Seit Beginn der Industrialisierung werden vermehrt Metalle abgebaut, was zu einer steigenden Belastung der Umwelt mit toxischen Metallen führt. Diese Metalle können in den menschlichen Körper gelangen und dort schädliche Auswirkungen haben. Eine Schwermetallausleitung, insbesondere für das Gehirn, kann in solchen Fällen sinnvoll sein.
Ursachen und Wege der Schwermetallbelastung
Schwermetalle gelangen auf verschiedenen Wegen in unseren Körper:
- Umweltbelastungen: Feinstaub, Metallabrieb in Städten und Industriegebieten.
- Berufliche Exposition: Metallstaub oder -dämpfe in bestimmten Industrien.
- Amalgamfüllungen: Langfristige Freisetzung geringer Mengen Quecksilber.
- Metallgefäße: Kochen in Aluminiumtöpfen oder Trinken aus Bleirohren.
- Chemotherapie: Einige Chemotherapeutika können sich im Körper anreichern.
- Zigarettenrauch: Aufnahme von Kadmium durch Einatmen von Zigarettenrauch.
Auswirkungen von Schwermetallen auf den Körper
Im Organismus können Schwermetalle auf unterschiedliche Weise schädigend wirken:
- Zellstoffwechselstörung: Beeinträchtigung der Energieproduktion (ATP), was zu Erschöpfung, Abgeschlagenheit und "Gehirnnebel" führen kann.
- Blockade von Enzymsystemen: Störungen wie Haarausfall oder neurologische Ausfälle.
- Erhöhung des oxidativen Stresses: Triggerung von "stillen Entzündungen".
- Hormonsystem: Als sogenannte Xenoöstrogene können Schwermetalle auf das Hormonsystem wirken und gesundheitliche Probleme verursachen.
- Immunsystem: Schwermetalle können die Immunabwehr unterdrücken und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
Eine chronische Belastung mit Schwermetallen kann zahlreiche Erkrankungen hervorrufen oder verschärfen, darunter:
- Krebs
- Autoimmunerkrankungen (Rheuma, Hashimoto, Lupus, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Sjögren-Syndrom)
- Herzinfarkt und Schlaganfall
- Burnout
- Infertilität
Symptome einer Schwermetallvergiftung
Eine Schwermetallvergiftung kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die oft unspezifisch sind:
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- Chronische Müdigkeit und Schwäche
- Anhaltende Kopfschmerzen, Migräne oder Schwindel
- Konzentrationsprobleme, Ameisenlaufen oder "Brain Fog" (Gehirnnebel)
- Veränderungen der Stimmung, Reizbarkeit, Depressionen oder Angstzustände
- Schmerzen, Steifheit oder Schwäche in Gelenken und Muskeln
- Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder ein allgemeines Unwohlsein im Magen-Darm-Trakt
- Hautausschläge, Ekzeme oder eine Verfärbung der Haut
- Metallischer Geschmack im Mund
- Haarausfall
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen oder chronische Entzündungen
Diagnose einer Schwermetallbelastung
Die Diagnose einer Schwermetallbelastung erfolgt durch:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und möglicher Expositionsquellen.
- Schwermetallausleitungstest (CEMET): Verabreichung von Chelatbildnern und Nachweis der gebundenen toxischen Metalle im Urin.
- Mineralstoffanalyse im Blut: Aufschluss über den Status essenzieller Spurenelemente und gesundheitsgefährdender Metalle.
- Entzündungsmarker: Zytokine zeigen an, ob das Immunsystem bereits auf Belastungen reagiert.
Chelattherapie: Eine Möglichkeit zur Schwermetallausleitung
Die Chelattherapie ist eine Behandlungsmethode zur effektiven Entfernung von giftigen Schwermetallen aus dem Körper. Dabei werden Chelatbildner eingesetzt, Substanzen, die Schwermetalle binden und über den Urin ausscheiden.
Funktionsweise der Chelattherapie
Während der Behandlung wird der Chelator via Infusion in den Körper eingebracht, wo er sich mit den Schwermetallen verbindet. Diese Metall-Chelat-Komplexe werden dann über die Nieren ausgeschieden. Regelmäßige Urinanalysen überwachen die Wirkung der Behandlung und dokumentieren die Fortschritte, indem sie die Konzentration der ausgeschiedenen Schwermetalle messen.
Chelatbildner und ihre Anwendungsbereiche
Die Chelattherapie kann eine Vielzahl von Schwermetallen ausleiten, darunter Quecksilber, Blei, Gadolinium, Arsen, Cadmium und Aluminium. Die Wirksamkeit hängt vom spezifischen Chelatbildner ab, da alle unterschiedliche Affinitäten zu verschiedenen Metallen haben.
- EDTA (Ethylendiamintetraacetat): Effektiv für die Bindung von Blei, Cadmium und Gadolinium.
- DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure): Wird für die Ausleitung von Quecksilber, Platin und anderen Schwermetallen verwendet.
- DMSA (Dimercaptosuccinsäure): Besonders geeignet bei Quecksilber-, Blei- und Arsenvergiftungen.
Je nachdem welche Belastung vorliegt, werden die Chelatoren auch in Kombination eingesetzt.
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Ablauf der Chelattherapie
- Medizinische Untersuchung: Gründliche Diagnostik zur Ermittlung des Grades und der Art der Metallbelastung.
- Aufklärungsgespräch: Ausführliches Gespräch mit dem Patienten durch den behandelnden Arzt.
- Vorbereitung der Infusion: Festlegung der Art und Dosierung des Chelatbildners, abhängig von der zu behandelnden Metallbelastung.
- Infusion: Verabreichung der Chelate durch eine langsame Infusion in Kombination mit Spurenelementen, Vitaminen und Eisensupplementen (nicht bei Eisenüberschuss).
- Nachsorgeuntersuchungen: Regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen zur Bewertung der Wirksamkeit der Therapie und zur Verfolgung der Ausscheidung der Metalle.
Risiken und Nebenwirkungen der Chelattherapie
Die Chelattherapie gilt generell als nebenwirkungsarm. Während der Infusion kann ein metallischer Geschmack auftreten. Bei Eisenmangel (wird vorher ausgeschlossen) kann durch die Infusion für ca. 1 Tag Müdigkeit die Folge sein. Bei längerer, bzw. wiederholter Anwendung tritt gelegentlich ein Juckreiz oder Hautausschlag auf, der sich selbstständig zurückbildet.
Da sich Chelate auch mit Metallionen verbinden, die eine sinnvolle, wichtige Funktion im Organismus haben, müssen zusätzlich Spurenelemente bzw. Mineralstoffe substituiert werden, um Störungen im Elektrolythaushalt zu verhindern, die unter anderem zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen können.
Wissenschaftliche Bewertung der Chelattherapie
In der Schulmedizin werden Chelate vor allem zur Behandlung einer Schwermetallvergiftung eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete bestehen z. B. bei einer Eisenüberladung des Organismus oder bei einer Hypercalcämie (Calciumüberschuss) bei einer Niereninsuffizienz.
In der alternativen Medizin gibt es die Annahme, dass die calciumbindenden Eigenschaften der Chelate zur Behandlung der Atherosklerose (Arteriosklerose; Gefäßverkalkung) genutzt werden könnten. Hier wird die Chelattherapie zur Behandlung von Durchblutungsstörungen angewendet.
Die Kosten einer Chelattherapie gegen Atherosklerose werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Wissenschaftlichen Fachgesellschaften zufolge sind all diese Anwendungen der Chelat-Therapie aber nicht wirksam, haben keine wissenschaftliche Grundlage und können sogar gefährliche Nebenwirkungen haben.
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Alternative und unterstützende Maßnahmen zur Schwermetallausleitung
Neben der Chelattherapie gibt es weitere Ansätze zur Unterstützung der Schwermetallausleitung:
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit frischen Lebensmitteln, insbesondere Obst und Gemüse in Bio-Qualität, kann helfen, die Aufnahme von Schwermetallen zu reduzieren.
- Spurenelemente und Antioxidantien: Zink, Selen, Glutathion, Alpha-Liponsäure und sekundäre Pflanzenstoffe unterstützen das Immun-, Hormon- und Nervensystem, fördern die Entgiftung und schützen vor oxidativem Stress.
- Pflanzliche Mittel: Chlorella, Bärlauch und Koriander können die Ausleitung von Schwermetallen fördern.
- Darmreinigung: Vukanische Zeolithe können Ammoniumionen, Gär- und Verdauungsgase sowie unterschiedliche Toxine, Schwermetallbelastungen und radioaktive Nukleotide (Cäsium und Strontium) adsorbieren und ausscheiden.
- Orthomolekulare Medizin: Gezielter Einsatz von Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Mikronährstoffen zur Unterstützung der Gehirngesundheit und zur Reduzierung des Demenzrisikos.
Orthomolekulare Medizin zur Demenz-Prävention
Die orthomolekulare Medizin setzt auf die Versorgung des Körpers mit optimalen Konzentrationen natürlicher Mikronährstoffe, um Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Besonders in der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen - einschließlich neurodegenerativer Krankheiten - setzt die orthomolekulare Medizin auf hochwertige Vitalstoffe in teils hohen Dosierungen, stets unter individueller Anpassung an den Bedarf des Patienten.
Wichtige Mikronährstoffe zur Demenz-Prävention sind:
- B-Vitamine (B₆, B₁₂, Folsäure): Schützen Nervenzellen, senken Homocystein und beugen Hirnatrophie vor.
- Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende „Brain Food“-Fette, essentiell für Hirnmembranen und Synapsen.
- Vitamin D: Hormonähnliches „Sonnenvitamin“, wichtig für Immunfunktion und Schutzmechanismen im Gehirn.
- Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Neutralisieren freie Radikale im energiehungrigen Gehirn.
- Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und Gedächtnisbildung.
- Zink & Selen: Spurenelemente, essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen.
- Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle).
- Lithium (Spurenelement): In sehr kleinen Mengen essentiell fürs Gehirn.
Maßnahmen zur Minimierung der Schwermetallbelastung im Alltag
- Trinkwasserfilter: Verbesserung der Qualität des Leitungswassers.
- Abwechslungsreiche Ernährung: Auswahl an Lebensmitteln, um stärker belastete mit geringen belasteten Lebensmitteln abzuwechseln.
- Bio-Qualität: Kauf von Obst und Gemüse in Bio-Qualität.
- Sorgfältiges Waschen: Hände nach dem Schälen von belasteten Früchten reinigen sowie Obst und Gemüse vor dem Kochen und dem Verzehr waschen.
- Vermeidung von Zigarettenrauch: Reduzierung der Aufnahme von Kadmium.
- Mäßiger Verzehr von Wildpilzen: Nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche essen.
- Begrenzter Verzehr von Reis: Reis enthält häufig relativ viel Arsen.
- Aufmerksamkeit bei Wildbret: Wird Wild mit bleihaltiger Munition geschossen, findet sich im Fleisch eine erhöhte Menge Blei.
- Vorsicht bei Seefisch: Schwangere, Stillende und kleine Kinder sollten quecksilberhaltigen Seefisch (große Raubfische wie Thunfisch, Heilbutt, Aal) nur in Maßen verzehren.