Neurologie Kongress Eisenstadt: Individualisierte Medizin im Fokus

Die Neurologie erlebt einen Paradigmenwechsel hin zur individualisierten Medizin. Dies spiegelte sich auch im Neurologie Kongress in Eisenstadt wider, der aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Akut- und Notfallmedizin thematisierte.

Jahrestagung der Österreichischen Schlaganfallgesellschaft (ÖGSF)

Die 25. Jahrestagung der Österreichischen Schlaganfallgesellschaft (ÖGSF) in Eisenstadt stand unter dem Motto „Immer weniger one size fits all, immer mehr to each his own“. Dieses Motto verdeutlicht den Trend in der Medizin, Behandlungen stärker auf die individuellen Bedürfnisse und Charakteristika der Patienten zuzuschneiden.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Kongresspräsident Prim. Dr. Dimitre Staykov, Vorstand der Abteilung für Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt, und die Präsidentin der ÖGSF, OÄ Priv.-Doz. Dr. Julia Ferrari, stellten in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten ein abwechslungsreiches Programm zusammen. Diese Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen ist essenziell, um eine umfassende und patientenzentrierte Versorgung zu gewährleisten.

Weitere Neurologie-Kongresse und Tagungen

Neben der Jahrestagung der ÖGSF fanden und finden regelmäßig weitere wichtige Veranstaltungen im Bereich der Neurologie statt:

  • Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
  • Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie im Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt
  • Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie mit Fortbildungsakademie
  • DGN-Kongress

Diese Kongresse dienen dem Austausch neuester Forschungsergebnisse, klinischer Erfahrungen und innovativer Therapieansätze.

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ANIM - Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin

Ein weiteres bedeutendes Ereignis ist die ANIM - Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin, die als gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) stattfindet. Die ANIM bietet eine Plattform für den interdisziplinären Dialog zwischen Neurologen, Intensivmedizinern und anderen Fachkräften, die an der Versorgung von Patienten mit akuten neurologischen Erkrankungen beteiligt sind.

Schwerpunkte der ANIM

Die ANIM-Tagungen greifen aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Neurointensivmedizin auf. Zu den Schwerpunkten gehören:

  • Neurorehabilitation
  • Neuropsychologie
  • Prognose-Scores auf Intensivstationen
  • Ethische Grenzentscheidungen

Neurorehabilitation und Neuropsychologie

Die ANIM hat erkannt, dass neuropsychologische Störungen die Lebensqualität von Patienten nach schweren neurologischen Ereignissen entscheidend beeinflussen. Daher wird der Neurorehabilitation und Neuropsychologie eine größere Bedeutung beigemessen. Es ist wichtig, frühzeitig zu entscheiden, wie weit in der Therapie gegangen werden soll, um eine bestmögliche Lebensqualität für die Patienten zu erreichen.

Herausforderungen in der Neurointensivmedizin

Die Neurointensivmedizin steht vor neuen Herausforderungen, die unter anderem durch die alternde Bevölkerung, die verkürzten Aufenthaltsdauern in den Kliniken und die Fortschritte in der Akuttherapie bedingt sind. Es ist wichtig, die Langzeitprognose der Patienten nicht aus den Augen zu verlieren und Behandlungsstrategien entsprechend anzupassen.

Schlaganfallbehandlung im Fokus

Die ANIM thematisiert nicht nur Optionen effektiver Schlaganfallbehandlung, sondern auch Fragen einer übergeordneten Perspektive: „Was können wir? Was wollen wir? Und was ist wirklich zum Wohle der Patienten?“

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Intensivmedizin im hohen Alter

Ein wichtiges Thema ist die Intensivmedizin im hohen Alter. Studien zeigen, dass sowohl die systemische Thrombolyse als auch die interventionelle Thrombektomie auch im höheren Alter beim akuten ischämischen Schlaganfall erfolgreich durchgeführt werden können. Das Alter sollte daher nicht das alleinige Kriterium sein, um über Therapien zu entscheiden. Auch für das Krankheitsbild der Hirnblutung (ICB) und die Subarachnoidalblutung (SAB) sollte das Alter kein Ausschlusskriterium für eine Therapie sein.

Prognose und ethische Aspekte

Es wird jedoch davor gewarnt, „zu viel erwartet bei jedem Krankheitsbild und in jedem Alter“. Zahlreiche Sitzungen thematisieren die längerfristige Prognose und - auch ethische - Grenzentscheidungen. Es ist wichtig, in der Akutsituation bereits eine tragfähige Auskunft über die Zukunft geben zu können, um Behandlungsoptionen sinnvoll zu vermitteln und klug einzusetzen.

Joint Meeting mit der Neurocritical Care Society (USA)

Ein Highlight der ANIM war das Joint Meeting der DGNI mit der Neurocritical Care Society (USA). Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Erarbeitung von zwei Positionspapieren zu den Themen „Prognostication in neurocritical care“ und „Post ICU syndrome“. Die deutsch-amerikanischen Diskussionen zeigten, dass es wichtig ist, offen an die aktuellen Probleme heranzugehen, gemeinsam über neue Entwicklungen nachzudenken und interdisziplinär über die Grenzen des eigenen Faches hinauszugehen.

Angst und traumatisches Gedächtnis

Einblick in die Biochemie des traumatischen Gedächtnisses lieferte Prof. Dr. Gustav Schelling. Er erläuterte, über welche Wege sich traumatische Erinnerungen im Gehirn konsolidieren und dann für den Abruf auch in unspezifischen Situationen in den Vordergrund drängen können. Interessant und praxisrelevant für die Kollegen im voll besetzten Auditorium: die unterschiedlichen Effekte von Anästhetika und Sedativa auf das traumatische Gedächtnis. Der neurobiochemische Ansatz hat so Bedeutung für mögliche Sedierungskonzepte.

Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG)

Der Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG) lädt dazu ein, neue Perspektiven auf das Alter(n) zu eröffnen - offen für Beiträge aus unterschiedlichsten Disziplinen. Im Zentrum steht nicht nur die Vielfalt fachlicher Zugänge, sondern auch der Anspruch, Geriatrie und Gerontologie zukunftsfähig zu gestalten. Die Veranstaltung bietet eine wertvolle Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, Impulse aus der Praxis und Forschung zu teilen und in den offenen Dialog zu treten.

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Weitere Themen im Kontext von Neurologie und Gesellschaft

Im weiteren Kontext von Neurologie und Gesellschaft spielen auch Themen wie Schuldgefühle, Persönlichkeit, Genetik, Religiosität und seelische Gesundheit eine Rolle. Diese Aspekte können das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Patienten mit neurologischen Erkrankungen beeinflussen.

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