"Vergiss mein nicht": Wenn die Mutter an Alzheimer erkrankt – Eine Auseinandersetzung mit Demenz, Liebe und Akzeptanz

Die Alzheimer-Krankheit ist eine der größten Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft. Sie raubt den Betroffenen ihre Erinnerungen, ihre Persönlichkeit und letztendlich ihre Selbstständigkeit. Doch was bedeutet es für die Angehörigen, wenn ein geliebter Mensch an Demenz erkrankt? Der Dokumentarfilm "Vergiss mein nicht" und die Erfahrungen anderer Betroffener geben einen Einblick in die komplexen emotionalen und praktischen Aspekte dieser Erkrankung.

Der Film "Vergiss mein nicht": Eine persönliche Auseinandersetzung mit der Krankheit

Der Dokumentarfilmer David Sieveking kehrt für einige Wochen in sein Elternhaus zurück, um seinen Vater Malte zu unterstützen, der seine Frau Gretel pflegt. Gretel leidet an Alzheimer, und Malte ist durch die Pflege erschöpft. Sieveking nutzt die Zeit, um das Leben seiner Mutter anhand von alten Fotos, Filmen und Archivmaterial zu rekonstruieren.

Gretel war eine bemerkenswerte Frau: politisch engagiert, sprachgewandt und mit einer eigenen Fernsehsendung. Doch die Krankheit verändert sie. Sie vergisst, erkennt ihr Zuhause nicht wieder und verliert zunehmend die Fähigkeit, sich auszudrücken.

Eine Szene im Film verdeutlicht die Problematik des Films: Vater Malte berichtet vor der Kamera über Gretels Tagebücher, während sie daneben steht und offenbar nicht versteht, was gerade geschieht. Darf man einen Menschen, der das nicht mehr versteht, im Film zeigen, bis hin zur Offenbarung von Tagebuchinhalten? Die Frage wird nicht weniger brisant, wenn es um die eigene Mutter geht, eher umgekehrt.

Sieveking stellt sich der Frage, inwieweit er seine Mutter im Film zeigen darf, ohne sie bloßzustellen. Er betont, dass er jegliches Vorführen vermeiden wollte, doch die Natur des Films führt dazu, dass Gretel im Kino gezeigt wird, ohne dass sie dies verstehen oder beurteilen kann.

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Trotz dieser ethischen Bedenken ist "Vergiss mein nicht" vor allem ein Liebesfilm. Er zeigt, wie die Familie mit der Krankheit umgeht, wie sie versucht, Gretel ein würdevolles Leben zu ermöglichen, und wie die Liebe zwischen den Familienmitgliedern trotz allem bestehen bleibt.

Die Realität der Alzheimer-Krankheit: Ein Blick auf die Betroffenen und ihre Angehörigen

Die Erfahrungen von David Sieveking spiegeln die Realität vieler Familien wider, die mit Alzheimer konfrontiert sind. Die Pflege eines demenzkranken Menschen ist eine große Herausforderung, die oft mit Überforderung und emotionaler Belastung einhergeht.

Ein Beispiel ist Martin Brömer, dessen Mutter ebenfalls an Alzheimer erkrankt ist. Er beschreibt eindrücklich die Schwierigkeiten, mit denen er konfrontiert ist: die zunehmende Vergesslichkeit seiner Mutter, ihre Angst und Verwirrung, die Organisation der Pflege und die emotionalen Belastungen, die damit einhergehen.

Brömer berichtet von dem Moment, als er seine Mutter leblos in ihrer Wohnung fand, nachdem sie gestürzt war. Er musste sie in ein Seniorenheim bringen, obwohl er ihr versprochen hatte, sich zu Hause um sie zu kümmern. Dieser Schritt fiel ihm schwer, doch er erkannte, dass er die Pflege nicht mehr alleine bewältigen konnte.

Reisen mit Demenz: Eine Möglichkeit, Lebensqualität zu erhalten

Entgegen der landläufigen Meinung, dass Demenzkranke nicht reisen sollten, zeigt "Vergiss mein nicht", dass Reisen eine Möglichkeit sein kann, die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Sieveking reist mit seiner Mutter nach Stuttgart und in die Schweiz, wo sie neue Erfahrungen macht und aufblüht.

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Auch Lukas Sam Schreiber, dessen Mutter Claudia Schreiber an Alzheimer erkrankt ist, hat positive Erfahrungen mit Reisen gemacht. Er begleitete seine Mutter auf eine Reise auf die Südseeinsel Aitutaki und produzierte darüber den Podcast "Aitutaki Blues".

Schreiber betont, dass das Herz keine Demenz hat. Auch wenn seine Mutter sich nicht mehr an alles erinnern kann, liebt sie ihn und seinen Bruder noch genauso wie früher. Die Reise hat ihm gezeigt, dass es wichtig ist, nach guten Momenten zu suchen und die Zeit mit seiner Mutter bewusst zu genießen.

"Stay away from Gretchen": Eine fiktionale Auseinandersetzung mit Alzheimer

Neben den Dokumentarfilmen und Erfahrungsberichten gibt es auch fiktionale Werke, die sich mit dem Thema Alzheimer auseinandersetzen. Ein Beispiel ist der Roman "Stay away from Gretchen" von Susanne Abel.

Der Roman erzählt die Geschichte von Greta, die im Alter von 84 Jahren an Alzheimer erkrankt. Ihr Sohn Tom kümmert sich um sie und versucht, ihre Vergangenheit zurückzubringen. Die Autorin wechselt zwischen Gretas Kindheit und Jugendzeit und der Gegenwart hin und her und beleuchtet dabei auch die historischen Hintergründe.

"Stay away from Gretchen" ist ein emotionaler Roman, der die Leser tief berührt. Er zeigt die Herausforderungen, mit denen Demenzkranke und ihre Angehörigen konfrontiert sind, aber auch die Liebe und Zuneigung, die trotz allem bestehen bleibt.

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