Einschlafen bei Migräne: Ein umfassender Leitfaden

Schlaf und Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Viele Migränepatienten kennen das Szenario: Die Wochenendplanung mit Ausschlafen, Zeitunglesen und einem Restaurantbesuch wird durch einen Migräneanfall zunichte gemacht. Stattdessen heißt es: bei zugezogenen Vorhängen und mit hämmernden Kopfschmerzen ins Bett. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Schlaf und Migräne, um Betroffenen zu helfen, besser mit dieser Herausforderung umzugehen.

Die wechselseitige Beziehung zwischen Schlaf und Migräne

Schlaf und Kopfschmerzen stehen in einem wechselseitigen Verhältnis, was durch Beobachtungen bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen oder Migräne, sowie durch Studien und Befragungen belegt wird. Eine schlechte Schlafqualität kann das Entstehen von Kopfschmerzen oder gar Migräne begünstigen. Umfragen zeigen, dass schlechter Schlaf nach Stress die zweithäufigste Ursache für Kopfschmerzen ist.

Schlafstörungen als Ursache und Folge von Migräne:

  • Schlechter Schlaf als Auslöser: Zu wenig oder zu viel Schlaf, unregelmäßiger Schlaf und Tagschlaf können einen Migräneanfall triggern.
  • Migräne als Schlafstörer: Ein Migräneanfall kann sich negativ auf die Schlafqualität auswirken und einen Teufelskreis in Gang setzen.

Schlafbezogene Kopfschmerzarten

Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die mit dem Schlaf in Verbindung stehen:

  • Hypnic Headache ("Wecker-Kopfschmerz"): Eine seltene Kopfschmerzform, bei der die Beschwerden immer zur gleichen Zeit in der Nacht auftreten.
  • Kopfschmerzen bei Schlafapnoe: Durch nächtlichen Sauerstoffmangel und einen Anstieg des intrakraniellen Drucks können Kopfschmerzen entstehen.
  • Weckerkopfschmerz: Eine seltene primäre Kopfschmerzart, die ausschließlich aus dem Schlaf heraus auftritt und typischerweise erst in höherem Lebensalter beginnt.

Vestibuläre Migräne und Schlaf

Forscher haben den Schlaf bei Migräne mit Schwindel (vestibuläre Migräne) untersucht und mit Migränepatienten ohne Schwindelsymptome und gesunden Kontrollen verglichen. Vestibuläre Migräne ist eine Migräne, deren direkt vorangehendes Symptom Schwindel ist. Die Ergebnisse zeigten, dass Teilnehmer mit vestibulärer Migräne häufiger eine schlechte Schlafqualität aufwiesen, die zudem stärker beeinträchtigt war. Auch die Schlafeffizienz war niedriger, und es gab weniger REM- und Tiefschlaf.

Anzeichen einer Migräne

Migräne ist mehr als "nur" Kopfschmerzen. Die Anfälle können mit anderen Symptomen einhergehen:

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  1. Aura: Sehstörungen wie Lichtblitze oder blinde Flecken. Bei etwa mehr als einem Drittel der Menschen mit Auren treten Hörstörungen wie Tinnitus (Ohrgeräusche), Musik oder Geräusche auf. Bei etwa 10 % der Betroffenen kommt es zu sprachlichen Veränderungen.
  2. Stimmungsschwankungen: Depression, Reizbarkeit oder Aufregung können ein Anzeichen für Migräne sein und in der Prodromalphase beginnen.
  3. Mangel an erholsamem Schlaf: Müdes Aufwachen oder Einschlafprobleme sind keine Seltenheit.
  4. Verstopfte Nase und laufende Nase: Diese Symptome führen häufig dazu, bei den Betroffenen Sinuskopfschmerzen zu diagnostizieren.
  5. Heißhunger: Ein häufiges Verlangen ist Schokolade. Heißhunger kann auch ein Zeichen für die Prodromalphase sein.
  6. Pochende Schmerzen: Pulsierende Schmerzen auf einer oder beiden Seiten des Kopfes sind ein klassisches Anzeichen für Migräne.
  7. Nackenschmerzen: "Mein Nacken wird steif, und dann bekomme ich Kopfschmerzen."
  8. Häufiges Urinieren: Wenn Sie häufig urinieren müssen, kann das ein Zeichen für eine bevorstehende Migräne sein.
  9. Gähnen: Übermäßiges Gähnen ist ein weiterer Hinweis darauf, dass sich eine Migräne ankündigt.
  10. Taubheitsgefühl oder Kribbeln: Manche Menschen mit Migräne haben sensorische Auren.
  11. Übelkeit oder Erbrechen: Nach der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) kann eine Migräne ohne Aura nur dann diagnostiziert werden, wenn entweder eine Kombination von Übelkeit und/oder Erbrechen oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit auftritt.
  12. Licht- und Geräuschempfindlichkeiten: Während eines Migräneanfalls neigt der Betroffene dazu, sich an einen dunklen, ruhigen Ort zu begeben.
  13. Schwierigkeiten beim Sprechen: Sprachschwierigkeiten können ein weiteres Anzeichen dafür sein, dass eine Migräne im Anmarsch ist.
  14. Schwäche auf einer Seite des Körpers: Wenn ein Arm schlaff wird, kann das ein Anzeichen für eine Migräne sein.
  15. Schwindel oder Doppeltsehen: Eine Art von Migräne, die auch als Basilar-Migräne bezeichnet wird, verursacht Aura-Symptome im Hirnstamm.

Schlafhygiene und Migräne

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus ist entscheidend für Migränepatienten. Unser Körper wird täglich von einem inneren Taktgeber kontrolliert, der Nahrungsaufnahme und Verdauung, Erholung und Aktivität sowie Schlaf- und Wachzeiten anpasst. Ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann zu Migräne führen.

Tipps für eine bessere Schlafhygiene:

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Auch am Wochenende den gleichen Schlafrhythmus beibehalten wie an den Wochentagen.
  • Ausreichend Schlaf: Jeder Mensch hat ein anderes Schlafbedürfnis. Sorgen Sie für ausreichend Schlaf, um ausgeruht in den Tag starten zu können.
  • Vermeiden Sie Schlafmangel: Sorgen Sie schon unter der Woche für ausreichend Zeit zur Entspannung und lassen Sie einen Schlafmangel erst gar nicht entstehen.
  • Verzicht auf LED-Bildschirme: Verzichten Sie in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen darauf, LED-Bildschirme (zum Beispiel Smartphone oder Tablet) zu nutzen.
  • Behandlung von Schlafstörungen: Lassen Sie Ein- und Durchschlafstörungen behandeln, genauso wie Schnarchen oder nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe).

Weitere Trigger und ihre Vermeidung

Neben Schlafstörungen gibt es weitere Faktoren, die Migräne auslösen können:

  • Stress: Starker Stress kann dazu führen, dass in der Nacht vermehrt Kopfschmerzen auftreten. Versuchen Sie, Ihren Stresspegel zu reduzieren und langfristig etwas für die persönliche Entspannung zu tun. Ein Ansatz können Yoga- oder Atemübungen sein.
  • Koffein: Viele trinken unter der Woche täglich mehrere Tassen Kaffee, während sie an den freien Tagen wenig Koffein zu sich nehmen. Ein plötzlicher Koffeinentzug kann Migräne auslösen.
  • Alkohol: Alkohol ist ein bekannter Migränetrigger.
  • Wetterumschwünge: Bei dem einen sind es Wetterumschwünge, die Migräne auslösen.
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Bei anderen sind es bestimmte Nahrungsmittel.

Ein Migräne-Tagebuch ist eine gute Möglichkeit herauszufinden, welche Verhaltensweisen oder Einflüsse Ihre persönlichen Migränetrigger sind.

Das autonome Nervensystem und Migräne

Untersuchungen haben gezeigt, dass bei der Anbahnung einer Migräne-Attacke das autonome Nervensystem eine entscheidende Rolle spielt. Im Ruhezustand sorgt der Parasympathikus für eine energiesparende Schlagfrequenz. Bei Migräne-Betroffenen ist in der Nacht die energieerhaltende parasympathische Aktivität reduziert, und es kommt zu einem überwiegendem Sympathikotonus. Energiereserven werden stärker als nötig abgebaut.

Therapie und Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und vorzubeugen:

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  • Akuttherapie: Bei einem akuten Anfall können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen in Kombination mit Koffein helfen. Bei streng schlafgebundenem Kopfschmerz kann eine Tasse Kaffee vor dem Schlafengehen einer Kopfschmerzattacke vorbeugen.
  • Prophylaxe: Regelmäßiger und ausreichender Nachtschlaf, eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und Entspannung sind wichtig. Als Mittel der zweiten Wahl kämen Lithium und Indometacin zur Prophylaxe infrage.
  • Verhaltenstherapeutische Interventionen: Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen können zur Behandlung der Migräne eingesetzt werden.
  • Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerztherapie: Spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

Die Rolle von Schlaf in der Migräneprophylaxe

Schlaf kann sowohl Migräne auslösen als auch lindern. Es besteht die Hypothese, dass sich der Körper bei zu wenig Schlaf durch das Auftreten einer Migräneattacke eine Pause holt. Körperliche Aktivität würde die Schmerzintensität steigern, die Betroffenen müssen sich ins Dunkle zurückziehen. Bei zu viel Schlaf wird der gegenteilige Effekt angenommen: Die Migräneattacke weckt die Betroffenen am frühen Morgen auf.

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