Eingeschlafene Hände und gereizte Nerven: Ursachen und Behandlungsansätze

Das Gefühl von eingeschlafenen Händen, begleitet von Kribbeln und Taubheit, ist ein weit verbreitetes Phänomen. In den meisten Fällen ist es harmlos und vorübergehend. Treten diese Symptome jedoch häufiger auf oder werden von Schmerzen begleitet, kann eine Nervenreizung oder -schädigung die Ursache sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für eingeschlafene Hände und gereizte Nerven und stellt die entsprechenden Behandlungsansätze vor.

Die Rolle der Nerven im Körper

Die Nerven durchziehen den gesamten Körper und spielen eine entscheidende Rolle bei der Reizverarbeitung und -weiterleitung. Sie nehmen Reize aus der Umwelt, wie Gerüche oder Geräusche, auf und leiten sie über elektrische Impulse weiter, um entsprechende Reaktionen auszulösen. Darüber hinaus steuert das Nervensystem die Funktion von Organen. Störungen oder Schädigungen der Nerven können daher vielfältige Symptome auslösen, darunter Kribbeln, Zucken oder Taubheit.

Symptome von Nervenstörungen

Die Symptome einer Nervenstörung können variieren. Typisch sind ein kribbelndes oder prickelndes Gefühl, das oft als "Ameisenlaufen" wahrgenommen wird, oder Taubheit. Auch Juckreiz oder Wärme- oder Kältegefühle, wie kalte Finger oder Fingerspitzen, können auftreten. Brennende oder stechende Schmerzen sind eher kennzeichnend für eine Nervenschädigung.

Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Jucken oder Brennen können vielfältige Ursachen haben. Allergische Reaktionen können beispielsweise Jucken oder Kribbeln am Rücken oder im Mund auslösen. Auch Insektenstiche, Hautschädigungen durch Sonnenlicht oder Kälte können die genannten Beschwerden verursachen.

Treten jedoch Empfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Prickeln ohne äußere Reize auf, kann eine Sensibilitätsstörung (Parästhesie) die Ursache sein. Eine Parästhesie kann vorübergehend oder dauerhaft (chronisch) sein. Die möglichen Ursachen variieren je nach Art der Sensibilitätsstörung.

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Vorübergehende Parästhesie

Vorübergehende Gefühle wie Kribbeln oder Taubheit können durch eine kurzzeitige Störung der Nerven ausgelöst werden. Dies kann passieren, wenn Nervenbahnen durch Druck oder starke Überdehnung in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Auch eine Störung des Blutflusses kann dazu führen, dass Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden, was wiederum eine Parästhesie zur Folge haben kann.

Viele Menschen kennen diese vorübergehenden Sensibilitätsstörungen, die oft als "eingeschlafene" Körperteile bezeichnet werden, meist Hände, Füße oder Beine, da hier Nerven und Blutbahnen besonders leicht gequetscht werden können.

Eine weitere Ursache für Nervenstörungen kann eine starke Unterversorgung mit Kalzium (Hypokalzämie) sein, wie sie beispielsweise bei Hyperventilation auftritt. Typisch sind dann ein Kribbeln an Lippen und Mund und/oder an Händen und Füßen.

Vorübergehende Parästhesien können auch bei Migräne auftreten. Die Gefühlsstörungen treten dann meist halbseitig auf und können sich auf bestimmte Körperstellen (wie Gesicht oder Hände) konzentrieren. Das unangenehme Kribbeln kann sich aber auch auf den ganzen Körper ausbreiten.

Chronische Parästhesie

Kribbeln, Prickeln oder Taubheitsgefühle können auch dauerhaft vorhanden sein.

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Schmerzende Nerven durch Nervenschädigung

Wird ein Nerv durch äußere Einwirkungen geschädigt, können nicht nur Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit auftreten, sondern auch brennende Nervenschmerzen. Man spricht dann von einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom Typ II (auch Kausalgie). Da die Entstehung mit Auslösern wie Quetschungen oder Knochenbrüchen einhergeht, sind von den Nervenschmerzen besonders oft Arme und Beine betroffen.

Neben den genannten Anzeichen können weitere Symptome hinzukommen.

Zucken der Muskeln: Was steckt dahinter?

Ein gelegentliches Muskelzucken ist in der Regel kein Grund zur Sorge und hat meistens nichts mit den Nerven zu tun. Solche Faszikulationen sind unwillkürliche Bewegungen kleiner Muskelgruppen, die optisch erkennbar sind, wenn sie direkt unter der Haut stattfinden. Mögliche Auslöser sind beispielsweise psychische Belastungen wie Stress, ein Mangel an Magnesium oder körperliche Überlastung.

Zuckungen der Muskeln beim Einschlafen kennen vermutlich die meisten. Warum es dazu kommt, ist wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt. Gegebenenfalls erzeugt die plötzlich eintretende Entspannung der Muskeln während des Einschlafens im Gehirn das Gefühl eines Fallens oder Stolperns. Als Reaktion auf diese "Gefahr" zuckt die Muskulatur.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass unterschiedliche Gehirnbereiche während des Einschlafprozesses unterschiedlich lange aktiv sind. Ist der Bereich, der die Muskelbewegung steuert, noch aktiv, kann er unnötigerweise Signale an die schon entspannte Muskulatur senden - diese zuckt daraufhin.

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Bei chronischen oder immer wieder auftretenden Muskelzuckungen sollten aber auch Krankheiten als Auslöser in Erwägung gezogen werden.

Kribbeln und Zucken in Kombination

Eine Krankheit, die sowohl zu Gefühlsstörungen als auch zu einem unwillkürlichen Zucken der Muskeln führen kann, ist die diabetische Polyneuropathie.

Ursachen für eingeschlafene Hände und gereizte Nerven

Die Ursachen für eingeschlafene Hände und gereizte Nerven sind vielfältig. Einige der häufigsten Ursachen sind:

  • Karpaltunnelsyndrom: Hierbei wird der Mittelnerv im Karpaltunnel, einem Kanal im Handgelenk, eingeengt. Dies kann zu Kribbeln, Taubheit und Schmerzen in Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger führen.
  • Ulnarisrinnensyndrom (Sulcus-Ulnaris-Syndrom): Hierbei wird der Ulnarisnerv im Bereich des Ellenbogens eingeengt. Dies kann zu Taubheitsgefühl und Kribbeln im kleinen Finger und Ringfinger sowie zu Schmerzen an der Handaußenkante führen.
  • Polyneuropathie: Dies ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt sind. Ursachen können Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Vitaminmangel, Vergiftungen, Medikamente, Infektionen oder Autoimmunerkrankungen sein. Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen, Taubheit und Schmerzen in Füßen und Händen.
  • Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Hierbei entzünden sich die Sehnenscheiden, die die Sehnen der Hand umhüllen. Dies kann zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
  • Eingeklemmter Nerv: Ein Nerv kann durch Druck von umliegendem Gewebe, wie Knochen, Knorpel, Muskeln oder Sehnen, eingeklemmt werden. Dies kann zu Schmerzen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche im betroffenen Bereich führen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere B-Vitamine (B1, B2, B6, B12) und Vitamin E, kann zu Nervenschäden und entsprechenden Symptomen führen.
  • Schwermetallvergiftung: Vergiftungen mit Schwermetallen wie Blei, Arsen, Thallium oder Quecksilber können Nervenschäden verursachen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, Interferone und Virustatika, können als Nebenwirkung Nervenschäden verursachen.
  • Diabetes mellitus: Diabetes kann zu einer diabetischen Polyneuropathie führen, die durch erhöhte Blutzuckerwerte verursacht wird. Eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte kann jedoch auch Nervenschäden verursachen.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden und Polyneuropathie führen.
  • Entzündliche Erkrankungen: Entzündliche Erkrankungen wie Borreliose, Gefäßentzündungen (Vaskulitis) oder Autoimmunerkrankungen können Nervenschäden verursachen.
  • Genetische Faktoren: Es gibt auch genetisch bedingte Polyneuropathien.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Eine vorübergehende Gefühlsstörung ist in der Regel kein Grund zur Besorgnis und verschwindet meist nach kurzer Zeit von selbst wieder. Bei chronischen Beschwerden und/oder Begleitsymptomen wie Lähmungserscheinungen, Schmerzen oder Sehstörungen sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden.

Dasselbe gilt für Muskelzucken: Tritt dies gelegentlich auf und ist von keinen weiteren Beschwerden begleitet, haben die Zuckungen normalerweise keinen Krankheitswert. Wenn es jedoch längere Zeit anhält oder immer wieder auftritt, sollte im Rahmen einer Untersuchung ärztlich überprüft werden, ob gegebenenfalls eine Erkrankung wie die Nervenkrankheit ALS oder eine Nierenerkrankung dahintersteckt. Bei dieser kommt es zu einem Ungleichgewicht von Mineralstoffen im Körper sowie zur Anlagerung von Stoffwechselprodukten, was die Funktion der Muskeln behindern kann.

Diagnose von Nervenstörungen

Die Diagnose von Nervenstörungen umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und neurologische Tests. Der Arzt wird nach den genauen Beschwerden fragen, die Krankengeschichte erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.

Zusätzlich können folgende diagnostische Verfahren eingesetzt werden:

  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Hierbei werden die Nervenleitgeschwindigkeit und die Reizantwortstärke der betroffenen Nerven gemessen. Eine Elektroneurografie kann beispielsweise feststellen, ob ein Karpaltunnelsyndrom vorliegt.
  • Elektromyographie (EMG): Hierbei wird die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen, um festzustellen, ob eine Nervenschädigung vorliegt.
  • Quantitative Sensorische Testung (QST): Hierbei werden verschiedene Gefühlstests an der Haut durchgeführt, um festzustellen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
  • Thermode: Hierbei wird das Temperaturempfinden exakt gemessen, indem computergesteuerte Temperaturreize eingesetzt werden.
  • Nerven-Muskel-Biopsie: Hierbei wird eine Gewebeprobe aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht, um festzustellen, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist.
  • Hautbiopsie: Hierbei wird eine Gewebeprobe aus der Haut entnommen und unter dem Mikroskop untersucht, um festzustellen, ob die dünnen, kleinen Nervenfasern der Haut betroffen sind (Small-Fiber-Neuropathie).
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können durchgeführt werden, um mögliche Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel, Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen zu identifizieren.
  • Liquoruntersuchung: Bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung kann das Nervenwasser (Liquor) untersucht werden.
  • Kernspintomographie (MRT): Eine MRT der Lendenwirbelsäule oder Halswirbelsäule kann erforderlich sein, wenn gleichzeitig eine zusätzliche Erkrankung, z.B. ein enger Spinalkanal, vermutet wird.
  • Genetische Untersuchungen: Die wichtigsten genetischen Ursachen lassen sich durch genetische Untersuchungen aus dem Blut heraus abklären.

Behandlungsansätze für eingeschlafene Hände und gereizte Nerven

Die Behandlung von eingeschlafenen Händen und gereizten Nerven richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Behandlungsansätze sind:

  • Konservative Maßnahmen:
    • Schonung und Ruhigstellung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Beschwerden verschlimmern. Eine Schiene kann helfen, das Handgelenk oder den Ellenbogen ruhigzustellen.
    • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, die Muskeln zu stärken und die Nerven zu entlasten. Gleichgewichtstraining kann bei Gangunsicherheit helfen.
    • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
    • Kortisonspritzen: Kortisonspritzen in den Karpaltunnel oder in die Nähe des betroffenen Nervs können die Beschwerden vorübergehend lindern.
    • Hausmittel:
      • Bewegung: Verändern Sie Ihre Position oder stehen Sie auf und gehen Sie ein paar Schritte, um die Durchblutung anzuregen.
      • Wechselduschen: Wechselduschen mit warmem und kaltem Wasser können die Durchblutung anregen und Gefühlsstörungen beheben.
      • Massagen: Sanftes Massieren der betroffenen Körperstellen, gegebenenfalls mit ätherischen Ölen wie Rosmarin- oder Ingweröl, kann die Durchblutung fördern.
      • Kühlen: Kühlen der entzündeten Sehne und des schmerzenden Muskelverlaufs kann helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Operative Maßnahmen:
    • Karpaltunnelspaltung: Bei einem Karpaltunnelsyndrom kann das Karpalband durchtrennt werden, um den Mittelnerv zu entlasten.
    • Ulnarisnerv-Dekompression oder -Transposition: Bei einem Ulnarisrinnensyndrom kann der Ulnarisnerv freigelegt und von einengendem Gewebe befreit oder verlegt werden.
    • Nervenrekonstruktion: Bei einem dauerhaft geschädigten Nerv kann versucht werden, die Nervenenden wieder miteinander zu vernähen oder durch Rekonstruktionen von Nervenfasern beide Endstücke zu verbinden.
  • Weitere Therapien:
    • Akupunktur: Akupunktur kann bei der Linderung von Schmerzen und Empfindungsstörungen helfen.
    • Elektrotherapie: Elektrotherapie, wie Stangerbäder oder TENS-Geräte, kann die Nerven stimulieren und Schmerzen lindern.
    • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): ESWT kann die Beschwerden bei einem Karpaltunnelsyndrom etwas lindern.
    • Naturheilkundliche Behandlungen:
      • Capsaicin-Creme: Capsaicin-Creme, eine Salbe aus spanischem Pfeffer, kann die Schmerzsensoren betäuben und gegen unangenehme Empfindungen wie Ameisenlaufen oder Schmerzen wirken.
      • Heilpflanzen: Einige Heilpflanzen wie Kalmus, Estragon, Salbei oder Kurkuma können bei Polyneuropathie hilfreich sein.
      • Helmkraut: Helmkraut kann das gesamte Nervensystem beruhigen.
      • Nachtkerzenöl: Die Einnahme von Nachtkerzenöl kann bei der Vorbeugung von Nervenschäden und möglicherweise bei milden Formen der diabetischen Polyneuropathie hilfreich sein.
      • Rizinusöl-Packungen: Die äußerliche Anwendung von Rizinusöl-Packungen kann bei manchen Menschen die Symptome der Polyneuropathie lindern.
    • Ernährungsumstellung und Nahrungsergänzungsmittel:
      • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist wichtig für die Nervengesundheit.
      • Vitamin-B-Komplex: Ein Vitamin-B-Komplex kann helfen, einen Mangel an B-Vitaminen auszugleichen.
      • Vitamin B1: Vitamin B1 kann die Beschwerden bei diabetischer Polyneuropathie lindern.
      • Vitamin B12: Ein Vitamin-B12-Mangel sollte ausgeglichen werden.
      • Vitamin D: Vitamin D gilt als wirksam für die Behandlung neuropathischer Symptome.
      • Magnesium: Magnesium beruhigt das Nervensystem.
      • Alpha-Liponsäure: Alpha-Liponsäure ist ein starkes Antioxidans, das bevorzugt zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie verwendet wird.
      • Uridinmonophosphat (UMP): UMP ist ein wichtiger Baustein für Nervenzellen und kann die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen.
    • Weitere Maßnahmen:
      • Stressmanagement: Stress kann Nervenschmerzen verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
      • Entgiftung: Maßnahmen zur Unterstützung der Entgiftungsorgane können bei Polyneuropathie hilfreich sein.
      • Rotlicht-Therapie: Die Rotlicht-Therapie kann bei vielen Beschwerden hilfreich sein.

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