Eisbaden erfreut sich wachsender Beliebtheit. Befürworter preisen die positiven Effekte auf Immunsystem und Psyche. Doch was steckt wirklich dahinter? Kann Eisbaden tatsächlich bei Migräne helfen? Dieser Artikel beleuchtet die Studienlage, die potenziellen Vorteile und die Risiken des Eisbadens.
Einführung: Der Eisbaden-Trend
Das Eintauchen in eiskaltes Wasser, oft als Eis- oder Winterbaden bezeichnet, ist nichts für Zartbesaitete. Während Eisbaden meist das kurzzeitige Eintauchen in eiskaltes Wasser für Sekunden oder wenige Minuten bedeutet, beinhaltet Winterbaden oft auch Schwimmzüge. In den sozialen Medien finden sich zahlreiche Bilder von Menschen, die in eiskalten Seen baden, begleitet von Hashtags wie #Eisbaden oder #ColdWaterTherapy. Dieser Trend wirft die Frage auf, ob Eisbaden tatsächlich gesund oder möglicherweise sogar gefährlich ist.
Was ist Eisbaden?
Eisbaden bedeutet, sich für kurze Zeit in sehr kaltes Wasser zu begeben - meist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dabei handelt es sich nicht einfach um ein spontanes Hineinspringen, sondern um ein bewusstes, oft ritualisiertes Vorgehen. Ob im See, Fluss oder der Wassertonne: Der intensive Kältereiz fordert sowohl den Körper als auch den Geist heraus. Immer häufiger wird das Eisbaden mit gezielten Atemtechniken und mentaler Vorbereitung kombiniert - etwa im Rahmen der bekannten Wim-Hof-Methode oder im Kontext der weltweit praktizierten Cold Water Therapy. Ziel ist es, den Körper kontrolliert der Kälte auszusetzen, um positive Anpassungsreaktionen zu fördern. Dazu zählen u. a. eine bessere Durchblutung, gestärktes Immunsystem und erhöhte Stressresistenz.
Ursprung und Traditionen des Eisbadens
Eisbaden ist weit mehr als ein moderner Gesundheitstrend. Was heute oft als mutiger Selbstversuch oder Lifestyle gilt, hat in vielen Kulturen eine jahrhundertealte Tradition. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Das bewusste Eintauchen in eiskaltes Wasser wurde weltweit auf ganz unterschiedliche Weise praktiziert - als Ritual, Gesundheitsanwendung oder spirituelle Reinigung.
Nordische Traditionen: Sauna trifft Eisloch
In nordischen Ländern wie Finnland, Russland und Norwegen ist das Bad im eiskalten Wasser seit Jahrhunderten fester Bestandteil des Alltags. Besonders beliebt ist der Wechsel zwischen heißer Sauna und eisigem Tauchbad, der nicht nur die Durchblutung anregt, sondern auch als reinigendes Ritual gilt. Diese Kombination ist tief in der nordischen Lebensweise verwurzelt und wird oft gemeinschaftlich zelebriert - als körperliche und soziale Erfrischung.
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Asiatische Rituale: Reinigung durch Kälte
Auch außerhalb Europas spielt kaltes Wasser seit jeher eine Rolle in traditionellen Praktiken. In China und Japan beispielsweise wurde es als Teil spiritueller Reinigungszeremonien eingesetzt - mit dem Ziel, Körper und Geist zu stärken und von negativen Energien zu befreien. Diese kulturell tief verankerten Rituale zeigen, dass die wohltuende Wirkung von Kälte längst bekannt war, lange bevor das Eisbaden seine heutige Popularität in der westlichen Wellnesswelt erlangte.
Kneipps Hydrotherapie: Heilung durch Wasser
Im 19. Jahrhundert entwickelte der Pfarrer Sebastian Kneipp in Bad Wörishofen ein ganzheitliches Gesundheitskonzept, das bis heute bekannt ist. Zentraler Bestandteil: die Anwendung von Wasser in unterschiedlichen Temperaturen und Formen. Ob Wassertreten, kalte Güsse oder wechselwarme Bäder - Kneipp nutzte die Kraft des Wassers zur Stärkung des Immunsystems, zur Anregung des Kreislaufs und zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens. Seine Methode verband medizinisches Wissen mit naturverbundener Lebensweise und machte die Hydrotherapie in Europa populär.
Wie wirkt Eisbaden auf den Körper?
Beim Eintauchen ins eiskalte Wasser reagiert der Körper sofort: Die Blutgefäße verengen sich, der Blutdruck steigt, Atmung und Herzschlag beschleunigen sich. Gleichzeitig werden Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet, um den Organismus zu aktivieren. Nach dem Bad weiten sich die Gefäße wieder - das fördert die Durchblutung und Regeneration. Der Körper versucht, seine Kerntemperatur konstant zu halten. Kältereize stören dieses Gleichgewicht. Der Körper lernt dabei, diese Kältereize immer besser zu verarbeiten.
Mögliche Vorteile des Eisbadens
Eisbaden wird eine ganze Reihe positiver Wirkungen zugeschrieben:
- Herz-Kreislauf-System: Eisbaden gilt als gutes Training für die Gefäße. Es trainiert das Kreislaufsystem und macht es weniger kälteempfindlich.
- Stoffwechsel: Studien zufolge aktiviert Eisbaden das sogenannte braune Fettgewebe, das Kalorien in Wärme umwandelt und somit den Energieverbrauch erhöht. Es kann helfen, normales weißes Fett teilweise in braunes Fett umzuwandeln und diese braunen Fettzellen zu aktivieren.
- Immunsystem: Regelmäßige Aufenthalte im kalten Wasser können helfen, die Widerstandskraft gegen Infekte zu stärken. Der Kältereiz alarmiert die Abwehrkräfte.
- Psyche: Der Kälteschock kann positive Auswirkungen auf die Psyche haben. Beim Eintauchen ins eisige Wasser werden Adrenalin und Endorphine freigesetzt, was zu einem euphorischen Glücksgefühl führen kann. Eisbaden kann helfen, das Nervensystem zu steuern und mentale Stärke zu gewinnen.
- Mentale Gesundheit: Die Analyse von Studien deutet auf positive Effekte des Eisbadens auf die mentale Gesundheit hin.
- Schmerzlinderung: Kälte kann Nervenreizungen betäuben und Gelenkschmerzen reduzieren. Viele berichten von einer spürbaren Linderung bei chronischen Schmerzen, Migräne oder Rheuma.
- Entzündungshemmung: Eisbaden kann helfen, Entzündungen im Körper zu reduzieren.
Eisbaden und Migräne
Einige Menschen mit Kopfschmerzen oder Migräne berichten, dass ihre Beschwerden in Herbst und Winter zunehmen. Tatsächlich kann Kälte nachweislich einen eigenen Kopfschmerz auslösen, der dem Spannungskopfschmerz vergleichbar ist. Aber auch als Auslöser für Migräne-Attacken kann Kälte wirken.
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Eine besondere Form des durch Kälte ausgelösten Kopfschmerzes wird auch als „Hirnfrost“ oder mit dem englischen Begriff als „Brainfreeze“ bezeichnet. Ursache dafür ist der Genuss von besonders kalten Lebensmitteln wie zum Beispiel Eis oder geeisten Getränken. Im Körper gibt es bestimmte Signal-Aufnehmer (Rezeptoren), die in der Lage sind, Kälte wahrzunehmen. Kommen diese beispielsweise mit sehr kalten Getränken oder Eis in Kontakt, senden sie Signale an einen bestimmten Hirnnerven, nämlich den sogenannten Nervus trigeminus (der fünfte Hirnnerv). Man geht davon aus, dass der Nervus trigeminus ein Kältesignal an den Hirnstamm sendet. In der Folge kommt es zu einer Verengung der Blutgefäße zum Gehirn. Durch Eis oder kalte Getränke werden Kältereize im Gaumenbereich und im Rachen erzeugt, hierdurch ziehen sich die Blutgefäße schnell zusammen. Durch einen angeborenen Schutzreflex wird nun eine Gegenreaktion veranlasst: Die Gefäße erweitern sich wieder, damit die Versorgung des Gehirns nicht gefährdet wird. Dadurch erhöht sich der Blutfluss ins Gehirn.
Kryotherapie gegen Migräne
Die Urban Heroes haben eine Notarin auf die Kryotherapie Idee gebracht. Diese hat das für sich selbst ausprobiert und muss sagen: Mir bringt das enorm viel. Bei mir hat sich extrem viel getan. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich vier Wochen pausieren musste, nachdem ich den ganzen August über da war. Als ich sich etwas eingelesen habe in das Cryo Thema war ich echt begeistert, wie viel man damit heilen kann und hab mich gefragt, warum mich vorher keiner meiner Ärzte darauf aufmerksam gemacht hat.
Die Ärzte fanden das allesamt extrem spannend. Ich bin viel fitter und ausgeglichener geworden (vielleicht auch durch die Lunch Classes in der Red Zone), was sich positiv auf den Stresspegel und eben auch auf die Migräne auswirkt. Tatsächlich am Anfang gar nicht so wirklich, aber nach zwei Wochen habe ich Veränderungen an meinem Körper bemerkt, war besser gelaunt und hab mich besser gefühlt. Im September, als ich vorübergehend nicht mehr zur Cryo gehen konnte, habe ich er realisiert, wie gut es mir im August ging, als ich täglich da war. Aktuell gehe ich 4 Mal pro Woche hin. Im August war ich 2 Mal am Tag da, weil ich in einer Studie gelesen habe, dass man am Anfang eine Art Pegel aufbauen sollte, indem man eben zwei Mal täglich geht. Ich bin bei maximal 4 Tagen pro Monat - ich muss aber ehrlicherweise auch sagen, dass ich dazu medikamentöse Prophylaxe nehme. Als ich im August jeden Tag zwei Mal da war, hatte ein NULL TAGE!
Die Wim-Hof-Methode
Ein Name, der im Zusammenhang mit Eisbaden immer wieder fällt, ist der von Wim Hoff. Der Niederländer wird auch "the Iceman" genannt und hält zahlreiche Kälteweltrekorde. Die Methode, die er dafür nutzt und lehrt, basiert auf drei Säulen:
- Atmung: Eine spezielle Atemtechnik. Du solltest im wahrsten Sinne kein Warmduscher sein. Kälte sollte dir bekannt sein.
- Kältetherapie: Kaltes Duschen, Eisbaden oder die Wim-Hof-Methode - Kältetherapie gibt es in vielen unterschiedlichen Formen.
- Commitment: Übersetzt bedeutet es so viel wie Verpflichtung, diese Säule wird aber häufig als Meditation beschrieben.
In Kursen, die die Wim Hoff Methode vermitteln, machen die Teilnehmenden zunächst eine Atemübung und steigen nach einer Pause ins Eiswasser. Das soll verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit haben.
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Risiken und Kontraindikationen
Trotz aller Vorteile ist Eisbaden nicht für jeden geeignet. Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder anderen chronischen Leiden sollten vor dem Bad im kühlen Nass ärztliche Rücksprache halten. Auch bei Diabetes, Asthma oder Schilddrüsenproblemen ist Vorsicht geboten. Der plötzliche Kältereiz kann unvorbereitete Personen überfordern oder gar gefährden. Zum Beispiel kann die Kälte bei Durchblutungsstörungen am Herzen dort eine lebensgefährliche Gefäßverengung auslösen.
Wichtig: Bevor man ins kalte Wasser geht, sollte man sich einmal durchchecken lassen. Besonders Menschen mit Vorerkrankungen müssen vorsichtig sein. Denn nicht nur Mut und gute Nerven sind gefragt, wenn man mit dem Kaltbaden beginnen möchte - auch ein gesunder Kreislauf ist wichtig. Wer unter Herz- oder Gefäßproblemen leidet, für den ist das kalte Wasser tabu.
Tipps für ein sicheres Eisbaden
Wer mit dem Eisbaden beginnen möchte, sollte sich langsam herantasten:
- Vorbereitung: Der Körper sollte langsam an die Kälte gewöhnt werden. Eine gute Einstiegsmöglichkeit sind Wechselduschen, Wassertreten oder Schneetreten.
- Mentale Vorbereitung: Eine ruhige Atmung, eine positive Haltung und ein klares Ziel helfen, mit dem Kältereiz gelassener umzugehen.
- Aufwärmen: Vor dem Eisbaden sollte der Körper warm sein.
- Dauer: Die Verweildauer im Wasser sollte bei Einsteiger:innen wenige Sekunden bis maximal 1 bis 2 Minuten betragen.
- Nachbereitung: Abtrocknen, warme Kleidung anziehen, heiße Getränke genießen und den Körper aktiv wieder aufwärmen.
- Sicherheit: Beim Kaltbaden sollte man stets in einer Gruppe oder mindestens zu zweit sein - denn es besteht immer die Gefahr, einen Kälteschock zu erleiden. Springen Sie niemals ins Wasser! Der plötzliche Kälteschock kann lebensgefährlich sein. Besser: Gehen Sie vorsichtig ins Wasser, bis zum Oberkörper. Tauchen Sie nicht mit dem Kopf unter Wasser! Es droht Lebensgefahr, wenn feine Äderchen sich zusammenziehen und das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
- Kleidung: Beim Eisbaden trägt man Badebekleidung, idealerweise mit Mütze oder Badekappe tragen und Neoprensocken zum Schutz vor Wärmeverlust. Über den Kopf geht sehr viel Wärme verloren.
- Regelmäßigkeit: Eisbaden zwei- bis dreimal pro Woche reicht aus, um das Immunsystem zu stärken, die Durchblutung zu fördern und Stress zu reduzieren.
- Nur kurz: Das eisige Bad sollte nicht länger als fünf Minuten dauern - anschließend sofort warme Kleidung anziehen.
Was sagt die Wissenschaft?
Zwar steht die Forschung zum Eisbaden noch am Anfang, doch erste Studien zeigen klare Tendenzen: erhöhte Noradrenalin-Ausschüttung, bessere antioxidative Kapazität, weniger Entzündungsmarker. Auch positive Effekte auf Stimmung, Schlafqualität und psychische Widerstandsfähigkeit werden zunehmend bestätigt.