Eisenmangel und seine Auswirkungen auf das Gehirn

Eisenmangel ist ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn beeinträchtigen kann. Eisen spielt eine entscheidende Rolle bei verschiedenen Stoffwechselprozessen, der Zellteilung, dem Immunsystem und dem Sauerstofftransport im Blut. Ein Mangel an diesem essentiellen Spurenelement kann daher vielfältige Symptome und Folgen haben, insbesondere für die Gehirnfunktion.

Eisenmangel: Eine globale Herausforderung

Eisenmangel ist die häufigste Mangelerkrankung weltweit und die Hauptursache für Blutarmut (Anämie). Schätzungen der WHO zufolge sind etwa 600 bis 700 Millionen Menschen von einer Eisenmangelanämie betroffen. Eisen ist ein lebenswichtiger Baustein für viele Stoffwechselvorgänge, insbesondere für den Sauerstofftransport im Körper.

Die Rolle von Eisen im Körper

Eisen ist ein essentielles Spurenelement, das für zahlreiche Körperfunktionen unerlässlich ist. Es ist Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der den Sauerstoff in den roten Blutkörperchen bindet und ihn im Körper verteilt. Darüber hinaus ist Eisen an der Bildung von Botenstoffen im Nervensystem und an Immunabwehrprozessen beteiligt.

Eisen ist unter anderem für den Sauerstofftransport im Körper zuständig. Der Sauerstoff ist an das Eisen in den roten Blutkörperchen gebunden und wird über den Blutkreislauf im Körper verteilt.

Bedarf und Risikogruppen

Der Körper benötigt eine bestimmte Menge Eisen, um alle eisenabhängigen Prozesse reibungslos zu gewährleisten. Der Bedarf variiert je nach Alter, Geschlecht und Lebensumständen. Menstruierende Frauen, insbesondere junge Mädchen, haben ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel, da bei ihnen der monatliche Blutverlust durch die Menstruation und der wachstumsbedingt erhöhte Eisenbedarf zusammenfallen. Aber auch Männer, Senioren und Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen können betroffen sein.

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Ursachen für Eisenmangel

Ein Eisenmangel entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen Eisenaufnahme und Eisenverlust gestört ist. Da der Körper Eisen nicht selbst herstellen kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Eine unausgewogene Ernährung, eine gestörte Eisenaufnahme im Darm oder ein erhöhter Eisenverlust durch Blutungen können zu einem Mangel führen.

Weitere Ursachen für Eisenmangel sind:

  • Unzureichende Eisenzufuhr: Eine nicht ausreichende Eisenzufuhr bedeutet, dass der Körper über längere Zeit nicht genügend Eisen mit der täglichen Nahrung aufnimmt. Das kann zum Beispiel bei einer sehr einseitigen Ernährung passieren - etwa wenn wenig oder kein Fleisch gegessen wird oder generell selten eisenreiche pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte oder grünes Gemüse auf dem Speiseplan stehen.
  • Gestörte Eisenaufnahme: Ein Eisenmangel kann ebenfalls auftreten, wenn der Körper das Eisen im Magen-Darm-Trakt nicht richtig aufnehmen kann, zum Beispiel infolge einer chronischen Darmerkrankung oder nach einer Magenoperation.
  • Erhöhter Eisenbedarf: Besonders während einer Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf stark an, da nicht nur die werdende Mutter, sondern auch das heranwachsende Baby mitversorgt werden muss. Auch in der Stillzeit bleibt der Bedarf erhöht, da über die Muttermilch Eisen an das Neugeborene weitergegeben wird. Ein weiterer wichtiger Zeitraum mit gesteigertem Eisenbedarf sind Wachstumsphasen im Kindes- und Jugendalter. Der Körper wächst rasant, neue Zellen werden gebildet - und dafür ist besonders viel Eisen erforderlich.
  • Erhöhter Eisenverlust: Das passiert vor allem, wenn der Körper regelmäßig Blut verliert - denn Eisen ist ein wichtiger Bestandteil des Blutes. Häufig unbemerkt bleibt zum Beispiel ein chronischer Blutverlust durch Magengeschwüre, die im Magen oder Zwölffingerdarm auftreten können. Auch Hämorrhoiden - also erweiterte Blutgefäße im Bereich des Enddarms - und Darmkrebs können wiederkehrende, oft unbemerkte Blutungen verursachen, die auf Dauer die Eisenspeicher leeren. Bei Frauen können starke Periodenblutungen zu Eisenmangel führen.
  • Eisenverwertungsstörungen: Trotz ausreichender Eisenzufuhr kann es passieren, dass der Körper das Eisen nicht richtig verwerten kann und es so zu einem relativen Eisenmangel kommt.

Symptome von Eisenmangel

Ein Eisenmangel kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen und hängt davon ab, wie stark der Vitalstoffmangel ausgeprägt ist und wie schnell er entstanden ist. Die Symptome sind vielfältig und oft unspezifisch, weshalb das Defizit häufig lange unentdeckt bleibt.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Müdigkeit und Erschöpfung: Ein Gefühl der Müdigkeit ist eines der häufigsten Symptome des Eisenmangels. Da zu wenig Hämoglobin im Körper vorhanden ist, werden die Muskeln mit weniger Sauerstoff versorgt. Durch die Anstrengung des Herzens und den dadurch entstehenden Energieverlust kommt es dabei zu Müdigkeit und einem Schwächegefühl. Doch eine anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, die auch tagsüber auftritt und nicht auf Schlafmangel zurückzuführen ist, kann die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark einschränken.
  • Blässe: Blasse Haut oder blaue Augenringe gehören auch zu den häufigsten Anzeichen von Eisenmangel. Da Hämoglobin neben dem Sauerstofftransport auch die rote Farbe des Blutes ausmacht, ist das Blut bei Menschen mit Eisenmangel weniger rot. Die Farbe der durchbluteten Haut erscheint dadurch blasser. Neben der Haut am Gesicht können auch das Zahnfleisch und die Lippen blasser erscheinen.
  • Kurzatmigkeit: Da Hämoglobin die Muskeln und Organe eines Menschen mit Sauerstoff versorgt, um uns am Leben zu halten, muss es beim Eisenmangel durch andere Wege den notwendigen Sauerstoffgehalt aufrechterhalten. Der Körper erhöht deshalb automatisch die Atemfrequenz, um den Verlust auszugleichen.
  • Kopfschmerzen und Schwindel: Seltener treten bei Eisenmangel Kopfschmerzen und Schwindel auf. Man vermutet, dass durch den durch Eisenmangel verursachten Hämoglobinmangel nicht genügend Sauerstoff das Gehirn erreicht. Dadurch erhöht sich der Druck im Hirnwasser und verursacht Kopfschmerzen und Schwindel.
  • Herzklopfen: Deutlich spürbare Herzschläge werden Herzklopfen genannt. Bei Eisenmangel muss das Herz härter arbeiten als sonst, um den wenigen Sauerstoff ausreichend zu transportieren. Dadurch kann es zu unregelmäßigen Herzschlägen kommen bis hin zu auffälligem Herzklopfen.
  • Trockene Haut und Haare: Ein weiteres Zeichen können ein trockenes und geschädigtes Hautbild und Haare mit demselben Erscheinungsbild sein. Durch den verursachten Sauerstoffmangel bei Eisenmangel gelangt nicht ausreichend Sauerstoff in Haut und Haare. Die Haarwurzeln werden mangelhaft versorgt und es kommt zu Haarausfall.
  • Weitere Symptome: Weitere Zeichen von zu wenig Eisen können neben spröden Fingernägeln, Krabbel- oder Juckreizgefühl in den Beinen auch Heißhunger, Depressionen oder kalte Hände und Füße sein. Da Eisen neben dem Sauerstofftransport in den roten Blutzellen auch für das Immunsystem wichtig ist, kann ein Mangel von Eisen das Infektionsrisiko erhöhen.

Eisenmangel und seine Auswirkungen auf das Gehirn

Eisen spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und Funktion des Gehirns. Es ist an der Sauerstoffversorgung des Gehirns, der Bildung von Neurotransmittern und der Erhaltung gesunder Gehirnzellen beteiligt. Ein Eisenmangel kann daher verschiedene kognitive Funktionen beeinträchtigen.

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Unser Gehirn benötigt Eisen: nach der Geburt im Babyalter für die Hirnreifung, im Kinder- und Jugendlichenalter für eine gesunde geistige Entwicklung während des Heranwachsens und in jeglichem Alter/Lebensabschnitt für kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Lernvermögen.

Eisen und die Entwicklung des Gehirns

Eisen ist besonders wichtig für die Entwicklung des Gehirns bei Neugeborenen und Kindern. Es spielt eine Rolle bei der Hirnreifung und der gesunden geistigen Entwicklung während des Heranwachsens. Hirnscans von Kindern und jungen Erwachsenen zeigen, dass der Eisengehalt in bestimmten Gehirnregionen während der normalen Entwicklung ansteigt und mit den kognitiven Fähigkeiten verbunden ist.

Eisen und kognitive Funktionen

Auch im Erwachsenenalter ist Eisen für kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Lernvermögen unerlässlich. Ein Eisenmangel kann sich negativ auf die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit auswirken und zu kognitiven Defiziten führen.

Eisen und Neurotransmitter

Eisen hat einen Einfluss auf die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Es ist Teil eines Enzyms, das Dopamin im Gehirn herstellt. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der an verschiedenen Prozessen wie Verhalten, Stimmung, Aufmerksamkeit, Schlaf, Lernen und motorischer Aktivität beteiligt ist. Bei einem Eisenmangel kann das Enzym nicht mehr richtig arbeiten, sodass zu wenig Dopamin zur Verfügung steht. Dies kann weitreichende Folgen haben und mit Erkrankungen wie dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) oder dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) in Zusammenhang stehen.

Patienten mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivi­tätsstörung ADHS haben einen erhöhten Dopaminbedarf im Gehirn. Da für die Synthese Eisen benötigt wird, kann es zu einem Eisenmangel im Striatum kommen.

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Eisen und die Basalganglien

In den Basalganglien im Gehirn, in der eingehende Informationen gefiltert und dazu passende Handlungsmuster ausgewählt werden, findet sich besonders viel Eisen. Forscher konnten zeigen, dass der Eisengehalt des Gehirns in den Basalganglien während des Heranwachsens stetig ansteigt. Wenn in einer dieser Subregionen, dem Putamen, die Eisenmenge abnahm, so korrelierte dies mit einer Leistungsbeeinträchtigung bei Aufgaben, die das Denken und die räumliche Verarbeitung betrafen.

Eisenmangel und neurologische Erkrankungen

Studien haben gezeigt, dass Eisenmangel mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen in Verbindung stehen kann. Dazu gehören:

  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Menschen mit tendenziellem Eisenmangel wie Schwangere, Nierenpatienten und regelmäßige Blutspender haben eine erhöhte RLS-Neigung. In der Substantia nigra, einer Hirnregion, die an der Bewegungssteuerung beteiligt ist, sei der Eisengehalt bei familiärem RLS deutlich vermindert.
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS): Patienten mit ADHS haben einen erhöhten Dopaminbedarf im Gehirn. Da für die Synthese Eisen benötigt wird, kann es zu einem Eisenmangel im Striatum kommen.
  • Parkinson-Krankheit: Bei Menschen mit Parkinson verteilt sich Eisen auf ungewöhnliche Weise im Gehirn. Eine Studie des DZNE zeigte, dass der Nucleus dentatus - eine Region des Kleinhirns - bei Parkinson-Patienten einen verringerten Eisengehalt aufweist.

Diagnose von Eisenmangel

Bei Verdacht auf Eisenmangel sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Blutuntersuchung, bei der verschiedene Eisenwerte bestimmt werden. Dazu gehören:

  • Eisen: Gibt den Eisengehalt im Blut an.
  • Hämoglobin: Gibt die Menge des roten Blutfarbstoffs im Blut an.
  • Ferritin: Gibt die Menge des gespeicherten Eisens im Körper an.
  • Blutbild: Gibt Auskunft über die Anzahl und Beschaffenheit der roten Blutkörperchen.

Bei Verdacht auf innere Blutungen als Ursache für den Eisenmangel können weitere Untersuchungen wie ein Ultraschall des Bauches oder eine Magen- oder Darmspiegelung durchgeführt werden.

Behandlung von Eisenmangel

Die Behandlung von Eisenmangel richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad des Mangels. In den meisten Fällen kann ein Eisenmangel durch eine Anpassung der Ernährung und/oder die Einnahme von Eisenpräparaten behoben werden.

Ernährungsumstellung

Eine ausgewogene Ernährung mit eisenreichen Lebensmitteln ist die Grundlage jeder Behandlung. Zu den besonders eisenreichen Lebensmitteln gehören:

  • Fleisch: Rotes Fleisch, insbesondere Leber, ist eine gute Eisenquelle.
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen und Erbsen sind reich an Eisen.
  • Vollkornprodukte: Vollkornbrot und -nudeln enthalten mehr Eisen als Weißmehlprodukte.
  • Grünes Gemüse: Spinat, Grünkohl und Mangold sind gute pflanzliche Eisenquellen.

Die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln kann durch die Kombination mit Vitamin C-haltigen Lebensmitteln verbessert werden.

Eisenpräparate

Bei einem ausgeprägten Eisenmangel oder wenn die Ernährungsumstellung nicht ausreicht, können Eisenpräparate eingenommen werden. Die Einnahme sollte jedoch immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, da eine Überdosierung von Eisen schädlich sein kann.

Weitere Maßnahmen

Bei Blutungen als Ursache für den Eisenmangel müssen diese behandelt werden. In schweren Fällen kann eine Bluttransfusion erforderlich sein.

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