Chlor ist ein weit verbreitetes chemisches Element, das in verschiedenen Bereichen eingesetzt wird, von der Desinfektion von Schwimmbadwasser bis zur Herstellung von Kunststoffen. Obwohl es nützliche Anwendungen hat, birgt Chlor auch erhebliche Gesundheitsrisiken, insbesondere bei Inhalation. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Schäden, die Chlor auf das Nervensystem und andere Körperfunktionen haben kann, und gibt einen umfassenden Überblick über die Gefahren und Schutzmaßnahmen.
Chlor: Ein Überblick
Chlor (Cl) ist ein grünlich-gelbes Gas mit stechendem Geruch, das zu den Halogenen gehört. Es ist ein sehr reaktives Element, das in der Natur fast ausschließlich in gebundener Form vorkommt. Chlor wird in der Industrie in großem Umfang für verschiedene Anwendungen verwendet, darunter:
- Wasseraufbereitung: Chlor wird zur Desinfektion von Trinkwasser und Schwimmbadwasser eingesetzt, um Keime abzutöten.
- Kunststoffherstellung: Ein Drittel des produzierten Chlors wird zur Herstellung von Vinyl verwendet. Es ist auch für die Produktion anderer Kunststoffe unerlässlich.
- Herstellung von Pestiziden und Medikamenten: Chlor wird in der Produktion von Pestiziden und Medikamenten als wichtiges Einsatzprodukt verwendet.
- Bleichmittel: Chlor wird aufgrund seiner bleichenden Wirkung verwendet, die durch die Entstehung von Salzsäure bei der Einleitung von Chlor in Wasser entsteht.
Trotz seiner vielfältigen Anwendungen ist Chlor giftig und kann erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen.
Gesundheitsrisiken durch Chlor
Chlor kann auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen, wobei die Inhalation die relevanteste ist. Die Auswirkungen von Chlor auf den Körper hängen von der Konzentration und der Expositionsdauer ab.
Auswirkungen auf das Nervensystem
Das Einatmen von Chlor kann schwerwiegende Auswirkungen auf das Nervensystem haben:
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- Zentrales Nervensystem: Quecksilber, das bei der Chlorherstellung freigesetzt wird, kann das zentrale Nervensystem schädigen, insbesondere bei Kindern. Niedrige Konzentrationen können bereits schädlich sein und die Gehirnentwicklung beeinträchtigen.
- Neurologische Symptome: Elementares Quecksilber, das durch Einatmen aufgenommen wird, kann neurologische Symptome hervorrufen.
Weitere gesundheitliche Auswirkungen
Neben den Auswirkungen auf das Nervensystem kann Chlor auch andere gesundheitliche Probleme verursachen:
- Atemwege: Chlor ist ein Reizgas, das starke Gewebereizungen und Verätzungen verursachen kann, insbesondere in den Atemwegen. Dies kann zu schweren Lungenschäden führen, die möglicherweise nicht vollständig reversibel sind. Eine akute Chlorgasvergiftung kann die Gesundheit nachhaltig schädigen.
- Augen: Der Kontakt mit Chlor kann schwere Augenreizungen verursachen.
- Haut: Flüssiges Chlor kann bei Hautkontakt massive Verätzungen verursachen.
- Magen und Speiseröhre: Das Verschlucken von Chlor in höheren Konzentrationen kann zu Verätzungen in Magen und Speiseröhre führen.
- Chronische Belastung: Regelmäßiger Chlorkontakt in geringerer Konzentration, wie er in bestimmten Berufen vorkommt, kann zu Reizzuständen der Atemwege und Einschränkungen der Lungenfunktion führen.
Chloramine in Schwimmbädern
In Schwimmbädern reagiert Chlor mit organischen Stoffen wie Urin, Schweiß und Speichel zu Chloraminen. Diese Verbindungen können die Atemwege reizen und insbesondere bei Schwimmbadangestellten, die langfristig exponiert sind, zu Atemwegsbeschwerden und -erkrankungen führen. Studien haben gezeigt, dass Schwimmlehrer häufiger an Sinusitis und Atemproblemen leiden.
Quecksilber und Chlorherstellung
Bei der Chlorherstellung wird Quecksilber verwendet, was zusätzliche Risiken birgt. Quecksilber ist ein giftiges Metall, das in der Umwelt weit verbreitet ist und sowohl für die Umwelt als auch für die menschliche Gesundheit eine Gefahr darstellt.
Quecksilberquellen
- Natürliche Quellen: Quecksilber wird auf natürliche Weise durch Gesteinsverwitterung, Vulkanausbrüche und Ausgasen aus der Erdkruste und den Ozeanen freigesetzt.
- Anthropogene Quellen: Menschliche Aktivitäten tragen erheblich zur Quecksilberbelastung bei, darunter die Verbrennung fossiler Brennstoffe, der Bergbau (insbesondere der Goldbergbau), die Metallindustrie, die chemische Industrie und die Abfallbehandlung.
Quecksilber in der Umwelt
Quecksilber durchläuft kontinuierlich Kreisläufe zwischen Luft, Boden und Wasser und stellt somit eine Quelle für die Exposition von Menschen und Tieren dar. Es wird in verschiedenen Industriezweigen verwendet, insbesondere in der Chemie-Industrie bei der Herstellung von Chlor und Natronlauge.
Quecksilber in der Nahrungskette
Quecksilber gelangt über verschiedene Wege in die Nahrungskette. Anorganische Quecksilberverbindungen können sich in Sedimenten ablagern und dort von Bakterien in die organische Form, z. B. als Methylquecksilber, umgewandelt werden. Methylquecksilber reichert sich in Meerestieren an und gelangt so in die Nahrungskette. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in langlebigen Raubfischen wie Haien, Schwertfischen und Thunfischen.
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Gesundheitliche Risiken durch Quecksilber
Das gesundheitliche Risiko von Quecksilber hängt von seiner chemischen Form ab:
- Elementares Quecksilber: Kann durch Einatmen neurologische Symptome hervorrufen.
- Anorganische Quecksilberverbindungen: Können bis zu 20 % absorbiert werden und hauptsächlich die Niere schädigen.
- Organische Quecksilberverbindungen (Methylquecksilber): Sind aufgrund ihrer hohen Toxizität und der Fähigkeit, sich im menschlichen Körper anzureichern, gesundheitsschädlicher. Sie können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und das Gehirn schädigen, was vor allem das Nervensystem betrifft. Besonders gefährdet sind Ungeborene und Kleinkinder, da deren sich entwickelndes Gehirn empfindlicher auf die Auswirkungen von Methylquecksilber reagiert.
Maßnahmen zur Minimierung der Risiken
Um die Risiken durch Chlor und Quecksilber zu minimieren, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich:
Schutzmaßnahmen bei Chlorexposition
- Erste Hilfe: Bei Augenkontakt sofortiges Spülen der Augen mit Wasser für mindestens zehn Minuten. Bei Hautkontakt kontaminierte Kleidung entfernen und die Haut gründlich mit Wasser spülen. Bei Inhalation an die frische Luft gehen und bei Atemnot Sauerstoff inhalieren.
- Arbeitsschutz: Arbeitsräume gut belüften, insbesondere im Bodenbereich. Sicherheitsventile in Gasanlagen installieren und Emissionsgrenzwerte einhalten. Mitarbeiter müssen Schutzkleidung tragen, einschließlich Sicherheitsschuhe, Atemschutz, Augenschutz und Handschutz.
- Sichere Lagerung und Handhabung: Chlor muss ohne Brandgefahr gelagert und vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Gasflaschen professionell lagern, nutzen und auf Dichtigkeit prüfen.
- Frühwarnsysteme: In gefährdeten Arealen zuverlässige Einrichtungen installieren, die Gasaustritt frühzeitig erkennen und melden.
Maßnahmen zur Reduzierung der Quecksilberbelastung
- Verzicht auf Quecksilber in Produkten: Die Kampagne "Null Quecksilber" zielt darauf ab, die Nachfrage nach Quecksilber und den Ausstoß auf Null zu reduzieren.
- Aufklärung: Projekte zur Aufklärung über die Gefahren von Quecksilber finanzieren, insbesondere in Regionen, in denen Quecksilber in religiösen Statuen oder anderen Alltagsgegenständen vorkommt.
- Umstellung der Chlorherstellung: Die Industrie soll so schnell wie möglich auf quecksilberfreie Technologien umstellen.
- Vermeidung von Fischarten mit hoher Quecksilberbelastung: Schwangere und stillende Frauen sollten bestimmte Fischarten meiden, die hohe Konzentrationen von Methylquecksilber aufweisen.
- Einhaltung von Grenzwerten: Die Höchstgehalte für Gesamtquecksilber in Lebensmitteln, insbesondere in Fischereierzeugnissen und Muscheln, müssen eingehalten werden.
Maßnahmen zur Reduzierung der Chloraminbelastung in Schwimmbädern
- Gute Belüftung: Hallenbäder müssen gut belüftet sein, um die Konzentration von Chloraminen in der Luft zu reduzieren.
- Regelmäßige Frischwasserzufuhr: Pro badender Person und Tag sollten 30 Liter Wasser entnommen und dem Pool wieder zugefügt werden.
- Vermeidung von Überchlorierung: Eine Überchlorierung des Poolwassers sollte vermieden werden, um die Entstehung von Trihalogenmethanen zu minimieren.
- Funktionierende Filteranlage: Die Filteranlage des Pools muss richtig funktionieren und das Wasser ausreichend im Becken zirkulieren.
Chloralhydrat
Chloralhydrat ist ein Sedativum und Hypnotikum, das seit den 1830er Jahren in der medizinischen Praxis verwendet wird. Es wird zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen eingesetzt und wirkt beruhigend und schlaffördernd.
Wirkungsweise
Chloralhydrat wird im Körper in die aktive Wirksubstanz Trichlorethanol umgewandelt, die ihre sedative und schlaffördernde Wirkung hauptsächlich über feste Komplexe mit GABA-Rezeptoren entfaltet.
Risiken und Nebenwirkungen
- Überdosierung: Bei Verdacht auf eine Überdosierung ist unverzüglich medizinische Hilfe einzuholen. Schwerere Fälle können Blutdruckabfall, Atembeschwerden, Atemdepression, Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit beinhalten.
- Langzeitige Einnahme: Bei langanhaltender Einnahme hoher Dosierungen können schleimig-blutige Durchfälle auftreten.
- Wechselwirkungen: Chloralhydrat kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Alkohol zeigen, die den hypnotischen Effekt verstärken.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Einnahme von Chloralhydrat während der Schwangerschaft und Stillzeit ist kontraindiziert.
- Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens: Die Einnahme von Chloralhydrat kann das Bewusstsein und somit auch das Reaktionsvermögen signifikant beeinträchtigen.
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