den Verlauf der Sonne innerhalb eines Tages. Die Abfolge ist dynamisch und eher zügig und eignet sich am Morgen perfekt, um den Körper aufzuwecken und das Verdauungsfeuer Agni anzuregen. Geübt werden dabei 12 Asanas in fließender Form. Anders als im heutigen Indien häufig üblich, empfiehlt der Maharishi Ayurveda die Positionen ruhig und gleichmäßig auszuführen und die einzelnen Stellungen mindestens 5 sec. Der Sonnengruß kann sooft hintereinander geübt werden, wie man möchte. In Indien und überall auf der Welt werden von Yogis zu besonderen Anlässen, wie der Beginn des neuen Jahres, 108 Sonnengrüße geübt, denn die Zahl 108 hat eine heilige Bedeutung. Bereits die Upanishaden, einem Teil der klassischen vedischen Texte, bestehen aus 108 einzelnen Texten.
- Stehhaltungen (z.B. Kriegerhaltungen, Dreieck): Stehhaltungen wie Virabhadrasana I und II (Krieger) sowie Trikonasana (Dreieck), die mit großen Armbewegungen kombiniert werden können, um das Gleichgewicht zusätzlich zu stärken. Bei Bedarf kann man sich an einem Stuhl oder an der Wand festhalten. Auf diese Weise kräftigt man die Beinmuskulatur, verbessert die Flexibilität der Hüften und fördert die Aufrichtung und Stabilität des Oberkörpers.
- Sitzende und liegende Übungen: Im fortgeschrittenen Stadium 5 liegt der Schwerpunkt auf dem Erhalt der Vitalfunktionen und der Vermeidung von Kontrakturen. Geeignet sind hier Übungen im Sitzen auf einem Stuhl oder in der Rückenlage auf dem Boden, bei denen der Fokus auf der Atmung, insbesondere der Einatmung, liegt.
- Atemübungen (Pranayama): Eine betonte Einatmung hilft, die Energie ins Fließen zu bringen und kann Antriebslosigkeit, depressiver Verstimmung und der allgemeinen Bewegungsarmut entgegenwirken. Ein gutes Beispiel dafür ist Chandra Bedhana (Mondatmung): Diese Technik hat zugleich eine energetisierende und kühlende Wirkung und kann helfen, Unruhe zu reduzieren.
- Meditation: Meditation oder auch Yoga Nidra können die Entspannung fördern und sind ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Praxis.
Wichtige Hinweise für Yoga-Praktizierende mit Parkinson:
- Individuelle Anpassung: Die Yoga-Praxis sollte an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes Einzelnen angepasst werden. Es ist ratsam, mit einem erfahrenen Yoga-Lehrer zusammenzuarbeiten, der mit Parkinson vertraut ist.
- Sicherheit: Beim Yoga geht es also nicht darum, möglichst tief in eine Asana zu sinken und die eigenen Grenzen zu überschreiten, sondern nur so weit zu gehen, wie es für den eigenen Körper angenehm ist. Mit dieser Grundhaltung schützen Sie sich vor Verletzungen und Zerrungen. Am besten übt es sich auf leeren Magen, also zum Beispiel morgens vor dem Frühstück. Zwingen Sie sich nie in eine Position durch Ziehen oder Nachfedern. Besonders am Morgen sind Gelenke und Faszien noch recht steif und sollten daher nicht überstrapaziert werden. Häufig lässt sich in den warmen Monaten eine bessere Beweglichkeit beobachten, als im Winter. Finden Sie Ihr eigenes Tempo und Ihren eigenen Atemrhythmus. Üben sie langsam und ruhig, in dem Sie in jeder Haltung 5 Sekunden oder mehr verweilen. Versuchen Sie so gut wie möglich, das Ein- und Ausatmen mit den Bewegungen zu verbinden. Nach kurzer Zeit wird sich der richtige Atemrhythmus ganz von selbst einstellen.
- Regelmäßigkeit: Regelmäßiges Üben ist entscheidend, um die Vorteile von Yoga bei Parkinson zu erfahren.
Prävention nach Ayurveda
Die Ursache der Parkinson-Krankheit ist noch unklar, aber es wird angenommen, dass Umweltfaktoren und Genetik eine Rolle spielen. Forscher versuchen, Methoden zu finden, um die Parkinson-Krankheit zu verhindern oder ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Um Parkinson mit Ayurveda zu behandeln, sollten Sie sich in erster Linie mit dessen Ursachen auseinandersetzen. Anders als in der Schulmedizin, die ihren Fokus auf das Behandeln einzelner Symptome des Patienten legt, setzt Ayurveda ganzheitlich an den Auslösern der Krankheit an. Dabei spielt der Ausgleich der Doshas eine zentrale Rolle. Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Vata oder Kapha Dosha kann für das unangenehme Zittern, die Muskelsteifheit oder Bewegungsstörungen verantwortlich sein.
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