Albert Einsteins Gehirn, ein Objekt von Faszination und intensiver wissenschaftlicher Untersuchung seit seinem Tod im Jahr 1955, steht im Zentrum einer fortwährenden Suche nach dem Ursprung seiner Genialität. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte der Forschung an Einsteins Gehirn, die beteiligten Personen, die erzielten Ergebnisse und die Kontroversen, die diese Bemühungen umgeben.
Der Diebstahl des Gehirns
Am 18. April 1955 starb Albert Einstein im Alter von 76 Jahren an inneren Blutungen in einem Krankenhaus in Princeton. Sein Wunsch war es, verbrannt zu werden, doch sein Gehirn verschwand kurz nach seinem Tod. Thomas Harvey, der Pathologe des Princeton Hospitals, entnahm das Gehirn heimlich während der Autopsie. Harvey behauptete, er wolle die Ursache für Einsteins Genialität erforschen, indem er sein Gehirn untersuchte. Er präparierte das Gehirn, legte es in Formalin ein und fotografierte es aus verschiedenen Perspektiven. Anschließend ließ er es in Zehntausende hauchdünne Scheiben schneiden und schickte Proben an verschiedene Forscher.
Die Forschung beginnt
Obwohl Harvey versicherte, im Dienste der Wissenschaft zu handeln, fehlte ihm die Expertise, um die Funktion einzelner Hirnareale zu beurteilen. Die Suche nach Anzeichen für Genialität in Gehirnen war seit dem Zweiten Weltkrieg rückläufig, und die ersten Untersuchungen von Einsteins Gehirn brachten keine besonderen Ergebnisse hervor. Harvey verließ später seine Familie und irrte mit den Hirnproben in Einmachgläsern durch die USA, wobei er als Fabrikarbeiter arbeitete und trank.
Wiederaufleben des Interesses
In den 1980er Jahren schickte Harvey erneut Proben von Einsteins Gehirn an Experten. 1985 untersuchte die Neuroanatomin Marian C. Diamond Einsteins Gliazellen und stellte im Bereich der unteren Scheitellappen, die für räumliche Vorstellung und mathematisches Denken zuständig sind, einen auffallend hohen Anteil fest. In den späten 1990er Jahren verglich die Neurowissenschaftlerin Sandra Witelson Einsteins Gehirn mit 91 Gehirnen von Personen durchschnittlicher Intelligenz und stellte fest, dass Einsteins Gehirn in dieser Region um 15 Prozent breiter war als die Vergleichsgehirne. Sie bemerkte auch das vollständige Fehlen der parietalen Opercula, wulstartige Hirnwindungen in den Scheitellappen. Britt Anderson von der University of Alabama stellte fest, dass Einsteins Hirnrinde dünner war als die der Vergleichsgehirne, was auf eine dichtere Packung der Neuronen hindeutet.
Neuere Erkenntnisse
2011 fand Dean Falk von der Florida State University eine außergewöhnliche Dicke von Einsteins Corpus callosum, das die beiden Hirnhemisphären verbindet. Sie argumentierte, dass die intensive Kommunikation zwischen den Gehirnhälften eine wesentliche Grundlage für kreatives, ganzheitliches Denken sei. Eine Studie von US-amerikanischen und chinesischen Forschern wertete detailgenaue Fotos von Einsteins Gehirn aus und stellte fest, dass seine Hirnhälften außergewöhnlich stark miteinander verknüpft waren. Sie maßen die Dicke einzelner Nervenstränge des Corpus Callosum und kamen zu dem Schluss, dass eine ungewöhnlich starke Verknüpfung beider Hirnhälften auf Einsteins überragende Intelligenz hinweist.
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Kontroversen und Kritik
Die Forschung an Einsteins Gehirn ist nicht ohne Kontroversen. Kritiker bemängeln methodische Fehler und die Tendenz, vorgefasste Ansichten zu bestätigen. Terence Hines von der Pace Universität argumentiert, dass die meisten Publikationen zu Einsteins Gehirn durch die Erwartung der Forscher verzerrt sind, publikationswerte Ergebnisse zu finden. Er weist darauf hin, dass jedes Gehirn einzigartig ist und dass die Betonung einzelner anatomischer Merkmale als Erklärung für Einsteins Genialität fragwürdig ist.
Ethische Fragen
Die Entnahme von Einsteins Gehirn durch Thomas Harvey ohne die Erlaubnis der Familie wirft ethische Fragen auf. Harvey verstieß gegen Einsteins ausdrücklichen Wunsch, eingeäschert zu werden, und handelte ohne rechtliche Grundlage. Obwohl Einsteins Sohn Hans Albert nachträglich sein Einverständnis gab, bleibt die Frage, ob die wissenschaftliche Neugier die Verletzung des persönlichen Willens rechtfertigt.
Das Vermächtnis von Einsteins Gehirn
Trotz der Kontroversen und der methodischen Einschränkungen hat die Forschung an Einsteins Gehirn wertvolle Einblicke in die Struktur und Funktion des menschlichen Gehirns geliefert. Die Studien haben gezeigt, dass Einsteins Gehirn in bestimmten Bereichen einzigartige Merkmale aufwies, wie z. B. einen hohen Anteil an Gliazellen in den unteren Scheitellappen und eine starke Verknüpfung der Hirnhemisphären. Obwohl diese Merkmale nicht als alleinige Ursache für Einsteins Genialität angesehen werden können, tragen sie möglicherweise zu seinen außergewöhnlichen kognitiven Fähigkeiten bei.
Die Suche geht weiter
Die Suche nach dem neurologischen Korrelat der Genialität ist noch lange nicht abgeschlossen. Zukünftige Forschung könnte sich auf die Untersuchung der Gehirne anderer hochbegabter Menschen konzentrieren und modernste bildgebende Verfahren einsetzen, um detailliertere Einblicke in die Gehirnstruktur und -funktion zu gewinnen. Es ist jedoch wichtig, die ethischen Implikationen solcher Studien zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass die Privatsphäre und der Wunsch der Verstorbenen respektiert werden.
Einsteins Gehirn heute
Die Scheibchen von Einsteins Gehirn befinden sich heute in verschiedenen Museen und Forschungseinrichtungen in den USA. Harveys Fotos vom Gehirn sind als App erhältlich, deren Erlös forschenden Museen für Wissenschaftsgeschichte zugute kommt. Einsteins Gehirn bleibt ein faszinierendes Objekt der wissenschaftlichen Forschung und ein Symbol für menschliche Genialität.
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